Media Markt schließt? – ein Werbe-Gag missglückt

Jeder kennt die Werbung von Media Markt, meist aufdringlich und mit dem Versuch viel Aufmerksamkeit zu bekommen gestaltet. So auch die letzte Werbekampagne des Elektrofachhandels. Bei dieser Aktion wurden im Fernsehen, im Radio und im Web 2.0 damit geworben, dass alle Media Märkte schließen. Schnell kamen einige Verbraucherstimmen auf, die behaupteten Media Markt sei insolvent. War diese Werbestrategie nun von Vorteil für die Handelskette, oder überwiegen am Ende die Nachteile?

Die Marketingaktion

Schon einige Tage vor dem 2. Oktober konnten die Verbraucher überall lesen, dass alle Media Markt-Filialen und der Onlineshop schließen. Bis zu diesem Tag fand der, laut Media Markt, „Größte Schlussverkauf des Jahres“ statt. Viele Passanten waren beim Vorbeigehen an den Plakaten mit Sicherheit verblüfft und dachten sofort an Insolvenz und überlegten, ob der Markt danach jemals wieder auf machen würde. Dieses Bild der Kunden wurde durch den zugehörigen Werbespot unterstützt, denn nur im Kleingedruckten stand: „Am 2. Oktober geschlossen“ und nicht „Ab 2. Oktober geschlossen“.

Wer jedoch dachte, er müsse seine Elektroartikel ab diesem Tag in einem anderen Fachgeschäft kaufen, der irrte, denn all dies war eine Marketingaktion von Media Markt. Die Firma nutzte den 2. und 3. Oktober lediglich um Platz für neue Produkte zu schaffen und diese einzuräumen. Durch die Aktion, das Ganze als Schlussverkauf zu vermarkten, wollte Media Markt die volle Aufmerksamkeit auf sich lenken. Dies hat das Unternehmen durch zahlreiche Plakate, TV-Werbung und Facebook-Posts auch geschafft.

Die Reaktion der Verbraucher

Im Vorhinein kann man sagen, dass sich Media Markt wirklich sehr darum bemüht mit seinen Kunden auf Facebook zu kommunizieren. Auf nahezu jeden Kommentar wird reagiert und geantwortet. Dies geschieht während den Öffnungszeiten sehr schnell, zum Teil innerhalb von wenigen Minuten. Dies alles schafft das Unternehmen bei insgesamt 1.227.951 „Gefällt mir“-Angaben. Seit dem 14.10.2013 ist Media Markt auch auf Twitter vertreten.

Für den aktuellen Werbe-Gag bekam Media Markt allerdings mehr negative Kritik. Auf der Facebookseite schrieb ein User beispielsweise, „Man könnte fast meinen, dass Media Markt mit dem Slogan ‘Wir schließen‘ die Baumarkt-Riesen wie Max Bahr und Praktiker verulken will und dann ‘Haha, aber wir machen wieder auf‘ (…) hinterherschiebt. Das ist so bescheuert, ich hoffe, das bringt Euch keinen einzigen Kunden mehr! Das ist Volksverdummung. (…) „Von mir aus braucht es keinen Media Markt mehr!“.
Folgendes Bild zeigt, dass mehrere User derselben Meinung waren und diese auch Kund taten.

Die Reaktion auf Facebook

Auf solche Kommentare antwortete Media Markt meist mit der gleichen, oder ähnlichen Antwort. Diese ist vorbildlich und lautete, „Das Verschwinden einer Marke und die Schließung von Geschäften im Rahmen einer Insolvenz sind tragisch und für alle Mitarbeiter schwer. Wir wissen, dass dies für den Einzelnen oft einen tiefen Einschnitt bedeutet. Es ist uns daher sehr wichtig, deutlich zu machen, dass wir mit unserer Aktion nicht darauf anspielen oder uns damit vergleichen möchten.“.
Andere Facebook-Nutzer reagierten auf die Maketingaktion anders und kommentierten die Aktion mit: „Super Idee“, oder „Geniale Werbeaktion“, usw.

Im Gesamten ging diese Aktion allerdings eher nach hinten los. Viele Kunden bemängelten die immer noch zu hohen Preise beim Schlussverkauf und bei der Eröffnung. Ebenso haben viele Verbraucher die Botschaft der Neueröffnung trotz großer Plakate, Radio- und Fernsehwerbung nicht richtig mitbekommen. Dies bezeugen auch die vielen Fragen der Facebook-User: „Wieso schließt ihr?“, oder „Seid ihr wirklich pleite?“.

Riskant oder Clever?

Sind nicht die anderen Elektrofachhändler die Gewinner einer solchen Aktion? Denn wo ein Media Markt ist, ist oft auch ein anderer Elektrofachmarkt nicht weit. Die Kunden, die die Aktion nicht verstanden haben, werden wohl zu diesen Händlern gegangen sein. Was ist wenn es diesen Kunden nun dort besser gefallen hat? Leider habe ich bis dato weder von Media Markt, noch von anderen Fachmärkten eine Auskunft über die Kaufkraft an und seit diesen Tagen erhalten.
Andere Unternehmen, so auch das Schwesterunternehmen Saturn, hängten einfach einen Zettel an die Tür „Von…bis…wegen Inventur geschlossen“. Da bleiben dann die negativen Kommentare eher aus.

