PR macht Marken

„Red Bull verleiht Flügel“-
Wer kennt diesen Werbeslogan und den damit beworbenen Energy Drink des österreichischen Getränkeherstellers Red Bull nicht?
Doch haben Sie sich auch schon einmal die Frage gestellt, warum dieser Hersteller so bekannt und erfolgreich ist, obwohl hinter der Marke lediglich ein einzelnes Produkt steckt?

Die Antwort darauf findet man im ganz speziellen Marketingkonzept des Getränkeherstellers: Im Gegensatz zu vielen anderen Marken hat Red Bull schon bei ihrem Markteintritt gänzlich auf herkömmliche Werbung verzichtet und stattdessen PR genutzt, um auf sich aufmerksam zu machen und die Vorzüge ihres Produktes nachhaltig beim Kunden zu etablieren.
PR ist, anders als oftmals fälschlicherweise angenommen, nicht mit Werbung gleichzusetzen. PR bedeutet strategische Kommunikation mit dem Kunden, Geschichten zu erzählen, um die gewünschten Ziele zu erreichen und nicht wie bei der Werbung Bilder zu zeigen, die den Kunden direkt und offensichtlich beeinflussen.

Die Kunst eines guten PR-Konzeptes ist es, die Geschichte hinter dem Produkt glaubwürdig und authentisch darzustellen, da auf diese Weise ein bleibender positiver Eindruck beim Kunden entsteht.
Diese Herausforderung hat Red Bull hervorragend gemeistert, indem sie ihre Zielgruppe der 18-30 Jährigen miteinbezogen haben und beispielsweise Studenten auf dem Campus gratis Proben des Energy Drinks verteilen ließen. Ein solches Buzz Marketing, sprich Mundpropaganda, ist sehr erfolgversprechend, wenn die richtigen Personen vom Produkt überzeugt werden und mit ihrer Meinung auch das Kaufverhalten vieler anderer beeinflussen.

Auch Kampagnen wie das „Red Bull Airdrop“, bei dem über 400 Universitäten in 55 Ländern Holzkisten mit Red Bull Dosen mit einem Fallschirm abgeworfen worden sind, sprechen die Zielgruppe des Getränkeherstellers an und werden ihrer Ungewöhnlichkeit wegen sogar über Social Networks verbreitet:

Weiterhin machen sich die PR-Aktionen von Red Bull das Phänomen zunutze, dass sich die Wahl der Marke beim Konsumenten immer häufiger auf einer emotional subjektiven Ebene abspielt.
Daher bewerben und sponsern sie zunehmend Extremsport-Veranstaltungen mit besonders hohem emotionalen Gehalt wie z.B. Basejumping, Kitesurfing oder die Formel1.

Am Beispiel von Red Bull kann man also erkennen, dass PR durchaus nötig ist, um im Gedächtnis der Kunden zu bleiben und auf dem großen Konkurrenzmarkt nicht unterzugehen. Es wird zunehmend wichtiger, darüber nachzudenken, wie man sich auch abseits von der Werbung positiv beim Kunden präsentieren kann.
Und ist erst ein „Hype“ um eine Marke entstanden, kümmert es auch kaum noch jemanden, dass der Energy Drink im Gegensatz zu anderen Soft Drinks eigentlich maßlos überteuert ist.

 

Hannah Reckhaus
Studienfach: Kommunikationswissenschaft, Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Gewinnt man Wahlen mit Facebook?

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Die Erweiterung des Wahlkampfes auf das „Schlachtfeld“ Internet ist mittlerweile kein Novum mehr. Jede Partei, die ambitioniert nach der Regierungsmacht strebt, ergänzt ihr traditionelles Wahlkampfrepertoir mit eCampaigning-Strategien. Das Web 2.0 mausert sich dabei Schritt für Schritt zum Drehkreuz von Information und politischer Partizipation. Es wird zur Dialogplattform zwischen Wählern und politischer Klasse. Aus Sicht der politischen Akteure lassen sich vorher ungeahnte Möglichkeiten des Kampagnenmanagements erhoffen. Betrachtet man die Obama-Kampagne 2009, so lässt sich ferner vermuten, dass die Zeiten des traditionellen Wahlkampfes auch in Deutschland bald passe sein werden und der Fokus der strategischen Kommunikation in Zukunft hauptsächlich auf dem Internet liegt. Nun stellt sich die Frage, ob der deutsche Wahlkampf -wie in den USA- mit dem Medium Internet schon heute Wahlen gewonnen werden können. 

Der Online-Wahlkampf ist noch nicht wahlentscheidend!

