Social Media – Die nächste Blase?

Aufklärer statt Berater – Medienkompetenz statt Social Media, Politik die versucht mit Datenschutz zu argumentieren und dabei von Dingen spricht (analog der Killerspiel-Debatte), die sie an sich nur wenig versteht. So könnte eine Forderung von Mark Zuckerberg lauten, wenn er die aktuellen Diskussionen in deutschen Fernsehen verfolgt oder den Offenen Brief von Ilse Aigner an seine Person liest – ein Diss auf Facebook, Google und Co., die den Datenschutz scheinbar nicht ernst genug nehmen wollen. Für die Medien mal wieder ein gefundenes Fressen, Agenda Setting par exellance.

http://www.dailyworldbuzz.com

Den Anstoß zum Social Media-Hype haben die TV-Sender verpasst, haben es tunlichst vermieden, sich aus dem Fenster zu hängen und mit Unwissenheit zu glänzen. Andere Medien sind allerdings mit vollem Elan in die Presche gesprungen, bis die „Visuellen“ mitgemacht haben. Später haben sie alle berichtet, empfohlen, beraten, gehypt auf ganzer Linie.

Nun ist’s in aller Munde, obwohl ich mir sicher bin, dass vielerorts nur Halbwissen vorhanden ist. Wie so oft, gibt’s nun wenig Neues zu berichten, das Thema ist ausgeschlachtet und langweilig geworden; her muss Panikmache, ein kollektiver Fingerzeig gegen all die fiesen Plattformen, die ihre Dienste kostenfrei anbieten und die Mehrheit nutzt. Es setzt sich eben durch, was funktioniert und gut ist. Nur reden Politik und Medien auf einmal von Verantwortung, nehmen quasi eine Schutzfunktion ein und wollen über all den groben Unfug berichten, den die Achse des digitalen Bösen fabriziert, da Sie Daten der User nicht genügend geschützt haben soll. Dabei wird bei der ganzen Diskussion leicht vergessen, dass diese Dienste keinen Nutzer zwingen, Fotos, Kommentare, Persönliches für alle Welt öffentlich zu machen oder gar überhaupt am Netzwerk teilzunehmen. Dass diese Dienste keine Samariter sind, wirtschaftliche Interessen verfolgen und auch ihre 3,50 € verdienen wollen, dürfte wohl jedem klar sein. Darum gibt’s z. B. bei Facebook Werbung – die zwar keiner sehen will, aber selbstverständlich mit Hilfe der Angaben, Interessen und Aktivitäten der Zielgruppe ausgewählt wird. And?

Unternehmen meinen auch, Partizipient des dauergepriesenen Hypes von Social Media sein zu müssen, teils sogar ohne zu wissen was sie damit anfangen sollen. Hauptsache Me-too. Wie man sich darin bewegt, was man als Unternehmen sagt oder lieber nicht liegt im Dunkeln. Einschlägige Fachpresse und -dienste wie w&v, internet world business, Horizont, iBusiness, uva. titeln abwechselnd mit den Dauerbrennern à la „wie twittern, bloggen, posten unternehmen richtig“ oder „10, 20, 30, 50, 100 und mehr Regeln für Social Media“. Nur was haben die Maßnahmen bisher gebracht, was ist messbarer Mehrwert, welche Netiquette gilt und wer macht eigentlich die Regeln? Bei wem die Steigerung von ROI oder Reputation via Social Media tatsächlich erfolgreich und nachhaltig funktioniert hat, ist kaum bekannt – definitiv nicht bei der Mehrheit.

Was gestern Web2.0 war, wird heute Social Media genannt, morgen alles Bullshit? Wenn (wie damals) die (New Economy-) Blase platzt, fragt man sich wieder, wie das passieren konnte. „Wo wir doch soviel in Social Media investiert haben“, wird man quer durch die Bank hören können. Schuld sind für mich genau die „Hyper“, die krampfhaft versuchen alles zu kommerzialisieren – ein Prozess, der erst gesunde Rivalität verursacht und langfristig, nach der totalen Ausbeute, unweigerlich im Tod endet und damit letztendlich gute Ideen vernichtet. Meiner Meinung nach muss nicht alles zum Massenphänomen gemacht werden. Social Media ist und bleibt Web2.0 der Privatleute, die sich vernetzen und verschiedenartig kommunizieren wollen. Für Unternehmen ist das Eis bei diesen Diensten ziemlich dünn und der Aufwand nur schwer monetarisierbar. B2C kann bedingt funktionieren, B2B ist an dieser Stelle quasi sinnfrei. Wer kann mich vom Gegenteil überzeugen?