Daniel Braun

Studiengang BWL-Industrie, 3. Semester, Duale Hochschule Baden-Württemberg, Campus Ravensburg

TV x Twitter = erfolgreiches Marketing?

Die Nutzung des Second Screens boomt mehr als je zuvor. Parallel zum Fernsehen werden via Twitter das „fette Konzert“ von Fettes Brot bei Rock am Ring, die neue Coca-Cola Werbung oder die laufende TV-Show kommentiert. Schön und gut soweit – keine große Neuigkeit – möchte sich der Leser an dieser Stelle denken. Doch welches Marketingpotential sich durch diese Tweets ergibt, zeigen EinsPlus, Coca Cola sowie Twitter selbst anhand verschiedener TV-Twitter-Kombinationen beispiellos auf.

1. #EinsPlus #RAR – Integration von Live-Tweets bei Rock am Ring

Neben zahlreichen anderen Social Media Angeboten, animierte der junge Digitalkanal der ARD zusammen mit SWR und DASDING erstmals die Zuschauer von Rock am Ring via Twitter oder Instagram live am Festival teilzunehmen, indem sie Tweets und Fotos mit den Hashtags #RAR und/oder #EinsPlus verlinken. Diese Beiträge wurden daraufhin von EinsPlus fast in Echtzeit bei der Übertragung der Konzerte eingeblendet.

Kleines Beispiel gefällig?

Das Festival wurde mittels der Integration von Live-Tweets zum Gemeinschaftserlebnis und die Daheimgebliebenen erlebten ein „Festival-Feeling im Wohnzimmer!“ Die über 100.000 Tweets bei nur 25 Stunden Sendezeit und die durchweg positive Resonanz reflektieren die Begeisterung der Twitter-Community über dieses Interaktionsangebot. Nach diesem aufregenden RAR-Wochenende, dürfte neben dem Festival auch die Fernseh- und Radiosender EinsPlus, SWR und DasDing begeisterte Fans für sich gewonnen haben.

Festival-Feeling im Wohnzimmer

2. #LetsEatTogether – Coca-Cola integriert Live-Tweets in TV-Werbung

Im Rahmen der LetsEatTogether Kampagne von Coca-Cola, hat sich das Unternehmen in Kooperation mit der Werbeagentur MRM Worldwide einer TV-Twitter-Werbekombination in Rumänien bedient. Anlass der ganzen Aktion war das Ergebnis einer Umfrage, dass 60 % aller Rumänen ihre Mahlzeit alleine vor dem Fernseher verspeisen. Deshalb forderte Coca-Cola rumänische Twitter-Nutzer dazu auf, sich mittels Tweets mit den Hashtags #LetsEatTogether und/oder #HaiSaMancamImpreuna mit Bekannten zum Essen zu verabreden – bei der eine Coke nicht fehlen darf! Diese Einladungen wurden in die TV-Spots eingebunden, wobei die Live-Tweets zuvor von der Agentur auf ihren Inhalt überprüft wurden. Durch die Integration von Live-Tweets  wurde jeder Werbespot individuell und von den Twitterern spannend erwartet – welche Werbung kann dies schon von sich behaupten?!

Im Zuge dieser Kampagne konnte laut MRM Wordlwide die Anzahl der Twitter-Follower von Coca-Cola in Rumänien um 15 % gesteigert und die Top 10 der Trending Topics auf Twitter erreicht werden. Des Weiteren gab es über eine Million Social Media Impressions während dieser Aktion und folglich wird der Getränkehersteller nun um 15 % häufiger mit Essen assoziiert. Somit war LetsEatTogether für Coca-Cola ein voller Erfolg, wobei Rumänien für den Global Player voraussichtlich nur den Anfang solcher Kampagnen darstellte. Bei einem bin ich mir jedoch sicher. Coca-Cola trifft mit dieser TV-Twitter-Werbekombination den Nerv der Zeit.  

3. TV ad targeting von Twitter

Allein die zehn größten Autohersteller der Welt investierten über 4,5 Milliarden Euro in TV-Werbung im Jahr 2012. Ob dabei immer die richtige Zielgruppe erreicht und der gewünschte Erfolg erzielt wurde, ist dahingestellt. Fakt ist jedenfalls, dass im letzten Jahr über 32 Millionen Menschen in den USA über das TV-Programm twitterten. Von diesen 32 Millionen Menschen muss eine bestimmte Menge die TV-Spots der Autohersteller, während einer Fernsehsendung über die sie twitterten, gesehen haben. Welche Chance wurde darin von den Autoherstellern im Jahr 2012 wahrgenommen? – Keine.

In diesem Jahr jedoch erkannte Twitter selbst in der Verwendung des Second Screens die Chance für eine medienübergreifende TV-Werbung. Hierbei kommt nun das TV ad targeting ins Spiel, welches im nachstehenden Video veranschaulicht wird. Twitter erkennt durch eine ausgereifte Technologie, welche Personen aktuell über die TV-Sendung twittern, in der beispielsweise der TV-Spot von VW eingebettet wurde. Diese Twitter-Nutzer sind nun die Zielgruppe für einen Promoted Tweet von VW, um die Werbebotschaft erneut ins Gedächtnis zur rufen. Dadurch kann der Hersteller in direkten Kontakt mit seiner Zielgruppe treten und seine TV-Aktivitäten mittels Twitter ergänzen bzw. verstärken. Dem TV ad targeting, welches bisher nur in den USA verwendet wird, bedienen beispielsweise Jaguar, Adidas und Samsung.          