Laut einer im Jahr 2009 durchgeführten Studie der Universität Hohenheim informiert sich nur ca. ein Drittel der Bevölkerung mit Hilfe des Netzes über den Wahlkampf. Hauptsächlich werden immer noch die traditionellen Medien (Fernsehen und Zeitung) für die Informationsversorgung genutzt. Das liegt jedoch nicht an den geringen Netzaktivitäten der Bürger -fast drei Viertel der Befragten nutzen das Netz. Auch von den Internet-Usern beziehen nur 13 % ihre Informationen über den Wahlkampf hauptsächlich online. Die 30 % der User, die das Internet wenigstens für Zusatzinformationen über den Wahlkampf nutzen, befassen sich tendenziell weniger mit den Social Media und Blogs, sondern eher mit den Homepages der großen Tageszeitungen, Zeitschriften und TV-Sender. Erst dann und am unteren Ende der Rangfolge werden die Social Media des Web 2.0 für diese Zwecke genutzt. Es lässt sich also festhalten, dass die politische Onlinekommunikation den erhofften hohen Grad an Bedeutsamkeit für den gesamten Wahlkampf bisher nicht erreicht hat. Wer das Internet gar nicht erst nutz, kann natürlich auch nicht durch das Internet in seiner Wahlentscheidung beeinflusst bzw. bestärkt werden.

Online-Wahlkampf nur für politisch Interessierte?

Möglicherweise liegt der Sinn der strategischen Onlinekommunikation nicht in der Überschüttung der Massen mit „Internetpropaganda“, sondern in der geschickten Informations- und Argumentationsversorgung von sogenannten Meinungsführern. Andreas Jungherr, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Politische Kommunikation der Uni Bamberg forscht, betont in einem Interview, dass in erster Linie politisch interessierte Menschen das Internet nutzen um ihr Wissen über den Wahlkampf, die jeweiligen Strategien und die Positionen der Parteien geziehlt zu vermehren. Demnach sind die Webseiten der Parteien, Facebook-Profile und You Tube Kanäle eine effektive Möglichkeit politische Unterstützer zu erreichen. Daraus kann gefolgert werden, dass der Effekt der strategischen Onlinekommunikation eher in der Informationsversorgung der politisch interessierten Anhängerschaft liegt. Diese soll die neu erworbenen Informationen dann einordnen und mit Hilfe von interpersonaler Kommunikation unter das politisch weniger interessierte Volk bringen. Das geschieht dann sowohl online wie offline. So können sonst schwer zu durchbrechende Barrieren umgangen werden. Dieser Zwei-Stufen-Fluss der Kommunikation wird in der Medienwirkungsforschung seit langem diskutiert und stellt sicherlich eine interessante Erklärung der Funktion der politischen Onlinekommunikation dar. Aber auch hier lässt sich nur eine Unterstützerfunktion des Online-Wahlkampfes in Bezug auf den traditionellen Wahlkampf -der durch seine Allgegenwärtigkeit durch z.B. Plakate eine größere Chance hat alle Wählergruppen direkt an zusprechen- erkennen.

Eine Rosige Zukunft für den Online-Wahlkampf?

Trotz der eigeschränkten Reichweite können -laut der Hohenheimer Studie- Social Media wie Facebook mit Hilfe der starken Vernetzung der User politisch weniger Interessierte Menschen durch politisch aktive Onlinefreunde oder Meinungsführer mit Wahlkampfthemen in Kontakt gebracht werden. So könnte zumindest teilweise eine Sensibilisierung für das Politische an sich und den Wahlkampf im speziellen erzielt werden. Darüber hinaus und entgegen der aktuellen Situation ist für die Zukunft ein Bedeutungszuwachs des Internet-Wahlkampfes zu erwarten. Betrachtet man nämlich die Jüngste Kohorte der Hohenheimer Studie (18- bis 29jährigen User) so liegt der Anteil derjenigen, die ihre Wahlkampfinformationen hauptsächlich aus dem Netz beziehen bei 29 Prozent. Für alle anderen Altersgruppen hat das Internet für diese Zwecke die geringste Bedeutung.

Nein, heute gewinnt noch keine Partei eine Wahl ausschließlich mit Hilfe der Social Media und des Netzes. Aber sicher Morgen!

