Sind wir Zombies 2.0?

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Missionar Spitzer

Mit seinen extremen Ansichten hat der Autor des Buches „Digitale Demenz“ Manfred Spitzer  mehrheitlich angeeckt – mich jedoch sehr nachdenklich gestimmt. Mit Wut im Bauch und spitzer Zunge möchte er die Menschheit vor ihrem Unglück bewahren und eine ganze Generation vor der digitalen Verdummung bewahren. Seine Argumente stützt der Populärwissenschaftler auf zahlreiche wissenschaftliche Studien.

„Wissenschaft ist Wissenschaft!“, streicht er immer wieder heraus und verschließt sich so schließlich jedem gegenläufigen Standpunkt. Ob die digitale Demenz nur das Symptom einer Krankheit oder eine Krankheit an sich ist – das fragen sich viele. Aber was genau sind denn nun diese Symptome?

Oberflächlichkeit, Vergesslichkeit ,Vereinsamung

Digitale Medien erleichtern uns das tägliche Leben und erledigen vieles, was wir früher ohne Hilfestellung erledigt hätten. Wir verlagern geistige Arbeit an PCs, Smartphones, Tablets und Navis und schaden so unserem Geist. Die jederzeit mögliche Abrufung von Informationen verlockt uns zu einer nur oberflächlichen Auseinandersetzung mit Informationen und einer somit niedrigen Verarbeitungstiefe, die der Behaltensleistung schadet. Unser Gedächtnis lässt nach. Gerade die junge Generation, die mit diesem Lernverhalten aufwächst, sieht Spitzer deshalb ernsthaft gefährdet. Um diese zu schützen kämpft er für eine Konsumbeschränkung und lehnte sich mit seinem Buch insbesondere gegen die Pläne der Internet-Enquete-Kommission, digitale Medien in die Schuldbildung miteinzubeziehen, auf. Desweiteren fürchtet Spitzer, dass hoher Medienkonsum zu geistigem und körperlichem Verfall, sozialem Abstieg, Vereinsamung und schließlich Depression führt. Die hitzigen und kulturpessimistischen Auseinandersetzungen um diesen medialen Wandel erinnern an die Lesesucht-Debatte im 18. Jahrhundert. Begegnen wir dem Neuen nicht immer etwas abgeneigt? Oder sind die Sorgen um unsere Gesellschaft diesmal wirklich gerechtfertigt?


The Millennial Generation

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Schaut man heute auf die Straßen, so bietet sich einem mehrheitlich das Bild einer mit sich selbst (also ihrem Handy) beschäftigten Meute. Ein Haufen von Autisten, könnte man meinen. Doch nein, diese Meute interagiert: über Social Media und Instant Messaging Programme. Eine zweite Dimension hat sich herausgebildet: die virtuelle Realität. Eine sich auf das reale Leben beziehende Dimension, in der man Erlebnisse und Beziehungen – wie Trophäen – virtuell abbilden kann. Nun wurde sogar eine App für diese Smartphone-Süchtigen entwickelt um sie vor Hindernissen zu warnen, die sich in ihrer Umwelt auftun: CrashAlert. Wer hätte sich solche Szenarien noch vor wenigen Jahren erträumt? Vor kurzem habe ich von einer alten Dame gehört, die sich sehr darüber freute, mit einer jungen Frau ausnahmsweise mal einige Minuten ohne Unterbrechung durch ihr Smartphone reden zu können. So sehr, dass sie diese zum Café einlud. Für uns „Millennials“ – die Generation der heute 20 bis 35-jährigen – ist diese Dauerkommunikation jedoch schon zur Normalität geworden.


Beängstigende Zahlen

Laut einer Studie der Seite Badoo haben 35% der befragten Deutschen (und 39% der befragten US-Amerikaner) zum Sozialisieren mehr Zeit im Internet als im real life verbracht. Ein Viertel der Amerikaner gab an, bedeutsame Momente nicht richtig genoßen zu haben, da sie den Druck hatten, diese auf Sozialen Netzwerken virtuell zu teilen.