Meiner Meinung nach ist der Wandel vom First auf den Second Screen bereits – zumindest bei der jüngeren Generation – vollzogen. Deshalb fokussieren sich die Unternehmen zunehmend auf die Verknüpfung von TV und Twitter, wobei ein Wandel bei der Verwendung von Tweets zu beobachten ist. Diese werden nicht mehr sporadisch wie z.B. bei vielen Talkshows (hartaberfair, Maybrit Illner) eingesetzt, sondern bilden vielmehr ein kreativer Bestandteil einer Sendung bzw. eines TV-Spots. Die oben aufgezeigten TV-Twitter-Kombination stellen dabei eindrucksvoll unter Beweis, wie auf verschiedenster Weise von Live-Tweets profitiert und somit ein durchaus erfolgreiches virales Marketing betrieben werden kann. Gerade im Hinblick auf den Wachstum Twitters bin ich der festen Überzeugung, dass die Unternehmen in Zukunft noch stärker auf die Formel Twitter x TV = erfolgreiches Marketing setzen werden.

Johannes Metzler

Studiengang BWL-Industrie, 3. Semester, Duale Hochschule Baden-Württemberg, Campus Ravensburg

R.I.P Second Life

Eine Stadtführung in München, Einkaufen in Amsterdam, ein Foto am Brandenburger Tor und der Besuch eines Museums in London. Quer durch Europa nur innerhalb einer Stunde!? Was zunächst unmöglich erscheint, ist bei der Internetplattform Second Life machbar. Einst tummelten sich Millionen von Nutzern auf dieser Internetplattform, die Medien berichteten über jeden Schritt in der Online Welt und Second Life wurde als das nächste große Ding angepriesen. Doch 10 Jahre nach der Gründung ist es ruhig um Second Life geworden.

Second Life beschreibt eine virtuelle 3D-Welt in der man mit einer selbst erstellten Spielfigur, dem sogenannten Avatar, am virtuellen Leben teilnehmen kann.

Nutzer tanzen mit dem selbst kreierten Avatar in der 3D-Welt

Nutzer tanzen mit dem selbst kreierten Avatar in der 3D-Welt

Diese 3D-Welt besteht aus verschiedenen Regionen, den sogenannten Sims. Während des Spiels besteht für den Nutzer die Möglichkeit sich von Sim zu Sim zu bewegen und die verschiedensten Orte zu besuchen, die teilweise äußerst realitätsgetreu abgebildet sind.

Das Brandenburger Tor besteht auch in der virtuellen Welt

Das Brandenburger Tor besteht auch in der virtuellen Welt

Ferner können die Avatare Häuser errichten, Berufe ausüben, Geld verdienen und dieses selbstverständlich wieder ausgeben. Hierfür wurde speziell eine SL-Währung, die Linden Dollar, geschaffen, welche mit der realen Welt gekoppelt ist, so dass an der Tauschbörse LindeX US Dollar umgetauscht werden können. Dieser Aspekt gilt als Schlüsselfunktion des Second Life, da somit die virtuelle Welt mit der realen Welt verbunden ist.

2006: Unternehmen entdecken Second Life

Das Bruttosozialprodukt aus dem Jahr 2006 zeigt, dass auch die Wirtschaft in der virtuellen Welt floriert. Nach Angaben von Second Life beträgt dies 64 Millionen US Dollar. Aus wirtschaftlichen und aus marketingtechnischen Gründen nahm 2006 die Anzahl an Unternehmen, die in SL einsteigen, stark zu. Neben Daimler, BMW und der Deutschen Post hat auch Adidas eine Filiale in der 3D-Welt gegründet. Der Store von Adidas hat den Nutzern den Kauf von virtuellen Schuhen für ihren Avatar ermöglicht. In einem halben Jahr hat Adidas 23.000 Schuhe verkauft. Von Adidas wurde SL jedoch nicht als Umsatzplattform betrachtet, sondern vielmehr als eine PR-Möglichkeit, um sich selbst zu vermarkten. Für das Unternehmen galt, dort präsent zu sein, wo sich seine Zielgruppe aufhält. Das Durchschnittsalter in SL beträgt 33 Jahre. So konnte durch die Präsenz in der virtuellen Welt zum einen der Bekanntheitsgrad erweitert werden, zum anderen eröffnete SL einen neuen Raum für Marktforschung.

Durch den Hype, den Second Life im Jahr 2006 erfuhr, und der damit verbundenen Medienpräsenz, wurde die virtuelle Welt zu einem günstigen Marketinginstrument für Unternehmen. Die Medien haben über jeden Schritt in der Online Welt berichtet, wodurch die Unternehmen das Aufsehen in der realen Welt erfahren haben. Bedauerlicherweise war im Jahr 2007 klar, dass Second Life nicht die breite Masse anspricht, sondern nur die Nische, wodurch das Medieninteresse nachließ und die Unternehmen der virtuellen Welt den Rücken zugewendet haben. Der Traum einer zweiten, besseren Welt ohne soziale Unterschiede ging nicht in Erfüllung. Durch die komplizierte Steuerung und der schlechten Grafik, die damals nicht auf der Höhe der Zeit war, sind die Nutzerzahlen zurückgegangen. Somit galt Second Life nicht mehr als die Zukunft des Internets und die Unternehmen konnten im Durchschnitt lediglich zwei Kunden pro Stunde verzeichnen. Weder Adidas noch die Deutsche Post sind heute noch im Second Life aktiv. Hierbei wird deutlich wie stark der Medienhype und das Marketinginteresse abhängig von einander sind.

