Social Media Trends 2015 – Ein Jahr voller Herausforderungen

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Wir haben viel erlebt. Das vergangene Jahr war eine Lawine der Social Media Veränderungen. Ellen Degeneres legte Twitter mit einem Selfie lahm, das Hashtag wird quasi zum Symbol der Jugendkultur, Handyfotos sind jetzt quadratisch und die sozialen Netzwerke schaffen immer neue Berufssparten, vom Social Media Marketer bis zum Community Manager. Doch wie soll die Reise weitergehen? Wohin führt uns die Entwicklung der sozialen Medien? Welche Herausforderungen erwarten uns 2015?

Content, Content, Content…

2014 hat uns mit all seinen Kanälen vor allem eines gemacht: Hunger. Wir sind auf den Geschmack gekommen und wurden alle zu gierigen Verzehrern verschiedensten Contents. Ob wir die News unserer Vorbilder auf Facebook lesen, Instagram-Aufnahmen unserer favorisierten Markenprodukte ein Herz stiften oder sogar als Konzern unsere B2B Beziehungen über soziale Medien zu erweitern wünschen. Wir alle wollen Content!

Trotz unserer Gier nach Neuigkeiten ist unser Hunger 2015 nicht einfach mehr nur mit Fast Food zu befriedigen. Schnelle Postings mit geringer Individualität sättigen uns nicht mehr so wie früher. Nach einem ganzen Jahr haben wir uns zu medialen Gourmets entwickelt.

Genau dieser Umstand soll vermutlich einer der größten Trends für Marketer weltweit werden. Content-Strategien müssen weiter verfeinert werden. Die einfache Infografik spricht nicht länger die immer stärker informierten Communities an und so gewinnt der Dialog zwischen Unternehmen und Fangemeinde an immenser Bedeutung. Es wird Marken dazu bringen nicht mehr nur die breite, große Masse zu sehen, sondern stärker auf die individuellen Bedürfnisse von kleineren Community-Untergruppen einzugehen. Kurzum 2015 führt uns weg vom Sammeln der Fans wie Briefmarken, hin zur aktiven Community die aktiv die Entwicklung von Unternehmen und Content mitbestimmt.

Weg von Facebook? Weg von Twitter? Wir wollen mehr Freiheit für Unternehmen!

Es ist davon auszugehen, dass wir 2015 auch Zeugen der Emanzipation von Unternehmen sein werden. Facebook lässt immer wieder die Muskeln spielen, ändert seine AGB, schlägt Microsoft und Apple ein Schnippchen und kauft sich seine Medienlandschaft zusammen. Das hat schon 2014 für erste Aufschreie gesorgt, die allerdings noch zu leise waren. Geht man aber davon aus, dass Facebook aufgrund seiner geradezu bedrohlichen Größe neue mediengewandte Generationen abschreckt und immer mehr der alten Hasen sich abmelden, müssen Unternehmen und Marken reagieren. Dazu kommt, dass jedes soziale Medium seine eigenen Regeln macht und damit spürbar die Freiheit von Marketingstrategien einzelner Unternehmen beschneidet. Wer werben will, muss auch immer mehr zahlen, so lautet die Devise. Zwar ist die Mehrheit an Unternehmen 2015 bereit ihre Budgets für Online-Marketing aufzustocken, allerdings kommen damit auch ganz neue Strategien infrage. Das installieren eigener Content-Plattformen zum Beispiel.

Es ist also davon auszugehen, dass Unternehmen 2015 sich neue, stärker selbstbestimmte Wege suchen werden, ihren Content an die Rezipienten zu bringen.

„Brands will rebel against social algorithms continuing to push branded content from organic to paid, and instead, build off-platform content experiences and owned channels to grow their audience on their own terms.“  Shafqat Islam / Mashable

Die Unvorhersehbaren, sie kommen bestimmt!

Jedes Jahr werden wir Zeugen eines Internetphänomens, eines neuen Trends und gerade in Zeiten in denen Startups aus dem Boden schießen wie giftige Pilze, ist damit auch jede gut gewartete Kristallkugel überfordert. Ihre Vorhersage ist schlicht und ergreifend nicht möglich. Was allerdings möglich ist, ist das eingrenzen von Themengebieten.

Wir erlebten 2014 eine Blüte der Foto-Communities. Der Einfluss von Instagram war so groß, dass er auch für Portale wie Pinterest oder den guten alten Tumbler einen Anstieg an Nutzern brachte. Plötzlich teilte jeder Bilder und begann sich mit diesen aktiv zu identifizieren und darzustellen.

Gleichzeitig musste es aus unseren Lautsprechern schallen. Musikplattformen wie Spotify werden immer massiver genutzt und führen sogar dazu, dass sich einige Künstler auf die gute alte CD bei der Veröffentlichung ihrer Alben beschränken z.B. unser Social Media Profi Taylor Swift. Andere wiederum setzen auf Itunes und schmuggeln ihre neuen Songs kostenlos auf neue Apple-Endgeräte. Dass das für U2 in einem Fiasko endete, sei erstmal ausgeblendet.

Der springende Punkt ist, dass wir davon ausgehen können, dass uns Fotografie und Musik weiter stark in den sozialen Medien begleiten werden, ihr Entwicklungspotential allerdings recht begrenzt scheint. Wir haben inzwischen schon einiges gesehen!

Was fehlt also noch? Richtig, das Video! Zugegeben, richtig neu ist das Video für alte Youtube Hasen nicht, aber seine Nutzbarkeit im Marketing war immer wieder umstritten. Wir können inzwischen allerdings einen interessanten Trend verfolgen. Immer mehr Unternehmen greifen Youtube an, das mit seinen AGBs manchmal doch äußerst mühsam wirkt. Wir konsumieren immer mehr auf Vimeo und wer hätte es gedacht, auch die Videos auf Instagram und Facebook nehmen gewaltig zu. Das führt zum einen dazu, dass Plattformen wie Youtube in Zugzwang geraten sich weiterzuentwickeln und neue innovative Konzepte vorzustellen. Auf der anderen Seite öffnet dies sämtlichen Community-Konzepten die sich auf Videos fokussieren Tür und Tor.. Zu diesen neuen sozialen Communities zählen Video-On-Demand-Plattformen genauso wie Werbe- oder Trailerportale. Ein wachsendes und interessante Konzept für einen neuen Community-Ansatz bietet das Unternehmen flimmer.de aus Berlin. Bereits 2012 als Idee aus der Taufe gehoben, bietet die Seite ein Konzept, dass 2015 richtig abheben könnte. Das Portal bezahlt seine User für das Konsumieren von Trailern, bietet einen Video-On-Demand-Dienst, sowie einen eigenen Shop der den fleißigen Trailer-Konsumenten mit Prämien belohnt. Dazu sind die filmischen Größen Roland Emmerich und Marco Kreuzpaintner die Väter der Idee.

