gab.ai – Medium zur freien Meinungsäußerung, oder rechte Echo-kammer?

„Was Du nicht willst, dass man Dir tu, dass füg‘ auch keinem andern zu“. Solche Regeln waren Teil meiner und vermutlich auch Ihrer Erziehung. Es reimt sich schön und ist damit leicht verständlich und bleibt im Kopf – selbst bei Kindern.

Auf der Straße ist dies auch eher noch der Standard, als die Ausnahme, wenn allerdings eine gewisse Anonymität gegeben ist, vergisst so manch einer seine gute Kinderstube. Und wo ist ebenjene Anonymität größer als im Internet? Denn, wenn Nutzer nicht ihre echten Namen oder Daten angeben müssen und so nicht für Aussagen geradestehen müssen, fällt es offenbar leicht Beleidigungen, Hetze oder Fake News zu verbreiten. Soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter gehen mittlerweile gegen solche Nutzer vor, indem sie ermahnt und bei wiederholter Auffälligkeit gesperrt werden.

All jene, die mit allgemeinen Verhaltensregeln und Nutzungsbedingungen auf Kriegsfuß stehen finden eine Zuflucht auf gab.ai. gab.ai (to gab = in etwa: quatschen) erinnert von seiner Handhabe an eine Mischung aus Reddit und Twitter. Usern ist es möglich von der Seite bereitgestellte Nachrichten zu kommentieren, eigene Inhalte zu verfassen, Beiträge up- oder downzuvoten und sie wiederum zu teilen.

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Anders als die „Big Socials“, die weit verbreiteten sozialen Medien, beruht die Kontrolle über Inhalte Gründer Andrew Torba zufolge nicht auf „Zensur“, sie wäre vielmehr eine Art Selbstkontrolle. Denn bis auf illegale Pornografie oder den Aufruf zu Terror werden sämtliche Inhalte durchgewunken, bei Problemen mit anderen Nutzern oder Inhalten sollen die Betroffenen frei nach dem Motto: „aus den Augen, aus dem Sinn“ diese schlichtweg aus ihren Feeds entfernen. Torba sieht in diesem Ansatz die wahrhaftige Durchsetzung des Rechts auf freie Meinungsäußerung.

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Das Konzept kommt offenbar an. Mit mittlerweile über 215.000 Nutzern erfreut sich gab.ai steigender Beliebtheit. Vor allem Konservative und Anhänger der Alt-Right-Bewegung sind begeistert von den Möglichkeiten, die ihnen mit gab zur Verfügung stehen, wie Torba bereits zugab. Von Werbung für die Waffenlobby, über krasse Beleidigungen bis hin zu Diskreditierung Andersdenkender ist alles vertreten.

Auch immer mehr deutsche User zieht gab.ai in ihren Bann. Mittels eines eigenen Reiters besteht die Möglichkeit auf nur deutsche Beiträge weitergeleitet zu werden. Deren Inhalte sind aktuell wenig überraschend Aussagen von AfD-Politikern, Diffamierungen anderer Politiker oder Kritik an der Asylpolitik mit dem Feindbild Nummer eins: Angela Merkel.

Die Folge der „Selbstzensur“ und die Verwendung durch fast ausschließlich Rechtsgesinnte führt allerdings dazu, dass die #GabFam, wie sich Nutzer gerne bezeichnen, auf gab.ai nur mit Ansichten konfrontiert, die sich mit ihren decken, oder ihnen ähneln, sie sehen sich in ihrer Meinungen bestätigt und die Seite ihr Dasein als Echo-Kammer rechtspopulistischer Inhalte immer mehr verstärkt.

 

Georg Höfer

Student der Kommunikationswissenschaft, Otto-Friedrich-Universität Bamberg

 

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Whataboutism: Argumentationslos Diskussionen gewinnen

Wer kennt sie nicht, die Diskussion, die man damals zu Schulzeiten mit Mama geführt hat? Stolz brachte man eine Zwei in der Englischprüfung mit nach Hause, woraufhin Mama fragte: „Und was hat Hanna?“. Betretener Blick zur Seite, leises Murmeln: „Eine Eins.“ Ihre Reaktion: „Na, dann hättest du auch eine schreiben können.“ Zwei Wochen später der eigene Versuch, den Spieß diesmal herumzudrehen: „Mama, in Mathe hab ich eine Drei. Aber Hanna hat eine Vier!“ Nun zeigte Mama natürlich kein Interesse mehr an den Leistungen der Freundin.

