Politik muss auch weiterhin richtig kommuniziert werden – die Frage ist nur: Wie?

Die Debatte um Hartz IV ist wohl ein Paradebeispiel dafür, wie wichtig es für politische Parteien ist, ihre Ziele und Vorstellung richtig zu kommunizieren. Man kann nun für oder gegen die Reform der Arbeitslosen-  und Sozialhilfe sein, doch eines ist klar: hätte die SPD ihre Argumentation auf eine breitere Kommunikationsbasis gestellt, dann wäre der Partei wohl das ein oder andere Wahldebakel erspart geblieben. So kritisiert SPD-Politiker Hans-Ulrich Klose – Hamburger Bürgermeister von 1974 bis 1981 und heute Koordinator für deutsch-amerikanische Zusammenarbeit – Gerhard Schröder dafür, dass er sich nicht hinreichend darum gekümmert hat, der Bevölkerung den Sinn von Hartz IV zu erläutern. Stattdessen hätte er viel mehr die für ihn typische „Basta-Mentalität“ ausgespielt. Ein Faktum, das dem Image der SPD offensichtlich geschadet hat.

Doch reicht es in diesem Zusammenhang auch nicht, sich auf althergebrachte Methoden der poltischen Kommunikation zu verlassen. Im Zuge der sich ausbreitenden Popularität von Internet-Angeboten nutzen laut einer Studie des Pew Internet Project 92 Prozent der US-Bürger mehrere Quellen, um sich über das Tagesgeschehen zu informieren. Dabei steht das Internet als Informationskanal bereits an dritter Stelle. Deshalb ist es auch für Politiker äußerst wichtig, den Anschluss nicht zu verpassen. Obama hat es bereits mit seiner Plattform my.barackobama.com und seinem youtube-Kanal vorgemacht, wie man als Politikschaffender das Internet zum eigenen Vorteil nutzen kann. Der amerikanische Präsident hatte dabei einen solch immensen Erfolg, dass sich deutsche Politiker immer mehr dem Trend anbiedern, teils mit mehr, teils mit weniger Erfolg.

Heißt das nun, dass sich politische Artikulation in den nächsten zehn oder 20 Jahren immer weiter ins Web 2.0 verlagert? Und wenn ja, bringt das den Bürgern mehr Vorteile, wenn sie via Facebook, Twitter & co. quasi in direktem Kontakt mit den Volksvertretern stehen oder laufen sie Gefahr, auf Dauer einseitig informiert zu werden?

Manche Blogger schreiben sehr richtig, dass die personalisierte Politik-PR auf Dauer zunehmen wird. Da Obama es schon erfolgreich vorgemacht hat und deutsche Politiker bereits ebenfalls Social Media verwenden, kommen andere – auch aus der zweiten und dritten Reihe – nicht mehr umhin, ebenso im Web zu zwitschern. Doch bin ich nicht der Meinung, dass dadurch die Unterstützung an der jeweiligen Basis zunehmend unwichtig wird. Denn eine Partei legitimiert sich nicht nur dadurch, dass sie gewählt wird, sondern auch, dass sich interne Arbeitskreise und –gemeinschaften mit der inhaltlichen Ausgestaltung befassen und der Parteispitze Paroli bieten. Wer würde schon eine Ein-Mann-Partei wählen?

Und wie steht es um die Informationsbeschaffung via Blogs und sozialen Netzwerken? Nun, ich nicht erkennen, dass durch die digitale Revolution der klassische Journalismus in Gefahr ist. Sicher, die Bürger – darunter gerade die Jüngeren – werden sich zunehmend der Social Media bedienen, um sich über ihren Favoriten im Wahlkampf zu informieren.  Doch werden die Menschen deshalb auf umfassende Hintergrundberichte aus dem Bereich des klassischen Journalismus  verzichten? Wohl kaum. Veronika Kreitlmeier weist etwa auf die Gefahr hin, dass Blogs trotz ihrer vielfältigen Möglichkeiten auch tendenziös sein können. Da kann es schon mal vorkommen, dass ein ungeübter Internetnutzer in die Irre geführt wird.