Michael P. Lange

Master-Student Medienmanagement
an der MD.H MEDIADESIGN HOCHSCHULE für Design und Informatik in München

Social Communities als Köder für das Angeln nach Kunden im Netz?

Wie wichtig sind Social Communities für eigene Produktwebseiten von Unternehmen?

Nachdem ich den Beitrag von Beate Mangold mit dem Titel „Die Nadel im Heuhaufen – wie Kunden in Zukunft auf Produktsuche gehen“ gelesen hatte, wollte ich Ihr direkt zustimmen. Das Alleinstellungsmerkmal von Webseiten wird immer wichtiger und die Durchdringung im World Wide Web immer schwieriger. Aber wie sollte dann gute Kommunikation für ein Produkt funktionieren? Natürlich gibt es hier Twitter, MySapce, Facebook und andere Social Communities, die als Sprungbrett des Erfolgs gelten, aber hilft das immer?

Sicher ist, dass man hier mit einer großen Anzahl von Leuten ins Gespräch kommen und auch auf Augenhöhe über Themen diskutieren kann und so sein Produkt bewirbt. Auch die „Gefällt mir“– Buttons helfen dann neben Diskussionen und Werbung, das Produkt noch weiter zu bewerben. Man bekommt eine Masse an Followers oder Gruppenmitglieder, die das Produkt anspricht und damit auch ein Sprachrohr zu anderen Menschen. Die Mund-zu-Mund-Propaganda im Internet ist das Public-Relations-Tool schlechthin und erreicht mehr Leute als jede Firma, die eine eigene Produktwebseite hat. Oder kennt jemand die Webseite von Vittel, Chiquita oder dem letzten Kinofilm?

Die Wenigsten werden sich speziell mit den Produktwebseiten auseinandersetzen und bestimmt auch nicht versuchen, mit dem Produzenten in Kommunikation zu treten, die zum Beispiel die Social Communities bieten. Daher stelle ich mir die Frage, ob es für Unternehmen überhaupt noch lohnend ist, eine aufwendige und teure Webseite für ihr Produkt herzustellen um hier Informationen darzustellen und an den Konsumenten zu tragen?

Nein, dies ist meiner Meinung nach unnötig, und dies scheinen auch immer mehr Firmen zu denken. Becks Gold macht es mit seiner neusten Kampagne gerade vor und zeigt auf Plakaten wie diesen: Beck's Gold-Plakate "The beer for a fresh generation"

Sie verlinken nicht auf www.Becks.de, sondern auf www.facebook.com/BecksGold. Auf Facebook werden viel mehr Leute erreicht, und die Informationen kann man auch hier an den Kunden bringen. Also setzt hier in der Kommunikation ein Umdenken ein, dass vielleicht bald den Aufwand und die Kosten einer eigenständigen Produktwebseite ersetzt.

Auch für Kinofilme oder Musik, wird häufiger auf MySpace geworben als auf der firmeneigenen Webseite. Die aktuellen Kinospots haben zur Zeit immer die Variante gewählt, lieber mit einer Webseite von MySpace am Ende zu werben, als auf ihre eigene Filmwebseite. So kann es passieren, dass der Film „Prince of Persia“ in der Werbung mit der Webseite http://www.myspace.com/princeofpersia endet. Also setzt auch hier ein Umdenken ein, dass sich inzwischen bei einigen Firmen durchgesetzt hat.

Aber so gut wie die Seiten der Social Communities sind, so behalten die Unternehmen zur Zeit noch an ihren Produktwebseiten fest. Egal wie gut diese im Design sind und wie viel Informationen die Seiten von Facebook, Myspace oder auch Twitter geben, sie werden die eigentlichen Unternehmenswebseiten nicht ersetzen. Als ein hilfreiches PR-Werkzeug funktionieren diese Seiten hervorragend und nicht selten gehen die Interessierten dann auch auf die Firmenwebseite, um an Gewinnspielen oder anderen Angeboten teilzunehmen.