 

Darius Youssofi    

Studiengang: Politikwissenschaft, Otto-Friedrich-Universität Bamberg
     

     

Vom First auf den Second Screen

Immer mehr Menschen nutzen zeitgleich zum TV auch mobile Endgeräte, seien es Tablet oder Smartphone. In den USA nutzen über 40 Prozent der Smartphone- und Tablet-Besitzer ihr mobiles Gerät mindestens einmal täglich parallel zum Fernsehen. In Deutschland sind es gut ein Viertel der Tablet-Nutzer und ein Fünftel der Smartphone-Nutzer, die dieses Verhalten zeigen. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Umfrage des Marktforschungsinstitutes Nielsen.

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass sich die Art, wie wir fern schauen, verändert. Immer mehr wird Fernsehen zum Nebenbei-Medium. Der Fernseher und das mobile Endgerät konkurrieren um die Aufmerksamkeit. Der „Second Screen“ hält Einzug in die Wohnzimmer. Für die Sender ist das eine Gefahr, aber auch eine Chance. Die Gefahr besteht darin, dass das sie den Kampf um die Aufmerksamkeit verlieren und der Zuschauer sich gänzlich vom Fernsehprogramm abwendet. Die Chance ist die, die Sendung auf den Second Screen zu verlängern.

Ein Beispiel hierfür ist die ZDF-Krimiserie Die letzte Spur. Hier kann der Zuschauer zum Beispiel selbst den Täter ermitteln und sehen, wo der Großteil der anderen Anwender den Täter ansiedelt. Der SWR ließ den Zuschauer nach einer Tatort-Folge ebenfalls selbst ermitteln. Ein weiterer Social-TV-Versuch erfolgte mit der Anwendung The Voice of Germany connect, in der die Twitter-Meldungen zum Hashtag #voice und Facebook-Updates der Sendung verfolgt und diskutiert werden konnten.

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Quelle: MOCCU

Hier kommt auch der Begriff Social TV ins Spiel, die Verschmelzung von Fernsehen und Social Media. Über soziale Netzwerke tauschen sich Zuschauer über Sendungen, die sie schauen, aus. Dies gilt es, besser zu nutzen. Die Anbieter von Social-TV-Apps haben das Potenzial dieser Entwicklung erkannt und bieten Plattformen, auf denen fern schauen zum Gemeinschaftserlebnis wird. Die Kommunikation findet also in einem virtuellen Wohnzimmer statt. Auch in Deutschland wächst der Markt solcher Anwendungen. Die größten Chancen, sich zu etablieren, hat in Deutschland wohl Couchfunk.

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Ob diese Apps die Couch jedoch letztendlich ins Internet verlagern können und eine echte Alternative für die Kommunikation auf der echten Couch bieten können, ist fraglich. Es gibt Leute, die ihre Meinung nicht der ganzen Webgemeinschaft- oder Community, sondern nur einem ausgewählten (Freundes-)Kreis preisgeben möchten. Die Möglichkeit zu bieten, private Unterhaltungen einzurichten, wäre überlegenswert.

Den unabhängigen Anbietern fehlt es jedoch bisher an Interaktivität. Sie sind bisher – bei aller Euphorie – nur Plattformen auf denen Meldungen und Meinungen zu Sendungen gebündelt und ausgetauscht werden können und auf denen jeder zeigen kann, was er schaut. Auch findet man bisher keine Zusatzinformationen zu Sendungen, etwa in welchen Filmen ein Nebendarsteller bereits mitgespielt hat oder wie der Soundtrack eines Films heißt, wie im amerikanischen Miso.

Es wird spannend sein, zu beobachten, ob sich die unabhängigen Social-TV-Anwendungen bei der Masse durchsetzen können und woran sich die Fernsehsender wagen.

Patrick Sporleder
Studiengang Kommunikationswissenschaft, Otto-Friedrich-Universität Bamberg

 

Vom Verstummen der Kritik

Es scheint eine bewusst eingesetzte PR-Maßnahme zu sein: Wenn ein Schriftsteller einen bedeutenden Preis gewinnt, wird er plötzlich in (fast) allen Medien hochgelobt.
Kaum einer kritisiert das Werk eines frischgebackenen Preisträgers, auch wenn dessen Werk zuvor weniger beachtet oder gar negativ beurteilt wurde.

Wird ein Literaturpreis vergeben, scheinen sich alle einig zu sein: Der- oder diejenige hat es wahrhaftig verdient, für einen wunderbaren Roman, eine gelungene Übersetzung, ein glänzendes Lebenswerk ausgezeichnet zu werden. Kaum hat sich die Jury auf einen Preisträger geeinigt und eine Begründung formuliert, verkünden die Presseagenturen einstimmig die frohe Botschaft.