Nein, ich sehe die Zukunft optimistisch. Ich glaube, letzten Endes setzen sich jeweils die positiven Elemente aus beiden „Gattungen“ durch: die Professionalität des althergebrachten Journalismus und die innovative sowie äußerst kritikfähige Kraft der Blogs. Wähler in 20 oder 30 Jahren werden sicher beides nutzen, um sich umfassend zu informieren. Nur eine Frage bleibt offen, über die ich heute noch keine Prognose wage: verschwinden gedruckte Presseerzeugnisse irgendwann komplett oder werden wir unsere Lieblingszeitung weiterhin am Kiosk kaufen können anstatt sie uns auf unseren Tablet-PC zu laden? Wie dem auch sei, am Ende zählt immer der Inhalt!

Markus Teubert

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PR in den Klauen des Webs

PR und Social media, PR und SEO, PR und und und…  Quo vadis Unternehmenskommunikation?

Was für eine undankbare Situation. Während die halbe Welt sich in sozialen Netzwerken austobt und auf Teufel komm raus postet, kommentiert, hochlädt und verlinkt, wissen die Kommunikationschefs gar nicht mehr, wie sie hinterher kommen sollen.

Natürlich hat sich mittlerweile die Überzeugung durchgesetzt, dass ein Blog kein Gespenst ist, welches sämtliche Unternehmen zerreißt und dass Verbraucher Kritik auch sachlich äußern können und sich sogar ab und an mal überzeugen lassen. Dennoch ist die Unsicherheit groß. Gerade bei der PR im Mittelstand.

Vielleicht ist’s ja das schlechte Gewissen? Wenn man weiß, dass man die Dinge über Jahre geschönt hat, Sachen versprochen hat, die man nicht halten konnte, vielleicht sogar die Unwahrheit gesagt hat – dann hat man natürlich Angst vor der Rache der Betrogenen. Und die können sich ja mittlerweile überall äußern. Die versuchen Kitkat zu zerstören, lassen Ihre Wut auf ciao raus oder kommentieren einfach ganz aggressiv in die Unternehmens-Blogs hinein.  Jahrelang hat keiner was gesagt, und jetzt dieses Web2.0.

Stellt sich die Frage, ob man so was überhaupt kontrollieren kann und wie man versucht, der Sache Herr zu werden. Was für eine Mammut-Aufgabe für die Kommunikationsabteilungen!

Für mich gibt es vier wesentliche Faktoren für die moderne PR – oder ich sage lieber inhaltsgetriebene Kommunikation:

1. Der Proof – Unternehmen/Marken müssen halten, was sie versprechen
Die Menschen „draußen“ sind gleichzeitig „drinnen“. Im Web sind so viele Informationen zugänglich, dass das Wissen über eine Marke, ein Produkt oder ein Unternehmen verfügbar ist. Menschen suchen Beweise für Versprechen.  Je höher die Diskrepanz, um so niedriger das Vertrauen. Wozu das führt zeigt die immer weiter sinkende Wahlbeteiligung in Deutschland. Dementsprechend sollten Kommunikationsabteilungen auch näher an Kundendienst, Produkt, etc. sein – und nicht mehr nur das letzte Glied in der Kette, um das ganze an die Leute zu bringen!

2. Content is King.
Da hat sich eigentlich nicht viel geändert. Auch in der klassischen PR ging es darum, Inhalte zu finden, die so spannend sind, dass sie von Journalisten aufgegriffen werden. Von daher bewegen wir uns wieder back to the roots. Und die Zeit von Advertorials & Co. sind hoffentlich bald endgültig vorbei! Es ist doch herrlich, wenn in der Kommunikation mal wieder Inhalt vor Reichweite steht.

3. Kommunikation passiert
Oder um es mit Paul Watzlawick zu sagen: „Man kann nicht nicht kommunizieren“. Heißt einfach nur:  Wenn jemand schlecht über ein Unternehmen reden will, dann tut er das. Ob sich das Unternehmen nun einmischt oder nicht. Die Chance aber besteht darin, in einem Dialog auch Argumente auszutauschen, Meinungen zu erfahren, und am Ende vielleicht auch zu überzeugen. Das ist wie im Gespräch im Freundeskreis, wo man nach einem Streit durchaus eine gemeinsame Basis finden kann. Und genau darum geht es. Unternehmen müssen sich einmischen, sie müssen mitreden. Das wird ihnen niemand übelnehmen, solange dies authentisch passiert. Dazu gehören auch Kontroversen, aber nur so entsteht Dialog.