So wird die rauschende Geburtstagsparty durch diverse Snapshots in Instagram und auf Facebook dokumentiert und der anwesende Freundeskreis in einem Status-Update getaggt. Eine andere Studie durch die University of Salford zeigt, dass sich laut dem Großteil der Probanden der Konsum von Social Media negativ auf deren Befindlichkeit, Selbstbewusstsein und Schlaf auswirkt. Eine Studie der HU Berlin zeigte vergangenen Winter, dass die Nutzung von sozialen Netzwerken starke negative Emotionen fördert – insbesondere Neid. Dies wird zum einen dadurch begünstigt, dass es uns durch Facebook & Co. ermöglicht wird, umfangreiche Informationen zu Personen zu finden, die wir offline gar nicht zur Verfügung hätten und natürlich dadurch, dass eben diese Nutzer, die aktiv kommunizieren, meist intendieren, einen guten Eindruck zu hinterlassen – sich eben online von ihrer Schokoladenseite zu präsentieren.

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Nimmt uns das Web 2.0 nicht einiges an Lebensqualität? Ich denke schon. Die Gegenwart kann ich nicht genießen, wenn ich ständig darüber nachdenke, wie ich meinen sozialen Status nun durch einen interessanten Beitrag steigern kann. Einer guten Freundin kann ich nicht völlig entspannt zuhören, wenn mein Handy von Push-Nachrichten überflutet wird und ich mich genötigt fühle, diese zu beantworten. Ich plädiere nicht für eine Abschaffung all dieser Netzwerke. Doch manchmal schalte ich mein Smartphone einfach ab. Im Urlaub bleibt es zu Hause. Und meinen Facebook Account habe auch schon oft deaktiviert. Einfach um zu mir selbst zu kommen. Um im Hier und Jetzt anzukommen.

Lisa Katharina Kopp

Kommunikationswissenschaft Uni Bamberg

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Mit dem Zweiten sieht man besser

Hier soll nicht der Werbeslogan des Mainzer Fernsehsenders diskutiert werden, sondern die Vernetzung von Fernsehen mit Tablets und Smartphones.
Eine Studie aus Großbritannien aus dem Jahr 2012 hat ergeben was sich wohl in ähnlichem Maßstab in deutschen Wohnzimmern abspielt.

80% der Smartphone Besitzer sowie 81% der Tablet Besitzer nutzen ihre Geräte auch während des Fernsehens. Eine Logische Konsequenz davon ist, dass TV Sender Zusatzinformationen anbieten und somit das Fernsehprogramm unterstützen. Lapidar kann man das als Fernsehen 2.0 oder „Mitmachfernsehen“ bezeichnen, doch es steckt weit mehr dahinter. Die korrekten Bezeichnungen lauten Social TV und Second Screen.

Doch lenkt es und nicht zu sehr vom eigentlichen „Akt“ des Fernsehens ab, wenn wir während einer Sendung und zusätzlich noch mit Informationen versorgen oder jede Handlung im Social Web kommentieren? Wird es statt dem gemütlichen Fernsehabend mit Bier und Chips auf dem Sofa bald Bier, Salzstangen und Smartphone heißen? Nur damit keine fettigen Fingerabdrücke aufs Handy kommen.

Seit einiger Zeit gibt es zu verschiedenen Sendungen bei Twitter gleichnamige Hashtags, unter denen das Gesehene kräftig diskutiert, kommentiert sowie kritisiert wird. Als Bestes Beispiel dient hierfür wohl
Wetten, dass?

Innerhalb der Sendung wird nicht auf die Beiträge eingegangen, eventuell sollte das ZDF mal darüber nachdenken und die Zuschauer in die Show integrieren.

Besser macht es der Musikkanal Tape.tv mit einer eigenen Sendung bei ZDF Kultur. Hier haben die User die Möglichkeit im Rahmen einer live Sendung Fragen an die Künstler zu stellen welche dann vor laufender Kamera beantwortet werden.