Georg-Büchner-Preis für Felicitas Hoppe

So verbreitete sich beispielsweise vor einigen Tagen die Nachricht, dass die Schriftstellerin Felicitas Hoppe den diesjährigen Georg-Büchner-Preis gewonnen habe. Wer sich dazu online informieren wollte, stieß auf den Internetseiten von Spiegel, Welt, FAZ, SZ, Focus & Co auf sich wiederholende Formulierungen und Phrasen – und gemeinhin auf Lob von allen Seiten. Alle, nicht zuletzt die Ausgezeichnete selbst, schienen schlichtweg begeistert zu sein.

Die Begründung der Jury, einer Anzahl renommierter Persönlichkeiten der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt, ist dabei nicht nur ein ausschlaggebender Punkt für die Berichterstattung  (gut jeder zweite Artikel zitiert die Formulierung der Jury direkt oder paraphrasierend), sondern offenbar auch für die Akzeptanz dieser Entscheidung in der Leserschaft. In den Print-Medien und ihren virtuellen Äquivalenten zumindest herrscht Einigkeit über den Verdienst der diesjährig gekürten Autorin. Warum aber beherrscht diese Akzeptanz die Medien, warum halten wir Literaturpreise für eine hinreichende Bestätigung dafür, dass ein schriftstellerisches Werk ‚gut‘ oder ‚lesenswert‘ ist? Und warum sind Preisverleihungen auch im Sinne von PR-Maßnahmen derart erfolgreich?

Literaturpreis als Vermarktungsstrategie

Der Begriff Public Relations (PR) ist eng verbunden mit dem Schaffen von Bekanntheit, mit Imagepflege – diese wiederum ist im Zeitalter des Internets und einer zunehmenden online-Berichterstattung vielseitiger geworden: Interviews mit und Artikel über Felicitas Hoppe lassen sich gezielt und schnell abrufen; auch bezüglich der Rezensionen und Inhaltsangaben zu ihren Büchern wird man schnell fündig. Daneben lässt sich herausfinden, dass der Büchner-Preis, der erstmalig im Jahre 1923 von der Darmstädter Akademie verliehen wurde, als der bedeutendste Literaturpreis des deutschsprachigen Raumes gilt und dass neben Felicitas Hoppe auch bekannte Autoren wie Erich Kästner, Ingeborg Bachmann, Günter Grass, Martin Walser und Elfriede Jelinek mit diesem Preis ausgezeichnet wurden.
All diese Informationen sind zu großen Teilen Maßnahmen, um für Literatur, nun speziell: für die Literatur der Autorin Felicitas Hoppe, zu werben. Die Auszeichnung mit dem Büchner-Preis ist dabei der strategische Gipfel, das höchste Lob der Kritiker eine Garantie für internationale Beachtung – mehr noch: Anerkennung.

Geteilte Ansichten: Zwischen Rezensent und Kritiker

Dass es vorab allerdings noch geteilte Kritiken für Hoppes Werk gab, taucht kaum einmal in den jüngst veröffentlichten Artikeln über die Autorin auf. Dass beispielsweise ihr erster Roman „Pigafetta“ (1999) noch teils „verhalten aufgenommen“ wurde (wie es in einem Artikel von Die Presse.com heißt) oder dass Dieter Wunderlich entgegen der üblichen Begeisterung in einer Rezension von 2004 äußerte, in diesem von einer trostlosen Grundstimmung durchzogenen Roman passiere so gut wie nichts, findet später keine Erwähnung mehr. Warum auch? Schließlich sind die Verfasser meist keine bekannten Literaturkritiker, sondern ‚lediglich‘ engagierte Autoren und Rezensenten, die ihre Leseerfahrungen festgehalten haben. Ebenso fallen die divergenten Lesermeinungen über Felicitas Hoppes zuletzt veröffentlichte ‘Alternativbiografie’ „Hoppe“ (2012) bei perlentaucher.de weniger ins Gewicht als die Aussage des Literaturkritikers Denis Scheck, er möchte vor Jubel einen Flickflack schlagen, so glücklich sei er über die Auszeichnung der Autorin Hoppe.