Schon als Kind wendet man also eine Kommunikationstechnik an, die leider auch von vielen Erwachsenen, z.B. von Politikern gerne genutzt wird: Von der eigentlichen Problematik ablenken und mit dem Finger anklagend auf andere zeigen. Man spricht auch von Whataboutism.

Der amerikanische Präsident Donald Trump liefert für dieses rhetorische Mittel immer wieder Paradebeispiele. Sein Talent, verbale Angriffe auf sein Verhalten abzuwehren, beweist er nicht nur durch die Darstellung von Unwahrheiten als alternative Fakten. Auch Gegenargumente perlen an ihm ab, wie Wasser an einer Regenjacke. Prompt weist er auf die Fehler oder Missstände anderer Personen oder Staaten hin und das ursprüngliche Problem ist vergessen. Vor allem Hillary Clinton steht dabei oft im Zentrum seiner Aufmerksamkeit.

Trump Post

 

 

Doch nicht nur Trump, auch deutsche Politiker, beispielsweise AfD-Mitglieder, benutzen Whataboutism, um im Diskurs von den eigenen fehlenden Argumenten abzulenken. Und auch in sozialen Netzwerken wie etwa Facebook gehen Nutzer, wenn sie in einer Diskussion in die Enge gedrängt werden, häufig auf andere los oder schneiden einfach ein neues Thema an, statt sich mit den Argumenten anderer User ernsthaft auseinanderzusetzen. Paulus Müller hat sich mit seinem Rap „Aber, Aber“ dem Gesprächsverhalten von Usern in einer Debatte über das Parken auf Radwegen gewidmet.

 

Anwender der Whataboutism-Strategie sind meist erfolgreich, denn sie lässt sich beinahe in jedem Themengebiet anwenden und stiftet Verwirrung. Während man versucht, das Gegenüber zum eigentlichen Gesprächsthema zurück zu bewegen, beharrt der Whataboutismer auf dem Standpunkt, der ihn in eine argumentatorisch überlegene Position manövriert. Meistens kapituliert man irgendwann angesichts dieser Uneinsichtigkeit und lässt sich entweder auf einen Schlagabtausch auf einem Gebiet ein, über das man eigentlich gar nicht sprechen wollte oder man bricht die Diskussion ab. Eigentlich kann man also nur verlieren, wenn man mit sachlichen Argumenten versucht, dem Whataboutismus etwas entgegenzusetzen. Die Gefahr einer so ablaufenden Diskussion liegt darin, dass der Facebook-Nutzer oder Politiker die Möglichkeit hat, sich selbst durch Ablenkung und Gegenargumente zu profilieren, ohne dabei auf die Einwände seiner Gesprächspartner eingehen zu müssen. Es findet keine Selbstreflexion statt, die Bestandteil jeder wichtigen Debatte sein sollte.

Im Umgang mit Whataboutismus ist es hilfreich, den Schlagabtausch nicht zu überstürzen und sich Zeit zu nehmen, die eigenen Argumente logisch darzulegen und es eventuell anwesenden Zuhörern oder Lesern einfacher zu machen, den Intentionen der Debattierenden zu folgen. Manchmal leichter gesagt als getan: Man sollte sich die Ausgangsfrage immer vor Augen halten und gegebenenfalls darauf zurück kommen.

 

Selina Jörgensen

Kommunikationswissenschaft, Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Tabus – Auf dem Müllhaufen der Geschichte?

Tabus sind Tabu.

Tabu. Bereits der Wortklang signalisiert etwas Negatives. Etwas, das man einfach nicht tut oder sagt. Nicht einmal denkt. Schlecht, oder? Tabus müssen in einer aufgeklärten Gesellschaft gebrochen werden. Das Sprechen über Naziverbrechen, der offene Umgang mit Sex, Frauen, die Hosen tragen. – Nur einige Beispiele für ehemalige Tabus, die wir glücklicherweise los sind. Wir brauchen sie nicht. Oder?