4. Persönliches Involvement
Auch wenn ich mir externe Dienstleister an Bord hole, so muss ich die Welt von Twitter & Co. zunächst selbst verstehen, um sie auch bewerten zu können. Dabei geht es aus meiner Sicht hauptsächlich darum, sich selbst Wissen anzueignen. Dies ist eine reine Fleißfrage, denn das Wissen ist im Web verfügbar. Meiner Meinung nach ist hier der größte Showstopper. Menschen, die etwas nicht kennen, lehnen es gerne ab. Oder: „Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht.“ Das kann sich heute kein Unternehmen mehr leisten, wie ich finde.

Jedes Unternehmen ist anders strukturiert, weshalb die Zuständigkeiten oft unterschiedlich sind, auch im Bereich digitale Kommunikation. Dennoch sollte die Unternehmenskommunikation die Chance nutzen, sich eine stärkere Rolle zu geben, das Selbstvertrauen mal wieder aufzupolieren. Es ist Kernaufgabe der Kommunikatoren, Inhalte zu entwickeln und glaubwürdig zu kommunizieren. Die Chancen dafür stehen besser denn je!

Christian Henne
Leiter Kommunikation bei der neu.de GmbH

 

PR-Transparenz durch Social Media – Zukunftsmusik?

Vom heutigen Standpunkt in die Zukunft zu blicken, lässt nicht allzu Positives hoffen. Aber gut, wagen wir es und fangen wir an das Bild zu malen wie es in 15 Jahren um Social Media & co. stehen wird.

Umweltkatastrophen, ob direkt von Menschenhand oder als Antwort der Natur, treten in immer kürzeren Zyklen auf – Vulkanausbrüche oder Ölkatastrophen sind keine Seltenheit mehr. Nicht nur ökologische Krisen sind an der Tagesordnung, auch die wirtschaftliche Entwicklung hangelt sich von einem Crash zum nächsten. Überhitzung der Konjunktur, kurzfristige Hypes in allen Lebensbereichen. Das Internet ist Spiegel und Vervielfacher der Ereignisse. Es gibt nur wenige, die nicht online sind. Jeder Mensch mit Anschluss ans Web kann Berichterstatter werden. Der Informationsaustausch funktioniert in Echtzeit, höchster Transparenz und ohne Unterbrechung. Häufigste Ursache von Einlieferungen in Krankenhäuser: Informationskollabs.

Images

www.corporate-transparency.de

Die PR profitiert von diesen Entwicklungen. Durch die hohe Transparenz werden Fehltritte im Web sofort sanktioniert. Floskeln wie „nachhaltig Handeln“ oder „Corporate Social Responsibility“ bestehen nur, wenn sie sie auch zu 100% wahr sind. Fadenscheinige Studien, verbogene Umfrageergebnisse und gesponsorte wissenschaftliche Aufsätze gibt es nicht mehr. Die PR hat sich professionalisiert und abgegrenzt von Werbung und privater Kommunikation. Nur wahre PR wird akzeptiert und Ungereimtheiten sofort aufgedeckt. Das bedeutet nicht, dass nur noch perfekt formulierte und interessante Beiträge zu lesen sind, sondern dass die Veröffentlichungen klar zu unterscheiden sind. Offensichtlich werbende oder offensichtlich platte PR Maßnahmen werden in sozialen Netzwerken von Nutzern sofort unterbunden. Der Verbraucher und Nutzer ist hochgradig aufgeklärt und mahnt Augenwischereien sofort ab. Allerdings verlangt ihm das Überangebot an Informationen eine Menge ab. Wichtigste Fähigkeit ist nicht das Vermögen Informationen zu beschaffen, sondern Selektion und Filtration zu betreiben.