Ist Second Life tot?

Der einstige Höhenflug, den SL bei Nutzern und Medien erlebt hat, war schnell zu Ende und die virtuelle Welt geriet nach und nach ins Vergessen der Bevölkerung, weshalb es heutzutage bei vielen Marketing-Verantwortlichen heißt, dass Second Life zu Zeiten von Facebook, Twitter & Co. tot sei. Dies ist jedoch nicht der Fall. Aus SL hat sich das entwickelt, was nach jedem Hype entsteht. Lediglich die Fangemeinde bleibt treu und hält sich weiterhin in Second Life auf. 35.000 bis 60.000 Nutzer sind noch zur selben Zeit eingeloggt. Die Zahl der aktiven Nutzer steigt zwar nicht an, jedoch gibt es noch immer genügend Nutzer, die zum Bestehen der Internetplattform beitragen. Diese Zahl ist für Unternehmen aber nicht ausreichend genug, damit sich die Investition in einen eigenen Store in SL lohnt.

Alles in allem ist das Marketingkonzept der Unternehmen sinnvoll, da sich somit vor allem der Bekanntheitsgrad weltweit stark erweitern lässt. Die positive Resonanz von Adidas aus der Zeit, in der das Unternehmen in SL online gewesen ist, zeigt, dass sich das Konzept bewährt. Allerdings lag der Misserfolg dieses Marketingkonzepts vor allem am Scheitern des gesamten SL Konzeptes und der daraus resultierenden Abnahme der aktiven Nutzer. Dadurch konnte auch das Marketingkonzept der Unternehmen seine Wirkung nicht voll und ganz entfalten.

Weshalb es zu einem Einbruch des Hypes und den damit verbundenen abnehmenden Nutzerzahlen gekommen ist, ist unklar. Vermutlich ist die virtuelle 3D-Welt zu früh auf dem Markt gewesen, als das sie langfristig Erfolge verzeichnen hätte können. Second Life wird auch in Zukunft keine Erfolge mehr verzeichnen können. Diese Internetplattform gehört wie SchülerVZ, StudiVZ und vielen anderen sozialen Netzwerken zu den Plattformen, die nach einem Hype zusammenbrechen und nur noch eine geringe Zahl von aktiven Nutzern verzeichnen können. Eventuell besteht, für die neue virtuelle Welt „Cloud Party“, welche gerade in der Anfangsphase steckt, bessere Zukunftschancen. Wie sich diese Internetplattform entwickelt und ob diese virtuelle Welt von den Unternehmen als Marketinginstrument angesehen wird, steht jedoch noch in den Sternen. Nur eins ist gewiss: Die virtuellen Welten werden bleiben und drängen sich mehr und mehr in die Realität.

Nadine Mollet

Studiengang BWL-Industrie, 3. Semester, Duale Hochschule Baden Württemberg, Campus Ravensburg

VEVO – die Revolution des Musikvideos

Youtube war gestern, Vevo ist heute. Seit dem 1. Oktober bietet der US-Dienst VEVO Musikliebhabern wieder die Möglichkeit, sich die Musikvideos der aktuellsten und erfolgreichsten Künstler online anzusehen. Keine lästigen „Dieses Video ist in ihrem Land nicht verfügbar“-Banner mehr, sondern einwandfreie Videos in gestochen scharfer HD-Auflösung.

Gema, Youtube und Vevo

Das neue Videoportal hat es geschafft, in Deutschland eine Einigung mit der Gema zu erzielen. Der Manager Nic Jones, zuständig für das internationale Geschäft, berichtet: „Die Gespräche begannen zwar mit Forderungen, bei denen kein nachhaltiges Geschäft für uns möglich war, aber wir haben schließlich eine annehmbare Lösung gefunden.“

Der Anbieter startete in Deutschland im Alleingang – ohne den großen Partnerkonzern Youtube. Der Dienst ist ebenfalls in den USA, Australien, Brasilien, Kanada, Frankreich, Irland, Italien, Neuseeland, Spanien und Großbritannien verfügbar. 

Jedoch greifen beispielsweise in den USA mehr als 60% der User auf Vevo über Youtube zu. Das bedeutet, dass die Werbeeinnahmen, die erwirtschaftet werden, entsprechende geteilt werden müssen. In Deutschland ist dies aufgrund der umständlichen Verhandlungen zwischen Youtube und der Verwertungsgesellschaft Gema weder nötig noch möglich.

Ob Youtube bald überflüssig ist, wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Auf jeden Fall heizt der Start von Vevo die Diskussionen um die Gema und visuelle sowie akustische Inhalte auf Youtube neu an. Seit diesem Monat findet Musikgeschichte nicht mehr unter Ausschluss der deutschen Öffentlichkeit statt.