Daher sind eigenständige Webseiten noch bedingt lohnend für die Unternehmen, da sie hier unbegrenzt agieren können und nicht an Vorschriften von anderen Anbietern gebunden sind. Sicher wird sich das noch weiter verändern und vielleicht gibt es in Zukunft nur noch eine Gruppenseite bei Facebook oder eine Fanpage bei MySpace um ein Produkt zu bewerben. Mit Sicherheit ist aber zu sagen, dass die Seiten in den Social Communities wichtig und sicher nicht mehr weg zu denken sind und Firmen damit ihren Köder auslegen, um im großen Becken des Internets ab und an doch einmal ein Netz mit Kunden auf Ihre Webseite zu ziehen.

Tobias Geßner

Master-Student Medienmanagement
an der MD.H MEDIADESIGN HOCHSCHULE für Design und Informatik in München

Bild: Beck’s Gold-Plakate „The beer for a fresh generation“, 18.06.2010

Ist Social Media für jedes Unternehmen sinnvoll?

Von allen Seiten hört man „Social Media“ egal, ob dies den privaten oder beruflichen Bereich betrifft. Es wird der Eindruck vermittelt, dass jedes Unternehmen Social Media verwenden und für sich nutzen muss, wenn nicht gar das Ende des Untenehmens für den Fall, dass ein Unternehmen sich dem Social Media Hype wiedersetzt, prophezeit wird. Aber ist Social Media wirklich ausnahmslos für jedes Unternehmen sinnvoll? Oder gibt es vielleicht auch Unternehmen, für die Social Media keinen Sinn macht, bzw. die Zielgruppe nicht erreicht bzw. erreichen kann? Diese Fragen tauchten bei mir in Bezug auf eine Seminararbeit bei Thomas Mavridis für mein Masterstudium auf.

Für diese Arbeit habe ich mich ausführlich mit dem Unternehmen Ravensburger und seiner Kommunikationspolitik befasst. Ravensburger dürften die Meisten noch aus ihrer Kindheit kennen, denn das Unternehmen stellt Kinderspiele, Puzzles, Kinder- und Jugendbücher und Lernsoftware her. Die Kernzielgruppe des Unternehmens sind also Kinder, welche dann noch in Babys, Kleinkinder und Schulkinder unterteilt werden können. Dazu kommen natürlich noch die Eltern bzw. Verwandte, welche die Ravensburger Produkte letztendlich für die Kinder kaufen, da Kinder in dem Alter oft noch kein eigenes Geld zu Verfügung haben oder dieses für größere Produkte nicht ausreichen würde. Im Vergleich zu den Unternehmen von Kommilitonen fiel auf, dass Ravensburger das einzige Unternehmen ist, das sich kaum im Social Media Bereich engagiert. Bei Twitter ist zwar der Name Ravensburger gesichert, der Account hat aber weder ein Bild noch einen Tweet verfasst. Bei Facebook gibt es eine zwar eine Facebookfanseite von Ravensburger, die auch über 600 Fans hat, diese ist aber komplett auf Italienisch verfasst und auch die Updates sind in Italienisch.

Nun stellt sich also die Frage, ob diese Zielgruppe durch Social Media Aktivitäten bei Facebook oder Twitter erreicht werden kann? In diesem Fall ist, zumindest für die Kernzielgruppe, die Kinder, diese Frage wohl eindeutig mit einem Nein zu beantworten. Denn bei Babys und Kleinkindern ist nicht davon auszugehen, dass diese bei Facebook registriert sind und nebenbei auch noch Twittern. Bei den Schulkindern ist diese Einschätzung bereits schwieriger, aber auch diese werden sich kaum in den herkömmlichen Social Media Bereichen aufhalten, da es für Grundschüler und für ältere Schüler eigene Communities im Netz gibt, wie beispielsweise den Toggo-Clever-Club oder andere, nach außen abgesicherte Plattformen für die Kleineren und Schüler-VZ oder knuddels.de für die Größeren. Nachdem Social Media Aktivitäten bei abgesicherten Plattformen nicht möglich sind, hier wären höchstens direkte Kooperationen mit der Community eine Möglichkeit, kämen nur die älteren Schüler für Social Media Aktivitäten in Betracht. Hier müssten aber andere Wege und Plattformen genutzt werden, wie dies bei anderen Unternehmen der Fall ist. Hier ist dann wieder zu hinterfragen, ob die Schüler, welche dann erreicht werden könnten, nicht bereits zu alt für die Zielgruppe von Ravensburger sind.