Es gilt also 2015 vor allem die Augen nach revolutionären Ideen mit bisher wenig genutzten Medienformaten zu beobachten

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Das beste kommt zum Schluss!

Neben neuen Herausforderungen beim Erstellen von Content, unvorhersehbaren Entwicklungen im Social Media Sektor und stärkerer Interaktion zwischen Rezipient und Kommunikator wird 2015 vermutlich vor allem ein Jahr der technischen Innovation. Wir suchen stetig nach neuen Herausforderungen und Strategien, um mittels Marketing alles aus unserer sozialen Medien herauszupressen. Mit der Entwicklung von immer stärker ausgereiften technischen Kommunikationsmitteln, verlieren wir aber auch zusehends den Vorsprung vorm Rezipienten. Unsere Fans rücken in ihrer technischen Ausstattung sowie dem eigenen Know-How immer mehr an uns vermeintliche Meinungsmacher heran. Das bedeutet folglich, dass wir 2015 als den Beginn einer neuen Sorgfalt sehen müssen. Es reicht nicht länger den Praktikanten Twitter überwachen zu lassen oder die Sekretärin jeden Tag eine Stunde vor Facebook zu setzen. Wir müssen beginnen, uns an Profis zu wenden. Journalisten und Redakteure müssen in die Pflicht genommen werden, ansprechende Beiträge zu generieren, deren Mehrwert über die bloße Werbung oder Imagepflege hinaus geht.

Der Weg, der 2015 vor uns liegt ist definitiv nicht gepflastert mit einer Fülle an neuen Portalen, allerdings gilt es jetzt zu lernen, wie wir das bereits bekannte endlich miteinander vernetzen, um eine höchstmögliche Qualität zu erzeugen und uns nach der einzig wichtigen Größe in Social Media zu orientieren:

Dem Like, Follower und Nutzer; alles in Allem der Community. 

Sören März
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Kommunikationswissenschaft / Kunstgeschichte

And our Social-Media-Award 2014 goes to: Taylor Swift!

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Sie ist schön, talentiert und super angesagt. Kaum ein Star hat momentan eine größere Reichweite, schmückt mehr Cover der bekanntesten Magazine, räumt mehr Awards ab. 2014 wurde sie zum zweiten Mal in Folge zur Billboard Woman oft the Year gewählt. Unser Award geht in diesem Jahr ganz klar an die Singersong-Writerin aus Amerika: Taylor Swift.

Die Medien lieben Tailor Swift – und sie liebt die Sozialen Medien. Doch was macht den jungen Star so erfolgreich? Neben der Musik beherrscht sie noch ein ganz anderes Instrument auf Höchstniveau: Social-Media! Ein Experte der sozialen Plattformen Chris Abraham bringt es auf den Punkt und schreibt in einem Artikel: „Ask Taylor Swift: her #1 job is social media engagement — singing’s her hobby.”

Taylor ist überall, es gibt scheinbar keine soziale Plattform, auf der sie nicht vertreten ist. Pinterest, Tumblr, Facebook, Instagram, Twitter, Youtube, Google+, der japanischen Kurznachrichtenservice Line, um nur eine kurze Aufzählung zu geben. Auf Google+ folgen 2.254.330 Fans ihren Posts, auf Facebook liken 72.555.470 Fans die Seite des amerikanischen Superstars, bei Instagram möchten 16,5 Millionen Followers Taylors neusten Fotos sehen (Stand 17.12.2014).

Twitter fungiert als ihr wichtigstes Sprachrohr. Aktuell belegt @taylorswift13 im Ranking der Twitteraccounts  mit den meisten Followers weltweit einen souveränen Platz 4. mit 48,6 Millionen Follower.

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Ohne Frage setzt Taylor Hashtags mit Expertise und weiß, wie sie ihre Fans erreicht. Ende Oktober, Pünktlich zum Albumrelease von „1989“, setzt sie einen Trend mit #taylurking.  Mit dem Wortspiel aus Taylor und Lurking  zwitschern Fans ihre Fotos mit einem neuen Albumcover in der Hand und @taylorswift13 retweetet. Eine clevere Social-Media-Marketing Idee, und die Fans lieben es!

Taylors neue Große Liebe: die Plattform Tumblr. Die Country-Pop- Sängerin selbst sagt in einem Video: „I’ve been having so much fun on Tumblr. It’s redicules, propably too  much fun!“ Sie liebt das Stöbern durch Tumblr Profile, was sie mit dem Hashtag #lurkin ausdrückt.

Am 13. Dezember feierte das Popsternchen ihren 25. Geburtstag, die großen Stars am Musikhimmel Beyonce, Jay Z, Sam Smith mit von der Partie, und alle Fans und Followers sind eingeladen. Auf jeder Plattform zeigt sie andere Details der Party. Auch wenn sie überall die gleiche Geschichte erzählt, tut sie dies auf eine andere Art und Weise.
Auf Instagram , Facebook, Tumblr und Twitter zeigt sie diesen Schnappschuss von der Party.

http://instagram.com/p/wizRlODvCV/?modal=true

In den Tweets verweist das Geburtstagskind Taylor auf Bilder von Instagram. Hier gibt es – ganz der Fotoplattform entsprechend – noch mehr Bildmaterial. Taylor bedankt sich sehr persönlich via Facebook bei ihren Partygästen und Fans „I just want to thank anyone who wished me happiness. You’re my friend. These are my friends. And I’m so lucky.“

Was macht Taylor so erfolgreich? Der Star pflegt über die sozialen Medien einen authentischen Kontakt zu ihren Fans. Sie nutzt die Plattformen genau so, wie die Menschen, die sie damit erreichen möchte. Sie retweetet Bilder und wirkt  bodenständig, lustig, sympatisch und für die Fans zum Greifen nahe. Seit diesem Jahr ist Taylor auf auf Line aktiv, einem japanischen Nachrichtendienst. Push-Nachrichten werden direkt auf das Smartphone der über 7 Millionen Abonnenten geschickt. Fans bekommen den Eindruck, als würde Taylor ihnen private Nachrichten senden.

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Bleibt neugierig – Weihnachten steht vor der Tür und Taylor wird uns an „Christmas at the Swifts“ teilhaben lassen.

Carolin Latsch
Kommunikationswissenschaft, Uni Bamberg

Hauptberuf: Reiseblogger

1 (391)Es klingt zu schön um wahr sein – um die Welt reisen, darüber berichten und genau davon leben. Doch einige Blogger haben diesen Traum wahr gemacht.

Doch wie verdient man damit eigentlich Geld? Wer sich auf den relevanten Blogs umschaut wird ganz schnell erkennen, dass nur Werbung auf den Seiten anscheinend nicht ausreicht.

Die Profi-Blogger schreiben zusätzlich Bücher und E-Books, halten Vorträge und besonders wichtig scheint das Stichwort Affiliate- (deutsch: Empfehlungs-)Marketing zu sein. Einige geben sogar Seminare zum Thema erfolgreiches Bloggen. Anleitungen gibt es wie Sand am Meer, aber auch richtig professionell aufgezogene Seminare. Ein paar Beispiele gibt es bei Planet Backpack und BlogCamp.