 

Ein unschuldiges, unbewusstes Kind wird zum Mittel für den Wahlkampf einer Partei. Tabubruch.

 

Der US-amerikanische Präsident schimpft auf den Rechtsstaat. Tabubruch.

 

Manche der No-Gos würden wir also doch gerne behalten. Gerade in Zeiten der sozialen Medien fällt es aber leichter, Tabus zu brechen. Bricht man in der „realen Welt“ ein Tabu, hat man direkt mit den Konsequenzen zu rechnen. Wird man im Internet für einen Tabubruch verurteilt, muss man ein paar Kommentare lesen. Das war’s. Kein Gespräch, keine verurteilenden Blicke, keine Fragen, die man beantworten muss, wenn man keine Lust hat. Auch haben die wenigsten Menschen Lust dazu, in ihrer Freizeit mit Trollen zu streiten. „Hilft ja eh nichts.“

Sollte es deshalb eine Instanz geben, die verhindert, dass bestimmte Grenzen überschritten werden? Selbstverständlich. Alle Tabus funktionieren auf diese Weise allerdings nicht. „Tabus sind eigentlich immer Gruppeninteressen, Gruppennormen“, sagt Andreas Zick vom Institut für Konflikt- und Gewaltforschung der Uni Bielefeld dazu. Mehr sind Tabus nicht. Sie zeigen, was verschiedene Gesellschaftsschichten zu verschiedenen Themen denken.

 

Wird man deshalb alles „wohl noch sagen dürfen“?

Dass Tabus nicht auf ewig und allgemein begründbar sind, heißt nicht, dass alles akzeptiert werden muss. Der Rechtsstaat ist dafür verantwortlich, den Rahmen zum Schutz der Menschenrechte zu bilden. Dort endet seine Befugnis aber auch. Äußert sich ein Tabubruch in Gewalt, muss er eingreifen. Äußert er sich in Drohungen, muss er eingreifen. Äußert er sich in einer auf die Politische Korrektheit wütenden Alice Weidel oder einem vom Grapschen träumenden Donald Trump, kann der Rechtsstaat nichts tun.

Die einzige Möglichkeit, nötige No-Gos aufrechtzuerhalten, besteht darin, für diese zu argumentieren. Legt man seinen Gegnern dar, warum ihre Ansichten falsch sind und welche Grenzen sie überschritten haben, besteht zumindest die Möglichkeit, dass einige von ihnen einlenken. Das Problem an den Ideologien, die Gauland, Trump, LePen etc. vertreten, ist ja eben, dass das rationale Argumentieren aufgegeben wurde. Möchte man Tabus erhalten, muss man sie begründen. Kann man sie nicht begründen, sind sie unnötig. Tabus zeigen die Meinung der Gesellschaft. Allerdings nur wenn diese auch geäußert wird. Der Staat kann unsere Grundrechte schützen, aber – glücklicherweise – keine Tabus vorschreiben. Argumentieren wir als aufgeklärte Menschen nicht rational und respektvoll, werden auch die Tabus nicht auf Vernunft und Respekt aufgebaut.

 

Bastian Rosenzweig
Kommunikationswissenschaft, Soziologie, Philosophie
Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Counterspeech – mit Humor gegen den Hass im Netz

Counterspeech – das ist etwas, das jeder von uns kann und wohl jeder schon des öfteren praktiziert hat, denkt man nur mal kurz an die eigenen Teenager-Jahre zurück, in denen  durch Kontern und regelmäßiges Widersprechen der eigene Standpunkt gegen Eltern und Geschwister vertreten wurde.  Aber liebe Eltern: Auch, wenn Ihre Geduld durch die wohl zahlreichen Auseinandersetzungen des öfteren strapaziert wurde, so waren diese doch ein gutes Training für Ihre Kinder, das nicht nur zu Durchsetzung im späteren Berufsleben führen, sondern auch einen aktiven Beitrag zur Antidiskriminierung leisten kann.

