Siegesgöttin in der digitalen Welt

Egal ob Profisportler oder Max Mustermann, jedem ist der Swoosh bekannt. Teilweise wird Nike bei ausdauernden Sportarten oder auch als Trend und Prestigesymbol weltweit getragen. Dabei hat der Logoentwurf nur 35 US Dollar gekostet.

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Die Gründer Bill Bowerman und Phil Knight wählten vielleicht nicht aus Zufall den Namen der griechischen Siegesgöttin Nike. Das Unternehmen erwirtschaftete allein in 2012 ein Umsatz von ca. 25 Milliarden US Dollar. Nike zählt zu den meistverkauften Laufschuhen in Deutschland und hat sogar andere Marktführer wie Asics von seinem Stammplatz vertrieben.
Da der Schuh anfangs durch seine profilierte Sohle und seinem Gewicht deutlich von den damals erhältlichen Sportschuhen der Konkurrenz hervorstach, war dieser seiner Zeit weit voraus.

Very important people

Schnell wurde klar das der Erfolg der Marke Nike eng an sportliche Erfolge gekoppelt war. Aus diesem Grund war der Leichtathlet Steve Prefontaine, der zuvor von Bowermann trainiert wurde, der erste ideale Werbeträger. Der Sportler belegte bei den Olympischen Spielen 1972 in München den vierten Platz beim 5000 – Meterlauf und machte somit den Schuh der Firma Nike bekannt.

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Marketing-technisch sehr wirksam war der Schritt, den Basketballspieler Michael Jordan unter Vertrag zu nehmen. Mit ihm in Zusammenarbeit wurde eine Kollektion entworfen, die bereits 1984, im ersten Jahr der Zusammenarbeit 130 Mio. US Dollar in die Firmenkasse spielte. Es folgte danach die Zusammenarbeit mit dem Profigolfer Tiger Woods und ebenso dem Radprofi und 7-fachen Tour de France Gewinner Lance Armstrong.
Nike zeigt es immer wieder aufs Neue, die Besten einer Sportart unter Vertrag zu nehmen. Bis heute zählt die Firma als ein großer und erfolgreicher Sportartikelhersteller.

Erhältlich beim Sportfachhandel wie im Discounter

Durch die erste stille Werbung 1972 wurde primär die Zielgruppe der Sportler angesprochen. Die Laufschuhe wurden vorerst in Sportfachgeschäften unter der individuellen Beratung vertrieben. Doch im Wandel der Zeit produziert Nike neben Schuhen auch Sportbekleidung, Accessoires und Sportausrüstung. Der Druck der Globalisierung zwang das Unternehmen verschiedene Vertriebswege und Methoden einzuschlagen. So kann man heute Nike Produkte in unterschiedlichen Discountern wie beispielsweise real erwerben.
So kann man eine Entwicklung anhand der Werbung feststellen. Anfangs war die Zielgruppe ziemlich klein und beschränkte sich „nur“ auf Sportler. Mit der Zeit entwickelte das Unternehmen einen Freizeitschuh der bis heute unter den Jugendlichen als Symbol für „Coolness“ steht. Im Digitalisierungszeitalter war es möglich ein 24 – stündige Entwicklung zu leben. Dadurch konnten die Produkte nicht nur traditionell im Laden, sondern auch im weltweiten Onlineshop erworben werden. Auch heute beweist Nike mit individueller Gestaltung die Vorreiterstellung. Der Kunde kann bequem vom Sofa aus seinen personalisierten Schuh in nur wenigen Klicks erstellen. Mit diesem Schritt trägt nicht nur der Sportler, sondern auch jeder vom Schüler bis Hausfrau den qualitativhochwertigen Nike-Schuh.

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Nicht nur der personalisierte Schuh ist ein neuer Schritt des Unternehmens Nike Inc., sondern auch das Konzept Nike+. Es besteht aus unterschiedlichen Produkten, wie z.B. Nike+FuelBand, Nike+SportWatch, Nike+Running-App oder auch Nike+Kinect Training. Diese ermöglichen dem Sportler auf eine smarte, einfache und spielerische Weise noch aktiver zu werden, entweder alleine oder auch mit Freunden. Es misst deine Tagesaktivitäten, verfolgt wie viele Kalorien man verbrannt hat, wie viele Schritte zurückgelegt wurden, erinnert dich daran zu laufen und speichert sogar deine persönliche Bestzeit. Somit kann auch ein personalisiertes Trainingsprogramm mit der Nike+Software erstellt werden.

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Die neuste Idee des Unternehmens ist der Spagat zwischen Sport und Freunden. Jeder klagt heutzutage über zu wenig Zeit für Fitness und Freunde. Mit Nike+ Running Community bietet das Unternehmen die perfekte Plattform für den modernen Verbraucher. Mit der runtergeladenen App kann jeder seine Läufe überwachen, archivieren und auf sozialen Plattformen, wie facebook oder Twitter teilen. Dadurch steigt die Motivation beim nächsten Mal eine bessere Leistung zu erzielen.

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Im Ausblick kann man sagen, dass Nike Inc. auf den Zug des Medienwandels im richtigen Zeitpunkt aufgesprungen ist. Anfangs nur für professionelle Sportler gedacht und heute durch die zunehmende Digitalisierung, einen Spagat zwischen personalisierten Sportartikeln für jedermann und Social Media.

Emma Bugrov
Studiengang Industrie, 3. Semester, Duale Hochschule Baden Württemberg, Campus Ravensburg

Großes Marketingpotential im Bereich Skilanglauf – Das „Madshus Dextro Energy Racing Team“

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Die norwegische Skimarke Madshus wurde 1906 gegründet und ist somit die älteste Skifirma der Welt, die heute noch produziert. Durch Spezialisierung auf den Skilanglauf, leidenschaftlichen Entwicklergeist, ständigen Innovationen und die Verwendung hochwertiger Materialien werden sowohl für den Profisportler als auch für den Endverbraucher optimale Produkte geschaffen. Schon sehr früh wurde der professionelle Sport als werbewirksame Marketingfläche entdeckt. Seitdem wurden viele Weltmeister, Weltcup- und Olympiasieger von Madshus ausgerüstet und die Entwicklung neuer Produkte basiert immer auf einer Zusammenarbeit zwischen den Entwicklern und den Athleten. Doch wie kann der Hobbysportler am besten auf die Marke aufmerksam gemacht werden?

redlineDer neue Madshus „Red Line“ Ski

Nicht nur der Profisportler soll von den Produkten angesprochen werden. Auch der Endverbraucher soll Gefallen an den Produkten finden. Eine optimale Bühne um den Bekanntheitsgrad der Firma zu steigern sind sogenannte Volksläufe. Das sind Skilanglaufrennen, bei denen auch Hobbysportler startberechtigt sind. Sie sind meist zwischen 21 und 50 km lang und haben eine unglaublich hohe Teilnehmerzahl. Bis zu 16.000 Starter finden sich an manchen Volksläufen ein.

