Klassische und soziale Medien in Russland

In Russland existieren derzeit rund 66.000 Medien. Davon sind 5.200 TV-Sender, 3.700 Radio-Sender, 28.500 Zeitungen und 21.500 Zeitschriften. Für den Großteil der Bevölkerung ist das Fernsehen die Hauptinformationsquelle. Der Fernsehsender mit der größten Reichweite ist der erste Kanal: Perwyj-Kanal. Dieser befindet sich mehrheitlich in staatlicher Hand. Die beliebteste Zeitung ist der Moskauer Komsomolze.

‚Medien in Russland‘ – das ist ein heikles Thema. Die russische Verfassung Kapitel 2, Artikel 29 garantiert die Freiheit der Meinung und des Wortes, sowie die Medienfreiheit. Feindseliege Äußerungen im sozialen, rassistischen, nationalen und religiösen Bereich, sowie Zensur sind verboten. Die Voraussetzungen für eine unabhängige Presse mit freier Meinungsäußerung scheinen gegeben zu sein. Doch Journalisten in Russland stehen unter staatlicher Beobachtung. Bei kritischen Äußerungen können Tageszeitungen eingestellt und Chefredakteure entlassen oder festgenommen werden. Es existiert eine schwarze Liste der Regierung, auf welcher kritische Reporter aufgelistet sind. Diese wird von dem russischen Staatssicherheitsdienst FSB angefertigt.

Journalisten mussten in der Vergangenheit schon oft mit ihrem Leben bezahlen. In den vergangenen 20 Jahren gab es über 300 getötete Journalisten. Die Redakteure wissen heute genau, wie weit sie gehen dürfen. Kritik wird nur verdeckt geäußert. Oft unterschreibt das ganze Ressort einen kritischen Artikel, sodass selten ein einzelner Name unter einem Artikel steht. Journalisten sehen ihre Arbeit zudem eher als beschreibend als kommentierend an.

Die Aufsichtsbehörde für Massenmedien, Kommunikation und den Schutz des kulturellen Erbes „Roskomnadsor“ kontrolliert alle Medien und Kommunikationsmittel, darunter auch das Internet und die Telekommunikation mitsamt ihren Inhalten.

Soziale Medien

Auch in Russland gewinnen soziale Medien immer mehr an Bedeutung. Am Anfang galt das Internet in Russland als das freieste Medium. Doch mittlerweile steht auch dies unter staatlicher Überwachung. Der Geheimdienst FSB kann den gesamten Mailverkehr in Echtzeit verfolgen, wobei die Kosten von den Providern zu tragen sind. Blogger mit mehr als 3000 Lesern haben sich außerdem als Nachrichtenmedien zu registrieren.

Folgende Netzwerke sind derzeit in Russland die am häufigsten verwendeten:

Moi Krug

Moi Krug

Moi Krug ist eine Business-Community und bedeutet „Mein Freundeskreis“. Es ist mit Xing oder LinkedIn vergleichbar und dient zur Pflege von Geschäftsbeziehungen, zum Knüpfen von neuen beruflichen Kontakten, zum Inserieren von Stellenangeboten, zur Vorstellung von Unternehmen und Diskussion von Fachthemen.

Mirtesen

mirtesen

Mirtesen bedeutet „kleine Welt“. Dort sind rund 3 Mio. Mitglieder registriert. Die Plattform wird ebenfalls für den fachlichen Austausch genutzt, und es können Nachrichten und Zeitungsartikel geteilt und diskutiert werden.

Fotostrana

Fotostrana

Das „Foto-Land“ umfasst 40 Mio. Nutzer und ist, wie der Name schon andeutet, eine Foto-Community. Vergleichbar ist sie mit Instagram. Nutzer können hier auch an Fotowettbewerben teilnehmen. Doch die zwei beliebtesten und am häufigsten genutzten sozialen Medien sind Odnoklassniki („Mitschüler“) und VKontakte („In Verbindung“).

Odnoklassniki

Odnoklassiki

Odnoklassniki hat 42,6 Mio. Nutzer, darunter 1,16. Mio. Deutsche. Odnoklassniki bietet die Möglichkeit zu chatten, Fotos und kurze Videos auszutauschen, Online-Games zu spielen und Musik- und Radio-Streams zu nutzen. Die Plattform ist nur auf Russisch und Ukrainisch verfügbar. Dies erschwert beispielsweise die Suche ausländischer Unternehmen. Auch das schlechte Suchsystem, welches nur bekannte Namen in Verbindung mit einer Stadt findet, trägt dazu bei. Außerdem enthalten die Profile selten den Beruf des Nutzers und können nicht über Websuchmaschinen gefunden werden. Jedoch kann nach Interessengemeinschaften gesucht werden, welche Leute aus der gleichen Universität, Berufsschule oder vom gleichen Arbeitgeber verbindet.

VKontakte

vk

VKontakte ist mit 62 Mio. registrierten Nutzern mit Abstand das am meisten genutzte Netzwerk, wobei die deutschen Nutzer mit einer Anzahl von 107.000 einen relativ geringen Anteil darstellen. Der offizielle Start von VKontakte war am 10. Oktober 2006. Schon nach einem Jahr waren 3 Mio. Nutzer registriert. Ein Jahr später überholte VKontakte seinen Konkurrenten Odnoklassniki. Im Jahr 2013 hat sich sogar Hollywood-Star Tom Cruise registriert.

Seit 2014 ist die mail.ru Group durch die gekauften Anteile alleiniger Besitzer von VKontakte. Die Benutzeroberfläche ähnelt sehr der von Facebook. Benutzer können ein Profil anlegen, sich mit Freunden verknüpfen, Interessen, Fotos, Inhalte, Videos und Audios teilen. VKontakte ist in fünfzig Sprachen verfügbar, was ausländischen Unternehmen hier im Gegensatz zu Odnoklassniki die Suche erleichtert. Außerdem besitzt VKontakte ein starkes Suchsystem. Auf Profilen sind viele berufsbezogene Angaben, zum Beispiel zur Ausbildung oder zum Arbeitgeber zu finden.

Der russische Staat nutzt VKontakte ebenso zur Überwachung. Viele User wechselten deshalb schon zu Facebook in der Hoffnung, dass dort weniger kontrolliert wird.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass Russland versucht, die weltweit verbreiteten sozialen Medien durch eigene  zu ersetzen, auch um Kontrolle über Inhalte und Veröffentlichungen der Bevölkerung ausüben zu können. Die zu Anfang erwähnte Meinungsfreiheit wird in den klassischen sowie sozialen Medien in Frage gestellt.

Theresa Buck
Sandra Kohn

(Dieser Beitrag enstand im Rahmen der Lehrveranstaltung “Internationales Management” von Thomas Mavridis an der DHBW, Campus Ravensburg)

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Ein Gedanke zu “Klassische und soziale Medien in Russland

  1. Pingback: Herausforderungen im Internationalen Management | Thomas Mavridis

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