So entstand vor einigen Jahren das Konzept des Counterspeech, der Gegenrede also, das dazu beitragen soll,  menschenverachtende Kommentare, Diskriminierung oder Aufrufe zur Gewalt aktiv zu bekämpfen, und zwar durch die Nutzer selbst. Die Idee, die dahinter steckt, ist relativ simpel: So soll Hass nicht mit Hass bekämpft werden, sondern mit Argumenten, neuen Denkanstößen und Humor. Schon seit einiger Zeit formieren sich Gruppen und Kampagnen, die dieses Konzept verbreiten wollen.  Da wäre zum Beispiel das No Hate Speech Movement, das 2013 von Jugendorganisationen des Europarats ins Leben gerufen wurde und das mittlerweile in 40 Staaten aktiv ist.  Auf ihrer Internetseite rufen sie Userinnen und User dazu auf, Hasspostings auf Facebook, Twitter und Co. etwas entgegen zu setzen.  Da kontern aber auch gelernt sein will, gibt’s auf der Seite Tipps, Memes, Videos und Sprüche zum Download, mit dem jeder einzelne ein Zeichen gegen Diskriminierung und Hass setzen kann.

No Hate Speech

Bei sozialen Netzwerken wie Facebook hält man dieses Konzept für ein gutes Mittel, um Hasspostings zu bekämpfen. Laut Sheryl Sandberg, der Geschäftsführerin von Facebook, ist Counterspeech unglaublich stark, da das beste Mittel gegen schlechte Ideen gute Ideen, und das beste Mittel gegen Hass Toleranz ist. Die Vorteile für Facebook sind dabei natürlich die geringen Kosten und der niedrige Aufwand, da die Verantwortung der Kampagne bei den Nutzern selbst liegt.

Aber kann Counterspeech wirklich langfristig gegen Hatespeech helfen? Können sachliche Argumente und Fakten Menschen zum Umdenken bewegen? Gibt es nicht genug Internet-Trolle, die man eben genau durch solche Konter füttert und anspornt, immer weiter zu provozieren? Denn das Problem besteht doch unter anderem darin, dass sich extrem denkende Menschen eher an den Posts und Kommentaren orientieren, die ihre eigene Meinung unterstützen und Posts, die gedanklich in eine andere Richtung gehen, gar nicht ernst nehmen. Das Zugehörigkeitsgefühl zu einer bestimmten Gruppe und die weitgehende Anonymität des Internets sind außerdem Faktoren, die Extremisten in ihrem Handeln anspornen. Doch einfach nichts zu sagen nach dem Motto „Don’t feed the troll“ ist auch nicht unbedingt eine Lösung. Natürlich kann die Auseinandersetzung mit Trollen unglaublich nervenaufreibend sein und viel Zeit und Geduld in Anspruch nehmen. Doch „Wenn man nicht mitdiskutiert, sind am Ende irgendwann nur noch Trolle da, die sich gegenseitig auf die Schulter klopfen. Und alle Leute, die deren Kommentare lesen, haben das Gefühl, das sei die herrschende Meinung. Darum: Wer das einfach stehenlässt, tut niemandem einen Gefallen.“ 

Sich zu wehren, zu kommentieren und sachlich zu argumentieren ist also auf jeden Fall eine Strategie, die jeder mal ausprobiert haben sollte. Ob man mit Counterspeech tatsächlich effektiv Radikalismus im Netz bekämpfen kann, wird sich noch zeigen. Allerdings sollten sich Facebook & Co. auf solchen Kampagnen keinesfalls ausruhen, ganz im Gegenteil: Sie sollten Initiativen wie diesen aktiv unter die Arme greifen, indem sie gegen Hasskommentare  vorgehen. Das am 1. Oktober 2017 in Kraft getretene Gesetz gegen Hasspostings, das soziale Netzwerke dazu verpflichtet, bestimmte strafbare Inhalte innerhalb von sieben Tagen zu löschen oder zu sperren, ist dabei schon mal ein Schritt in die richtige Richtung.

Magdalena Herden, Studentin der Kommunikationswissenschaft an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg

 

Ihr seid doch alle linksversiffte Gutmenschen!