Bejahende Konformität

Die Anzahl der positiven Äußerungen bezüglich Hoppes Werk und Auszeichnung scheint jede Kritik verstummen zu lassen. Die bejahende Konformität der Informationen über die genannte Autorin mag viele Leser zu einer ebenso bejahenden Grundeinstellung, womöglich auch zum Kauf ihrer Bücher anregen. Das Image der Autorin ist durch den Erhalt des Büchner-Preises gefestigter denn je. Die Entscheidung der Kritiker wird selten angezweifelt – und es bleibt offen, ob einige Journalisten das Äußern von negativer Kritik unterlassen, weil sie fürchten, sich als vermittelnde Instanz selbst zu disqualifizieren oder weil sie meinen, nicht die nötige Erfahrung und das unanfechtbare Wissen zu besitzen, um ihre Stimme gegen jene zu erheben, die als literaturwissenschaftlich versiert, vielbelesen und das literarische Leben prägend gelten – die Kritiker. Abgesehen von Marcel Reich-Ranicki oder Elke Heidenreich mögen da zwar nicht viele Namen bekannt sein; dennoch scheinen die Aussagen hochrangiger Gremien, die Kritiker der deutschen Literaturlandschaft in sich vereinen, eine unangefochtene Suggestivkraft zu besitzen. Denn obwohl eine Zuordnung von Namen und Gesichtern manchmal schwer fällt, sind literaturkritische Aussagen und Entscheidungen doch in allen medialen Bereichen präsent und stetig abrufbar – wie auch am Beispiel von Felicitas Hoppe deutlich wird.

Prinzip der freien Meinungsbildung

Rezipienten sollten sich allerdings darüber bewusst sein, dass auch die Kritiker der deutschsprachigen Literaturlandschaft bloß Menschen mit eigenen Meinungen und Ansichten und nicht zuletzt individuellen literarischen Vorlieben sind, die man weniger als Vorgabe, denn als Empfehlung verstehen sollte. Eine eigene Meinung zu haben ist ein Prinzip, das sich sowohl aus Bestätigung als auch aus Ablehnung speist. Darum bleibt fraglich, ob eine durchweg Lob aussprechende und damit recht einseitige Öffentlichkeitsarbeit, unterstützt und voran getrieben durch einstimmige Berichterstattung, eine Meinungsbildung bzw. kritische Betrachtung fördert oder diese vielmehr – im Sinne wirtschaftlicher Gewinnerzielung – betäubend einschränkt.

Fränze Janetz
Masterstudiengang Germanistik: Literaturwissenschaft und Literaturvermittlung, Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Reputationsmanagement gegen die Schweigesprale

Wie das Internet den Prozess der öffentlichen Meinungbildung verändert

Während die meisten Menschen lieber Vorsicht walten lassen, wenn es darum geht, einem Fremden ihre persönliche Einstellung zu einem brisanten Thema offenzulegen, sind im Internet Millionen von Meinungen zu demselben Thema mit nur einem einzigen Klick aufrufbar. Viele teilen ihre Meinungen mit Unbekannten Online, ohne sich allzu viele Gedanken über die Konsequenzen zu machen. Vor über 30 Jahren, als Elisabeth Noelle-Neumann ihre Theorie der Schweigespirale entwarf, war die Möglichkeit einer Vernetzung derartig vieler Menschen und Meinungen noch weit von der Realität entfernt. Damals war das Fernsehen in Deutschland noch fest in Öffentlich-rechtlicher Hand und unter dem Begriff  `googeln` hätte man zu der Zeit allerhöchstens etwas Unanständiges vermuten können. Reputationsmanagement, also die Überwachung und Beeinflussung eines Rufs wird damit heute auf einer viel breiteren Ebene betrieben.
Wer online Teilöffentlichkeiten nach Meinungsverteilungen durchstöbert, sollte wissen, wie diese im Web 2.0 eigentlich vor sich gehen. Und genau soll dieser Beitrag leisten. Wir gehen zu Beginn von folgenden Annahmen aus:

1. PR ist eine Dienstleistung, die eine günstige öffentliche Meinung schaffen soll.
2. Diese öffentliche Meinungsbildung hängt von Kommunikationsprozessen ab, die sich online anders gestalten als offline.

Nun soll mithilfe von neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Theorie der Schweigespirale  und Meinungsbildungsprozessen im Internet näher gebracht werden, warum 2. zutrifft, und was das für 1. bedeuten kann.