Kostenloser Dienst

Vevo ist für die Nutzer kostenlos und finanziert sich über Werbung. Nach drei Videos wird deshalb ein Werbeclip eingespielt. Die Nutzer können in Deutschland über die Website, Apps, die Settop-Box Apple TV sowie die Xbox auf das Vevo-Angebot zugreifen. 

Mehr als 75.000 Musikvideos

Auf der Startseite wirbt Vevo mit brandneuen Clips. Insgesamt umfasst der Katalog derzeit ca. 75.000 Musikvideos, 1.000 eigenen Produktionen, sowie Original-Musikserien, Backstage-Material, Live-Performances und Interviews mit Künstlern. Und alle sind in Deutschland verfügbar.

Betrieben wird der Dienst von Sony, Universal Music und der Abu Dhabi Media Company, auch der Megakonzern Google ist beteiligt. Videos gibt es natürlich nicht nur von den Mutterfirmen sondern auch eine Menge Independent-Labels sollen eingebunden werden. Ein Minuspunkt der Seite ist, dass viele Musiker des Plattenmultis Warner fehlen.

Vevo2

Erfrischendes Design

Besonders ins Auge sticht auch das Webdesign von Vevo. Auf einem großflächigen Slider wird für Videos von aktuellen Künstlern geworben. Die weiteren Videos werden in ordentlich sortierten Bildern präsentiert. Sowohl Farben als auch Formen erscheinen stimmig und modern.

Vevo

Ann-Cathrin Harth
Kommunikationswissenschaft, Universität Bamberg

Crowdinvesting – Das Geld aus dem Schwarm

Schlagwörter wie „Crowdfunding“, „Crowdinvesting“ oder zu Deutsch „Schwarmfinanzierung“ sind mittlerweile in aller Munde. Jedoch ist nur wenigen bekannt was sich hinter den unterschiedlichen Begriffen verbirgt und welche Geschichten dieser Trend schreibt – in positiver und negativer Hinsicht.

Ein Trend, der wie so viele in den USA seine Wurzeln hat. 2008 war es der ursprüngliche Gedanke der Crowdfunding-Plattform Kickstarter, eine neue Finanzierungsform für kreative Projekte und Ideen mit überschaubarem Finanzbedarf zu schaffen. Mit dieser Motivation wurden anfangs besonders Musiker und andere Künstler angezogen. Mittlerweile haben aber auch Startup-Unternehmen und Investoren das Prinzip der „Schwarmfinanzierung“ zu ihrem Vorteil entdeckt.

Wie aus Uneigennützigkeit eine Geschäftsidee wurde 

Oft werden die Begriffe „Crowdfunding“ und „Crowdinvesting“ als Synonyme verwendet. Dies ist jedoch ein Trugschluss, da der Gedanke und die Motivation hinter diesen Begriffen sich sehr wohl voneinander unterscheiden.

Der durch die Internet-Plattform „ArtistShare“ im Jahre 2003 publik gewordene Begriff „Crowdfunding“ beschreibt die Finanzierung eines meist künstlerischen oder karitativen Projekts durch viele Mikroinvestoren. Die Gegenleistung für die Investoren ist dabei nie monetärer Art, sondern eher eine symbolische Gegenleistung (z.B. eine CD o.ä.).

Seedmatch“ war die erste Plattform in Deutschland die 2010 den Kerngedanken des Crowdfunding kapitalisierte und aus der altruistischen Motivation, eine wirtschaftliche machte.

Beim „Crowdinvesting“ stellen Nutzer einer Plattform einem Startup-Unternehmen mit Kapitalbedarf Geld zur Verfügung und sichern sich somit Anteile an eben diesem. Dadurch profitieren sie von Gewinnen und dem möglichen Verkauf des Startups an einen Großinvestor (Exit genannt). Dadurch wird es selbst Privatpersonen möglich sich mit geringen Beträgen an einer Geschäftsidee in der Frühphase zu beteiligen. Der komplette Investitionsverlust ist jedoch nie ausgeschlossen.

Seedmatch_Crowdfunding_Endspurt

Aber auch Unternehmen wie der kanadische Mobiltelefonentwickler Teknision sind auf den Geschmack gekommen Produkte über den Schwarm finanzieren zu lassen. Teknision hatte so die Entwicklung einer App über die Plattform „Kickstarter“ vorfinanziert.

In 5 Stunden zu 100.000 Euro – Eine Erfolgsgeschichte

Am 02.02.2012 war es geschafft. Binnen 5 Stunden haben es die Gründer Christian Koch und Nils Mahler über die Internet-Plattform Seedmatch geschafft ihre Idee vom mobilen Dolmetscher durch Mikroinvestoren mit einer Summe von 100.000 Euro zu finanzieren.

Lingoking ist ein Online-Sprachdienstleister und vermittelt per App oder Anruf professionelle Dolmetscher für private Telefonate oder geschäftliche Telefonkonferenzen.

Die Erfolgsgeschichte des Münchner Startups lässt sich aber an bestimmte Erfolgsfaktoren festmachen: ein fertiges Produkt, erste Umsätze, starke Partner (z.B. Pons) und ein eingearbeitetes Team. All diese Punkte präsentierte Lingoking den Investoren bei Seedmatch und konnte dadurch erst solch ein fulminantes Ergebnis erzielen. Werbung und Marketing über Social Media Kanäle war unabdingbar und auch die Mithilfe der Mikroinvestoren benötigte man um sich die nötige Medienpräsenz zu verschaffen. Eine innovative Idee reicht also noch längst nicht aus.