Gemeinsam mit den Zuschauern ergeben sie eine große Zielgruppe, bei welcher die Marke Madshus laut Simone Adelwart, Marketing Coordinator Europe K2 Skate/Madshus, noch bekannter gemacht werden soll. In Deutschland wird Skilanglauf zwar immer beliebter, ist aber noch lange kein Volkssport wie z.B. Fußball. Deshalb fehlen auch die großen Stars, mit denen sich die breite Masse identifizieren kann. Um die große Zielgruppe der Hobbysportler trotzdem marketingtechnisch zu erreichen entschied Madshus-Deutschland im Jahr 2012 einen neuen Marketingweg einzuschlagen. Sie stellten, in Zusammenarbeit mit Dextro Energy, ein Volkslauf-Racing-Team auf die Beine. Es besteht aus 10 Athleten und 2 Athletinnen, die leistungsbezogen Skilanglauf betreiben. DSC_0265„Madshus Dextro Energy Racing Team“ beim Sommertraining

Die Athleten waren bis zur Jugend oder Herren/Damen Klasse im Langlauf oder Radsport erfolgreich und bestreiten seit 2012 für Madshus bekannte und große Volksläufe. Das erklärte Ziel ist es laut Robert Saal, dem Sales Coordinator Madshus, die Marke bei Volksläufen stärker in den Focus zu rücken. Durch gute Ergebnisse und ein Einheitliches Auftreten der Sportler wird die Marke der Zielgruppe direkt oder über Printmedien präsentiert.
IMG_2439Das „Madshus Dextro Energy Racing Team“: Erfolg und Einheitlichkeit

Zudem werden bei diesen Events Informationsstände der Marke aufgestellt und Vertriebsmitarbeiter und Sportler beraten die Interessenten. Außerdem ist Madshus-Deutschland auf Messen aktiv und organisiert selbst Marketingevents wie z.B. kostenlose Skitests für Händler und Endverbraucher.
Um die Marke nicht nur bei den Events in den Focus zu rücken, könnte das Team durch den Einsatz verschiedener moderner Medien kontinuierlich News und Informationen an die Zielgruppe aussenden. Was marketingtechnisch im Bereich Skilanglauf alles möglich ist zeigen die großen skandinavischen Volkslaufteams, die nahezu alle verfügbaren Medien nutzen um Aufmerksamkeit zu erregen.
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xtra3Facebook-Seite und Web-Seite des „Team Centric“ aus Norwegen

Allerdings herrscht in Skandinavien auch ein sehr viel größeres Interesse, wenn es um nordische Sportarten geht. Denkbar wäre in Deutschland,nach Absprache mit Robert Saal und Simone Adelwart von Madshus, der Einsatz vom Social Media, wie z.B. Facebook, da der zeitliche, und monetäre Aufwand eher gering ist und einfach eine große Zielgruppe erreicht werden kann. Aus diesem Grund erhielt das „Madshus Dextro Energy Racing Team“ noch während dieser Artikel bearbeitet wurde, die Kompetenz regelmäßig Infos und News auf der offiziellen Facebook-Seite von Madshus zu veröffentlichen. Sollte dieses Konzept auf Facebook gut funktionieren könnten auch Kommunikationsplattformen wie Twitter eine Option sein. Ein weiterer Marketingansatz wären Videoportale wie z.B. Youtube, welche schon von einigen großen skandinavischen Volkslaufteams erfolgreich genutzt werden. Diese Teams stellen kontinuierlich Videos ihrer Trainingseinheiten, Interviews oder Wettkämpfe ins Netz und erreichen so Fans und Interessierte regelmäßig und auch außerhalb der Loipen. Simone Adelwart glaubt, dass auch die Zielgruppe im deutschsprachigen Raum Interesse an diesem Medium zeigen könnte und die Videos mit Sicherheit Aufmerksamkeit erregen würden. Allerdings muss beachtet werden, dass der Aufwand im Bezug auf das Marketingbudget und die Größe des Teams relativ groß wäre.

Für Madshus-Deutschland kann nach der ersten Saison 2012/2013 zusammengefasst gesagt werden, dass es sicherlich ein richtiger Schritt war ein Volkslaufteam zu gründen, da so eine äußerst große Zielgruppe direkt angesprochen werden kann und Erfolge sowie Berichte über das Team den Bekanntheitsgrad der Marke weiter Steigern. Allerdings hat das Team noch ein sehr großes Marketingpotential, auf welches man sich in Zukunft etwas stärker konzentrieren könnte. Dabei sind in naher Zukunft wohl eher Social Media Plattformen denkbar und momentan in der Testphase. Mittelfristig sind aber auch Videoportale und Kommunikationsplattformen nicht auszuschließen. Ob aber Volkslaufteams in Mitteleuropa ein ähnliches Marketingniveau erreichen können wie in Skandinavien, wird die Zukunft zeigen.
In diesem Sinne, Ski Heil!

Marc Burgardt
Studiengang BWL-Industrie, 3. Semester, Duale Hochschule Baden-Württemberg, Campus Ravensburg

Social Media: Vom „Should-have“ zum „Must-have“

Der Begriff Social Media begegnet fast jedem täglich im Alltag. Dennoch weiß noch lange nicht jeder, was sich genau dahinter verbirgt. Dass Social Media weit mehr als Facebook und Twitter ist, zeigt folgender Beitrag.

Mittlerweile erkennen zunehmend mehr Unternehmen, dass Social Media ein enormes Potential bietet, eine breite Masse zu erreichen und dass der Aufbau einer Online Community, durch Social Media, der Schlüssel zur Pflege von Beziehungen ist.

Neue Social-Networking-Plattformen gibt es an nahezu jeder Ecke, wie sollen sich da Unternehmen in der Social Media Landschaft zurechtfinden?

Eine naheliegende Möglichkeit ist die Einstellung eines sogenannten Social Media Managers .
Sie organisieren und überwachen das Auftreten eines Unternehmens in sozialen Medien wie Facebook, Twitter, Youtube usw. Darüber hinaus beraten sie Mitarbeiter sowie Führungskräfte im Umgang mit den sozialen Medien
Bereits 16 Prozent aller Unternehmen in Deutschland beschäftigen einen Experten für Soziale Medien. Sie haben erkannt welche Chancen Social Media ihnen bietet und das dabei sein viel, aber nicht alles ist. Das heißt, ein Auftritt in sozialen Medien, basierend auf Halbwissen wird in der Regel wenig erfolgreich sein – es braucht fachkundige Mitarbeiter, die die Seiten pflegen und überwachen können.

Der Trend 2014

Folgende Trends sollen verdeutlichen warum und wie sich Social Media 2014 vom „Should-have“ zum „Must-have“ entwickelt.
Den Trend Social Media sind einige Unternehmen mitgegangen, weil sie dachten, dies sei der neuste Trend der ohne aufwendige Strategie zu bewältigen sei. Doch zunehmend mehr Unternhemen realisieren, welch wichtige Rolle die sozialen Medien im Marketing spielen und dass sehr wohl eine gute Strategie nötig ist. Denn eine gute Strategie steht in einem positiven Zusammenhang mit der Erreichung der unternehmerischen Gesamtziele.

Bereits jetzt werden positive Auswirkungen auf die Reichweite der Zielgruppen und damit verbundene steigende Einnahmen festgestellt. Um diese vielversprechende Entwicklung zu optimieren, wird 2014 der Trend wohl weiter in die Richtung gehen, Experten wie Social Media Manager einzustellen. So soll die optimale Strategie für das jeweilige Unternehmen gefunden werden.

Mobile Inhalte sind 2014 unverzichtbar, da die Trendwende von Computern zu Mobilen Geräten wie Smartphones immer schneller abläuft und Unternhemen, die Ihre Inhalte den Mobile-Usern nicht zur Verfügung stellen, nicht länger konkurrenzfähig sind. Laut Forbes Magazin werden 2017 87 Prozent der verbundenen Geräte Smartphones und Tablets – also mobile Geräte- sein. Wollen Unternehmen in der Welt der mobilen Kunden überleben, müssen sie ihre Social Media-Strategie anpassen.

Es ist also nur konsequent, dass Unternehmen versuchen, ihre Zielgruppen über die visuelle Schiene zu erreichen. Bildbasierte Social Media Websides wie Slideshare werden weiter wachsen. Unternehmen wird bewusst , welchen Nutzen sie aus ihren Social Media Marketing Bemühungen ziehen können, indem sie beispielsweise Fotos auf ihren Webseiten und Blogs austauschen.