Social Media ist also so wichtig wie nie. Unternehmen müssen in ein paar Jahren mehr Feingefühl denn je beweisen, wenn sie in der Community gewachsen sein wollen. Nutzer und PR-Spezialist bewegen sich immer auf Augenhöhe. Deshalb hat Authentizität und Transparenz oberste Priorität für jedes Unternehmen (auch deshalb, weil Google als Suchmaschinenranking-Kriterium „Ethisch einwandfreies Verhalten“ aufgenommen hat).
Im Gleichschritt mit Transparenz läuft PR-Controlling. Public Relations wird schneller und effektiver. Messbarkeit der Erfolge von PR-Instrumenten ist so einfach und präzise wie nie. Kampagnen können aufgrund der Datenvielfalt jedes einzelnen Users vollständig analysiert, ausgewertet und erklärt werden. Im Jahr 2025 werden Adressen und marktforschungsrelevante Daten nicht mehr gehandelt. Das ist nicht mehr nötig, im Netz konnten sie über Jahre gesammelt und nutzbar gemacht werden. Auch deshalb ist es für die PR leichter auf Öffentlichkeit und Verbraucher angemessen zu reagieren.

Wünschenswertes Szenario, Schreckensvision oder Quatsch – Wir werden sehen!

Eva Graeff

Ich habe 5000 Freunde bei Facebook und alle arbeiten für mich ?

Das Web 2.0. bietet Unternehmen neue Chancen im PR-Bereich. Doch nicht nur für die Kommunikationskanäle und Imagepflege ergeben sich zusätzliche Möglichkeiten, sondern auch im Sektor des Human Resource Managements deuten sich Veränderungen des Personalauswahlverfahrens, der Personalwerbung sowie der Mitarbeiterbindung an. Unter HR-PR, also Human Resources-Public Relations versteht man die Verbreitung von Inhalten und Botschaften mit dem Ziel, der breiten Öffentlichkeit von der Arbeitswelt des Unternehmens zu erzählen. Das Arbeitgeberimage als Marke. Die marktgerechte Kommunikation des Arbeitgebers wird durch die Mitwirkung in Verbänden, engem Kontakt zu Journalisten, unternehmensübergreifenden Initiativen sowie Vorträge und andere Formen der Publikation ergänzt. All dies gilt als Teil des Employer Brandings sowie eines integriertem Image-Managements.

Auch die Anforderungen an die Anwerber selbst befinden sich im Wandel. So definiert beispielsweise Gero Hesse, Senior Vice President HR bei der Bertelsmann AG, ein Skill-Set für Recruiter, indem die klassischen Skills für Recruiter durch neue Persönlichkeitsmerkmale ergänzt werden. Hierzu gehören u.a. sehr hohe IT- sowie Social Media Affinität, Verständnis von Online-Aktivitäten, sowie ein Vermarktungsgespür für das eigene Unternehmen auf sozialen Plattformen.

 Altbewährte Headhunting Services wie etwa bei der Besetzung von Positionen in Vorständen und Führungspositionen werden durch „neuere“ Konzepte ergänzt. Durch die zunehmende Durchschaubarkeit des Bewerbungsfahren, sowie der Bewerber entstehen anders geartetet Arbeitgeber-Arbeitnehmer Beziehungen. In den Vordergrund rückt die langfristige und ganzheitliche Mitarbeiterbindung.

Employer Branding, also die Vermarktung des Unternehmens an sich wird zu Employee Branding, in dem der Mitarbeiter aktiv in die Prozesse des Unternehmens einbezogen wird. Durch Angebote auf Unternehmensseite wie beispielsweise Weiterbildung, Jobrotation, Job enlargemnet oder Job enrichment wird Motivation und Leistungsbereitschaft, sowie die Identifiktion des Angestellten mit der eigenen Firma gesteigert. Der Arbeiter wird zum Botschafter und verkündet sein persönliches „Wohlfühlklima“. Für Unternehmen bedeutet diese Art der Mund- und Social Media Propaganda einen Vorrat an sozialer Wertschätung und das Auslösen eines „Schneeballeffektes„. Herr X findet mich gut, erzählt dies Herrn Y und Z und so schätzt mich bald das ganze Alphabet.