Die Theorie der Schweigespirale

Im Grunde lässt sich die Theorie der Schweigespirale oflgendermaßen zusammenfassen:
Niemand will bei öffentlichen Stellungnahmen zu kontroversen Themen, durch Äußerungen von zahlenmäßig unterlegenen Meinungen von seinen Mitmenschen sozial isoliert werden. Wird eine Dominanz oder aktuelle Zunahme der eigenen Meinung in der Öffentlichkeit wahrgenommen, äußern Menschen ihre Meinung bereitwilliger und zudem enthusiastischer. Im Gegensatz dazu verfallen diejenigen ins Schweigen, die sich in der Minderheit glauben. Auf diese Weise kann eine Schweigespirale entstehen, die eine Minderheitsmeinung dabei unterstützt, die Position der schweigenden Mehrheit aus der Öffentlichkeit zu verdrängen. Ein öffentlich debattiertes Thema muss dabei im Wandel begriffen, also aktuell im öffentlichen Diskurs stehen. Außerdem kann Isolationsfurcht, nur entstehen, wenn eine Meinung oder Einstellung zu einem wertgeladenen Thema geäußert wird. Also muss die aktuelle Diskussion moralisch behaftet sein.Im Internet funktioniert das ganze allerdings ein wenig anders, was auch kein Wunder ist, wenn man sich die Besonderen Interaktions- und Kommunikationsbedingungen des Mediums vor die Augen führt..

Die Schweigespirale und das Internet

Es gibt mehrere Untersuchungen, die nahe legen, dass die negativen sozialpsychologischen Mechanismen, die bei persönlicher Kommunikation, die Redebereitschaft zu moralisch aufgeladenen Themen hemmen können, im Rahmen von Onlinediskussionen eine weitaus geringere Rolle spielen. So wird häufig vermutet, dass eine Abhängigkeit einer eigenen Meinungsäußerung von der wahrgenommenen Meinungsverteilung im Internet nur sehr beschränkt auftreten kann. Im einzelnen wird diese Vermutung durch verschiedene Ursachen belegt. Im Gegensatz zur realen Alltagswelt, herrscht in der virtuellen Welt der Internetforen eine weitgehende Anonymität der Individuen In Diskussionsforen muss man meistens weder ein Profilbild von sich präsentieren, noch muss man seinen richtigen Namen eingeben. Durch diese eingeschränkte Identität ist man für soziale Sanktionen – und damit für die vermeintliche anthropologische Konstante Isolationsfurcht – kaum erreichbar. Und tatsächlich gibt es bereits Ergebnisse, die einen Zusammenhang einer im Internet weniger auftretenden Isolationsfurcht und einer geringeren Hemmschwelle der Redebereitschaft trotz antizipierter Minderheitsmeinung in Internetdiskussionen nahe Legen. Dies kann jemanden dazu bewegen, das Internet lieber als die Realität, als Plattform benutzen,  um sich an angeregten Diskussionen mit Fremden Menschen zu beteiligen. Dennoch schweigt die überwiegende Mehrheit ionim Internet und liest nur still mit. Doch woran liegt es denn, dass Onlinediskussionen als angenehmer empfunden werden, wenn es darum geht, wertgeladene Meinungen freier äußern zu können? Sich zu emören, zu beschwerden, zu warnen oder zu verfluchen? Fehlende soziale, persönliche und Statusmerkmale, die im Alltag mögliche Verläufe von hierarchischen Gesprächssituationen bedingen, schaffen Online oft heterogene Diskussionsgruppen.Doch trotz der geringen Gefahr sozialer Sanktionen gegen eine abweichende Minderheitsmeinung, können Diskussionsteilnehmer dennoch davon abgehalten werden, die eigene Meinung zu veröffentlichen. Kritik oder ablehnende Antworten seitens der anderen Diskussionsteilnehmer, stellen auch online noch eine Isolationsdrohung dar.  Kein Wunder also, dass werden Internetforen wegen ihrer von sozialen Sanktionen weitgehend befreiten Diskussionsatmosphäre, unter politischen Gesichtspunkten von manchen Forschern enthusiastisch als Demokratiefördernd betrachtet werden. Denn wie man weiß, beflügelt nichts so sehr den demokratischen Gedanken, wie ein offener Diskurs. Genauso beflügelt nichts so sehr ein gutes Image wie ein ehrlicher Umgang mit (Online)-Reputation.

Was lässt sich aus diesen Erkenntnissen über veränderte Kommunikationsprozesse im Internet für Öffentlichkeitsarbeit schließen?