Doch jetzt mal Butter bei die Fische – kann man davon wirklich gut leben? Wie viel verdient wohl so ein Reiseblogger hat sich auch t3n gefragt und es gewagt, konkrete Zahlen zu nennen.

Tatsächlich gibt es in diesem Jahr sogar eine Messe für „digitale Nomaden“, die DNX in Berlin. Die Community der Blogger ist größer als man auf den ersten Blick glaubt.

Doch jetzt wird es Zeit einen der hauptberuflichen Reise-Blogger zu Wort kommen zu lassen. Patrick bloggt unter anderem auf 101places.de – und lebt davon.

Seit wann bloggst du und wie kam es dazu, dass du das ganze professionell aufziehen wolltest?

Patrick: Ich blogge auf 101places.de seit August 2012. Professionell habe ich es aber erst im Januar 2013 aufgezogen. Ich war gelangweilt von dem Friends-and-Family-Blog. Ich wollte mehr Leser haben. Es war eine Herausforderung für mich. Dann habe ich schnell gemerkt, dass ich damit Geld verdienen kann und nun ist es mein Beruf.

Reisen, drüber schreiben und auch noch Geld damit verdienen – das klingt zu schön um wahr zu sein. Hand auf’s Herz, ist es wirklich der Traumjob nachdem es klingt?

Patrick: Ich finde, Bloggen ist für mich ein Traumjob. Reisebloggen ist etwas spezieller und für mich kein Traum. Ich reise zwar gerne, aber der Reiseblog hat meine Reisen verändert. Nach einer Weile hatte ich das Gefühl, bestimmte Ziele und Sehenswürdigkeiten für meine Leser abreisen zu müssen, obwohl ich darauf keine Lust hatte. Das mache ich nun nicht mehr, weiß aber auch, dass der Reiseblog für mich daher nicht so nachhaltig ist. Ich bin zwar viel unterwegs, aber reise nicht mehr wie ein typischer Tourist, sondern verweile lange an den Orten. Ich schreibe auch noch zwei andere Blogs, die vom Reisen unabhängig sind (introvertiert.org und healthyhabits.de). Solang meine Blogs mich nicht dazu zwingen, Dinge zu tun, auf die ich keine Lust habe, ist es ein Traumjob.

Bloggen ist sicherlich kein nine-to-five-Job – Wie viele Stunden arbeitest du pro Woche ungefähr für deinen Blog?

Patrick: An 101 Places habe ich im ersten Jahr 20-30 Stunden pro Woche gearbeitet. Momentan sind es nur noch 3-5 Stunden. Für alle Blogs zusammen arbeite ich aber weiterhin etwa 30 Stunden – oder auch mal mehr, wenn ein größeres Projekt wie ein Buch ansteht.

Womit genau verdienst du dein Geld? „Nur“ mit Werbung?

Patrick: Ich verdiene Geld mit meinen eBooks und Büchern. Über alle Themen verteilt macht das etwa 50% meiner Einnahmen aus. Ich habe zwei gedruckte Bücher auf dem Markt und acht eBooks. Die andere Hälfte setzt sich aus Affiliate Marketing zusammen. Das heißt, ich empfehle meinen Lesern andere Produkte, z.B. Flugsuchmaschinen (Skyscanner), Hotelbuchungsportale (Booking.com), Reise-Kreditkarten (DKB) und Reiseausrüstung sowie Reiseführer (amazon). Mehr zu meinen Produkten hier: www.101places.de/ebooks
Davon lebe und reise ich 🙂

Vielen Dank für das kleine Interview Patrick! Wer mehr von ihm zum Leben als “Digitaler Nomade” lesen möchte, wird auf seiner Seite fündig.

Es scheint also tatsächlich möglich zu sein, hauptberuflich Reiseblogger zu sein. Allerdings braucht es dafür auch eine Menge kreativer Ideen. Das Umfeld der Reise-Blogs wird immer professioneller und Reiseveranstalter, Ausrüster und andere Anbieter haben längst erkannt welches Potenzial darin steckt. Ob man allerdings einfach nur durch Seminare zu einem erfolgreichen, Hauptberuf-Blogger wird wage ich zu bezweifeln.

Nina Thumerer
Kommunikationswissenschaft
Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Das Ego pushen? Über Selbstdarstellung im Netz

Marken, Unternehmen und die Stars und Sternchen haben es bereits vorgemacht, und viele von uns folgen diesem Hype: Die Inszenierung und Selbstdarstellung des eigenen Ichs in sozialen Netzwerken. Facebook, Twitter und  jetzt auch ganz vorne dabei Instagram bieten hierfür die optimale Bühne. Doch was treibt uns innerlich dazu an, uns so nach außen präsentieren zu müssen? Bedeutungsdrang? Einsamkeit? Angst, nicht dazu zu gehören?

Besonders in sozialen Interaktionen, versuchen wir oft ein gewisses Bild von uns zu vermitteln, da wir genau wissen, dass wir von anderen beobachtet werden. Nach der Anahme von Erving Goffman spielen wir alle Theater auf einer Bühne mit Requisiten. In Bezug auf die sozialen Netzwerke ist diese Aussage sicherlich nicht verwerflich. Machen wir uns also gegenseitig im Netz nur was vor und schlüpfen sogar in eine andere Rolle und spielen einen anderen Charakter, damit wir dazu gehören?

Im Gegensatz zum Spielplan des Theaters existieren in der Welt der sozialen Netzwerke so gut wie keine Vorgaben, was man von sich präsentieren darf und was nicht oder was privat oder gar intim zu behandeln ist und was nicht. Sex sells! gilt auch noch in der heutigen Zeit, um Aufmerksamkeit und Beachtung zu finden. Dieses Motto haben auch immer mehr Stars für sich entdeckt, wenn es um Freizügigkeit oder Privatsphäre geht. Vor allem die amerikanischen Stars sind besonders offen und freizügig in den sozialen Netzwerken unterwegs. Rihanna wurde beispielsweise von einem Onlinenewsportal zu „Dem (fast) nacktesten Promi im Netz“ gekürt.

Ein anderes Beispiel ist Robbie Williams, der die ganze Welt an der Geburt seines Sohnes auf Youtube und Twitter teilhaben ließ. Bilder und Videos aus dem Krankenhaus zeigen Robbie und Ayda zu (fast) jedem Zeitpunkt der Geburtsvorbereitung und natürlich nach Vollendung des großen Werkes.

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Aber auch von deutschen Prominenten landen täglich zahllose Facebook-Kommentare und Tweets im Internet. Aber wer von ihnen hat wirklich was zu sagen? Und wer schreibt nur viel? Mit diesen Fragen hat sich auch ein kürzlich erschienener Artikel in der SZ beschäftigt, der fünf deutsche Prominente unter anderem KuttnerSarah, janboehm oder Elyas M’Barek und deren Tweets genauer analysiert.