Es war schon immer wichtig, Zeit und Kapital in eine Social Media Strategie zu investieren, doch in Zukunft wird dieser Aspekt noch deutlich wichtiger sein. 2014 wird sich zeigen, dass Social Media nicht länger eine Option, sondern eine Notwendigkeit für den Erfolg eines Unternehmens ist.

Lutz Mauel

Studiengang BWL-Industrie, 3.Semester, Duale Hochschule Baden-Württemberg, Campus Ravensburg

#Holi macht das Leben bunter

Wer hätte gedacht, dass aus einem traditionellen indischen Frühlingsfest „Holi“ ein riesen Kulturfest in Europa wird. Nachdem der Berliner Jasper Hellmann bei einem Besuch im nordindischen Delhi hautnah das Frühlingsfest miterleben durfte, brachte er die Idee des farbenfrohen Fests zunächst nach Deutschland und inzwischen auch nach Europa. Damit hat er es geschafft großes Interesse bei den jungen und auch alten Leuten zu wecken, die voller Begeisterung am „Holi Festival of Colours“ teilnehmen.

Was steckt dahinter?

Das Geheimnis der blitzschnellen Verbreitung liegt im Kommunikationsmanagement und in der Vermarktung hauptsächlich über die Social Media Plattform Facebook. Das Festival greift die Stimmung der indischen Tradition auf und bringt wortwörtlich „Farbe ins Leben“. Nachdem sehr großen Erfolg des ersten Festivals in Berlin musste es auch in weiteren Großstädten Deutschlands stattfinden um der großen Nachfrage gerecht zu werden. Das Medieninteresse ist groß und die Fangemeinde wuchs rasant, so dass die Tickets in kürzester Zeit ausverkauft waren. Nur wer auf Facebook die auf den Veranstaltungsort zutreffende Fanpage „geliked“ hat, bekommt rechtzeitig Informationen über den Vorverkauf und andere wichtige Informationen. Facebook User, die die Veranstaltung teilen haben zudem die Chance bei der Verlosung über ein kostenloses Ticket zu verfügen. Mit dieser Strategie wurde das Festival in kürzester Zeit deutschlandweit bekannt.

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Auch auf weiteren großen Social Media Plattformen wie Instagram kamen viele Follower zusammen, die unzählige Beiträge, Bilder und Videos veröffentlichen. Alleine unter dem Hashtag #Holi sind auf Instagram über 230.000 Beiträge zu finden.

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Immer mehr Leute wurden auf die kunterbunten Bilder und Videos aufmerksam und die Neugierde sowie das Bedürfnis dieses farbenfrohe Festival hautnah mitzuerleben verleiteten die Interessenten zum sofortigen Kauf. Die Tickets sind im Vergleich zu anderen Festivals sehr preisgünstig und das Auftreten eines berühmten DJ’s macht das Festival noch attraktiver.

Partnerschaften mit großen Konzernen

Die Medien Partnerschaft mit der ProSieben GmbH und weitere Partnerschaften sorgen für ein gutes Ansehen und sind profitabel für beide Seiten. Zudem sorgt die Unterstützung der Hilfsorganisation SOS Kinderdörfer durch die Holi Concept GmbH für gutes Aufsehen in der Öffentlichkeit.
Nachdem das sehr erfolgreiche Festival Jahr 2013 beendet wurde, warten die Holi Fans bereits gespannt auf das Comeback für das Jahr 2014.


Fatma Ersöz

Studiengang: BWL-Industrie, 3. Semester, Duale Hochschule Baden Württemberg,
Campus Ravensburg

Digital Natives: die Ureinwohner des Mediendschungels

Jeden Tag verbringen wir 600 Minuten, also 10 Stunden, mit Medien. Sei es die Zeitung am Morgen, das Radio auf den Weg zur Arbeit, der Fernseher, das Internet oder das Handy. Durch das Internet, dem sogenannten „all-in-one“ Medium kann man alle Funktionen in einem benutzen. Es dient zur Kommunikation, zum Kontakte pflegen, zum Wissenserwerb und als Verkaufsplattform. Mit einem Smartphone kann man immer und überall online gehen. Aber dadurch ist man auch ständig erreichbar. Für viele, besonders Jugendliche, ist es unvorstellbar, morgens außer Haus zu gehen, ohne das Handy dabei zu haben. Doch wenn man all diese vielfältigen Medienangebote nutzt, hat man dann überhaupt noch Zeit für etwas anderes? Zeit, um in der realen Welt zu leben?

Früher, also in der Zeit, in der Smartphones noch unbekannt waren, stellte man bei einem Anruf stets die Frage: „Hallo, wie geht’s?“. Doch heute interessiert man sich nicht mehr vorrangig für das Wohlbefinden des Anderen. Die erste Frage am Telefon ist inzwischen: „Hallo, wo bist du?“ Denn man ist eben ständig erreichbar. Was ältere Generationen eher als störend empfinden, ist für Jugendliche ganz gewöhnlich. Es ist normal, in der Schule oder im Zug online zu gehen, auf der Straße zu telefonieren oder vor dem Fernseher zu sitzen, und gleichzeitig im Internet zu surfen und mit Freunden zu chatten. Dieser Trend zum Second Screen wird immer weiter verbreitet und inzwischen von Anbietern wie Twitter gezielt eingesetzt. Die sogenannten neuen Medien wie das Internet oder Smartphones sind für Jugendliche gar nicht so neu. Jedes andere Medium, sei es das Buch, der Radio oder das Fernsehen, wurde auch irgendwann erfunden und galten als neu. Inzwischen gibt es für uns nichts Selbstverständlicheres mehr als morgens die Zeitung aufzuschlagen und nebenbei Radio zu hören. Genauso ist es für die junge Generation selbstverständlich, schnell etwas zu googeln, Freunden in Facebook zum Geburtstag zu gratulieren oder die neusten Videos auf YouTube anzusehen. 96% aller Jugendlichen besitzen ein Handy. Das sind in etwa genauso viele junge Menschen, die ein Fahrrad zu Hause haben. Die Besitzrate von Smartphones hat sich von 2010 auf 2011 innerhalb eines Jahres  auf 43% verdoppelt. Allein an diesen Zahlen sieht man, wie wichtig das Internet und das ständige up to date sein geworden ist. Für die meisten Nutzer ist das Internet vor allem ein Kommunikations-, Unterhaltungs-, und Informationsmedium. Es bietet die Chance für eine funktionierende Kommunikations- und Wissensgesellschaft. Das Web 2.0 verändert unsere soziale Gesellschaft genauso wie unsere Arbeitswelt. Und die Medien verändern nicht nur unsere Gesellschaft, die Gesellschaft verändert auch die Medien.

Neu ist etwas, was man es erst kennenlernen muss und noch nicht damit umgehen kann. Doch die meisten Jugendlichen schätzen ihre Kompetenz im Umgang mit den „neuen Medien“, vor allem beim Internet, deutlich höher ein, als die ihrer Eltern und Lehrer. Auch wenn immer wieder neue Technologien und Geräte entwickelt werden, diese Generation wächst damit auf und lernt somit auch sehr schnell damit umzugehen. Die heutigen Jugendlichen sind die ersten, die wirklich in der digitalen Welt aufwachsen und leben, sie sind die „digital Natives“ der Medienwelt.

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Manche Erwachsene sprechen vom „Mediendschungel“, da die Vielzahl an Möglichkeiten und Geräten sie überfordert. Diese Fülle an technischen Neuerungen ist für sie fremd, unüberschaubar und oftmals verwirrend.