Wenn sich der engagierte Fussballfan früher darauf beschränken musste sein Fachwissen mit seinen Freunden auf dem Sofa zu teilen kann er dies heute über Twitter und Facebook mit der ganzen Welt teilen. Über die App iLiga kann man sich während ein Spiel läuft den Ballbesitz oder die Zweikampf Werte anschauen.

Die ARD bezeichnet das ganze als „Social Viewing“. Nutzern Mobiler Geräte sollen über die ARD App zur Sendung passende Beiträge angezeigt werden. Außerdem ist es Usern möglich diese zu kommentieren und an Diskussionsrunden teilzunehmen. Eine Sendung endet nun nicht mehr nachdem sie ausgestrahlt wurde sondern sie wird im Social Web weitergeführt.

Aktuelle Statistiken zeigen, wie beliebt es ist während dem Fernsehen seinen „Senf“ dazuzugeben. Dabei ist bemerkenswert, dass Facebook und Twitter Nutzer verschiedene Sendungen und Formate bevorzugen. Bei Facebook führen mit großem Abstand die Pseudo-Doku-Soaps „Berlin Tag & Nacht“ sowie „Köln 50667“ des Senders RTL2.

www.social-tv-monitor.de www.social-tv-monitor.de

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Alles in allem muss man sagen, dass Social TV sowie der Second Screen noch in den Kinderschuhen stecken. Fest steht, dass TV Sender diese Formate massiv ausbauen werden um den Nutzer bestmöglich zu informieren.
Allerdings sollte man die „klassische“ Art fernzusehen nicht vergessen.
Es kann sehr entspannend sein sich nur vom Fernseher berieseln zu lassen und dabei die ganze Welt um einen herum zu verdrängen.

Christoph Thalemann

Kommunikationswissenschaft Uni Bamberg

„Hashtag“- Die Vokabel, die spätestens jetzt jeder kennen sollte

Der Hashtag (#) bildet ein englisches Kompositum aus „hash“ = Doppelkreuz und „tag“ = Markierung und dient seit 2007 als Erfolgsrezept der Verschlagwortung von Mitteilungen in sozialen Netzwerken wie Twitter, Google+ und Instagram.copycat

Uns steht eine Revolution im Social Web bevor, denn der Social Network- Riese Facebook wird Hashtags nicht weniger als 1,1 Milliarden Nutzern zur Verfügung stellen. Den Erfolg auf Twitter & Co. will sich Facebook dabei nicht entgehen lassen, denn nicht nur für die User, sondern vor allem für Facebooks´ Werbemarkt bilden sie ein nicht zu unterschätzendes Potenzial.

Die Hashtag-Eltern Twitter und Internet- Aktivist  Chris Messina  bildeten als erste die Möglichkeit, sich einfach und vor allem schnell einen Überblick über das zu verschaffen, worüber sich die Menschen aktuell unterhalten und was auf der Welt passiert.
Besonders häufig wird Twitter als Second- Screen Medium genutzt, indem die User twitter mittels hashtags als zweiten Bildschirm neben dem Fernseher gebrauchen und damit in Echtzeit ihre Meinungen veröffentlichen und austauschen. Wie erfolgreich diese Form des sozialen Austausches auch und besonders auf Facebook sein könnte, zeigen beispielsweise die Aktivitäten auf Twitter im Vergleich zu Facebook während der Nacht der Oscarverleihungen 2013:
Facebook: 66 Millionen Interaktionen in Form von Likes, Beiträgen und Kommentaren.
Twitter: 9 Millionen Statusupdates.