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Ein weiterer Hype drückt sich im Slogan „But first let me take a #selfie“ aus. Das Wort „selfie“ wurde im Jahr 2013 zum Wort des Jahres gekürt und bedeutet soviel wie „Selbstporträt“. Fast täglich holen viele Promis ihr Smartphone aus der Tasche, knipsen ein Selfie und posten es unmittelbar auf den Plattformen.

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Zusammenfassend sind diese zwei etwas Formen der Selbstdarstellung zwar gerade DER Hype. Mit Sicherheit kann durch diese Art der Selbstdarstellung die Beziehung zu den Fans intensiviert werden, da ihnen dadurch das Gefühl der Teilnahme vermittelt werden kann. Andererseits muss man sich jedoch immer bewusst sein, dass es eine ganz persönliche Entscheidung ist, wem ich meine Informationen zugänglich mache und das eigene Ich durch die Selbstdarstellung in den sozialen Netzwerken von der Öffetlichkeit ganz anders und verschieden interpretiert werden kann. Ein schmaler Grat zwischen Schein und Sein.

Alisa Reuß

Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Kommunikationswissenschaft

Homepage OUT, Social Media IN – doch schaffen dies deutsche Medienhäuser?

„Social Media könnte bald die Homepage ersetzen“ – Wer hätte das gedacht? Mittlerweile wohl jeder! Schließlich ist man es selbst gewöhnt, Informationen aus den sozialen Netzwerken zu ziehen. Nachrichten wie auch Entertainment kommen auf Facebook, Twitter & Co. nicht zu kurz, Social Feeds lösen schon längst die traditionelle Homepage ab. Journalism.co.uk greift genau diese Thematik auf, belegt dies mit BuzzFeeds Trend Report „How Technology is Changing Media“ und zeigt: Social Media beherrscht unser (digitales) Zeitalter. Über 70% an Nutzern finden sich jeden Tag in sozialen Netzwerken, um sich zu informieren, zu liken und zu teilen. Klar ist daher, dass sich Medienkonzerne bewusst auf diese Veränderung einstellen und handeln müssen. Nicht länger wird über die Homepage nachgedacht, Facebook und Twitter sind an der Tagesordnung.

Inhalte humorvoll und interessant an die eigenen Follower bringen? Sicherlich nicht einfach zu meistern, doch betrachtet man Zeitschriften wie Focus Online, Neon oder Grazia, so scheinen diese längst im digitalen Zeitalter angekommen zu sein und medienaffin zu agieren. Mit über 200.000 „Gefällt mir“ Angaben auf Facebook schaffen diese Zeitschriften die Challenge, ihre Inhalte für eine breite Masse verfügbar zu machen.

Was passiert jedoch bei den Dachmarken dieser Zeitschriften? Eigene Positionierung im Social Web? Potenzial der Sozialen Medien erkannt? Die Priorität scheint bei den eigenen Medienmarken zu liegen – die größten deutschen Medienhäuser ohne soziale Medien? Nicht ganz, die meisten (hier als Beispiel Hubert Burda Media) sind auf Twitter, Facebook, Xing aber auch auf Flickr und Youtube vertreten.

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DOCH: Geringe Reichweite wie auch „Gefällt mir“ Angaben und kaum geteilte Inhalte könnten Indikatoren sein, um sich die Frage zu stellen: Verschlafen deutsche Medienunternehmen, das eigene Image in sozialen Netzwerken zu stärken? Eine Analyse der Social Media Nutzung zweier TOP Medienhäuser soll zur Diskussion beihelfen:

Bertelsmann

Bertelsmann, Dachmarke erfolgreicher und Social-Media-affinen Unternehmen wie RTL Group (Fernsehen), Gruner + Jahr (Zeitschriften) und Penguin Random House (Buch), bietet auf der hauseigenen Homepage: „Willkommen im Social Media Newsroom“. Aktuelle Überblicke, direkte Zugänge und Aktualisierung zu den Social Media Aktivitäten von Bertelsmann, RTL Group & Co. helfen, auf allen Plattformen immer up-to-date zu sein. Doch welche Accounts besitzt Bertelsmann? Bertelsmann, Bertelsmann erleben und Create your own Career sind auf Facebook wie auch Twitter aufzufinden. Gefällt-mir-Angaben? Von knapp 6.500 bis 16.800, doch die Reichweite der Posts geht stark verloren. Liegt das an den Themen? Veranstaltungen, Konzernstrategien, Karrierechancen; klingt alles sehr interessant, doch zu wenig Dialog.

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Mit ca. 3000 Followern und knapp 3000 Tweets scheint es, als ob es auf Twitter rund gehen sollte. Doch auch hier zeigt sich, eher Pflichterfüllung als Spaß am Zwitschern. Pressemitteilungen werden für Tweets verwendet, eine Albspielfläche für Einfallsreiches und Ansprechendes ist jedoch leider weit entfernt. Retweets und Favorisieren bleiben aus.

Axel Springer

Facebook als Jobbörse? Im Zeitalter digitaler Medien kaum mehr wegzudenken. Diesen zielgruppenspezifischen Aspekt bezieht der Axel Springer Verlag auf seiner Facebook-Seite ein. Axel Springer Karriere macht aufmerksam auf Karrieremessen, gibt Infos zu Bewerbungen für Auszubildende, stellt Mitarbeiter und Projekte vor und postet Stellenangebote.

 

Abwechslungsreiche, individuelle und persönliche wie auch informative Posts, wieso ist aber auch hier kaum eine Reichweite? Einblicke in das Unternehmen und guter Service? Scheint von zu Wenigen erkannt und beachtet zu werden, was auch die „Gefällt-mir Angabe“ von knapp über 6.000 zeigt. Axel Springer Akademie hat es sogar „schwarz auf weiß“, Social Media ist IN, doch führt das dazu, die Social Media Strategien von Unternehmen  zu überdenken und umzustrukturieren?

 

Strategien? Was sind überhaupt Einsatzbereiche und Ziele von Social Media für Medienhäuser und Verlage? Facebook & Co. wird verwendet zu Marketing-Zwecken, aber auch die Öffentlichkeitsarbeit eines Unternehmens kann durch die sozialen Plattformen ausgeweitet werden. Kundenservice wie auch Personalgewinnung funktionieren im Internet und bieten gerade für die Nutzer viele Informationen und Tipps. Daher ist es wichtig, affine Mitarbeiter für Social Media zu beschäftigen, um Spaß und Dialog zu kreieren.

Was kann man also Medienhäusern empfehlen, damit der alltägliche Social Media Nutzer liked, teilt und kommentiert? Zunächst optimieren, optimieren und optimieren! Ganz einfach kann Reichweite gesteigert werden, indem man eigene Posts an Nutzer-Bedürfnisse anpasst. Doch: Mehr ist nicht immer besser! Zu viele Posts halten Nutzer davon ab, täglich fünf oder sechs Tweets und Posts nach Informationen zu scannen. Zu viel „Spam“ kann schnell Interesse erlöschen!