Auf alle Fälle ist es bei Krisenkommunikation unbedingt notwendig, am Prozess der öffentlichen Meinungsbildung offen und ehrlich teilzunehmen und nicht zu versuchen, repressives Reputationsmanagement zu bettreiben, das im Internet früher oder später so oder so auffliegt. Dass Internetforen als Teilöffentlichkeiten durchaus eine gewichtige Rolle spielen, geht beispielsweise aus einer Studie von Virtual Identity hervor. Demnach
halten 46% der Finanzanalysten und 45% der Investoren halten einen Einfluss von Meinungen in nutzergenerierten Medien auf den Aktienkurs börsennotierter Unternehmen für sehr wahrscheinlich bzw. Wahrscheinlich. 58% der Kunden und 54% der Jobsuchenden denken, dass Meinungen in nutzergenerierten Medien zukünftig das Bild von Unternehmen in der Öffentlichkeit immer stärker beeinflussen werden. 29% der Kunden verschaffen sich über Foren und Fach-Communities Detailinformationen zu Produkten und Lösungen. 33% der Analysten nutzen Foren und Fach-Communities sehr intensiv, um Detailwissen zu Anlageobjekten zu erhalten
Zur Themenfindung recherchieren 40% der Medienvertreter in Blogs und 39% in Foren und Fach-Communities. Hier wird die zukünftige Relevanz der öffentlichen Meinungsbildung innerhalb von Zielgruppen in Diskussionsforen und sozialen Netzwerken sehr deutlich. Doch Beiträge zu entfernen wird eher einen Streisand-Effekt haben, als positive folgen. Denn nach Einschätzung des Krisenforschungsinstituts Krisennavigator ist nichts schlimmer, als wenn ein Unternehmen, dass durch Probleme in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerät, sich gar nicht äußert oder versucht durch Suchmaschinenoptimierungen Unangenehmes unten zu halten. Es geht auch allerdings nicht darum – und ist morlisch ebenfalls nicht vertretbar, sich als Mitarbeiter eines in Kritik stehenden Unternehmens  in ein Diskussionsforum einzuschleusen, und so zu tun, als wäre man objektiv, um den Meinungsbildungsprozess zu beeinflussen. Das wird nicht ziehen. Zumindest nicht im Internet.

Konstantin Bilozertsev – Studiengang Kommunikationswissenschaft / Otto- Friedrich Universität Bamberg

Mit „Gefällt mir“ zum Erfolg

Facebook ist ungeschlagen das beliebteste soziale Netzwerk der Welt. Jeder 9. von uns Deutschen hat einen Facebook-Account. Logisch, dass auch Prominente, Stars und Sternchen dem Trend nicht fern bleiben. Darunter einer der beliebtesten deutschen Fernsehmoderatoren: Kai Pflaume. Der einstige Liebesbotschafter zählt mit seinen 237.942 virtuellen Fans zu den Top Usern unter den Personen des öffentlichen Lebens.

Zu Gast in der TV-Show von Markus Lanz spricht Pflaume am 10. Mai 2012 über sein Facebookverhalten und was er am „Social Network“ so schätzt.

„Ich nutze Facebook nicht für meine private, soziale Kommunikation. Für mich ist Facebook ein wunderbares Instrument um mit meinen Fans und um mit denen Menschen in Kontakt zu stehen, die sich offensichtlich auch für mich interessieren, denn sonst hätten sie ja auf meiner Seite nicht auf gefällt mir geklickt. Über diese Möglichkeit kann man sich wunderbar austauschen, denn es gibt ein direktes Feedback, man kann Fragen stellen, man bekommt direkt Antworten darauf. Man kann Themen diskutieren (…) – DAS finde ich spannend!“ Zitat: Kai Pflaume

 
Der persönliche Kontakt
Fans wollen ihrem Star, vielleicht sogar Idol, so nah wie möglich sein. Herr Pflaume füttert seine Fans mit persönlichen, herzlichen Grüßen am Morgen sowie Videonachrichten vor dem zu Bett gehen. Er lässt sie an seinem Sportprogram teilhaben genauso wie er sie hinter die Kulissen seiner TV-Show blicken lässt. Dieser heimische, freundschaftliche Umgang mit seinen Fans scheint das Rezept seiner hohen Online-Popularität zu sein.

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Quelle: facebook.com/kaipflaume

Promotion in Social Media
Die Bilder in den Illustrierten, die die Promis in ihren Roben auf dem roten Teppich zeigen reichen nicht mehr aus, um dauerhaft erfolgreich im Showbusiness zu sein. Zeitschriften wie die inTouch wählen nun auch den digitalen Weg, um ihren Lesern die Möglichkeit zu bieten sich online auszutauschen. Ein solches direktes Feedback bekommt auch ein Kai Pflaume auf seiner Facebookseite. Als heutiger Promi muss man im direkten Kontakt mit seinen Fans stehen. In einer stetig wachsenden Community vertreten zu sein ist ein absolutes MUST. Wo kann man mehr Menschen erreichen als im world wide web?