Die einzigen Personen aus der Zielgruppe, welche wirklich von Social Media erreicht werden, sind also die Erwachsenen, welche Ravensburger mögen und die Produkte dann für Ihre Kinder kaufen. Hier würde es sich allerdings auch empfehlen anstatt der italienischen Facebookseite lieber eine allgemeine, englischsprachige Seite zu etablieren, auf der Fans aus ganz Europa etwas verstehen. Ob der personelle Aufwand zur Wartung der Social Media Aktivitäten bei einem Unternehmen wie Ravensburger im Verhältnis zur erreichten Zielgruppe stehen, ist natürlich fragwürdig. Es ist auf jeden Fall festzustellen, dass es durchaus Unternehmen gibt, für die Social Media sinnvoller ist als für andere. Die Frage, ob der Aufwand in einem sinnvollen Verhältnis zu der eingesetzten Zeit steht, muss aber wohl jedes Unternehmens für sich selbst entscheiden, aber der Hauptgrund in Social Media aktiv zu werden, sollte niemals sein, dass es jeder macht.

Christina Steuer

Master-Studentin Medienmanagement
an der MD.H MEDIADESIGN HOCHSCHULE für Design und Informatik in München

Vaginal Spot begeistert das World Weib Web

„Sex and the City“ und „Feuchtgebiete“ durchziehen mit ihren Ausläufern das Internet und hinterlassen nichts als Zerstörung in den Grundfesten hinter denen sich bis heute noch die letzten Tabus zu schützen wussten. In Zeiten, in denen tiefblickende Einsichten und gelebte Freizügigkeit ein Garant für den Aufstieg in der Google-Clicklist ist, scheint sich niemand ernsthaft Gedanken über das vermittelte Frauenbild im einflussreichsten Medium unserer Zeit zu machen. Bis ins Unerträgliche gehende, intime Einzelheiten über Menschen, die man mit Sicherheit nie in seinem Leben begegnen wird – und nun vor allem auch nicht mehr begegnen möchte – sind überall mit einigen Klicks zu erfahren. Alles nach dem Vorsatz eines neuen verstörend freizügigen Feminismus, der sich für nichts schämen und vor nichts verstecken muss. Da ist es nicht verwunderlich das auch ein junges Team von kreativen Köpfinnen mit neuen Perspektiven experimentierte, bis sich der für das beworbene Produkt wohl passendste Point of View gefunden hat. Im Auftrag des Pharmariesen GlaxoSmithKline entstand für das Intimpflegemittel Lactacyd Feminina ein Werbespot, der dem Konsumenten Tampons, Unterwäsche und männliche Unterleiber vor Augen hält und die Verletzlichkeit des weiblichen Intimbereichs verdeutlicht. Begeisternde 280.000 Klicks auf Youtube bescheinigen dem fast ausschließlich mit der Produktzielgruppe besetzten Team der Agentur Grey Amsterdam, dass sich die Rezipienten in der aufgedrängten Rolle wohlfühlen.

Nach anfänglich vorsichtigen Vorstößen von GlaxoSmithKline in das für einen Pharmakonzern sensibles Thema Social Media, scheint spätestens hier nun jede Scham verflogen. Nicht nur die Schwierigkeit in den aufgeladenen Themen wie Tod und Krankheit den richtigen Ton zu treffen, sondern auch die immanente Möglichkeit des direkten Feedbacks können für ein Unternehmen dieser Größenordnung von immensem Nachteil sein. Da verwundert dieser Mut zur grenzenlosen Kreativität zunächst enorm und kann sich einem generell positiven Urteil auch nicht entziehen.

Hier scheint man jedoch den für die heutige Zeit richtigen Weg gegangen zu sein und den Nerv des Publikums getroffen zu haben. Mit den Videoplattformen trifft man die erogenen Zonen des Internets und man kann sich immer sicherer sein, das sich Aufmerksamkeit, egal in welcher Form geschaffen, auf welchem Wege erreicht und aus welcher Perspektive beäugt, im Internet mit Begeisterung gleichsetzen lässt. Zu guter Letzt ist freudig anzumerken, dass Konzerne wie Zewa von einem Perspektivwechsel absehen – aber wie lange noch?