Sophia Tauber

Kommunikationswissenschaft, Anglistik

Otto-Friedrich-Universität Bamberg

So twittern deutsche Fußballstars

Die internationale Titeljagd geht weiter. Doch geht es ausnahmsweise nicht um den Sieg der Champions League oder darum, sich Deutscher Meister nennen zu dürfen. Diesmal konkurrieren die deutschen Fußballstars um Follower in den Sozialen Netzwerken, vor allem auf Twitter.

Nicht mehr nur im Fußball, sondern auch Stars im Web. Tagtäglich posten die Sportler über ihr Leben neben Spieltagen und zwischen zahlreichen Trainingseinheiten und halten so ihre Fans auf dem Laufenden.

Am beliebtesten ist dabei die Seite von Twitter.

Twitter ist die wichtigste Plattform für Spieler und Clubs, wenn es darum geht, mit Fans zu interagieren. Und das in Echtzeit! Der Fakt, dass alle Clubs der 1. Und 2. Fußball-Bundesliga Twitter konstant nutzen, spricht für sich. (Paul Keuter, Head of Sports, Twitter Deutschland)

Über ihre Reichweite im Web können alle Spieler selbst bestimmen. Besonders aktiv sind vor allem die jungen Spieler und Nachwuchstalente, doch auch die der Deutschen Fußball Nationalmannschaft. Mario Götze, Marco Reus, Mats Hummels, Manuel Neuer. Alles große Namen – inzwischen auch, was die Arbeit im Web 2.0 betrifft. Vor allem der Spruch des Nationaltorhüters des Coca Cola-Werbespots macht derzeit die Runde, der mindestens genauso bekannt geworden ist, wie Neuer selbst.

Doch wie nutzen eigentlich die deutschen Fußballstars die Plattform Twitter? Viel können sie dabei gar nicht falsch machen, da Twitter zahlreiche Möglichkeiten bietet. Doch eines müssen sie beachten: Die Posts müssen authentisch wirken. Der Kommunikationskanal lebt von seinen Inhalten. Je mehr Bilder, desto mehr Gefallen. Am besten kommen Selfies direkt aus der Kabine an, sei es auch mal mit der Bundeskanzlerin, Frau Angela Merkel. Eine besondere Ehre, die vor allem durch die Impressionen der WM 2014 in Erinnerung bleibt. (Hier von Steffen Seibert, Sprecher der Bundesregierung, gepostet)

Doch wie schaut es wirklich mit der Authentizität der Nationalspieler aus? Wer twittert selbst? Gibt es PR-Manager, die die Spieler unterstützen?
Der Großteil der Fußballspieler postet auf seinem Account selbst. Ein gutes Beispiel ist André Schürrle, namhafter Stürmer der Deutschen Fußball Nationalmannschaft und des englischen Premier Ligisten Chelsea FC.

Andrés Twitter-Account wird vordergründig nicht als Werbefläche verwendet und auch nicht vermarktet. Er hält das Soziale Netzwerk sehr persönlich und direkt, nutzt die Plattform als Möglichkeit, mit Fans und Freunden zu kommunizieren und gibt diesen die Möglichkeit auch neben dem Fußballplatz Eindrücke von seinem Leben zu bekommen.

Insbesondere Posts aus dem Privatleben der Profis sind es, die die Follower interessiert, denn so können Nutzer und Fans eine persönliche Verbindung zu ihrem Idol aufbauen, während sie immer auf dem Laufenden gehalten werden.

Über diese Nachricht des Borussen Marco Reus haben sich die BVB-Fans ganz besonders gefreut. Auch, weil diese von Woodyinho persönlich kam.

Der Kontakt zu den Fans gehört inzwischen zum Beruf eines Fußballers. Auch Mats Hummels beantwortet Fragen seiner Fans ganz persönlich auf seinem Twitter Kanal.

Sehr häufig sieht man die Fußballstars im deutschen Fernsehen. Es folgen zahlreiche Werbeaufträge, die weiter auch im Netz verbreitet werden. Aufrufe, die beispielsweise über Sponsoren gesteuert werden. Doch die Spieler, wie auch André Schürrle, sind hierbei frei in der Aussage und Ausgestaltung ihrer Posts. Wenn nicht, dann gibt‘s zumindest private Vorschläge. Macht sie doch sympathisch, unsere Jungs.

Doch nicht nur internationale Turniere sind Anlass, sich mit den Fans in Verbindung zu setzen.

Schon schön, wenn am Wochenende wieder die #Bundesliga läuft… (Manuel Neuer via Twitter, 23.08.2014)

Am Freitag startete der 15. Spieltag der 1. Fußball Bundesliga mit dem Duell zwischen der TSG 1899 Hoffenheim und Eintracht Frankfurt. Der FC Bayern München trifft auf den FC Augsburg, Borussia Dortmund ist zu Besuch bei Hertha BSC Berlin.

Mit großer Spannung wird nicht nur den Partien entgegengefiebert, auch die Welt der Sozialen Medien und die gesamte Fußballgemeinde freut auf Posts und Kommentare der deutschen Profis. Wer veröffentlicht Eindrücke aus dem Flugzeug oder dem Mannschaftsbus? Wer zwitschert zuerst aus der Kabine? Wir sind gespannt!

Sabrina Kleinhuber
Institut für Kommunikationswissenschaft
Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Nachtrag

Doch einen Spieler darf man nicht vergessen! Ganz groß im Rennen ist der Stürmer der Deutschen Fußball Nationalmannschaft, unser Lukas Podolski, der sich auch gerne mal mit jeweiligen Ländersprachen beschäftigt, wenn ein Auswärtsspiel stattfindet.

Mehr aus Poldis Leben könnt Ihr hier entdecken und seinem Alltag zwischen Tweets, Retweets, Stiftungen, aber vor allem auch persönlicher Unterhaltung folgen. Mein #FollowThursday geht an den Kölner-Jung‘.

Lupenreine Transparenz!?

Lieber xy, heute ist dein großer Tag! Ich wünsche dir von Herzen alles Liebe & Gute zu deinem 28. Geburtstag! Genieße deinen Festtag. Du gestattest doch, dass ich Dich duze, oder? Du weißt zwar nicht wer ich bin, aber das macht nichts: ich kenne Dich in- und auswendig!

Es folgt eine unglaublich, detailgetreue Auflistung über das private Leben einer 28-jährigen Person, die scheinbar verstärkt in Amazon einkauft und sowohl in Facebook als auch in Twitter und Instagram vertreten ist. Wer sich weiterhangelt, kann sämtliche Bilder der Person, Tweets und Posts ansehen und diese lesen. Und das, obwohl die beiden Personen nicht miteinander befreundet sind!