Es geht darum den Star, den Moderator, den Liebling aus dem Fernsehen der breiten Masse zu präsentieren, in einer Form, in der dieser nur gewinnen kann und täglich noch mehr Leute auf „gefällt mir“ klicken. Kann man es ihm verdenken? Das Showgeschäft ist schnelllebig. Es gilt sich am Zeitgeschehen zu orientieren und mitzuwirken. Ein Facebook-Account ist also nur die logische Konsequenz. 
Seine Fans danken es Herrn Pflaume mit Kommentaren wie: „sieht gut aus Kai, die Klamotten stehen Dir auch super aber als Moderator bist du Unschlagbar.“
Quelle: facebook.com/kaipflaume

Lisa Oppermann
Studiengang Kommunikationswissenschaft Otto-Friedrich Universität Bamberg

 

Facebook ade!

Ja, ich habe mein Facebookprofil gelöscht! Es war keine spontane Entscheidung, denn schließlich machte es mir Facebook möglich mit meinen Freunden in Kontakt zu bleiben. Gerade nach meinem Auslandsjahr, als sich die Freundschaften plötzlich über alle Kontinente verteilten, war dieses Angebot natürlich sehr praktisch. Aber der scheinbare Zwang immer von allen alles wissen zu müssen/wollen/sollen und dabei doch nur oberflächlich in Kontakt zu treten, nervte mich der Zeit.
Also bin ich raus – natürlich nicht ohne vorher meine Freundesliste durchzuforsten. Wer wird gelöscht? Wer ist mir wichtig? Habe ich von diesen Leute Kontaktdaten? Es war ein geordneter Rückzug und ich habe ihn nicht bereut.

Warum steigt man aus?

Ich bin nicht die Einzige die aus Facebook ausgestiegen ist. 2010 wurde gar schon das Phänomen Massenausstieg angekündigt. Soweit ist und wird es in nächster Zeit nicht kommen. Trotzdem habe ich auch ein paar Freunde die den selben Schritt getan haben, aus den unterschiedlichsten Gründen. Bei keinem lag es aber daran, dass er oder sie zu den Internetverweigerern zu zählen ist – im Gegenteil, wir verbringen einen großen Teil unserer Zeit im Netz. 
 
Vielleicht ging es einigen so wie Tyson oder wie Ross im folgenden Video:

Sich beruhigen und mal tief durchatmen

Ich kann Silke Burmester in ihrer Forderung nur zustimmen. Ja, wir sollten uns ein bisschen beruhigen und mal tief durchatmen. Ständiger Input macht auf Dauer auch nicht glücklicher. Beim Seminar „PR im Wandel – Medienarbeit in Echtzeit“ – in dessen Rahmen Beiträge in diesen Blog eingepflegt werden – hat Thomas Mavridis erklärt, dass es in der PR sehr darauf ankommt Zuhören zu können.
Ich frage mich aber, wie viele Leute noch dazu im Stande sind bei einer Konferenz, einem Seminar oder einem Kaffee mit einem Freund wirklich konzentriert zuzuhören, ohne sich von ihrem Smartphone ablenken zu lassen? 
 
Facebook ist nicht alles

Ich bin Facebook-Aussteiger, aber kein Social Media Verweigerer. Ich nutze Skype. Xing, Flickr, Youtube und einen Blog. Wenn ich Informationen suche, dann über Google. Meine Emails laufen über einen alternativen Anbieter. Die Zeitung lese ich online. Zum Fernsehen nutze ich die Mediatheken undonline kann ich Radioprogramme aus aller Welt empfangen. Ich habe das Gefühl, dass ich auch ohne Facebook gut informiert bin. Schließlich gibt es auch noch andere Kanäle, um Kontakte zu knüpfen, in Kontakt zu bleiben, Informationen zu finden und auszutauschen. Für mich gehörten Social Media zum Leben dazu, aber ich entscheide inzwischen bewusst, welche Angebote ich nutze.

Ca. 6,2 Millionen 18 – 24 jährige und 6,3 Millionen 25 – 34 jährige sind auf Facebook vertreten. Das sind ca. 90% bzw. ca. 65% der jeweiligen Altergruppe (nach eigene Berechnung aufgrund von Daten von allfacebook.de und dem Statistischen Bundesamt). Das ist ohne Frage ein großer Teil, aber es sind nicht alle. Und nicht alle melden sich tagtäglich auf Facebook an. Es ist also durchaus sinnvoll auch andere Social Media Kanäle zu bedienen bzw. auch die eigene Homepage weiterhin gut zu pflegen, denn für mich ist diese immer noch das Indiz dafür, wie sich ein Unternehmen oder eine Organisation nach außen repräsentiert.

Theresa Bittschi

Studiengang Diplom Geographie, Otto-Friedrich Universität Bamberg