Revolution des Social Web

Er ist seit gut zwei Jahren in aller Munde: der Bitcoin. Manchen ein Mysterium, für andere eine längst praktizierte Zahlungsmethode, wird er als visionäre Währung gehypt und soll den Finanzmarkt im Internet revolutionieren. Das eigentliche Potential für das Social Web steckt jedoch in der Blockchain-Technologie, die sich hinter der Kryptowährung verbirgt. Bei einer Blockchain handelt es sich um eine dezentrale Datenbank, in der Datensätze in Blöcken aneinander gereiht werden wie in einer Kette, daher der Name. Dank der Dezentralität werden die Daten nicht auf einem einzelnen Server gespeichert oder unterliegen dem Zugriff einer Firma. Vielmehr ist die Datenbank über viele Computer verteilt und dadurch vor Hackern und Missbrauch durch Dritte geschützt. Dieses Video geht etwas ausführlicher auf die Funktionsweise der Blockchain ein:

 

Diese Technologie bietet jedoch viel mehr als „nur“ eine bequeme und sichere Gelegenheit, Geld zu transferieren. Durch Blockchain ergibt sich ein breites Spektrum neuer Möglichkeiten: Musiker könnten ihre Werke veröffentlichen, ohne um die Bezahlung für deren Nutzung betrogen zu werden oder es könnten medizinische Frühwarnsysteme entstehen, die Ärzte und Patienten rechtzeitig über kritische Blutwerte informieren. Das sind nur zwei von vielen Beispielen, die durch die Anwendung von Blockchains möglich wären.

 

Google, Facebook und Co. bekommen Konkurrenz

Blockchain-basierte Soziale Netzwerke sind noch in der Anfangsphase, nichtsdestotrotz bereits Realität. Das Social Web kämpft mit vielen Schattenseiten, darunter auch die Datenschutzprobleme, die mit der Nutzung von Facebook und Co. einhergehen. Diese Megakonzerne verdienen Milliarden mit unseren Daten, während wir oft gar nicht merken, dass wir diese überhaupt preisgeben. Dem setzen die Gründer von Blockstack, Muneeb Ali und Ryan Shea, ihr dezentralisiertes Internet entgegen. Seit 2013 arbeiten sie an ihrer Plattform, die sie als neues Internet beschreiben, in dem man als Nutzer auch einziger Besitzer der eigenen Daten ist. Gespeichert werden diese auf dem persönlichen Endgerät. Blockstack lädt dazu ein, Teil des Aufbaus eines revolutionären neuen Internets zu sein, das Freiheit, Sicherheit und Privatsphäre verspricht. Und tatsächlich: Ein bisschen fühlt man sich beim Erstellen des eigenen Blockstack Kontos wie Kolumbus, der gerade Amerika entdeckt. Allerdings sieht Amerika nicht wirklich anders aus als Europa. Der Browser wirkt auf den ersten Blick übersichtlich und benutzerfreundlich, als Laie erkennt man den Unterschied zu einem gewöhnlichen AppStore nicht, den die Blockchain-Technologie mit sich bringt. Und doch wird immer klarer, dass Sicherheit und Datenschutz hier an erster Stelle stehen, je mehr man sich mit dem Aufbau der Plattform beschäftigt. Es gibt keine Mittelsmänner oder andere Dritte, die private Informationen für eigene Zwecke missbrauchen könnten. Die Plattform steht Entwicklern offen, die dort dezentralisierte Apps entwickeln. Jedoch sind erst wenige davon benutzerfertig, darunter befindet sich ein Forum, in dem sich die User gegenseitig austauschen können.

pic Blockstack

 

Meine Leistung, mein Lohn!

Facebook ist nicht nur ein soziales Netzwerk, sondern auch das größte Medienunternehmen der Welt – und das, ohne eigene Inhalte zu produzieren. Die Arbeit liegt beim Nutzer, das Unternehmen profitiert. Eine weitere dezentral aufgebaute Plattform behandelt ihre User da deutlich fairer: Steemit bezahlt Blogger für das Posten von Beiträgen mit der Kryptowährung Steem, ähnlich dem Bitcoin. Je mehr Upvotes und Kommentare ein Post bekommt, desto höher fällt die Belohnung aus. Es lohnt sich also, Mühe in qualitativ hochwertige Beiträge zu investieren. Tim Cliff, der der Steemit Community bereits beitrat, als sie noch in den Kinderschuhen steckte, gefällt genau das am besten: „Leute haben die Möglichkeit, Geld zu verdienen, indem sie der Plattform Wert verleihen. Ich denke zwar, dass Steemit und herkömmliche soziale Netzwerke wie Facebook sehr verschieden sind und beide Seite an Seite florieren können. Letztlich werden die User aber dorthin gehen, wo ihre Zeit wertgeschätzt wird und sie diese am besten Nutzen können.“

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Die Zahl der Steemit User wächst immer weiter, Ende Februar 2018 sind es bereits über 800.000 Accounts. Natur, Kunst und natürlich Kryptowährungen sind nur einige wenige von zahlreichen Kategorien, in denen die Mitglieder des sozialen, auf einer Blockchain aufgebauten Netzwerks ihre Inhalte erstellen. Auch Kommentare selbst werden mit Steem honoriert. Die Bezahlung erfolgt nicht durch andere User, sondern durch das Netzwerk. Die Blockchain-Technologie ermöglicht auch hier sichere und schnelle Transaktionen. Der Anreiz der Belohnung scheint zu funktionieren: Die Nutzer und Blogger unterstützen sich und bilden ein Miteinander, anstatt gegeneinander zu arbeiten. Steemit mag somit vielleicht tatsächlich das sozialste Netzwerk überhaupt sein. Vorreiter im Bereich des Blockchain-basierten Social Web ist es allemal.

 

Selina Jörgensen

Kommunikationswissenschaft, Otto-Friedrich-Universität Bamberg

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