Sie glauben an den Klimawandel? Sie gendern? Oder schlimmer noch, Sie sind der Meinung nicht alle Flüchtlinge sind terroristische Sozialschmarotzer? Dann sind Sie wahrscheinlich auch einer dieser linksversifften Gutmenschen, die sich im Café nebenan ihren Bio-Fair-Trade Kaffee in ihren selbstmitgebrachten To-Go Becher füllen lassen. Was daran jetzt so schlecht sein soll, können die meisten wahrscheinlich nicht nachvollziehen. Doch für viele Anhänger der AfD gehören die obengenannten Charakterzüge zu einem ihrer Feindbilder: dem Gutmenschen! Jene Menschen, die in den sozialen Netzwerken unter den Hashtags #ichbinhier oder #87Prozent dem Mob der AfD-Wähler Stirn bieten. Jene, die ehrenamtlich mit Flüchtlingen arbeiten und dafür sorgen, dass diese gut und vor allem richtig in unser Land integriert werden. Oder einfach die, die aus Sicht der besorgten Bürger, dafür sorgen, dass der Prozess der Umvolkung, also die Unterwanderung und Überfremdung des deutschen Volkes durch Immigranten und Flüchtlinge, immer schneller voranschreitet.

Wir sind das Volk!

Unbenannt

Quelle: welt.de / tagesschau.de

Das ist wohl der Paradespruch der Pegida-Bewegung. Doch sind die 12,6% wirklich das Volk? Und warum sind wir, die 87%, eine wohlgemerkt klare Mehrheit, nicht das Volk? Das liegt wohl daran, dass wir die ganzen Volksverräter wie Merkel, Schulz und Co. gewählt haben. Erstere war aufgrund ihrer Flüchtlingspolitik wohl auch teilweise der Auslöser von Bewegungen wie Pegida. Durch ihre sogenannte Willkommenskultur, stellte sie sich gegen die Wünsche einiger Bürger und Parteikollegen und sorgte damit für Unmut unter den besorgten Bürgern, die sich von ihren Volksvertreten ungehört und vergessen fühlen. Und eben, weil die Bundesregierung sich entschieden hat die Vergessenen nicht zu hören und diese wohlgemerkt das Volk sind, beging die Bundesregierung, laut Pegida- und AfD-Anhängern, Volksverrat. Denn sie lies zu, dass Deutschland „islamisiert“ wird und die Deutschen in ihrem eigenen Land zur Minderheit werden.

Feminist oder doch lieber Krebskrank?

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Quelle: reddit.com ; Milo Yiannopoulos wurde mittlerweile von Twitter geblockt.

Doch Volksverräter und Gutmenschen sind nicht die einzigen Wörter im Vokabular eines überzeugten AfD-Wählers. Dazu gehören auch noch Vokabeln wie Sozialschmarotzer, Lügenpresse, Establishment und Umvolkung. Viele dieser Begriffe sind aber nicht neu. Vor allem Wörter wie Lügenpresse, Umvolkung und Volksverrat dürften noch aus dem Geschichtsunterricht bekannt sein. Geprägt wurden diese nämlich vor allem durch die Nationalsozialisten. Bei dem Gebrauch dieser Begriffe geht es den besorgten Bürgern aber nicht unbedingt darum ihre Ziele mit denen der Nazis gleichzusetzten, nein. Sie wollen polarisieren! „Es werden vermeintliche Tabus zitiert, die dann gebrochen werden. So stellen die besorgten Bürger einen Pappkamerad namens Sprechverbot oder Meinungsdiktatur auf – um ihn effektvoll umzuboxen. Nur gibt es diese Tabus und Sprechverbote gar nicht.“, so Politikwissenschaftler Robert Feustel.

Doch wie geht man jetzt damit um? Laut Wiebke Eltze, Politikwissenschaftlerin und Trainerin bei dem Netzwerk „Gegenargument“, ist kontra bieten und vor allem Argumente entkräften die beste Lösung. Damit hat sie wahrscheinlich auch Recht, denn wenn uns die Bundestagswahlen eines gelehrt haben, dann das wir mit unseren Mitbürgern mehr in den Dialog treten müssen!