In einem Dschungel muss man lernen, sich richtig darin zu bewegen und die Gefahren einzuschätzen. Viele Eltern fühlen sich verunsichert, wie sie sich bei der Erziehung mit der Nutzung von Medien verhalten sollen. Dies liegt auch daran, dass sich die Kinder oft besser auskennen, als die Eltern selbst. So wird es auch zur Aufgabe der Lehrer, den Kindern in der Schule das Bewusstsein zu lehren, sich im Internet verantwortungsbewusst zu verhalten und die Risiken und Chancen einzuschätzen. So liegt das Problem nicht im Vorhandensein der Medien, sondern vielmehr in der Vernachlässigung der Jugendlichen und den Umgang mit dieser Situation.

Doch die, die im Dschungel leben, sehen ihn nicht als Bedrohung, sondern als Chance. Die Jugendlichen sind die Ureinwohner dieses Dschungels, die „digital Natives“, die wissen, welche Chancen aber auch Risiken sich darin verbergen können. Aber sie leben damit und könnten niemals mehr darauf verzichten.

Eva-Maria Forstner

Studiengang: BWL-Industrie, 3. Semester, Duale Hochschule Baden-Württemberg, Campus Ravensburg

ePaper – Zeitung der Zukunft?

ePaper  – Zeitung der Zukunft?

Im Zeitalter von Social Media, Smartphones, Tablet-PC´s und vielem mehr verlieren handfeste Dinge, wie beispielsweise die Zeitung immer mehr an Relevanz. Doch warum ist das so?

Die Notwendigkeit sich zu verändern, zeigt sich einerseits an den Meinungen der Leser im Video aber auch anhand des Rückgangs der Zeitungsauflagen. Die deutschen Zeitungsverlage müssen sich an diese Entwicklung anpassen, um Leser zu gewinnen aber auch um sie zu halten. In einem mehrstündigen Gespräch verdeutlichte mir Dieter Müller, Anzeigenleiter der „SÜDWEST PRESSE“, warum ePaper immer stärker an Bedeutung gewinnt und wie man hierdurch sein Repertoire vergrößern und neue Kunden gewinnen kann.

Doch was ist ePaper überhaupt?  Das ePaper stellt hierbei ein Format dar, in dem viele Verlage Zeitschriften und Zeitungen digital anbieten. Mit dem gleichen Layout wie die gedruckte Version ist es nun möglich die Ausgabe am Computer, auf dem Tablet oder auf einem Smartphone mit iOS oder Android zu lesen und zu speichern.

Viele Zeitungen versuchen hierbei den Sprung in die digitale Welt und hoffen auf reges Interesse, so auch die „SÜDWEST PRESSE“. Diese bietet zum üblichen Zeitungsabo auch die Version des ePapers an. Hierbei stellt der Verlag in Kombination mit einem Zeitungsabo ein iPad oder ein Samsung Galaxy Tab zur Verfügung, die für wenig Geld zu erwerben sind. Gut zu erkennen das hier geschickt gewählte Marketingkonzept, um die eigene Zeitung zu vermarkten.

Anteil der Leser von Online-Zeitungen

Anteil der Leser von Online-Zeitungen

Betrachtet man nun die Entwicklung des Internets in Deutschland, was auch durch den Beitrag „Mediennutzung von Jugendlichen heutzutage“ deutlich wird, lässt sich schnell erkennen, warum es für Zeitung wichtig ist auch online deutlich präsenter zu werden. Laut statistischem Bundesamt sind rund 77 % der deutschen Bundesbürger regelmäßig online. Interessant auch eine Statistik der Bitkom, auf der zu erkennen ist, dass der Anteil an Lesern von Online-Zeitungen weiter steigt und in Deutschland bei ca. 65 % liegt.

Statista Zeitungssterben

Statista Zeitungssterben

Dagegen geht die Entwicklung der gedruckten Zeitung leicht zurück, wie die Grafik von Statista aufzeigt. Vor allem interessant im Zeitalter der digitalen Endgeräte, das Nutzen von kompakt  zusammengefassten News für unterwegs. Nennenswerte Blätter wie das Handelsblatt, die Süddeutsche Zeitung aber auch Zeitschriften, wie im Blogbeitrag 11 Freunde dargestellt, bieten dies bereits in Form von einer App an. Ich denke, dass genau hier junge Leute stark Interesse finden, denn genau diese passen nicht in das typische Cliche des morgendlichen Zeitungslesers, der sich wirklich Zeit dafür nimmt die Zeitung durchzublättern. Das Problem hierbei ist, dass die Verlage ihre Inhalte kostenlos zu Verfügungen stellen, womit sich kein Geld verdienen lässt. Diese monetäre Frage muss zunächst geklärt werden, um erfolgreich am Markt teilnehmen zu können. Dies erklärt auch Wolfgang Poppen, Geschäftsführer der Badischen Zeitung in Freiburg, in einem Interview mit W&V Online : „Es kann einfach nicht sein, dass guter Journalismus auf ewig kostenlos ist“.

Meinem Erachten nach wird der Trend in Richtung ePaper allein aus demografischen Gründen zunehmen. Trotzdem muss auch gesagt werden, dass die gedruckte Zeitung in naher Zukunft nicht völlig an Wert verlieren wird. Stets bedacht werden sollte aber, dass der Trend in Richtung mobile Endgeräte geht und auch die Digitalisierung immer weiter voran getrieben wird. Genau deshalb müssen die Verlage stets Schritt mit der Entwicklung und dem technologischen Fortschritt halten, um weiter erfolgreich am Markt zu bleiben. Es gilt sich stets den Erfordernissen des Marktes anzupassen, um monetäre Einbuße zu vermeiden. Wer nicht Schritt hält gefährdet die eigene Existenz. Meiner Meinung nach steuern wir nicht auf das Ende der Gutenberg-Ära zu aber fest steht für mich auch, dass sich die Anzahl der Verlage in Deutschland deutlich reduzieren wird.

Julian Kattner

Studiengang: BWL-Industrie, 3.Semester; Duale Hochschule Baden-Württemberg, Campus Ravensburg

Blogmarketing – Marketinginnovation oder Konsumentenbetrug?

Wer kennt sie mittlerweile nicht? Die abertausende von Blogs, auf denen Menschen aus allen Ländern der Welt in zumindest gefühlt jeder Sprache über ein Thema schreiben, das sie interessiert und das sie gerne mit anderen internetaffinen Menschen der Kommunikationsgeneration 2.0 im World Wide Web teilen möchten. Es scheint über jeden vermeintlich noch so unwichtigen Sachverhalt einen Blog und eine Person zu geben, die sich damit beschäftigt. Von Freizeitthemen bis hin zu fachlich fundierten und anspruchsvollen Blogartikeln ist alles zu finden. Für jeden scheint ein passendes Thema dabei zu sein und die Lesergemeinde von engagierten und talentierten Bloggern wächst täglich. Nachdem Facebook, Twitter und Co. fester Bestandteil vieler (Sozial-)Leben geworden sind, erobern nun auch Blogs unseren Alltag. Durch die wachsende Beliebtheit und Leserschaft stellen Blogs aber mittlerweile nicht mehr nur einen netten Zeitvertreib für kommunikative Internetnutzer, sondern auch eine attraktive Einkommensquelle für Blogger dar. Warum nicht die Möglichkeit nutzen mit dem Hobby gleichzeitig auch Geld zu verdienen? Laut einer Befragung von 2.344 Bloggern durch rankseller, einem Online-Marktplatz für Blogmarketing, verdienen 71% der Befragten Geld mit ihrem Blog. Es geben zwar lediglich 13% an, mit ihrem Blog mehr als 1.000 Euro pro Monat zu verdienen, doch stellen Blogs doch für stolze 63,5% der Befragten mit bis zu 300 Euro im Monat eine nicht zu verachtende zusätzliche Einkommensquelle dar.

