Internet ohne Anonymität?

5 Gründe für anonyme Risikovoranfragen

Die Anonymität im Internet ist immer wieder ein heiß diskutiertes Thema im Internet. Klarnamen werden von Websites immer häufiger gefordert und empören dadurch ihre Nutzer. Begründet wird das mit einer besseren Möglichkeit sich mit Freunden und Bekannten auszutauschen, sie leichter in Netzwerken wie Facebook zu finden oder sich leichter beruflich zu vernetzen. Zudem soll es dem Staat helfen Verbrechen auf zuklären, indem Personen im Netz leichter zu identifizieren sind, wenn sie dort denselben Namen tragen wie auf ihrem Ausweis.

Die Aufhebung der Anonymität hört sich demnach nach einer guten Idee an, weshalb lehnen also so viele Internetnutzer diese ab?

Häufig ist Anonymität der Grund warum Leute überhaupt ins Internet gehen. Sie ermöglich einem Dinge zu kaufen, zu fragen oder zu äußern für die man in seinem alltäglichen Umfeld komisch angeschaut werden könnte. Viele Menschen sind im Internet mutiger und fühlen sich freier, weshalb es ihnen leichter fällt ihre ehrliche Meinung zu sagen, ohne in Gefahr zulaufen von der Gesellschaft verstoßen oder persönlich angegriffen zu werden. Sie schützt also Menschen mit Minderheitsmeinungen und ungewöhlichen Interessen vor Bloßstellung, aber auch vor rechtliche Konsequenzen. Personen in autoritären Regimen nutzen beispielsweise den Schutz des Internets für ihre ungestrafte Meinungsäußerung, oder auch die Organisation von Protesten und Putschen. Die Funktion der Anonymität ist also in erster Linie Schutz. Schutz der Privatsphäre, Schutz der Person hinter einem falschen Namen.

Natürlich darf hier nicht vergessen werden, dass kriminelle Vereinigungen ebenfalls vom Schutz dieser Eigenschaft des World-Wide-Web profitieren. Schließlich sind kriminelle Aktivitäten der Grund warum die Forderungen nach der Auflösung der Anonymität immer lauter werden. Es ist jedoch schwierig von allen Verbrechern eine Offenlegung ihrer Identität im Internet zufordern, da sie diese in der Regel nicht preisgeben möchten. Damit dieses Prinzip funktioniert müsste man das von allen Teilnehmern des Internets verlangen. Unter dem Aspekt der Kriminalität dürfte das für uns Normalbürger ja kein Problem sein, wir haben doch nichts zu verstecken und sollte nicht sowieso jeder zu seiner Meinung stehen ?

Die Theorie der Schweigespirale bietet hier eine Begründung: Sie besagt, dass Menschen dazu neigen ihre Meinung für sich zu behalten, wenn sie davon ausgehen, dass die Mehrheit gegenteiliger Meinung ist. Jeder Mensch hat Angst vor Isolation und Ausgrenzung und möchte demnach dazu gehören. Mit Hilfe des Internets ist es möglich seine Meinung zu äußern ohne zu befürchten als Außenseiter dazustehen, denn wer nicht weiß wer ich bin, kann mich nicht ausschließen.

Anonymität ist also die Basis für Meinungsfreiheit, beinhaltet aber auch die Möglichkeit Interessen voneinander zu trennen. Homosexualität ist ein sehr beliebtes beispiel, da es leider immer noch Menschen gibt, die mit dieser Form der Liebe nicht umgehen können. Dennoch sollten homosexuelle Menschen die Möglichkeit haben zu solchen Themen zu recherchieren und sich in entsprechenden Foren auszutauschen, auch wenn sie noch nicht bereit sind das mit ihrem Umfeld zu teilen. Eine Forderung nach Klarnamen in solchen Online-Foren würde ihre Nutzer maßgeblich einschränken, da es nun Hemmungen zu überwinden gilt, die in einer anonymen Atmosphäre nicht da wären.

Wir wollen also einerseits Verbrecher identifizieren, uns aber andererseits nicht  vor dem Internet entblößen.

Die Lösung: Pseudonyme

Zunächst sollte man die Begriffe Anonymität und Pseudonyme differenzieren: Anonymität beschreibt eine totale Verfremdung gegenüber dem Netzbetreiber und deren Nutzern. Bei einem Pseudonym handelt es sich lediglich um einen sogenannten „Nickname“, der anderen Nutzern angezeigt wird. Dem Betreiber der Seite ist es allerdings möglich die Identität der Nutzer anhand den verlangten Anmeldeinformationen aufzudecken. Ein Pseudonym ist also nicht gleich anonym! Es werden also Nicknames gebildet, die unsere Identität vor Freunden und Bekannten verschlüsselt, aber im Fall eines Verbrechens der Polizei offenbart werden kann. Soweit so gut, jedoch darf man nicht vergessen, dass Seiten wie Facebook und Google unsere Identität, die ihnen ja bekannt ist, nutzen um auf uns zugeschnittene Werbeanzeigen zu erzeugen und dafür unsere Daten an Dritte weitergeben.

Ich glaube, dass Anonymität im Netz zwar eine schöne Idee ist, aber immer mehr ein Ding der Unmöglichkeit sein wird. Man kann kaum an Social Media teilhaben ohne etwas von sich preis zugeben und der technische Fortschritt geht immer weiter, sodass es schwierig wird sich auf die Anonymität zu verlassen. Wenn Organisationen wie die NSA Informationen über einen wollen, werden sie die auch bekommen. Da hilft nur sich entweder ganz aus dem Internet raus zuhalten (was zunehmend schwerer werden wird), oder die persönlichen Angaben auf ein Minimum zu reduzieren.

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Linda Watzl

Kommunikationswissenschaft

Otto-Friedrich-Universität

 

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