Ähnlich sieht es auch bei #hochwasser und facebooks´ unzähligen Gruppen zum Thema Hochwasser aus, bei denen gepostet und geholfen wurde. Auch unter Berücksichtigung der Userzahlen bei Twitter, die mit einer halben Milliarde ca. die Hälfte der Facebook-Nutzer bilden, war der Umfang der Interaktionen auf Facebook auch hier erheblich größer als bei Twitter. Das heißt, das Potential, diese Interaktionen durch Hashtags bei Facebook erheblich zu erhöhen und damit eine gefährliche Konkurrenz zu Twitter zu werden, ist durchaus sehr gut vorstellbar!
Für die Werbeindustrie bildet der Hashtag einen Segen! Bei Twitter ist dieser schon gegeben. Der User markiert den Beitrag und macht sich für die Werbeindustrie sichtbar, wohingegen Facebook noch die Posts der User umständlich analysieren muss. Die Einführung von Hashtags würde somit eine enorme Anzahl von möglichen Kunden auf Facebook sichtbar machen. Betrachtet man zudem die Nutzerzahlen, erkennt man das ernorme Potential!

Hashtags gewinnen zunehmend an Bedeutung und finden ihre Wege in immer mehr Social- Media Netzwerke – vielleicht auch bald in unsere Wörterbücher.

Heike Masarczyk
Kommunikationswissenschaft, Universität Bamberg

Vine – das neue Youtube?

„Das Internet ist für uns alle Neuland“; diesem Zitat von Angela Merkel musste ich unglücklicherweise nur wenige Tage später zustimmen. Es war der Tag, an dem ich mich in das unbekannte Land der zwitschernden Vögel begab – TWITTER.

Anfang des Jahres wurde die neueste Video-Spielerei für den App Store freigegeben. Mit Vine lassen sich sechs Sekunden Clips samt Ton aufnehmen, die anschließend in einer Endlosschleife laufen. Doch kann man auf diese Weise wirklich mehr vermitteln als durch ein Foto? Zunächst skeptisch beäugt, entschloss ich mich, mich mit dieser Anwendung näher auseinanderzusetzen.

Die Vine-App ist kostenlos und von Beginn an sehr verständlich aufgebaut, ohne viele Extras gelangt man über den Kamera-Button direkt zur Aufnahme seines Clips. Sobald der Finger das Display berührt, wird gefilmt; lässt man los, pausiert die Aufnahme und man kann sein gewähltes Motiv wechseln. Das Ganze funktioniert so lange, bis der grüne Balken oben voll ist und die maximale Zeit von sechs Sekunden erreicht wurde. Um sein Werk mit der Community zu teilen, muss der Beitrag nur noch direkt auf Vine oder zusätzlich bei Twitter veröffentlicht werden.
Bereits bei der ersten Probeaufnahme wird durch die leichte Bedienung der App die Lust geweckt, sich kreativ auszutoben. Inzwischen gibt es zahlreiche Twitter-Accounts, die sich mit originellen Vines beschäftigen. Mit deren Hilfe kann man sich zu neuen Ideen inspirieren lassen, und entdeckt, was innerhalb von sechs Sekunden möglich ist.

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Seit der Einführung ist Vine auf dem besten Weg, sich als Standarddienst für Kurzvideos zu etablieren. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass immer mehr Journalisten und Firmen darauf aufmerksam werden und sich der Vorteile von Vine bedienen. Vorreiter in Deutschland ist vor allem das ZDF und die Berliner Morgenpost, die bereits beide in ihren Twitter Accounts mit Vine arbeiten. Durch minimalen Aufwand für die Reporter lassen sich mit Hilfe der Mini-Clips tolle Stimmungen einfangen, die sie direkt mit Ihren Followern teilen können. Die Bindung zwischen Journalisten und Ihren Lesern wird durch das gemeinsame Teilhaben eines außergewöhnlichen Ereignisses gestärkt. Für Unternehmen und auch die PR gewinnt der Dienst von Vine ebenfalls immer mehr an Bedeutung. Firmen haben erkannt, welche Bindung man durch die Unterstützung der Clips zu seinen Kunden aufbauen kann und veröffentlichen die ersten Produktvorstellungen via Vine auf Twitter.