Klassische Anwerbemethoden werden durch effektive Zielgruppenansprache im E-Recruiting ergänzt. Online-Stellenmärkte sowie Einbezug von Plattformen wie Xing und Positionierung des eigenen Unternehmens auf sozialen Kanälen werden zum Kernpunkt der Mitarbeiterbeschaffung. Von Vorteil ist darüberhinaus das Anlegen eines „Bewerberpools“. Interessenten und Unternehmen stehen im konstanten Austausch und erfahren, beispielsweise über Twitter Neuigkeiten aus dem Unternehmen sowie dieses die Neuigkeiten zum Bewerber. Dies schafft Vertrauen und bindet die möglichen Anwerber bereits im Vorraus, wenn auch unverbindlich, an ein Unternehmen.

Zum Schluss noch was Employer/Employee Branding nicht ist: Der morgendliche Fahneneid auf die Firma.

Also dann: Viel Spaß beim Networken!

Qürzel

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Alle sind gleich vor Social Media!?

Dass die Schere zwischen arm & reich, dick & dünn, gebildet & dumm (die Liste lässt sich beliebig fortführen) immer größer wird, ist hinlänglich bekannt und Grund zahlreicher politischer Maßnahmenpakete. Als neue Hoffnung kommt das Web 2.0 auf dem weißen Schimmel daher und verheißt zumindest das Ende der zunehmenden Ungleichheit zwischen bekannt & unbekannt. Hier hat jedermann die Chance berühmt zu werden, seine geistigen Ergüsse zu predigen und in Kontakt mit allen Usern zu treten, jenseits der Grenzen der Schichtzugehörigkeit. Jeder kann zum Star   werden, auch ohne PR-Maschinerie im Hintergrund. Alle Menschen sind gleich vor Social Media.

Oder doch nicht?

„Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, dass er Fülle habe; wer aber nicht hat, von dem wird auch genommen, was er hat“  (Mt. 25,29).

Gilt die Prophezeiung von Matthäus für das Web 2.0?

Schon viele Köpfe haben sich ihre Gedanken über diesen Spruch gemacht, noch vielen Köpfen mehr ist er beinahe inflationär und meist mit viel Zynismus über die Lippen gekommen. Erreicht die (frohe?) Botschaft auch das Web 2.0?

Hierzu  wurde kürzlich eine Studie  durchgeführt, in der das Zitat auf seine Gültigkeit für die Social Media geprüft wurde. Getestet wurde, ob Twitterati (Definition: Die Elite der Twitterer ) mit mehr Followern einen stärkeren Zulauf an Followern haben als ‚kleine‘ Accounts. Die Hypothese hat sich nicht bestätigt, denn es gab keinen Zusammenhang zwischen der Anzahl der Follower und des Wachstums des Accounts. Auch kleine Accounts können einen hohen Zuwachs an Jüngern haben. Die Reichweite der Prophezeiung von Matthäus scheint also vor den Sozialen Medien einen Halt gemacht zu haben.  Welche Faktoren das Wachstum eines Accounts bedingen, konnte im Rahmen der Studie leider nicht untersucht werden. Die Ergebnisse lassen sich nicht auf die gesamte Soziale-Medienlandschaft übertragen, geben aber einen Hinweis darauf, dass im Web nicht nur die Großen mitreden und gehört werden.

Wachstum

Trotzdem kann nicht verleugnet werden, dass Akteure mit vielen Kontakten in den Social Media, seien es Profile in sozialen Netzwerken oder Blogs, mehr Relevanz besitzen als kleine Akteure. Sie haben folglich auch mehr Gewicht bei Kommunizierung von Nachrichten und für die Meinungsbildung, da ihre Vernetzung dichter, tiefer und weiter ist. Damit ist gemeint, dass sie zunächst viele Kontakte im gleichen Medium haben, mit anderen Netzwerken und mit unterschiedlichen Typen sozialer Medien verbunden sind. Auf Profilseiten gibt es Links zum eigenen Blog, der als Feed abonniert werden kann oder getwittert und weiter-getwittert wird… Eine Nachricht, die kommuniziert werden soll, kann also einfach auf den bereits gebauten Straßen zum nächsten Kommunikations-Knotenpunkt rasen ohne immer wieder einen Anschub vom Kommunikator bekommen zu müssen.