Benjamin Heurich

Master-Student Medienmanagement
an der MD.H MEDIADESIGN HOCHSCHULE für Design und Informatik in München

Starbucks ist im Social Web zuhause

Die Unternehmenskommunikation steht vor großen Veränderungen. Der Hype um Social Media und Social Networks verursacht schon seit geraumer Zeit eine kommunikative Revolution. Der Kommunikationswandel entwickelt sich in Richtung 2.0, d.h. weg vom Papier Richtung digitale Welt, von der Einbahnkommunikation zum Dialog, von wenigen Kanälen zu einer ganzen Reihe von Kommunikationsmöglichkeiten. Immer mehr Unternehmen realisieren diese Situation/Entwicklung und beginnen die Notwendigkeit der Nutzung von Facebook, Twitter oder Blogs zu verstehen und wollen die Chance der Neuausrichtung ihrer Firmenkommunikation nutzen. Diese Neuausrichtung ist unverzichtbar, um nicht künftig den Anschluss zu verpassen.

Das Unternehmen Starbucks hat schon sehr frühzeitig die Social Media- und Web 2.0-Entwicklung erkannt und daran teilgenommen. Ein Grund hierfür ist sicherlich auch in der Unternehmensphilosophie/-strategie des Unternehmens zu finden, die weniger auf klassisches Marketing als auf die Mund-zu-Mund-Propaganda setzt/ausgerichtet ist. Was eignet sich nicht besser zur Mund-zu-Mund-Propaganda als wenn nicht das Web 2.0 mit seinen Social Networks. Starbucks ist mittlerweile in zahlreichen dieser Networks und Plattformen vertreten (z.B. Facebook, Twitter, Youtube, Flickr) und hat auch selbst Online-Plattformen erstellt wie beispielsweise „Starbucks 2V2“ oder „My Starbucks Idea“ . So ist Starbucks in der Lage aktiv sowohl mit der Branche als auch mit seinen Stakeholdern in Dialog/Kontakt zu treten. Vorabtests neuer Produkte, Gespräche/Dialog mit Fans/Followers oder „Heavy-Usern“ und die daraus resultierenden Erkenntnisse über Wünsche und Anforderungen an neue Produkte machen Starbucks zu einem authentischen Markenbotschafter im Social Web.

Das Unternehmen Starbucks, das im Social Web und in den Social Networks zuhause ist, belegen beispielsweise alleine schon die Zahlen der Fans/Follower von Facebook (7,6 Millionen) oder Twitter (919.224) des Unterenehmens. Außerdem wird die Tatsache, dass Starbucks im Social Web zuhause ist, durch eine Studie namens „The world`s most valuable brand: Who`s most engaged?“ , die in Zusammenarbeit mit dem US-Beratungsunternehmen Altimeter und der Fan-Plattform „Wetpaint“ erstellt wurde, bestätigt. Die Studie analysierte dabei sowohl die Anzahl der Social-Media-Channels, welche die Aktivitäten der Marke in der Breite abbilden, als auch das „High“ oder „Low-Engagement“, welches die Intensität der Markenkommunikation in den einzelnen Kanälen darstellen.

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Meiner Meinung nach befindet sich Starbucks insofern am Puls der Zeit und ist somit quasi in eine Echtzeitkommunikation- und Feedbackschleife eingebunden. Im Ergebnis kann Starbucks daher blitzschnell erfahren, was im Netz debattiert wird und kann deshalb ebenso schnell darauf reagieren, denn immer mit einem Ohr am Social Web, gilt das Motto: „if the news is important it will find me“ im Umkehrschluss ist eine analoge Anwendung durch Starbucks mit Hilfe seiner Social-Web-Kontakte ebenso denkbar.