Da hat wohl jemand seine Datenschutzrichtlinien nicht ordentlich durchgelesen und diese – um seine Privatsphäre zu schützen – nicht richtig eingestellt! Die Folge: dieser Mensch wird ganz schön transparent, um es fachlich auszudrücken: ein gläserner Mensch.

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Wer sich jetzt denkt „Ach herrje, ich bin keinen Deut besser“, der wird gleich sein blaues Wunder erleben, denn: Malte Spitz, Grünenpolitiker, hat bei Firmen und Behörden seine Daten angefordert und erschreckende Entdeckungen gemacht, die er in dem Buch „Was macht ihr mit meinen Daten?“ veröffentlicht hat.

Spitz ging es nach eigenen Angaben eher weniger darum „das Internet“ oder „die Smartphone-App“, also vieldiskutierte Speicherpunkte zu untersuchen, da man sich diesen – zumindest theoretisch – entziehen kann. „Im Zentrum meiner Suche stehen die tagtäglichen Datenspeicherungen, die alle Menschen betreffen und denen man nicht ausweichen kann.“ Er spricht darüber wie schwer es war überhaupt Informationen über seine Daten zu bekommen und welche Erkenntnisse er daraus ziehen konnte.

Ausblick in eine (noch) ungewisse Zukunft
Doch wie wird die Zukunft aussehen? Werden wir unsere informationelle Selbstbestimmung erhalten und verteidigen können? Dreh- und Angelpunkt der Sache ist die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und staatlichen Stellen zur Überwachung unseres Lebens. Es geht um die Punkte, an denen die Datenspeicherungen schon heute unser Leben beeinflussen, ohne dass wir davon wissen.

Mit dem Buch wolle Spitz auch diejenigen Menschen ansprechen, die glauben, sie hätten nichts zu verbergen, die glauben, dass es schon in Ordnung sei, all das zu speichern, auszuwerten oder an staatliche Stellen weiterzugeben. Für das Buch habe er viele Menschen sowie Experten aus dem In- und Ausland getroffen, um mit ihnen über die aktuelle Lage in Sachen Datenschutz zu sprechen. Der Staat räume sich ein Zugriffsrecht ein, was vielen gar nicht bewusst sei.

Doch letztendlich kann jeder Nutzer – zumindest auf Social-Media-Seiten –  selbst entscheiden, wie viele Daten er Preis gibt. Wie das geht? Naja, zugegeben manchmal ist das etwas „tricky“, aber wer sich damit auseinandersetzt, wird schnell erkennen: so schwer ist es gar nicht! In Facebook beispielsweise gibt es extra das Symbol „Privatsphäre-Verknüpfungen“, in diesem Tool, und natürlich auch in den Einstellungen kann jeder individuell anklicken wer welche Posts lesen bzw. sehen darf.

Poser Shots, die peinlich sind, verhindern
Seit kurzem arbeitet Facebook auch an einem anderen Problem: der peinlichen Zurschaustellung einiger Nutzer!

Hierbei sollen wenig schmeichelhafte Bilder, die im Vollrausch entstanden sind, verhindert werden. Denn genau solche Bilder machen sich bei Bewerbungen nicht sonderlich gut! Die Frage ob es dieses Tool wirklich geben wird, steht allerdings noch in den Sternen… Schlecht wäre es vermutlich nicht, wenn manche Menschen ihre „schlechten“ Seiten nicht öffentlich ans Tageslicht bringen würden.

Passwörter speichern – ja oder nein?
Eine wirklich gute Frage! Doch Hand auf’s Herz, wie viele von Euch haben bereits auf das Häkchen „Passwort speichern“ gedrückt, um sich die nervige Eingabe zu ersparen? – Ich denke, mehr als genug Menschen. Das solche Aktionen nicht besonders clever sind, sollte jedem Nutzer klar sein, denn so spiele ich meinen Account einem System zu, das jederzeit auf meine Daten zugreifen könnte. Ein Hacker würde sich jetzt ins Fäustchen lachen…Wie gut, dass es endlich eine Software namens „i-Butler“ gibt, die sich die Daten merkt und diese für jede Person automatisch eingibt.

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Dieses Programm befindet sich noch in der Beta-Version und soll weiter optimiert werden. Das tolle an dem I-Butler, der von der World Style Media GmbH & Co. KG entwicklet wurde, ist, dass er sich nicht nur sämtliche Passwörter und Accounts speichert, er legt so gar noch eine Schippe drauf: er vergleicht Preise und findet so das günstigste Angebot! Somit können Zeit, Geld und Nerven bei jedem Online-Einkauf gespart werden.

Also los, jetzt noch schnell ein paar Geschenke shoppen – ganz einfach und mit Sicherheit nicht als gläserner Mensch! Denn so leichtfertig geht dieser Butler nicht mit Ihren Daten um!

Anja Andraschko
Kommunikationswissenschaften
Universität Bamberg

Kein Facebook und co: Wer sind die Abstinenzler? Außenseiter, Freidenker oder sogar Terroristen?

Wie? Du hast kein Facebook? Diese Frage mussten sich bestimmt alle schon einmal anhören, die nicht bei dem größten sozialen Netzwerk angemeldet sind. Doch nicht nur Facebook-Abstinenzler sollen hier unter die Lupe genommen werden, auch die Verweigerer jeglicher sozialen Netzwerke oder Community-Plattformen. Wer sind diese Menschen? Dissoziale Aussenseiter? Freidenker? Terroristen?

Die Liste der Netzwerke ist lang: Facebook, Youtube, Twitter, LinkedIn, Xing jeder kennt einige davon und viele sind gleich bei mehreren angemeldet.
Welche Vor- und Nachteile bringt die Teilnahme an sozialen Netzwerken im Internet mit sich? Welche Gründe gibt es, nicht an sozialen Netzwerken teilzunehmen?

Zunächst einmal sind die persönlichen Daten ohne einen Account wahrscheinlich sicherer als mit einem Account. Denn über unsere Profile im Netz geben wir viel preis, oft viel mehr, als wir beabsichtigen. Mit der Vielzahl von verschiedenen Profilen, die wir in der digitalen Welt von uns anlegen, liefern wir ein ziemlich genaues Bild unserer Persönlichkeit, Interessen, politischen Einstellung und vieles mehr. Je größer die Datenmenge, die wir veröffentlichen, desto gläserner werden wir.
Und dass es mit nur kleinen Fehlern bei den Privatsphäreneinstellungen große ungewollte Auswirkungen haben kann, ist uns mit Beispielen wie diesem schon bekannt.

Das wäre ein Grund, nicht an sozialen Netzwerken teilzunehmen. Ein guter Grund. Doch auch Menschen, die nicht mit dem Strom schwimmen wollen, die nicht dem Gruppenzwang einer modernen Erscheinung unterliegen wollen, lehnen die Mitgliedschaft ab. Es mögen moralische, religiöse oder auch die Privatsphäre betreffende Gründe sein. Dazu kommen jene Menschen, die einfach nicht der digitalen Welt zugeneigt sind und das Internet überhaupt nicht oder nur sehr selten nutzen. Diese Gruppe der meist älteren Menschen klammern wir bei unserer Frage aus. Uns interessieren die Beweggründe der Menschen, die zwar das Internet nutzen und sich mit digitalen Medien auskennen, sich jedoch bewusst gegen soziale Netzwerke entscheiden.