Durch den Konkurrenzkampf der zwei größten Social Networks werden die zwei Video Dienste Instagram und Vine immer häufiger direkt miteinander verglichen. Im Enddefekt muss aber jeder für sich selbst entscheiden, welchen Dienst er bevorzugt. Ich persönlich habe während meiner Recherchearbeit für diesen Blogeintrag großen Gefallen an dem unkomplizierten Dienst von Vine gefunden.

„ A moment in somebody else’s life, six seconds in another place, another time, as another person“.

Cindy Liebelt

Kommunikationswissenschaft, Uni Bamberg

Bleibt höflich, bleibt zurückhaltend!

Unbenannt-1Man neigt normalerweise nicht dazu, fremde Menschen grob zu beschimpfen oder ihnen gar den Tod zu wünschen. Zumindest solange man ihnen Angesicht zu Angesicht gegenüber steht. Im Internet, unter dem Deckmantel von Pseudonymen und der Nicht-Greifbarkeit hinter den Bildschirmen scheint dieses Normal schnell vergessen zu sein. Kein Wunder, dass der Frust von Bloggern wie Timo Stein angesichts des rauen Umgangston beständig steigt. Wer in sozialen Netzwerken tätig ist, wird früher oder später auf Trolle und andere unangenehme Zeitgenossen stoßen und das Bedürfnis nach verbindlichen Benimmregeln im Internet entwickeln, wie sie beispielsweise Knigge  oder eEtiquette vorschlägt.
So lange es das Internet gibt, werden auch ebensolche Richtlinien für dieses ausgesprochen; so auch für Twitter. Kevin Allen von PR Daily geht in seinen 10 Essentials of Twitter Etiquette über Höflichkeitsregeln hinaus und wird sehr konkret in seinen Vorstellungen, wie man seinen Twitter-Account optimal nutzen sollte. Er schreibt über das Vermeiden von automatischen Antworten und manuellem Retweeten, beschränkt die Anzahl von Hashtags pro Beitrag und gibt Empfehlungen, wem man folgen und warum man Aufmerksamkeit erregen sollte.
Diese 10 Gebote sind willkürlich herausgegriffen; man findet im Netz zahlreiche weitere Regeln, Richtlinien und Gebote, die alle – mal mehr, mal weniger ausführlich – das Gleiche aussagen: bleibt höflich, bleibt zurückhaltend mit privaten Informationen und schreibt nichts Redundantes. Die Frage, die sich dabei aufdrängt: braucht es überhaupt eine Netiquette, wenn doch letztendlich alle das Gleiche schreiben und dementsprechend alle eine ähnliche Meinung haben?
Durch immer wieder auftretende Shitstorms und unflätige Kommentare entsteht sicherlich der Eindruck, eine solche Netiquette werde gebraucht. Meiner Meinung nach sind sie aber schlussendlich nichts anderes als Übertragungen der gesellschaftlichen Umgangsformen, die wir bei einigermaßen guten Erziehung schon in unserer Kinderstube vermittelt bekamen. Wer sich daran orientiert, läuft auch online nicht Gefahr, sich unangemessen zu verhalten und anderen auf den Schlips zu treten.

Julia Kunkel
Kommunikationswissenschaften, Uni Bamberg

Don’t feed the trolls

Das Social Web bietet immer mehr Menschen Zugang zu Informationen, Austausch und Teilhabe. Doch dieser Austausch wird von einem Phänomen gestört. Einem Störenfried, der im Web Troll genannt wird.

Was macht einen Social Web Teilnehmer zu einem Troll?

Trolls suchen den Konflikt und stören Diskussionen. Sie „ernähren“ sich von Aufmerksamkeit und versuchen diese mit allen Mitteln zu erzeugen. Er geht teilweise sogar so weit, dass manche Trolls einen Fake Account anlegen. Diese Fake Account, genannt Sock Puppets, dienen um sich selber zu antworten um so künstlich Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Die feinen Unterschiede wo trolling beginnt und wo es aufhört bleiben natürlich jedem Betrachter frei überlassen. Abhängig von Toleranz persönlicher Einstellung und Humor gibt es sogar gute Trolls. Diese Trolls sind am voranbringen der Community interessiert und fallen durch permanentes Aufzeigen bestimmter Missstände auf.