http://blog.rankseller.de/pressemeldungen/studie-so-bloggt-deutschland/

Quelle: Rankseller

Besonders beliebt sind bei Bloggern Kooperationen mit Unternehmen, deren Interesse an diesem Marketingkanal immer mehr zunimmt. Potenzielle Kunden sind einer so großen täglichen Reizüberflutung durch Werbung ausgesetzt, dass diese von ihnen kaum mehr wahrgenommen wird. Konsumenten sollen permanent über alle Medien – ganz gleich ob Fernsehen, Internet, Radio oder Zeitschriften – und mit den unterschiedlichsten Werbebotschaften zum Kauf verführt werden. Ganz getreu dem Motto: mehr hilft mehr. Die vielfach sogar unbewusste Reaktion ist bei vielen Konsumenten dieselbe: das Ausblenden oder die pure Nichtbeachtung der überall auf sie einwirkenden Werbung. Und genau aufgrund dieses Scheiterns der bisher so bewährten Marketingstrategien betreten nun immer mehr Unternehmen und Werbetreibende neue Ufer. Warum nicht Blogger, die sich in ihrem Metier bereits selbst einen Namen gemacht haben – oftmals einen sehr guten dazu – werben lassen? Mit dieser Grundidee beschäftigt sich sehr erfolgreich auch der Blogmarketing-Service „blogvertising“ der den Kontakt zwischen Werbetreibenden und geschäftigen Bloggern herstellt.

Bereits der Name macht deutlich, um was es geht. Das Werben auf Blogs und zwar durch die Blogger selbst. Durch authentische Blogartikel, die zumindest scheinbar vom Blogger selbst stammen, sollen Produkte und Dienstleistungen auf einer deutlich persönlicheren Basis als es bisher möglich war, angepriesen werden und die Leser vom Kauf überzeugen. Blogger, die Interesse an einer Kooperation mit einem Unternehmen haben, können sich bei blogvertising kostenlos anmelden. Besonders gern gesehen, und später mit entsprechenden Kooperationsanfragen gesegnet, sind selbstverständlich renommierte Blogger mit einer großen Stammleserschaft. Unternehmen oder Werbetreibende wenden sich an blogvertising und geben dort ihre gewünschte Kampagne in Auftrag. Dies kann ein thematischer Blogartikel sein, der textlich sogar komplett vorgegeben sein kann und vom Blogger als Gastartikel veröffentlich wird, oder aber der Blogger verfasst ihn anhand vorgegebener Eckdaten selbst. Des Weiteren sind Review-Artikel möglich, in denen Blogger über ihre Erfahrungen mit Homepages oder einer Dienstleistung berichten. Als dritte Kategorie wird von blogvertising der Produkttestartikel angeboten. Unternehmen können einem Blogger Produkte oder Gratisdienstleistungen zur Verfügung stellen, die dieser dann ausprobiert und anschließend bewertet. Die Vorgabe von Testaspekten, Schwerpunkten oder das Verbot von negativer Berichterstattung sind bei allen Kategorien möglich. Die Texte der Blogger werden von blogvertising anschließend geprüft. Abgesehen von einem Nebenverdienst wirbt blogvertising vor allem mit der Möglichkeit für Blogger an neue und interessante Artikelthemen zu gelangen. Gleichzeitig behalte der Blogger aber auch die volle Kontrolle über seinen Blog und könne Angebote, die ihm nicht zusagen, ablehnen. Werbetreibende hätten den Vorteil mit minimalem Aufwand kostengünstig ihr Image zu verbessern und ihre Trefferzahl bei Suchmaschinen zu erhöhen.

Der Erfolgsfaktor Leser

So schön sich die Vorteile für alle Teilnehmer auch anhören, steht und fällt der Erfolg aller doch letztendlich immer durch eine Komponente: die Leser. Ein Blog ohne Leser ist ein toter Blog und somit für Werbetreibende reichlich uninteressant. Was ein Blogleser aber letztendlich doch erwartet, sind eigene und unverfälschte Artikel und Meinungen des Bloggers. Genau das macht schließlich auch den Charakter und den Charme von Blogs aus. Unabhängige Menschen, die völlig frei und authentisch über ihre eigenen Themen und Ideen schreiben. Vorgegebene und entsprechend geschönte Texte bietet schließlich auch jede Werbebroschüre, die bekanntlich ähnlich wie Politiker im Wahlkampf nur selten die ungeschönte Wahrheit darstellt. Und genau an dieser Stelle sollte blogvertising mit Vorsicht genossen werden. Selbstverständlich ist es immer im Interesse von Werbetreibenden ein möglichst positives Bild ihres zu vermarktenden Produktes zu generieren, aber an welcher Stelle geht hier die Glaubwürdigkeit sowohl des Produktes als auch des Bloggers verloren? Wo endet der Versuch neue Marketingwege zu beschreiten und wo beginnt die vorsätzliche Täuschung des Konsumenten? Eine solche Marketingstrategie kann schnell das Gegenteil der erhofften Wirkung erzielen – nämlich eine Schädigung des Images. Konsumenten und auch Leser werden ungern hinters Licht geführt und können äußerst nachtragend sein.

Die Alternative

Prinzipiell ist an der Grundidee, nämlich die neueste Erscheinungsform des Web 2.0 für die eigenen Werbezwecke zu nutzen, jedoch überhaupt nichts auszusetzen. Ganz im Gegenteil, sie ist sogar äußerst zeitgemäß und dem Geschäftserfolg grundsätzlich mit Sicherheit nicht abträglich. Eine andere Umsetzung wäre auf Dauer allerdings vermutlich die bessere Lösung. Unternehmen und Werbetreibende könnten einen eigenen individuellen Unternehmensblog gründen, auf dem sie unter eigenem Namen in ebenfalls eher persönlichem Kommunikationsstil ihre Produkte und Dienstleistungen bewerben. Sie könnten dort eigene Inhalte veröffentlichen, wobei auch hier gilt, dass zu viel Schönen eher destruktiv wirkt. Für das Image wäre ein solcher Blog vermutlich genauso förderlich wie positive Rezessionen auf Blogs und würde sogar gleichzeitig das Bild von einem engagierten und kommunikativen Anbieter vermitteln, wodurch vor allem auch die Glaubwürdigkeit und Authentizität enorm profitieren würden. Solch ein Blog stellt natürlich, wenn er professionell und gewissenhaft geführt wird, einen erheblich größeren Aufwand dar als lediglich Blogartikel über eine Agentur in Auftrag zu geben. Er ist auch eine größere Investition, doch ist er dem Unternehmen oder Werbetreibenden und der beworbenen Sache auf Dauer sicherlich zuträglicher. Eine Vorreiterstellung nimmt in diesem Bereich bereits seit 2007 Daimler ein. Das Unternehmen lässt schon seit 6 Jahren regelmäßig Mitarbeiter aus allen Unternehmensbereichen bloggen und stärkt so sein Image als innovatives und modernes Unternehmen. Die Leserschaft wächst stetig und Daimler zeigt vorbildhaft wie ein Unternehmen erfolgreich über einen Blog Marketing betreiben kann.

http://blog.daimler.de/

Quelle: Daimler-Blog

Tamara Leiß

Studiengang BWL-Industrie, 3. Semester, Duale Hochschule Baden-Württemberg, Campus Ravensburg

Marketinginstrument Qualitätssiegel

Jedes Unternehmen das am Markt erfolgreich sein möchte, versucht den eigenen Firmennamen sowie die eigenen Produkte in der Öffentlichkeit bekannter zu machen. Dies gelingt meist durch Werbung. Dabei gibt es sicherlich die verschiedensten Möglichkeiten. Ob klassische Werbung in Printmedien, oder in einem TV-Spot, die Kosten der jeweiligen Werbung können jedoch schnell das vorgegebene Budget sprengen.