Gut eineinhalb Jahre nach der Finanzierung durch den Schwarm florieren die Geschäfte der Jungunternehmer, nicht zuletzt da schon unter ihren Investoren potenzielle Kunden waren. Außerdem konnte man auch dieses Jahr den Innovationspreis-IT der „initiative Mittelstand“ in der Kategorie „Communication“ nach dem Sieg im Vorjahr entgegennehmen.

Die zwei Seiten der Medaille 

In den Medien werden oft einzelne Erfolgsgeschichten junger Unternehmer populistisch in Szene gerückt. Jedoch sollte man sich nicht so leicht von dieser Welle der Euphorie mitreißen lassen, da diese Erfolgsgeschichten nicht repräsentativ für das Gesamtkonzept stehen können.

Gerade den Investoren ist oft nicht klar worauf sie sich einlassen, so Markus Kienle von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK):

„Das Risiko für Anleger ist extrem. (…) Deutlich mehr als die Hälfte der Start-ups scheitern.“

Denn wenn die Finanzierung auf der Internet-Plattform einmal zustande gekommen ist, dann liegt das eingesetzte Kapital der Investoren in den Händen des Unternehmers. Im Falle des Scheiterns ist die gesamte Einlage somit „verpufft“.

Der britischen Finanzmarktaufsicht FSA nach zu beurteilen sei das Konzept des Crowdinvesting nur für erfahrene Investoren geeignet, wobei auch diese nur Geld einfließen lassen sollten, dessen Verlust sie problemlos verschmerzen könnten.

Die Illusion, das Geld des kleinen Mannes für Großes zu bündeln, wäre somit mehr Wunschdenken als Realität.

ds_crowdfunding

Aber auch einige Startups müssen mit Nachteilen des Crowdinvesting umgehen. Oft wird der Support durch die Plattform überschätzt, obwohl die Beratung besonders auf die Vorbereitung der Plattform-Kampagne fokussiert ist und die Plattform somit nur als Vermittler zwischen Investor und Unternehmer fungiert. Außerdem gilt eine weitreichende PR-Kampagne mithilfe von Social-Media-Kanälen als unablässig und auch das Befriedigen des Informationsbedürfnisses der zahlreichen Investoren birgt einen hohen Aufwand und lenkt häufig von der Weiterentwicklung des tatsächlichen Geschäfts ab.

Gerade an diesem hohen Koordinationsaufwand, aber auch an der Durchsetzung der Geschäftsidee auf dem Markt scheitern viele Startup-Unternehmer.

Fazit

Die Option des Crowdinvesting ist gerade für junge Unternehmen mit Kapitalbedarf aber geringer Liquidität eine echte Chance. In Zeiten einer sich anbahnenden Kreditklemme öffnet das Konzept der Schwarmfinanzierung Startup-Unternehmen eine Tür, die aber genauso schnell wieder zuschlagen kann, wie sie aufging. Denn auch eine Finanzierung durch Mikroinvestoren hat ihre Tücken.

Das höhere Risiko liegt allerdings auf Seiten der Investoren, da diese mit ihrem eigenen Kapital zwar auf innovative aber auch auf unsichere Geschäftsmodelle setzen. Gerade aus diesem Grund sollten es sich Privatpersonen, die den Verlust des eingesetzten Kapitals nicht verkraften können, zweimal überlegen, ob sie sich beteiligen.

Abschließend lässt sich aber festhalten, dass auch wenn sich das Wunschbild des kleinen Mannes als Investor nicht bestätigt, das Konzept Crowdinvesting trotzdem eine Chance darstellt,  auch um die Innovationsstärke Deutschlands zu fördern.

Florian Möllmann

Studiengang BWL-Industrie, 3. Semester, Duale Hochschule Baden-Württemberg, Campus Ravensburg

Gender Marketing: Auch im Web 2.0 steckt in jeder Frau eine Göttin…

und Gillette Venus hilft dabei, sie zu erwecken, denn welche Frau hat tief im Inneren nicht den Wunsch, Sinnlichkeit auszustrahlen und von Männern begehrt zu werden?

Mit dem Werbeslogan „Erwecke die Göttin in dir…“, möchte das Unternehmen Procter & Gamble (P&G), das hinter der Marke Gillette Venus steht, gezielt Frauen ansprechen, die durch die Damenrasierer, ihre äußere Schönheit mit glatter, strahlender Haut perfektionieren können, da heutzutage ein gutes Körpergefühl ein Muss für die moderne Frau ist.
Das Marketing des Marktführers der Damenrasierer, setzt auf eine zielorientierte Werbung.
Nicht nur die Produkte werden erfolgreich vermarktet, sondern auch die Marke selbst schafft sich eine angesehene Position. Dies gelingt nicht ausschließlich durch Magazin- und TV-Werbung, denn die Kommunikation zu den Venus Kunden wird durch das Web 2.0 ausdrücklich verbessert und passt sich gleichzeitig auch den Werbemaßnahmen der heutigen Zeit an.