Es ist gut möglich, sich freier und unabhängiger zu fühlen, wenn man nicht ständig einem nie abreißenden, unaufhörlichen Nachrichtenstrom ausgesetzt ist. Die 15 Minutes of fame, mit der bereits Andy Warhol (oder auch jemand anderes) die Flüchtigkeit von Ruhm und medialer Aufmerksamkeit beschrieb, die sich schnell durch die Ablenkung auf ein anderes Objekt verändert, sind schnell vorbei. Ständig müssen neue Informationen aufgenommen, gefiltert und verarbeitet werden. Das kann anstrengend sein und Wissenschaftler warnen bereits vor einer Überflutung unseres Gehirns durch Informationen, die allenfalls interessant, aber keinesfalls relevant für unser Leben sind.

Was sind die Nachteile einer Abstinenz? Gibt es überhaupt nennenswerte Gründe für eine Teilnahme an sozialen Plattformen im Internet?

Um es einfach zu sagen: Ja, denn alle, die sich gegen die Teilnahme bei Facebook und co entscheiden stehen unter Terrorverdacht, haben Probleme Kredite zu bekommen oder laufen vielleicht schon bald Gefahr, in die Psychiatrie eingewiesen zu werden. Verrückt, oder?

Dass man nicht mehr zu Feierlichkeiten wie WG-Partys oder Geburtstagen eingeladen wird, weil man aufgrund der Abstinenz nicht über Facebook zu einer dort erstellten Veranstaltung eingeladen werden kann, ist da ja noch harmlos. Aber es ist ein triftiger Grund für viele junge Menschen, bei facebook zu sein, denn sonst wird man schnell ausgeschlossen.

Es klingt skurril und absurd: Wenn jemand nicht in sozialen Netzwerken online aktiv ist und auch sonst wenig oder gar keine Spuren im Netz hinterlässt, macht er sich automatisch verdächtig. Und ist unter Umständen sogar ein Terrorist, wie in diesem Artikel im Tagesspiegel zu lesen ist! Wissenschaftler wie Richard E. Bélanger vertreten die These, dass eine Online-Abstinenz auf Störungen hindeuten kann. Attentäter beispielsweise sind oft nicht online aktiv. Sind die Leute ohne Online-Profil jetzt alle verrückt? Nein, denn diese Studie kommt lediglich zu dem Schluss, dass die Abstinenzler genauso häufig zu Depressionen neigen, wie diejenigen, die exzessiv online aktiv sind. Oh Wunder!

Aber die Wahrheit ist, dass sich alle Abstinenzler von Grund auf erst einmal verdächtig machen oder zumindest Schwierigkeiten bei der Jobsuche haben. In den USA sollte man bei einer Bewerbung darauf achten, ein oder zwei Profile im Netz zu haben, andernfalls könnte das Misstrauen erwecken. Überhaupt gestaltet es die Jobsuche sehr viel einfacher mit digitaler Vernetzung, wie dieser Bericht zeigt. Sogar die Kreditwürdigkeit könnte in Zukunft von digitaler Präsenz und Vernetzung abhängen, wie Anne-Christin Sievers auf FAZ.net schreibt.

Führt uns der Weg zu solchen Meldungen, wie die Satireseite Der Postillon prophezeit? Wer nicht bei Facebook ist, muss einen an der Waffel haben.

Möglich ist alles …

10 Gründe, nicht bei Facebook teilzunehmen hat Wolfgang Harbauer. Und er zeigt gute Alternativen auf – zugegeben, diese sind auch soziale Netzwerke.

Achja: So schnell wie Trends in der heutigen digitalen Zeit auftrauchen, so schnell verschwinden sie auch wieder. Vielleicht ist facebook auch schon bald wieder total out

 

Felix Braune

Kommunikationswissenschaft, Uni Bamberg

Push it! Medienarbeit mit WhatsApp

Schnelle, einfache, kurze Nachrichten: so kommunizieren heute die meisten Nutzer über Mobile Messenger wie WhatsApp. Die Nachrichten landen direkt auf den Bildschirmen ihrer Smartphones. Klar, die SMS begleitet uns schon länger, und der Chatroom war eines der ersten sozialen Phänomene im Web. Doch Mobile Messenger haben stärkere Social-Komponenten: Etwa die Gruppenkonversationen und die Status-Updates auf eigenen Profilen. Sie sind damit eine gelungene Kombination aus SMS, Chat-Tools und sozialen Netzwerken.

Über WhatsApp und Co. werden nicht nur Texte und Fotos, sondern auch Links geteilt. Die Integration von WhatsApp-Share-Buttons in digitale Inhalte ist längst möglich. So können Nutzer mit einem Klick Inhalte mit ihren WhatsApp-Kontakten teilen, was die Reichweite von Kampagnen signifikant steigert. Es sieht also insgesamt so aus, dass wir uns neben der Facebook- und Twitter-Option zum Teilen von Artikeln an einen neuen Sharing-Button gewöhnen müssen. Je mobiler das Web wird, umso mächtiger wird auch die virale Macht von Messenger.

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Im richtigen Zusammenspiel mit anderen Maßnahmen können Messenger darüber hinaus wichtige Impulse im persönlichen Dialog mit dem Nutzer setzen. Die direkte Eins-zu-Eins-Kommunikation eignet sich, um Kundenprobleme zu besprechen – nicht in der Öffentlichkeit wie bei Twitter oder Facebook, sondern direkt von digitalem Angesicht zu digitalem Angesicht. Mögliche Einsatzgebiete sind Abholbenachrichtigungen im Multichannel-Handel, Zufriedenheits- oder Feedback-Befragungen unmittelbar nach einem Kauf oder Service-Informationen aus Kundenkarten- oder Loyalty-Programmen, auch in Verbindung mit Geo-Location-Funktionen.

Erste umfangreichere Gehversuche im Einsatz von Messenger-Nachrichten gibt es in den USA, Großbritannien, der Schweiz und Deutschland:

  • In den USA nutzte die Fastfood-Kette Taco Bell bereits Mitte 2013 Snapchat für die Promotion einer Sonderaktion. Der Snapchat-Nutzername wurde dabei via Twitter verbreitet.
  • Die britische Tageszeitung Oxford Mail weist ihre WhatsApp-Nutzer seit Juni 2014 einmal am Tag auf die fünf besten Artikel hin und informiert ansonsten über Breaking News aus der Region.
  • Die BBC startete im Sommer ein Projekt anlässlich der Wahlen in Indien.
  • Der britische Nachrichtenkanal Channel 4 informierte im September 2014 per WhatsApp und Snapchat über das schottische Unabhängigkeitsreferendum.
  • Das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) informierte zu den nationalen Abstimmungen Ende September 2014.
  • Im Dezember 2014 erzählte die Heilbronner Stimme, inspiriert von den historischen Twitter-Tickern (bspw. @9nov38 oder @Mauerfall89) die Operation Sawfish in Echtzeit nach.
  • Radiosender wie z.B. MDR Sputnik, Antenne MV oder Radio Arabella haben WhatsApp in ihre Hörer-Kommunikation integriert.