Wo sich aber alle einig sein dürften ist, dass es einen zum Troll macht, wenn man das konstruktive Vorankommen einer Diskussion hindern. Diese dekonstruktiven Trolls, ihre Unterschiede und den Umgang werde ich im Folgenden erläutern.

Welche Unterschiede gibt es?

„angry“ Troll

Der „angry“ Troll hegt einen unfassbaren Groll gegen alles und jeden, dies bringt er zu jeder möglichen Situation zum Ausdruck. Er beschimpft, nörgelt und streitet sich zu jeden Sachverhalt.

„screamer“ Troll

Eng verwandt mit dem „angry“ Troll ist der „screamer“ Troll. Es ist nicht nur sauer. Er will dich anschreien bis dir die digitalen Trommelfelle platzen. Dieser Troll schreibt teilweise oder am besten alles in Großbuchstaben, was im Netz als schreien oder rufen gilt.

„superman“ Troll

Diese Art von Troll findet sich nicht genug beachtet und missgönnt anderen Aufmerksamkeit.

Da er, laut eigener Aussage, dass was andere tun bereits vor langer Zeit gemacht hat und dies natürlich viel besser. Denn er war schon vorher cool und egal was du versuchst, du wirst niemals so cool sein wie dieser „superman“ Troll. Typische Aussagen sind: „Ich habe schon Pokémon gespielt als es nur 150 gab“…

„spoiler“ Troll

Eine besonders gemeine Art des trolling ist spoilern. Der Troll verrät im social web, das besonders lang ersehnte Ende Serie und welcher Charakter im Buches oder Film stirb.

Der „grammar“ Nazi

Dann gibt es den „grammar nazi“, der einen zu jeder Zeit korrigiert und den User auf seine sprachlichen Defizite oder sein kommunikatives Unvermögen hinweisen.

Wie geht man mit einem Troll um?

Ist ein Troll erst mal erkannt, ist es wichtig strategisch zu reagieren, nicht nur als normaler User, sondern auch als Admin oder Unternehmen.

Dabei stehen einem mehrere Varianten zur Verfügung: Zurück trollen, abstrafen durch Schweigen, („Do not feed the Troll“), fachlich kompetent entgegentreten oder mit Humor überspielen?

Wichtig ist sich erst einmal zu fragen wie sehr einen die Kritik stört. Will man wirklich auf einen Troll der sich hinter der Internet Anonymität verbirgt eingehen? Vielleicht gab es bereits 10 positive Postings zu einem Tweet und man verwendet die Aufmerksamkeit auf einen einzigen negativen. Generell ist Kritik oder Kritikfähigkeit niemals schlecht, besonders wenn man etwas positives daraus ziehen kann.

Hier ein Beispiel wie ich auf den bekannten @Der_Oberlehrer, reagiert habe.

Beim Troll sollte man am besten gelassen bleiben und sich nicht aus dem Konzept bringen lassen.

Bei all zu provokanten, verletzenden oder gar rassistischen Äußerung ist es wichtig entschlossen und eventuell als Gruppe auftreten. Der einfachste Weg ist die Funktion: „Als Spam makieren“, die andere User darauf hinweist, dass es sich hier nicht mehr um Spaß handelt. Maßnahmen wären ein Ausschluss aus dem Forum für eine gewisse Zeit oder permanent. Mobbing, Shitstorms und Flaming sind nicht zu unterschätzen.