Karin Hornung, Kommunikationswissenschaft – Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Quellen: Pegida Bild – welt.de
Wahlergebnisse – tagesschau.de
„Wie sich Wörter von Rechtspopulisten in unsere Sprache einschleichen“ – bento.de
Milo Yannopoulos Tweet – reddit.com
„Alphabet des rechten Denkens“ -zeit.de
„Was soll ich denn jetzt dazu sagen?“ – faz.net
„Das Wörterbuch der Neusten Rechten“ – faz.net

Leben wir tatsächlich in einer Filterblase?

Die Gesellschaft im Netz zersplittert. Die Menschen sehen nur noch, was sie sehen wollen. Kritische Diskussionen weichen gegenseitiger Bestärkung. Schuld daran sind die großen Konzerne, wie Facebook und Google. Durch Algorithmen bestimmen sie, welche Inhalte Nutzern angezeigt werden. Jeder bewegt sich nur noch in seiner Blase. Hört sich ziemlich düster an, oder? Hinzu kommt, dass diese ominöse Filterblase angeblich schon einiges angerichtet hat. So wird ihr vorgeworfen, für den Brexit oder die Wahl Donald Trumps verantwortlich zu sein. Auch am schnellen Aufstieg der AfD ist natürlich die Blase schuld. Woran könnte es auch sonst liegen?

Wir filtern dir die Welt, wie sie dir gefällt?!

Die Idee der Filterblase (engl. filter bubble) stammt von Eli Pariser. Schon 2011 warnt der Amerikaner vor der Personalisierung von Inhalten durch Websites und Soziale Medien. Seiten wie Facebook oder Google setzen Algorithmen ein, die Informationen individuell filtern. Die Basis dafür sind Standortangaben, Likes oder Suchanfragen. Je mehr Informationen ein Nutzer durch seine Aktivitäten preisgibt, desto enger wird die Blase. Dies führt schließlich dazu, dass sich Nutzer nur noch mit Gleichgesinnten umgeben.

Es entstehen sogenannte Echokammern, in denen sich Menschen gegenseitig in ihren Ansichten bestärken. So wird der Eindruck erzeugt, man stehe mit seiner Meinung nicht allein dar oder sei sogar in der Mehrheit. Der Vorwurf: Durch das Filtern der Informationen wird das Weltbild beeinflusst.

Ist die Angst vor der Filterblase gerechtfertigt?

Es gibt immer wieder Studien, die versuchen die Theorie zu beweisen oder zu widerlegen. Ein eindeutiges Ergebnis gibt es allerdings nicht. Klar ist, Inhalte werden gefiltert. Das ist auch dringend nötig, da wir sonst von einer riesigen Informationsflut überrollt werden würden. Das Problem ist nur, keiner weiß so recht welche Mechanismen zum Einsatz kommen. Mangelnde Transparenz sorgt für Skepsis. Des Weiteren stellt sich die Frage, ob nur  Algorithmen beeinflussen, was Menschen sich im Netz anschauen. Denn auch in der realen Welt umgeben wir uns gerne mit Gleichgesinnten. Das ist offline und online eine eigenständige Entscheidung. Darüber hinaus sind soziale Medien (hoffentlich) nicht die einzige Informationsquelle. Der Einsatz der klassischen Medien ist gefragt, den Nutzern ein möglichst breites Bild an Standpunkten zu liefern. Auch im privaten oder beruflichen Umfeld wird man mit Meinungen konfrontiert, die sich von der eigenen unterscheiden. Wer trotzdem Angst vor der Blase hat, kann versuchen, sie zum Platzen zu bringen.

Hilfe! Ich will raus aus meiner Filterblase!

Im Netz finden sich viele Tipps, um aus der Blase zu entkommen. Beispielsweise wird empfohlen, auch die Seiten von Parteien zu abonnieren, die man nicht wählt. Eine weitere Möglichkeit ist es, andere Suchmaschinen als Google zu verwenden. Außerdem gibt es Add-Ons die verhindern, dass das Surfverhalten dokumentiert wird. Auch Facebook testet im Moment eine neue Funktion, die den Horizont der Nutzer erweitern soll.

