We Tweet The World – Twitterstars 2010: Oktopus Paul, Julian Assange, Justin Bieber und Lady Gaga

Was auch immer sie der Welt mitzuteilen hatten, diese vier gehören zu den wichtigsten Persönlichkeiten 2010: WM-Krake PaulGeheimnisverräter Julian Assange, Popstar Justin Bieber und Kollegin Lady Dingsda. Ja sind wir denn alle Gaga?

In den Twitter Trends 2010 rangieren sie nach Angaben der Firma selbst unter den Top 10 ihrer jeweiligen Kategorie. Paul, der miese deutschlandhassende Tintenfisch, der uns um das WM-Finale gebracht hat, ist neben Popstar Justin Bieber sogar das einzige Lebewesen, über das ähnlich viel getwittert wurde wie über das Erdbeben in Haiti oder das Riesenleck im amerikanischen Ölfass Golf von Mexico. Wie kommt das?

Gut, Justin Bieber und Lady Gaga können wir den frühadoptierenden Jugendlichen und ihren Vorlieben zuschreiben. Als wir in dem Alter waren, hängten wir ja auch lieber Bravoposter von Cindy Lauper neben’s Bett als von Margaret Thatcher. Obwohl die Frisuren der beiden durchaus Ähnlichkeit hatten, nur die Botschaft unterschied sich in „Girls just wanna have fun“ und „Es spielt für mich keine Rolle, dass ich eine Frau bin. Ich betrachte mich selbst als Premierminister.“ Statt Cindys Message zu twittern haben wir sie eben auf Zettel gekritzelt und durch die Bankreihen gereicht. Soziologisch betrachtet ist das das Gleiche. Heute verliert eben Angela Merkel gegen Lady Gaga beim Twitter-Contest.

Twitter_trends

 Quelle: Mashable

Popularität entsteht damals wie heute aus dem Unterhaltungsfaktor. Und der war bei allen Twitter-Top-10-Ereignissen 2010 sehr hoch. Wer wollte das bestreiten? Sensation schlägt Langeweile. Unterhaltung ist alles. Da hat sich eigentlich nichts verändert gegenüber der Zeit vor dem Internet. Auch Katastrophen und Verschwörungen  Nur die Kanäle werden schneller, unmittelbarer, zwischenmenschlicher. Das ist die Stärke der sozialen Medien, die uns obendrein in brutalst möglicher Datenanalyse einen Spiegel des Massenverhaltens vorhalten. Direkter Durchgriff auf die Inhalte, Freunde und Freundesfreunde um sich scharen, meistens ein paar Dutzend oder hundert, manchmal zehntausend oder eine Million.

Anfangs als dummes Gezwitscher von Marmeladenhöhen auf Butterbroten abgetan, ist Twitter selbst ein Trend geworden, der hektische Betriebsamkeit in den Kreativstuben auslöst. Gierig stürzen sich die Werbeagenturen auf die neuen Möglichkeiten und Twittern aus vollen Rohren. Ich bin mir sicher, dass man mit täglichen Tweets über #Bieber-Bettwäsche oder #Gaga-Radio aus dem Stand 115.000 Follower generieren kann. Glückwunsch all denen, die es erkannt haben! Vergessen sie bitte nicht, dass ihre Kunden at-the-end-of-the-day, also hintenraus, einen Ertrag sehen wollen.

Wie passt nun eigentlich Wikileaks-Mitbegründer Julian Assange in die Reihe der Twitter-Prominenz 2010? Dazu habe ich die Story einer Benchmarkanalyse unterzogen und festgestellt: In seiner rasanten Aufholjagd bei Twitter & Co zum Jahresende liegt ganz viel Bieber, Gaga und Paul Pulpo. Skandalumwittert wie ein Popstar ist er spätestens seit seiner Verhaftung in London. Obendrein ist er mit seiner Hochverräterplattform Wikileaks ein Spielverderber, genau wie Paul der Tintenfisch.

Mathias Priebe
Mathias Priebe ist Marketing-, Medien- und PR-Fachmann. Coach, Dozent und Berater für Existenzgründer, mittelständische Unternehmen und andere Organisationen. Ironman Triathlet.

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