Doch wie kann man Werbung schalten, bei der man sicher gehen kann, dass sie den Endkunden erreicht, ohne sich dabei in Unkosten zu stürzen? Mit dieser Frage beschäftigte sich auch das Marketing der Linzmeier Bauelemente GmbH. http://www.youtube.com/watch?v=WsyZmzL4JlE

Eine neue Art von Werbung ist gesucht, eine die auch für mittelständische Unternehmen von den Kosten her leicht zu tragen ist. Eine flächendeckende Internetwerbung kommt daher nicht immer in Frage. Die Lösung: Man stellt Absatzmittlern, die durch die Industrie zum Eigentümer der Ware werden, ein Gütesiegel aus, damit diese vorweisen können, dass sie qualifizierte Verarbeiter von Linzmeier Produkten sind. Die Linzmeier Bauelemente GmbH steigert wiederrum ihren Bekanntheitsgrad genau bei den Endkunden, die sich über Ihre Produkte informieren. Ein Qualitätssiegel kann insofern als Marketing Instrument verwendet werden, indem es von Absatzmittlern oder Absatzhelfern auf deren Homepage abgebildet wird. Daher steigert man die Anzahl der Internetauftritte ohne zusätzliche Kosten für Klicks zu tragen. Ein gutes Beispiel  hierfür ist auch der bekannte Fensterhersteller Velux, der ein solches Siegel bereits heute bei vielen Dachdeckern als kostenloses Marketinginstrument einsetzt.

Das durch Schulungen ausgestellte Logo soll somit eine „Win-Win-Situation“ herbei bringen, bei der der Name des Industriebetriebes und dessen Produkte effizienter verkauft werden sollen. Da das Wissen über die Qualität der Produkte unter den Endkunden weitestgehend vorhanden ist, wenden sich diese gezielt an qualifizierte Fachhändler und Fachverarbeiter. So kann zum Beispiel bei Ausschreibungen dieses Zertifikat die entscheidende Rolle spielen und letztendendes dazu führen, die jeweilige Zimmerei auszuwählen.

Durch die Veröffentlichung des Siegels werden die Markennamen positiv gefördert und darüber hinaus werden diese stetig weiter bekannt gemacht. Die zusätzliche Werbung durch das Siegel ermöglicht einem Unternehmen durch einmalige Investitionen wie Schulungskosten und die Einführung sowie Bereitstellung eines Qualitätslogos über Jahre hinweg kostenlos auf Internetauftritten zu erscheinen. Darüber hinaus erscheint ein solches Logo nicht an Stellen im Internet an denen es unerwünscht ist, vielmehr kann damit gezielt und kontrolliert geworben werden.

Die Gestaltung eines Qualitätslogos hält sich hierbei strikt an die jeweilige Corporate Identity eines Unternehmens, da so der Wiedererkennungswert am schnellsten stattfindet. Wie bei den unten abgebildeten Quaulitätslogos der Linzmeier Bauelemente GmbH.

Qualitätssiegel der Linzmeier Bauelemente GmbH

Ein Qualitätssiegel ist eine „geographische oder schriftliche Kennzeichnung“ eines Gutes, das die Güte oder die Qualität gegenüber dem Verbraucher verdeutlichen soll. Qualitätssiegel oder auch Gütesiegel werden von bestimmten Herstellern oder auch Instituten vergeben. Dieses Siegel bestätigt, dass die jeweilig erprobten Prüfbestimmungen eingehalten sind und sichert die ausgewiesenen Eigenschaften zu und garantiert somit die Qualität des Herstellers. Dabei ist das Institut oder der Hersteller für die Einhaltung der besonderen Qualität verantwortlich und garantiert dies durch stetige Kontrolle und Überwachung dieser Qualität in Verbindung mit kontinuierlichen Schulungen.

Diese neue Art von Werbung steckt bei der Linzmeier Bauelemente GmbH noch in der Einführung, und die ersten Logos wurden erst im Frühjahr 2013 vergeben. Um jetzt sicher gehen zu können, dass das erstellte Logo auch von den Partnerunternehmen (Absatzmittlern) eingesetzt wird, muss das Marketing des Unternehmens unterstützend agieren. Das bedeutet Hilfestellungen beim Einfügen der Logos anzubieten. Wird das Logo im Laufe der Zeit von immer mehr Verarbeitern eingesetzt, so kann das Projekt ein großer Erfolg werden. Dieser minimale Kostenaufwand kann also dazu führen den Namen Linzmeier und dessen Produkte über einen unbefristeten Zeitraum im Internet bekannter zu machen.

Nico Geiselhart

Studiengang: BWL-Industrie, 3.Semester, Duale Hochschule Baden-Württemberg, Campus Ravensburg

Ein Hattrick – Das Ergebnis von Innovation

Innovation stellt heutzutage möglicherweise nicht lediglich einen modernen Sprachgebrauch dar. Vielmehr ist dies mittlerweile die entscheidende Komponente zur nachhaltig – erfolgreichen – Verkaufssteigerung. Durch den Wandel des Marketings in unserer Zeit gibt es immer mehr Möglichkeiten zur Vermarktung der eigenen Marke und Produkte. Dies nutzte nun auch die Robert Bosch Hausgeräte GmbH, um ihrem Namen neuen Schwung zu geben.  

Durch Qualität und Innovation hat die Firma Bosch Hausgeräte das geschafft, wovon viele Fußballer nur träumen: Einen – lupenreinen – Hattrick. Im Sprachgebrauch einiger Sportarten wird dieser Begriff, wie z.B. im Fußball und Eishockey, für das Erzielen von drei aufeinanderfolgenden Toren durch denselben Spieler in einem Spiel bezeichnet.

Zwar möglich weniger in einer Sportart, dafür aber bei der Stiftung Warentest. Zwischen Oktober 2011 und Oktober 2012 sah man die Marke als Testsieger – auf allen drei Ebenen der Wäschepflegedisziplinen – Waschen, Trocknen und Waschtrocknen – der Konkurrenz vorauseilen.

Der lupenreine Hattrick

Quelle: Triple-Testsieger

Die Folge des Hattricks – ‚Handeln bringt Wandel‘

Wie konnte es einer Marke wie Bosch möglicherweise gelingen, diesem Erfolg vorauszugehen? Bislang wurde eine der größten Bosch Online Kampagnen in der Geschichte der Marke gestartet, um den Triple-Erfolg als Top-Verkaufs Argument zu feiern. Die Kampagne lief von Ende November bis Ende Dezember 2012 und erreichte allein im Online-Bereich ca. 100 Millionen Kontakte. Zur Akquirierung solch einer großen Menschenmenge, wurde der Fokus auf die Kaufkraft in Deutschland gelegt & die Frequenz verdreifacht. Insgesamt wurden mit der gesamten Kampagne, sowohl auf der Ebene Online als auch auf der Ebene Print, 215 Millionen Kontakte bzw. 80% der Zielgruppe erreicht.

Die Ziele

1. Brand Image

‚Testsieger in allen Disziplinen der Wäschepflege – ein überzeugenderes Argument kann man sich kaum wünschen‘, so Michael Bohn – Bosch Marketingleiter. ‚Jetzt geht es darum, diesen Erfolg zu  nutzen und mit seiner Hilfe die Qualitätsführerschaft von Bosch beim Verbraucher zu verankern. ‘

Auch die wahrgenommene Wäschepflegekompetenz könnte möglicherweise dahingehend Richtungsweisend gesteuert werden, dass die Firma Bosch der Konkurrenz weiter qualitativ vorausgeht.