Elliot Kugler

Master-Student Medienmanagement
an der MD.H MEDIADESIGN HOCHSCHULE für Design und Informatik in München

Wenn die Public Relations die Grenzen des guten Geschmacks überschreitet

Samstag, 17. April 2010. In Auckland geht gegen 20 Uhr ein Notruf bei der Polizei ein. Passanten geben an, von einem jungen Mann mit bandagierten Händen mit einer Pistole bedroht zu werden. Als die Beamten wenige Minuten später mit einigen Streifenwägen am „Tatort“ eintreffen – die Überraschung: Der Bewaffnete war lediglich ein Schauspieler mit einer Spielzeug-Kanone, eingesetzt von der PR-Agentur Monaco Corporation. Diese wollte mit der Aktion das neue Computerspiel Splinter Cell Conviction der Firma Ubisoft ins Gespräch bringen, was Ihnen sicher auch gelungen ist. Für den Schauspieler war der Einsatz allerdings lebensgefährlich: Die Polizei hätte ihn fast erschossen. Zudem stellt sich die Frage: War die Aktion ethisch-moralisch vertretbar oder hat die Agentur mit dieser Idee die Grenzen des guten Geschmacks übertreten?

Passanten in Angst und Schrecken zu versetzen, nur um ein neues Videospiel zu promoten, ist sicher der falsche Weg. Besonders in einer Zeit, in der man nahezu täglich von Terroranschlägen auf der ganzen Welt hört. Wie hätten die Bedrohten erkennen sollen, dass es lediglich eine Spielzeug-Pistole ist, die auf sie gerichtet wurde? Jeder Mensch, der mit einer Waffe bedroht wird, hat wohl Todesangst. Angst ist aber definitiv nicht die Emotion, die eine PR-Kampagne auslösen sollte. Sie sollte Menschen zum Lachen bringen, erstaunen, überraschen, verführen oder einfach dazu bewegen, über etwas zu sprechen.

Letzteres jedoch nicht deswegen, weil man dem Tod ins Auge geblickt hat. Der Satz „Schlechte PR ist besser als keine PR“ ist auf dieses Beispiel sicher anwendbar, denn auch Menschen wie ich, die kein Interesse an Computer-Spielen haben, haben durch die Kampagne auch von der Neuerscheinung gehört, weil man über die Aktion spricht und schreibt. Das ist ja auch eines der obersten Ziele der Public Relations: Etwas bekannt zu machen und die Leute dazu zu bringen, darüber zu reden und zu schreiben, einfach etwas weiter zu erzählen. Aber wie PR-Fachmann Carl Hundhausen schon wusste: PR ist auch Werbung um Vertrauen. Passanten mit einer Waffe zu bedrohen, weckt jedoch alles andere als Vertrauen. Zudem verletzt die Aktion Punkt 12 des Code d’Athènes, der besagt, dass die PR es unterlassen sollte, „sich für Aktionen oder Vorhaben herzugeben, die gegen die Moral verstoßen, die Menschenwürde verletzen oder in den Bereich der Persönlichkeit eingreifen“. Die Monaco Corporation hat mit ihrem „PR-Gag“ nicht nur den internationalen Moral-Kodex der Public Relations verletzt, sondern auch mit der Furcht derjenigen gespielt, die aus Angst um ihr Leben die Polizei gerufen haben. Und das ist ethisch einfach nicht tragbar – mit der unseriösen PR-Kampagne hat die Agentur die Grenzen des guten Geschmacks völlig überschritten. Nicht jedes Mittel ist recht, um etwas ins Gespräch zu bringen. Schlechte PR ist eben doch nicht immer besser als keine PR.

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Warum das Web 3.0 kein großes Problem ist und was viel wichtiger für PR-Profis ist…

Kommunikation 2.0 ist noch nicht durchgesetzt und es wird schon nach Kommunikation 3.0 gerufen?

Seit kurzem kursiert dieses Video von Kate Ray im Internet, vor allem bei Kommunikationsexperten. Der Titel des Videos ist „Web 3.0“ als Synonym für das „Semantic Web“ also das semantische Internet, zu Deutsch: das Internet der Bedeutung.

Die wichtigsten Aussagen hat Matthew Gain hier zusammengefasst, geht aber sogar noch weiter und zieht aus diesen Aussagen seine Konsequenzen des Webs 3.0 für die Kommunikation. Hier wird es interessant, denn als letzte Konsequenz nennt Gain, dass die Rolle der Kommunikation (er sagt PR) immer wichtiger werden wird, wenn sich das Internet tatsächlich so entwickeln sollte.