Abschließend kann man festhalten, Trolls die sich ignorieren lassen sollte man getrost nach dem Motto: „Do not feed the trolls“, einfach verhungern lassen

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Maximilian Lägers

Wenn Soziale Netzwerke das Wohnzimmer erobern

Soziale Netzwerke sind zu einem Wegbegleiter in allen Lagen des Alltags geworden. Warum also nicht auch beim Fernsehen den Kontakt zur Community pflegen?

Nachdem die USA uns vorgemacht haben, wie man Fernsehen mit dem Social-Web verbinden kann, zieht dieser Trend nach und nach in die deutschen Haushalte ein. Laut einer Medienerhebung von Nielsen nutzte bereits 2012 ein viertel der Tabletnutzer und ein fünftel der Smartphonenutzer ihr Gerät während des Fernsehens. Dieses „Multitasking“  läuft unter dem Begriff  „Dual-Screening“ und wird von den Fernsehveranstaltern zunehmend genutze. Dadurch wird das Publikum im entsprechenden Programm eingebunden und das sogenannte „Social-TV“ aufzubauen.

Ein Beispiel dafür liefert ProSieben mit seiner interaktiven ProSieben Connect Plattform, die auch gleichzeitig für Tablet und Smartphone im Appstore verfügbar ist. ProSieben Connect gibt dem Zuschauer die Mögleichkeit sich zum laufenden Programm „einzuchecken“ und dort parallel zur Sendung mit anderen Zuschauern zu kommunizieren. Desweiteren verfügt die Plattform über eine Slideshow mit Videos für den Zeitvertreib zwischendurch und Livestreams einiger Shows.

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Social-TV via ProSieben Connect

Auch die Castingshow „The Voice of Germany“ startet zum Sendestart eine Offensive mit Twitter, Facebook und der Plattform The Voice of Germany Connect. Bei Twitter hatten die Zuschauer die Möglichkeit über @VoiceofGermany2 oder den Hashtag #voice in Kontakt zu treten und einige Tweets wurden anscchließend live in die Show miteinbezogen. Auch in der Sendepause wird der Twitter-Account noch fleißig genutzt um die Fans auf dem neusten Stand zu halten. So teilte The Voice of Germany am 12. Juni 2013 mit, dass Rea Garvey an der nächsten Staffel nicht in der Jury sitzen wird.

Die absolute Social-TV Größe hierzulande ist jedoch RTL2 mit seinen Daily-Soaps „Berlin – Tag & Nacht“ und „Köln 50667“, die ihre Konkurrenten weit hinter sich lassen. „Berlin – Tag & Nacht“ verfügt inzwischen über 2.685.411 Fans, die auf Facebook folgen und fleißig mitkommentieren. Auch die Schwestersoap „Köln 50667“ verfügt nach dem Serienstart im Januar 2013 bereits über 800.810 Fans auf Facebook. Beeindruckend ist vor allem die wöchentliche Aktivität an Nutzern im Vergleich zu anderen Fernsehsendungen. Hier führt „Berlin – Tag & Nacht“ mit 530.853 aktiven Usern pro Woche.

Social-TV

Wochenstatistik der Top 10 im Bereich Social-TV

Das besondere Konzept von RTL2 besteht darin, dass die Darsteller direkt mit ihren Fans via Facebook in Kontakt treten, sie mit Fotos und Videos außerhalb der Sendung versorgen und sich zum Bespiel wie bei „Köln 50667“ für 800.000 Likes per Videonachricht bedanken.

Köln 50667

Danksagung an Fans von Köln 50667

Auch wenn Deutschland etwas später ins Social-TV Business eingestiegen ist, ist die Gesamtentwicklung der letzten Jahre recht beeindrucken. Die verschiedensten Sender werden in Richtung  Social-TV aktiv und erreichen täglich eine hohe Anzahl an Zuschauern . Jedoch bleibt abzuwarten, wie sich das ganze in den nächsten Jahren entwickeln wird, welche Dimensionen es erreicht und ob sich das „interaktive“ Fernsehen langfristig durchsetzen wird.

Björn Detto

Kommunikationswissenschaft, Otto-Friedrich-Universität Bamberg