Im sogenannten „Entdecker-Feed“ tauchen Seiten auf, die noch nicht abonniert wurden. Ganz ohne Filter geht es aber auch bei dieser Funktion nicht.

 

von: Katharina Steinhäuser

Kommunikationswissenschaft, Otto-Friedrich-Universität Bamberg

AFD nur ein Fake von Böhmermann und Raab!

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Der Satire Artikel im Kölner Abendblatt von Anton Skolka ist das perfekte Beispiel für die Beachtung von Fake News. Je provozierender und auffälliger der Titel und die Geschichte einer Nachricht, desto mehr Aufsehen bekommt sie. Würde dieser Artikel lauten „Fake News im Bundestagswahlkampf 2017“ würde er um einiges weniger geklickt werden.

So schlug das Video, das eine geisteskranke Merkel zeigte, sehr stark ein. Natürlich ein Fake. Eine Umfrage ergab, dass 61% der Befragten den Eindruck haben, dass viele Medien Fake News verbreiten. 30% der Befragten hatten die Befürchtung, dass sie einen großen Einfluss auf den Wahlkampf haben. Besonders der US Wahlkampf und deren unsagbare Fake-News-Schlacht stimmten die Deutschen kritisch. Allerdings hat Deutschland während dem Bundestagswahlkampf kein so großer Fake News Tsunami überschwemmt, wie anfangs vermutet. Parteien wie die Grünen haben sich sicherheitshalber trotzdem mit einer Netzfeuerwehr aus 2600 Leuten ausgestattet, die sich um die Klarstellung von Falschnachrichten kümmern sollen.

Der Polizeipräsident für Köln und Leverkusen forderte auf, die Straftaten von Flüchtlingen vorübergehend nicht mehr zu verfolgen. Daraufhin reagierte natürlich die AfD sehr heftig und verbreitete die Nachricht zunehmend. Allerdings auch Mitglieder aus anderen Parteien, wie die CDU-Abgeordnete Erika Steinbach, kommentierten diese Nachricht. Von solchen Fälschungen wie hier sind also alle Bürger betroffen. Satire Shows und Artikel lodern das Feuer natürlich an. Ein von einer Satire Show gefälschtes Wahlplakat, das Schulz und SPD-Generalsekretär Hubertus Heil zeigte, mit der Aufschrift „Heil Schulz“, schlug Kreise weit über die Show hinaus.

Geglaubt wird, was ins Weltbild passt. Diese Aussage wird besonders durch soziale Netzwerke unterstrichen. Denn zeigt zum Beispiel Facebook hauptsächlich die Beiträge an, deren Meinung wir teilen. So wird unsere Meinung auch was Falschnachrichten angeht, verstärkt.

Für eine neue, repräsentative Studie der Stiftung „Neue Verantwortung“ wurden den Befragten eine Reihe von wahren und falschen Aussagen vorgelegt, die sie entsprechend einordnen sollten. Die Hauptthemen der Aussagen bezog sich auf Flüchtlinge und Kriminalität. Besonders interessiert waren die Forscher an den AfD-Wählern. Sie seien eine interessante Gruppe für eine detaillierte Untersuchung, weil sie das geringste Vertrauen in die etablierten Medien haben, so Studienautor Sängerlaub. Die Forscher kamen zu dem Entschluss, dass AfD-Wähler besonders anfällig sind für Fake News, da es ihr verzerrtes Weltbild bestätigt. Man sollte sich allerdings fragen, ob die Grünen nicht auch anfälliger für Fake News wären, wenn es sich um ihre Parteigrundsätze handelte. Wie zum Beispiel, dass es in 2 Jahre keine Ozonschicht mehr gibt oder, dass wir in 20 Jahren unser Haus wegen der Luftverschmutzung nicht mehr ohne Mundschutz verlassen können.

Besonders in der heutigen Zeit des Social Media, in der es unendliche Möglichkeiten gibt Nachrichten zu verbreiten, sollte man achtsam und kritisch sein. Manchmal ist es besser selbst einmal nachzuforschen, inwieweit die Aussage stimmt oder nicht.

Stefanie Fickert, Kommunikationswissenschaft, Otto-Friedrich-Universität Bamberg