Soweit der Exkurs ins Web 3.0. Wir beginnen gerade das Web 2.0 zu verstehen und nun sollen wir uns schon an die nächste Version anpassen? Die Echtzeit der Kommunikation scheint uns einzuholen und wir versuchen mit der Entwicklung mitzuhalten. Aber ist es wirklich so? Müssen wir uns jetzt bereits Sorgen über das Web 3.0 machen und vor allem was es für die Kommunikation bedeutet?

Ich glaube nicht. Sieht man sich die Folgen der Kommunikation im Web 2.0 – sehr anschaulich von Julia Frank hier im Blog beschrieben wurden – etwas genauer an, so sollte dem aufmerksamen Leser klar werden, dass sich das Web 3.0 für die Kommunikationsmanager gar nicht so sehr von seinem „Vorgänger“ unterscheidet.

Wenn die PR-Profis die 360°-PR – ein sehr schöner Begriff – beherrschen, gilt doch immer noch, was bereits jetzt gilt: Stillstand ist Tod. Wer aufhört sich an die Gesellschaft, also die Zielgruppen, anzupassen, kann diese nicht mehr erreichen. Das bedeutet für PR-Profis, dass sie nicht nur danach streben sollten, die 360° -PR zu beherrschen, sondern einen Schritt weiter zu denken. Den Trend der technischen Entwicklung für Kommunikationskanäle im Auge zu behalten und gleichzeitig zu bedenken, welche Folgen sie für die Kommunikation hat, muss für PR-Profis selbstverständlich sein.

Was jedoch viel wichtiger als sich Sorgen um das „Danach“ zu machen ist, die Unternehmen auf das Web 2.0 und natürlich anschließend auf das Web 3.0 vorzubereiten.

Natürlich haben die großen Unternehmen verstanden, warum sie plötzlich auf Reaktionen des Kunden im Internet eingehen müssen und selbst wenn sie nicht aktiv an Diskussionen teilnehmen, doch zumindest zuzuhören, was die Kunden über ihr Unternehmen und ihre Produkte sagen. Doch dies gilt – vor allem in Deutschland – primär für die großen internationalen Unternehmen.

Wer sich mit einem Mittelständler über Web 2.0 unterhält, sieht sich häufig konfrontiert mit Unverständnis und Ablehnung gegenüber einem Engagement in diesem Bereich. Warum sollte sich der Friseur plötzlich bei Twitter und Facebook betätigen oder jemanden dafür bezahlen, dies zu tun? Was hat ein Bäcker von Fans und Followern und warum sollte er seine Filialen bei foursquare registrieren und dann Leuten Rabatt geben? Für uns Kommunikationsmanager, die sich mit dem Web 2.0 beschäftigen, ist die Antwort logisch, fast banal. Doch wenn man ihnen diese Antwort nennt, heißt es noch lange nicht, dass auch Mittelständler die Logik erkennen.

PR-Profis müssen es also – zusätzlich zum eigenen Lernprozess im Web 2.0 – schaffen, die Unternehmen, vor allem die Mittelständler, an das Web 2.0 heranzuführen. Denn was nützt es Fähigkeiten zu besitzen, die niemand oder kaum jemand verlangt? Und letztlich ist die Erläuterung des Web 2.0 für Kunden, das Erklären der Notwendigkeit, das Vermitteln der Grundlagen des Webs 2.0, die beste Chance für den PR-Profi, zu prüfen, ob er selbst das Web 2.0 verstanden hat.

Ein PR-Profi muss also bedenken, wie sich PR in den Klauen des Web verändert und dass man auf keinen Fall die klassischen Kommunikationsinstrumente vergessen darf. Er muss den richtigen Kommunikationsmix finden, dabei aber nicht vergessen, dass der Kunde verstehen muss, warum er diese Maßnahmen benötigt, warum es plötzlich wichtig oder vorteilhaft ist, sich einen Blog oder Twitter-Account zuzulegen. Er darf also nicht vergessen, mit seinen eigenen Zielgruppen zu kommunizieren: den Kunden.

David Philippe
studiert Kommunikationsmanagement an der FH Osnabrück (Standort: Lingen). Seit Anfang April 2010 ist er gemeinsam mit einem Kommilitonen in einer eigenen Kommunikationsagentur tätig. Erstkontakt zu Social Media 2006, differenziert und gezielt setzt er sich seit 2009 mit dem Web 2.0 auseinander.