Für die Online-PR bedeutet das zunächst viel Arbeit im Web, denn Homepages, Blog, Foren und Profile müssen betreut, gepflegt und gefüttert werden. Aber es könnte sich lohnen, denn später läuft Kommunikation einfacher ab. Wer sich etwas aufgebaut hat und bereits „jemand ist“, der wird wieder zitiert und wird noch größer, denn Tausende von Fans, Profilansichten können nicht irren. Auch die technologische Entwicklung unterstützt die Vernetzung der Netzwerke, so dass am Ende eine Art Meta-Netzwerk entsteht, in welchem die Giganten von selbst wachsen und kleine Accounts koexistieren, aber nicht entdeckt werden. Das nennt sich dann der Matthäus- Effekt, welcher unter anderem auch –zum Leid der Wissenschaftlichkeit- beim Zitieren wissenschaftlicher Arbeiten auftritt.

Es ist aber auch möglich und sehr realistisch, dass sich -analog zur Realität- virtuelle Milieus bilden, die nach inhaltlichen Aspekten und Interessen strukturiert sind. Dort  werden neben „Globalplayer “ auch mittlere bis kleinere Akteure Relevanz besitzen und mitreden. Welcher Jünger der Social Media möchte eine andere Prognose abgeben? 

 

Regina Neumann

One-Voice-Policy – Schnee von Gestern mit Kommunikationsprokura?

„One Face to the Costumer“, „Corporate Identity“ und „One-Voice-Policy“ – Ist das alles Schnee von Gestern? Löst sich die Maxime der Unternehmenskommunikation langsam in heiße Luft auf?

Kommunikationsabteilungen werden überschwemmt mit einer Vielzahl an Möglichkeiten. Da stehen auf der einen Seite die altbekannten Instrumente der PR zur Verfügung (Pressetexte, Messen, Kundenmagazine usw.) und auf der anderen Seite offenbart sich das riesige Potential des Web 2.0. Da wird vom Management erwartet, dass das Unternehmen auf allen Plattformen nicht nur präsent ist, sondern dass dadurch auch noch ein möglichst positives Firmenimage aufgebaut wird. Doch bei immer komplexer werdenden Märkten und auch Produkten, ist eine Überforderung von Presseabteilungen fast schon vorprogrammiert (nicht zuletzt auch deshalb, weil die Branche im Moment nicht bekannt dafür ist, viele Fachleute einzustellen). Kennt sich denn derjenige Mitarbeiter, der mit den Medien kommuniziert immer am besten in den einzelnen Fachbereichen des Unternehmens aus? Meistens nicht. In der Realität ist es häufig noch so, dass die Unternehmenskommunikation auf den Schultern einzelner im Unternehmen lastet und der Austausch zwischen Experten eines Fachbereichs und der Öffentlichkeit in organisiert und geplanten Einzelterminen stattfindet.

Und wenn einzelne Mitarbeiter ungeplant an die Öffentlichkeit gehen, kann das in Zeiten in denen jeder alles in die Welt hinausschreit auch zu gravierenden Imageverlusten eines Unternehmens führen wie das Beispiel der Pizzakette „Dominos“ zeigt. Mitarbeiter aus allen Bereichen einer Organisation – sei es die Produktion, der Vertrieb oder die HR-Abteilung –  sind online und in Sozialen Netzwerken verlinkt. Für einige ein großes Potential, für andere ein Grund zu Schrecken. Wie soll man denn eine einheitliche CRM-Strategie verfolgen wenn jeder Mitarbeiter mit einem kleinen Fehltritt in einem Blog, Forum  oder Video das jahrelang gepflegte und gepuderte Unternehmensimage innerhalb eines Augenaufschlages zerstören kann?

Kommunikationsprokura – Das Gespenst vom Verlust der Kommunikationshoheit macht die Runde. Eine Vollmacht für Mitarbeiter außerhalb der PR-Abteilungen. Da kann die One-Voice-Policy sofort begraben werden.