Im Kampf um den größten Anteil am Markt der mobilen Messenger hat Facebook die Nase mittlerweile weit vorn. Dank des Zukaufs von WhatsApp liegt man auf Platz 1 der am häufigsten genutzten Apps. Marktführer WhatsApp hat etwa 600 Millionen Nutzer – gefolgt von WeChat, das sich allmählich fast so vielen Anwendern nähert wie WhatsApp und zunehmend auch international erfolgreich ist. Danach kommt der japanische Messenger Line mit 580 Millionen Nutzern. Weitere Zahlen hat Craig Smith zusammengestellt.

Line aus Japan – das inzwischen auch in Europa starken Aufwind und in Spanien etwa eine große Nutzerschaft hat – bietet seit 2012 so genannte „offizielle Konten„. Diese lassen sich aktiv bewerben, und User können sie abonnieren. Coca Cola Spanien hat auf Line beispielsweise mehr als eine Millionen Abonnenten. Der japanische McDonald’s-Account kommt inzwischen auf fast acht (!) Millionen Abonnenten. Diese lassen sich in regelmäßigen Abständen Push-Nachrichten vom Fastfood-Anbieter auf ihr Smartphone senden. Auch Popstars wie Taylor Swift haben den Messenger für sich entdeckt (über 7 Mio. Abonnenten). Tendenz: Steigend.

Die große Herausforderung für interessierte Unternehmen und Personen liegt nun darin, ihren Messenger-Auftritt technisch, organisatorisch und insbesondere konzeptionell so umzusetzen, dass der Nutzer einen Mehrwert hat. Reine Linkschleudern und künstlich wirkende Nachrichten sind kontraproduktiv, aber in den nächsten Jahren leider zu erwarten. Auch Messenger wie WhatsApp sollten nie als autonomer Kanal betrachtet werden, sondern immer im Gesamtkontext der Kommunikation.

Thomas Mavridis

 

 

 

 

Die dunkle Seite des Internets

Das Dark Net – was verbirgt sich eigentlich dahinter? Wozu kann es genutzt werden und wie gelangt man dort hin?

Zunächst kann jeder Laie sich in das Dark Net einloggen, dafür ist ein Tor Browser nötig, welcher durch das „normale“ Internet heruntergeladen werden kann. Ist der Browser nun auf dem PC installiert, muss diese Verschlüsselungssoftware gestartet werden. Das Programm verbindet den eigenen Computer mit einer zufälligen Netzwerkroute, so bleibt das weitere Surfverhalten des Nutzers anonym. Ein Nachteil der dabei entsteht, ist die sinkende Verbindungsgeschwindigkeit.

TorBrowser

Im Dark Net kann sozusagen alles gekauft werden, was illegal ist: Waffen, Drogen, gefälschte Pässe und Kinderpornographie.

Eine der bekanntesten Seiten im Dark Net ist Silk Road, zuletzt wurde in den Medien stark darüber berichtet, da die Internetseite vom FBI abgeschaltet wurde.

Silk Road, zu deutsch „Seidenstraße“, könnte als ein Marktplatz für Drogen bezeichnet werden, jedoch werden dort neben den Rauschmittel ebenso gefälschte Pässe und Kreditkartendaten verkauft. Auf den ersten Blick ähnelt die Seite der von Ebay –  die Waren werden mit einem Bild präsentiert und Kunden können nach dem Kauf auch eine Bewertung zu dem jeweiligen Produkt abgeben. Die Gefahr bei einem Drogenkauf auf dieser Seite erwischt zu werden ist sehr gering, es werden hauptsächlich Pseudonyme bei der Anmeldung benutzt und nach dem Kauf wird die Ware getarnt in einem Dekoartikel, oder in einem normalen Briefumschlag versendet. Der aufgedruckte Absender entspricht natürlich auch nicht dem wahren. Bezahlt wird mit sogenannten Bitcoins, eine Kryptowährung.

 

Bitcoin

 

Um an Drogen oder andere illegale Waren zu gelangen mussten sich Kunden mit ihrem Dealer bisher in einer zwielichtigen Ecke treffen. Mit Silk Road funktioniert das natürlich einfacher und ist zudem anonym. Dadurch änderte sich das Klientel von Drogenkonsumenten erheblich: viele Akademiker mittleren Alters, die es vielleicht vorher nicht gewagt hätten auf der Straße Drogen zu kaufen, besuchen diese Seite und geben Bestellungen auf.

Ross William Ulbricht, der Gründer der Seite wurde im Oktober vergangenen Jahres festgenommen und seine Internetseite geschlossen. Das FBI stellte insgesamt 3,6 Millionen Dollar sicher. Durch die Verhaftung und Beschlagnahme der Internetseite wurde diese noch populärer und binnen kürzester Zeit entstand der Nachfolger: Silk Road 2.0. Die neuen Betreiber möchten, dass ihre Kunden sich auf dieser Seite ohne Angst vor rechtlichen Konsequenzen ausleben können – aber nur solange kein Dritter zu Schaden kommt.

silk-road-interface

Im November nahm das FBI auch den Begründer von Silk Road 2.0 fest, die Internetseite wurde geschlossen und im Falle einer Verurteilung droht dem 26-jährigen Blake Benthall eine lebenslang Haftstrafe.

Dies bedeutete keinesfalls das Ende für die Dark Net Märkte, im Gegenteil: Nachfolger von Silk Road, Agora und Evolution sind dabei ihren Vorgänger zu überholen.

Auf den ersten Blick schien Silk Road nicht nach einer der „dunkelsten Seite“ im Dark Net, es wurden zwar illegale Produkte angeboten,  aber laut der Gründer sollte die Seite als „Rückzugsraum“ dienen.  Die Kunden sollten ungehindert ihre Freiheiten genießen, der Verkauf von Schusswaffen und Kinderpornographie war verboten.

Aber natürlichen existieren etliche Seiten, Foren auf denen Pornographie, Kinderpornographie und Waffen angeboten werden. Beispielsweise fragt ein Mann in einem Forum nach einem bestimmten Betäubungsmittel, um seine Cousine zu betäuben. Die Reaktionen sind erschreckend – keiner der User kommentiert den Beitrag, wie abscheulich doch diese Tat ist und das der Mann am besten hinter Gittern sitzen sollte. Nein, im Gegenteil: Sie geben Tipps, welches Mittel am besten zu benutzen ist.

Nikita Probst

Kommunikationswissenschaft,

Otto-Friedrich-Universität Bamberg