2. Sales / Traffic

Ein weiteres Ziel dieser Kampagne beruhte auch darauf, die Durchverkaufs-Unterstützung zu verbessern, denn zurzeit weist es in die Richtung, dass 59% der Konsumenten zwar überlegen ein Bosch Gerät zu kaufen, lediglich 13,4% die Marke bevorzugen und letztendlich 10,1% sich für ein Bosch Gerät entscheiden.

Das Endjahresgeschäft anzukurbeln und auch für den Beginn des Jahres 2013 einen guten Start zu erzielen, war dabei zusätzlich noch ein weiterer Effekt.

Die Umsetzung

1. Google Suchmaschinen-Marketing-Kampagne  Google

Wenn man in Google etwas sucht, dann findet man neben seinen Suchergebnissen, zusätzlich meistens oben rechts Werbeanzeigen. Bei Bosch gelangte man durch diese Links direkt auf die Bosch-Homepage und auf die spezielle Testsieger-Seite von Bosch. Dort fanden die Interessenten sowohl Informationen über die verschiedensten Geräte, als auch über die Händler in ihrer Nähe.

2. Online-BannerLandingPage

Die Firma Bosch schaltete diese im Abgleich mit den Print-Anzeigen und erreichte dadurch noch mehr Menschen. Durch nur einen Klick gelangte man auf die Landing Page der Testsieger Kampagne, die eigens dafür eingerichtet wurde. Ca. 250.000 Visits gab es auf dieser Seite. Soviel wie die Bosch Home Website im ganzen Juni erreicht hat.

3. Online-GewinnspielGewinnspiel

Die kaufwilligen Konsumenten können durch diese Aktion möglicherweise schneller animiert werden bei ihrem ‚Händler des Vertrauens‘ ein Gerät zu kaufen. Dies funktionierte in der Weise mit Klick auf die Testsieger-Seite eines von 33 brandneuen iPads mini zu gewinnen.

4. Social Networks

Durch möglich zeitgemäßen Status eine noch größere Aufmerksamkeit zu erreichen – ist es heute unumgänglich – auf die Werbemöglichkeiten der Social Networks zurück zu greifen. Auf der Facebook-Seite von Bosch als auch durch Facebook-Ads fand die Media-Kampagne der Firma Bosch zusätzlich unterstützende Optimierung.

Eine Online Kampagne in der Größenordnung?

Im Kaufentscheidungsprozess ist die Bedeutung des Internets für die Produktrecherche ebenso gestiegen, wie als Vertriebsplattform. Mittlerweile beginnen 40% der Hausgerätekäufe im Internet und nicht in dem Elektronikladen um die Ecke. Allein wenn man sich das globale Phänomen Social Media anschaut, ist interessant, dass Radio 38 Jahre, TV 13 Jahre und Internet 4 Jahre gebraucht hat um 50 Millionen Menschen zu erreichen. Facebook dagegen schaffte es über 200 Millionen Nutzer in weniger als einem Jahr zu gewinnen. Wenn Facebook (1,1 Mrd. Nutzer) ein Land wäre, wäre es nach Einwohnern das drittgrößte Land der Welt, weit vor den USA.

Das Ergebnis

Die Testsieger Modelle wurden durch die Kampagne die Top-4 der Produktseiten-Aufrufe und der Abverkauf der Testsieger Modelle steigerte sich um bis zu 440% gegenüber dem vor Jahr. Durch die Kampagne gab es eine Rekord Traffic Steigerung um bis zu 55% auf der Bosch Website und die Werbeerinnerung an Bosch stieg. Trotz der kurzen Laufzeit konnte Bosch die gesetzten Ziele erreichen. Durch die Verbindung von Online mit dem Leitmedium Print konnten trotz der kurzen Kampagnenlaufzeit signifikant-positive Effekte bei Marken- und Imagewerten verzeichnet werden.

Wie geht es weiter – möglicher Nachfolgeprozess

Bereits im März startete Bosch eine weitere Aktion im Rahmen der Energiewende, bei der man einen EnergieSpar-Rabatt von 50€ erlangen konnte. Auch zum Jubiläum von 50 Jahre Fußball Bundesliga gibt es eine Soccer Edition, z.B. die Waschmaschine Avantixx 7.

Durch die geringe Online-Präsenz von Bosch ist es nicht verwunderlich, dass die Zuwächse vor der Kampagne relativ gering ausgefallen sind. Dadurch dass die Wettbewerber, wie Miele, durchgehend präsent sind, werden sie vom Verbraucher auch auf dem Markt stärker wahrgenommen, deshalb ist es Miele auch möglich seine Geräte teurer zu verkaufen, obwohl die Marken Bosch und Miele auf demselben Qualitätsniveau liegen. Die Folge muss sein im gesamten Online-Werbemarkt, der von Reichweiten starken Kampagnen geprägt ist, die eigene Kampagne für eine Durchdringung mit deutlich mehr Werbedruck zu gestalten und länger laufen zu lassen. Eine erste Möglichkeit wäre es neben Facebook auch Twitter in Zukunft intensiver zu nutzen.

Es bleibt spannend, was die Robert Bosch Hausgeräte GmbH als nächstes plant, um den Kampf gegen Miele in Deutschland nicht zu verlieren und sich von den Wettbewerbern weiter abzusetzen. Wann und ob jemals wieder eine solche Kampagne in der Größenordnung gestartet wird, ist vielleicht nach diesem Erfolg nur noch eine Frage Zeit.

Anna Kotte

Studiengang Industrie, 3. Semester, Duale Hochschule Baden Württemberg (Campus Ravensburg)

Aufbruch in ein neues Handelssystem?

Sieht man sich den Kauf eines Produkts bei einem Handelsunternehmen im Vergleich heute und vor zehn Jahren mal an, so hat sich einiges getan.
Kunden kaufen in der heutigen Zeit nicht mehr beim Schuhlanden um die Ecke ein, sondern greifen auf das riesige Sortiment im Internet zu und bestellen mit ein paar Mausklicks die gewünschte Auswahl nach Hause ins Wohnzimmer, kostenfrei versteht sich. Der „Print-Vertrieb“ über Kataloge, wie es viele deutsche Handelsunternehmen betrieben haben, ist, zumindest in der jüngeren Generation unserer Gesellschaft, nur noch eine schwache Erinnerung in unserem Gedächtnis.

Der Markt wird bestimmt von den sogenannten „Start-Up“ Unternehmen, den Onlinehändlern. Bekannte Marken wie Neckermann, Schlecker und Quelle, um nur ein paar wenige zu nennen, sind Geschichte und wurden abgelöst von Onlinehändlern wie beispielsweise Zalando, Lieferheld oder Amazon. Diese Unternehmen haben es in einer sehr kurzen Zeit geschafft, den selbigen Bekanntheitsgrad zu erarbeiten, wie gestandene Marken der Wirtschaft, durch aggressives Marketing und ständige Präsenz im Medium Internet.

Der Medienwandel hin zum Internet ist für mich daher nicht nur ein Medienwandel, sondern er gleicht mir eher einer Revolution und einem Aufbruch in ein neues Handelssystem.
Die Geschwindigkeit, mit der wir Handel betreiben und die Ansprüche, die wir stellen, haben sich rasant entwickelt. Vor nicht allzu langer Zeit wurden noch Bestellkarten, die im Katalog auf der letzten Seite angefügt waren, ausgefüllt und an das Handelsunternehmen per Post zurückgeschickt. Die Zeit bis zur Warenlieferung betrug ungefähr eine Woche. Heutzutage sprechen wir von Prozessen wie „Same Day Delivery“ und Unternehmen müssen zumindest sicherstellen, dass der Kunde die bestellte Ware am folgenden Tag in seinen Händen begutachten kann. Gefällt ihm die unbezahlte Ware nicht, so schickt er sie ohne Angabe von Gründen an das Unternehmen zurück. Alles bequem von zu Hause. Örtliche Händler schauen dabei in die Röhre, sind scheinbar nicht mehr zeitgemäß.
Mit dieser Art Handel zu betreiben setzen wir Kunden die Onlinehändler einem wahnsinnigen Druck aus, diesen Handel in einer Weise zu führen, bei der sie auch noch wirtschaftlich sind.
Der ausgearbeitete „Businessplan“ muss perfekt sein, um ein langfristiges Agieren am Markt zu garantieren. Und hier beginnt der Schuh zu drücken.