Die altbewährte Strategie

In der nationalen Fernsehwerbung bekommet Gillette Venus jährlich ein neues Marketing Gesicht durch die Castingshow Germanys Next Topmodel, die im Frühjahr nächsten Jahres in die 9. Staffel startet. Dagegen wird international mit Testimonials geworben. Ein Beispiel dafür ist Jennifer Lopez, die das große Werbegesicht der Marke im Jahr 2011 darstellte.
Doch seit dem erinnerungswertem TV-Spot, bei dem Lopez auf der Bühne mit unglaublich schönen Beinen eine super Figur machte, wurde kein neuer „Celebrity Star“ mehr ins Boot geholt.

Web 2.0 –  die neue Strategie zum Erfolg?

Der Wandel im Bereich des Marketings begann 2001 mit der Anmeldung von Gillette Venus auf Facebook und ging 2008 mit der Gründung einer nationalen Facebook Seite auch auf Deutschland über. Das Twitter Dasein folgte im September 2012 und wird ebenso wie Instagram international und auf Englisch betrieben. Auf Instagram ist die Marke bislang erst seit Mai dieses Jahres tätig. Die Aktivität von Gillette Venus auf Facebook ist unmissverständlich hoch, denn täglich teilt das Marketing Team der Marke etwas Neues auf ihrer Seite. Mit 1 342 181 „Likes“ weltweit und mit 289 686 „Gefällt mir“-Angaben in Deutschland (Stand Oktober 2013), spricht die Marke eine immense Zahl an Publikum an.
Ein beliebtes Marketinginstrument, das unter anderem gerade auf der deutschen Facebook Seite genutzt wird, ist das Gewinnspiel. Gillette Venus bedankt sich bei seinen „Fans“ für das Erreichen von 250 000 „Gefällt mir“-Angaben und beschenkt diese mit vielen tollen Preisen. Da diese Art von Werbung für das Unternehmen selbst kostenlos ist, wird jene auch von Gillette Venus oft eingesetzt und zeigt seinen Erfolg.
Auf Twitter postet das Marketing Team zusätzlich täglich Sprüche oder Tipps und animiert auf diese Weise seine 43 321 „Followers“ (Stand Oktober 2013) ein Bild zu einem Thema hochzuladen oder die Nachrichten zu retweeten. So entsteht die Kommunikation mit den Kunden, welche für die Marke strategisch sehr wertvoll ist.

Gillette Venus wirbt zusätzlich auch mit Bloggern, die bei großem Publikum beliebt sind. Damit wird gewährleistet, dass die Blogeinträge eine hohe Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Diese Blogartikel wachsen stetig und laufen folgendermaßen ab. Die Blogger bekommen ein Produkt zugeschickt, das sie über einen Zeitraum testen sollen. Anschließend berichten sie über die Erfahrung mit diesem in ihrem Blog und verlosen zusätzlich den Artikel an ihre Leserinnen, welcher wiederum von Gillette Venus bereitgestellt wird. Zunehmend sind auch Veranstaltungen, die gezielt von Procter & Gamble organisiert werden, um Blogger einzuladen und durch Vorträge über die Produkte zu informieren. Dort bekommen sie die Chance sich mit Experten zu unterhalten und werden nicht zuletzt von dem Unternehmen unterstützt, da auch oft ein Hotelaufenthalt und Verköstigungen inklusive der Veranstaltung sind. Der Artikel auf dem Blog von Lena Becker beschreibt ein solches Event von DM und Gillette Venus, das im April diesen Jahres in Berlin stattgefunden hat. Auch das nachfolgende You-Tube Video gibt eine Einsicht in diese Veranstaltung.

Abschließend möchte ich erwähnen, dass ich bedauerlicherweise keine Auskunft von den Unternehmenskommunikationsverantwortlichen zu weiteren Marketingmaßnahmen erhalten habe. Jedoch nehme ich an, dass in naher Zukunft ein neues berühmtes Marketinggesicht in der Werbung zu sehen sein und sich die Marketingstrategie im Web 2.0 erweitern wird. Gerade im Bereich der Bloggerwerbung wird meiner Meinung nach zukünftig noch viel mehr investiert, da dieses Marketinginstrument für Unternehmen kostengünstiger als diverse Fernsehwerbung ist, aber auch aus dem Grund des Erfolgs, da somit einfach und clever viele junge Mädchen angesprochen werden. Neugierig dürfen wir nun abwarten, welche junge, hübsche Frau uns behilflich sein wird, die Göttin in uns zu erwecken.

Stephanie Schneider

Studiengang: BWL-Industrie, 3.Semester, Duale Hochschule Baden-Württemberg, Campus Ravensburg

Einkaufen der Zukunft: Warteschlange adé!

Wer kennt das Problem denn nicht, man möchte nach einem langen Arbeitstag noch schnell ohne großen Stress den Kleineinkauf im Supermarkt erledigen, doch an der Kasse beginnt der Stress dann meistens erst richtig. Lange Schlangen an den Kassen, ältere Damen die ihr Kleingeld zusammenzählen und schreiende Kleinkinder lassen für einige den stressfreien Kurzeinkauf zu einem wahren Horrortrip werden. Doch es kann auch wesentlich einfacher und schneller gehen. Die Lösung liegt in RFID-Transpondern an den Waren und bargeldlosem Bezahlen mittels Geldkarten mit einem NFC-Chip (Near Field Communication).

Was sind diese neue Techniken, die das Einkaufen ohne langes Anstehen oder Geld zusammensuchen, ermöglichen sollen?