Falsch! Kommunikationsprokura kann bewirken dass durch Vielstimmigkeit ein Vielseitiges Unternehmensbild geschaffen wird. Es bedeutet, dass Mitarbeiter der Fachabteilungen dazu autorisiert werden zu ihrem jeweiligen Fachbereich Beiträge zur Unternehmenskommunikation zu leisten. Eine Möglichkeit zu spezifischen Fachkommunikation von Mitarbeitern ist der Corporate Blog. Beispiele eines solchen Blogs in dem Mitarbeiter Posten können ist der Blog von Daimler und BASF.
Den „professionellen PRlern“ wird nun aber die Aufgabe zuteil, diese Vielstimmigkeit und Eigenverantwortlichkeit der Mitarbeiter zu fördern und zu aktivieren (wie es auch Deklaration für einen Kurswechsel in der Meinungsfreiheit fordert) und sie in Einklang mit der gesamten Unternehmensphilosophie zu bringen. Dazu gehören z.B. Richtlinen zum verfassen von Posts oder Schulungen zu Social Networks und Verhalten in denselben. Und nur wenn auch die interne Kommunikation und die Unternehmenskultur stimmt, kann auch Kommunikationsprokura zu einem starken Teil der CRM-Strategie werden. „One-Voice-Policy“ lebt – eben nur anders.

Eva Graeff

B2B = B2C

Social Media für B2B  Communication?
 
 

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Wenn Medien für die Beziehungen zwischen Konsumenten dienen, warum sollten sie nicht für die Firmenkommunikation geeignet sein?
Das Problem kommt von der Annahme, dass  sich B2B und B2C  so sehr unterscheiden, dass sie fast unvergleichbar zu sein scheinen. Das stimmt aber gar nicht. Sind die Kunden einer Firma, wenn auch Einzelpersonen nicht auch ein Unternehmen? Alle sollten inzwischen  die Bedeutung von WOM erkannt haben. Es baut auf die Kommunikation zwischen Menschen auf und Firmen müssten auch als Personen handeln um sich durchsetzen zu können. Sie müssen sich doch genau so präsentieren können wie sie das für ihre Kunden machen.Im B2B Kommunikation geht es letzendlich auch um Kunden, der einzige Unterschied ist, dass diese Unternehmen sind. Die Antwort darauf, wo sich Kunden inforimieren kennen wir auch schon – Internet.Und Internet besteht jetzt aus sozialen Netzwerken. Wenn eine Person dann irgendwelche Information braucht,  sucht sie dort, wo sie sich bereits auskennt und ein Netzwerk aufgebaut hat, beispielsweise Twitter. Wenn etwas gebraucht wird fragt man zuerst die Freunde, weil davon ausgegangen wird, dass sie ehrlich sein werden.Es wird immer mehr Wert auf das Vertrauen gelegt.
Es geht doch immer um Beziehungen. Und soziale Netzwerke sind Beziehungen, also gibt es keinen Grund warum sich B2B Kommunikation nicht immer  stärker  etablieren sollte . Wenn Facebook, Twitter und co so gut funktionieren, dann gilt das Gleiche auch für jede andere Kommunikationsart im Netz. Eigentlich hätte man sich viel mehr Sorgen machen müssen, ob die B2C  funktionieren würde, es baut ja auf zwei verschiedene Welten auf, die sich richtig verstehen müssen, damit auch das Richtige weitergegeben wird. 

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Business to Business  Kommunikaiton in sozialen Netzwerken  ist viel viel einfacher, weil die Überzeugungskraft dort viel  stärker ist, aufgrund bereits bestehender  Beziehungen und Netzwerken. Desweiteren ist es viel einfacher zu benutzen als eine Internetseite, viel flexibler und es sehr viel leichter diese immer auf den neusten Stand zu bringen. Interesse kann viel schneller Aufgebaut werden als durch herkömmliche Tools, Unternehmen  können schnell reagieren und leicht erreichbar sein, sie bekommen einfach eine Persönlichkeit.
Soziale Netzwerke für B2B unterscheiden sich letzendlcih kaum in der Anwendung  von anderen Sozialen Netzwerken .

S.