„Schrei vor Glück!“ – da fehlt doch was?!?!

Das Vorzeige-Unternehmen in Sachen Onlinehandel ist für mich Zalando. Mit einer unglaublichen alltäglichen Medienpräsenz ist Zalando eines der aggressivsten Unternehmen in Sachen Marketing am Markt. Zunächst auch mit Erfolg, denn Zalando hat nicht nur den Marketingpreis 2012 gewonnen, sondern hat seinen Nettoumsatz mit 1,15 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt. Die Marke Zalando ist nach repräsentativen Umfragen bei 95 % der Deutschen ein Begriff oder sie haben zumindest den Namen Zalando schon einmal gehört.
Eine fantastische Erfolgsgeschichte, so könnte man meinen, feiert doch Zalando in diesem Jahr „erst“ seinen fünften Geburtstag. Jedoch hat das Berliner Unternehmen bis zum heutigen Tag nicht einen Euro Gewinn erwirtschaftet.
Nicht nur die aggressive Werbung schlägt mächtig auf die Kasse. Zalando hat Werbeaufwendungen im zweistelligen Millionenbereich.

Die Investitionen beliefen sich laut Geschäftsführung im Jahre 2012 auf 600 Millionen Euro. Zieht man das neue Logistikzentrum in Erfurt, welches 100 Millionen Euro gekostet hat, ab, so bleiben noch stattliche 500 Millionen Euro für restliche Aufwendungen stehen.
Die Verluste stiegen im fast selben Verhältnis wie der Umsatz. Von 1,16 Millionen im Jahr 2008 über 20 Millionen ein Jahr danach. In den letzten beiden Jahren schließlich 50 beziehungsweise 90 Millionen Euro Verluste, vor Zinsen und Steuern wohlgemerkt.
Je mehr Umsatz Zalando also in der Historie gemacht hat, umso höher war auch der Verlust. Sind das gute Voraussetzungen?
Die Achillesferse in dem scheinbar so perfekten „Businessplan“ ist die Rücksendequote.
Der genaue Wert der Rücksendequote ist nicht bekannt, während die Geschäftsleitung von Zalando nach außen 50 % kommuniziert, sprechen Insider der Branche von einer bis zu 20 % höheren Quote.
Jedenfalls wurde dieses Dilemma auf der Kommandobrücke von Zalando erkannt und die Kapitäne Robert Gentz, David Schneider und Rubin Ritter, Geschäftsführer und Gründer von Zalando, versuchen das Ruder herum zu reißen. Kurzerhand wurde aus dem Werbespruch „Schrei vor Glück oder schicks zurück“ eine Kurzfassung. Zalando wirbt nur noch mit „Schrei vor Glück“.
Kunden, die zur Steigerung der Rücksendequote beitragen, wurden Mahnungen ausgesprochen, ja sogar Sanktionen verhängt. So erhalten entsprechende Kunden Mails mit dem Inhalt ,,Bei Ihren letzten Bestellungen haben Sie 7 von 8 Artikeln zurückgesendet und damit eine sehr hohe Retourenquote von 87 %. Retouren verursachen nicht nur hohe Kosten…“. Experten gehen davon aus, dass eine Retoure den Onlinehändler pauschal ca. 20 Euro kostet, die Kosten für die Wertminderung der versendeten Ware sind hier nicht eingerechnet.
Weiter heißt es in der Mail „…Für die Zeit zwischen Bestellung und Retoure sind die Artikel nicht auf http://www.zalando.de für andere Kunden verfügbar. Diese Kunden können dann ihren Wunschartikel nicht finden. Da wir allen Kunden ein möglichst umfangreiches Sortiment präsentieren wollen, möchten wir Sie bitten mitzuhelfen, Retouren zu vermeiden. “
Und das Image beginnt zu bröckeln. Stimmen in Blogs werden lauter, Bewertungen werden schlechter. Die Vorteile der Geschwindigkeit und der Verbreitung im Internet werden nun zu Nachteilen. Informationen können durch Netzwerke und Social Media jeden erreichen und sind meist für immer präsent. Ist das gute Image einmal weg, so wird es schwer dieses wieder zu erlangen. Hinter jedem Onlinedienst steht ein Unternehmen mit Arbeitsplätzen und Existenzen, die es zu respektieren gilt, auch wenn man nur virtuell und nicht physisch einkauft. Die Struktur innerhalb eines Unternehmens ist durch die Virtualität nicht aufgehoben.

Kunden müssen Verantwortung gerecht werden!

Doch werden Kunden ihrer Verantwortung, die sie in dieser neuen Ordnung zweifellos haben, gerecht? Die Marktmacht verschiebt sich durch viele Anbieter und grenzenloser Information, die das Medium Internet zur Verfügung stellt, deutlich zum Kunden. Durch die Maßlosigkeit, mit der teilweise nachgefragt wird und das Ausreizen jeglicher Zugeständnisse, die ein Onlinehändler gezwungener Maßen durch den Druck anderer Anbieter seinen Kunden macht, ist die bereits angesprochene Wirtschaftlichkeit fast nicht mehr zu erreichen. Negative Schlagzeilen in Sachen Billiglöhnen, die den Aufwand in der Gewinn und Verlustrechnung in Grenzen halten sollen, erhöhen den Druck noch einmal ungemein.
Um auf den Service, den uns die Onlinehändler bieten, ja wie sie uns schon fast verwöhnen, weiterhin zugreifen zu können, müssen wir Kunden unserer Verantwortung gerecht werden und wieder Maß finden.

Dass das Unternehmen Neckermann mit „Gratislieferung!“ und „0%-Finanzierung“ die Verwöhnung der Kunden begonnen hat und durch seine Pleite vom Markt verschwunden ist, grenzt schon fast an Ironie und Makaber.
Die Konsequenz wäre also, dass eine hohe Fluktuation bei den Anbietern am Markt entstehen würde.
Viele örtliche Anbieter, die ihre Ware dem Kunden noch physisch in einem Schaufenster präsentieren, werden vermutlich mit der Generation aussterben, die das Internet nicht in der Weise nutzen, wie es möglich wäre. Das heißt, die Zukunft des Handels liegt ausschließlich im Internet. Daher müssen alle Marktteilnehmer auch Rahmenbedingungen schaffen, die ein solides Wirtschaften im Internet zulassen. Dazu wäre es auch wichtig zum Beispiel ein Verfahren zu gestalten, das die Ware im Internet „realistisch“ darstellt, um Rücksendungen zu vermeiden.
Durch die Überlegung, dass Zalando in Zukunft eine börsennotierte Aktiengesellschaft werden will, entsteht sogar die Gefahr eines Szenarios, das der Dotcom-Blase ähnelt, also eine „Dotcom-Blase reloaded.“ Die Blase wäre nicht mit zukunftsweisenden und stark wachsenden Technologieunternehmen gefüllt, sondern mit Onlinehandelsunternehmen a` la Zalando.

Rene Küchler

Studiengang BWL-Industrie, 3. Semester, Duale Hochschule Baden-Württemberg, Campus Ravensburg