Das so genannte RFID (Radio Frequency Identification) ist ein System, welches es ermöglicht Daten berührungslos und ohne Sichtkontakt zu übertragen und zu speichern. Die Daten werden auf einem Transponder gespeichert und können über eine Leseeinheit per Funk wieder ausgelesen werden. RFID-Systeme werden schon heute in vielen Bereichen eingesetzt ohne dass wir davon Kenntnis nehmen.

Eigene Darstellung

Eigene Darstellung

Die Einsatzgebiete sind nahezu grenzenlos, so werden sie z.B.in der Bekleidungsindustrie als Diebstahlsicherung, in Geld- und Kreditkarten, in Tierhalsbändern zur Identifikation, in Wegfahrsperren bei Autos und sogar schon als Implantate im Menschen als Bezahlfunktion eingesetzt. Hier eine gelungene Umsetzung der Integration von RFID-Transpondern.

Metro Future Store

Im Jahr 2003 eröffnete die Metro Gruppe erstmalig den real,- Future Store, welcher den Grundstein für eine neue Methode des Einkaufens legte. In dem Future Store in der Nähe von Krefeld werden innovative RFID-Anwendungen im Lagerwesen oder den Verkaufsräumen auf ihre Einsetzbarkeit unter realen Bedingungen getestet. Um das Lagermanagement zu erleichtern und verbessern werden sämtliche Waren sowie Kisten und Paletten mit einem RFID-Transponder versehen. Dieser beinhaltet alle wesentlichen Informationen über die Ware, wie Zusammensetzung, Verträglichkeit, Herkunft, Menge oder Preis. Zusätzlich lässt sich durch das passieren von Leseeinheiten im Warenfluss der genaue Weg jeder einzelnen Ware zurückverfolgen.

In dem Future Store soll aber durch den Einsatz von RFID-Anwendungen nicht nur das Lagerwesen optimiert werden, sonder auch der Einkauf für den Kunden komfortabler gestaltet werden. So ist es für den Kunden möglich mit Hilfe der MEA-App (Mobiler Einkaufsassistent) seinen Einkaufzettel  zu Hause zu erstellen und jederzeit mit sich zuführen. Zudem können mittels der App wichtige Informationen zu den Produkten gewonnen werden

Der wohl größte Vorteil für einen Kunden beim Einkaufen in dem real,- Future Store ist am Ende seines Einkaufs. Dadurch, dass jedes Produkt mit einem RFID Transponder versehen ist kann der Kunde nun ohne extra einscannen der Waren an der Kasse bezahlen. Beim durchgehen einer Leseschranke sendet die Leseeinheit kontaktlos ein Signal mit allen relevanten Daten an das System und erkennt somit welche Waren der Kunde kaufen möchte. Anschließend hat der Kunde nun die Möglichkeit  die Waren im Einkaufswagen über die herkömmliche Art an der Kasse zu bezahlen oder an einer der neuen Selbstbedienungskassen des Future Stores.  An diesen Kassen kann unter verschiedenen Bezahlfunktionen entschieden werden. So besteht die Möglichkeit mittels Bargeld oder der üblichen Geldkarte zu bezahlen. Zu den Neuheiten im Future Store zählt z.B. das kontaktlose Bezahlen über einer Geldkarte oder Smartphone mit NFC-Funktion.

„girogo“-Geldkarte

Passend zu den Selbstbedienungskassen in dem Future Store der Metro Gruppe wurde Anfang 2012 ein bundesweites Pilotprogramm gestartet. Die unter dem Namen „girogo“ laufende Bezahlfunktion wird bundesweit in acht großen Handelsketten und bei rund 70 Einzelhändlern eingesetzt. Die „girogo“-Geldkarte ist ein Projekt der Sparkasse, welche anfänglich nur im Großraum um Hannover getestet wurde, bis Ende 2015 sollen jedoch alle 45 Millionen Sparkassennutzer eine mit einem NFC-Chip versehene Geldkarte bekommen. Bei dem Projekt „girogo“ handelt es sich um eine kontaktlose Bezahlfunktion, welche unter anderem auch in der Drogeriekette dm, der Parfümerie Douglas und dem Lebensmittelhändler Edeka getestet wird. Die „girogo“-Karten funktionieren auf Basis von Prepaid Kreditkarten, die zu einem Betrag bis zu 200€ aufgeladen und zum Bezahlen von Beträgen bis 20€ eingesetzt werden können. Zum Bezahlen muss lediglich die Karte an das Lesegerät gehalten werden – ohne Unterschrift und Geheimnummer (PIN), das System bucht dann automatisch den Einkaufswert, der sich im Einkaufswagen befindenden Waren, von dem Guthaben ab.


Betrachten wir nun noch einmal unser anfängliches Problem mit den langen Warteschlangen und Kleingeld zusammensammelnden Kunden an den Kassen der Supermärkte. Mithilfe von RFID-Anwendungen gehören Warteschlangen an Kassen, durch kontaktloses Scannen aller gekauften Waren und anschließendem bargeldlosem Bezahlen durch Geldkarten mit einem NFC-Chip, bald der Vergangenheit an.

 

Christian Schwarzkopf

 Studiengang: BWL-Industrie, 3. Semester, Duale Hochschule Baden-Württemberg, Campus Ravensburg