Supermacht Cookies

Viele haben noch nie etwas von ihnen gehört, für Viele sind sie unsichtbar, Viele fürchten sich vor ihnen und Viele empfinden sie als nervig aber unverzichtbar: Cookies. Ohne Cookies würde das Internet, wie wir es kennen nicht funktionieren. Sie speichern unsere Anmeldedaten, registrieren unsere Aktivitäten im Netz und sichern sonstige Informationen über den Nutzern. Ein Beispiel: Ohne Cookies wüssten Onlinehändler nicht, welcher Warenkorb zu welchem Konto gehört, wie die Zahlungen abgewickelt werden, geschweige denn, wohin das Produkt geliefert werden soll. Eine Bestellung wäre somit unmöglich. Cookies sind also auch dazu da, unsere Shopping Bedürfnisse zu stillen. Hört sich doch erst mal ganz gut an.
Genau dieses Speichern von Informationen und Aktivitäten bringt aber auch eine Schattenseite mit sich. Bekannte Internetfirmen wie Google oder Microsoft nutzen diese Informationen, um ein Nutzerprofil zu erstellen. Vom Mensch zur Nummer. Mit jedem einzelnen Klick wird man mehr zum Objekt und Gut der Firmen. Diese verkaufen nämlich die Informationen wiederum an die Onlinehändler, welche also jederzeit Zugriff auf unsere kompletten Aktivitäten im Netz haben. Auf einmal wird logisch, warum mir, nachdem ich gestern ein neues Smartphone gekauft habe, heute die dazu passende Hülle, Kopfhörer, Displayschutzfolie und vieles mehr angeboten wird. Klingt unheimlich? Ist es auch.

Ich starte den Selbstversuch: Ich deaktiviere und blockiere alle Cookies in meinem Browser und starte das Internet neu. Bisher geht alles wie gewohnt, Google lädt und ich kann erfolgreich recherchieren, was mich interessiert. Auch das Streamen von Videos über YouTube ist kein Problem. Selbst bei Amazon kann ich durch das Sortiment stöbern. Ich werde zwar mehrmals dazu aufgefordert, meine Cookies zu aktivieren, lehne allerdings ab. Kann es wirklich so einfach sein, die Internetgiganten dieser Welt auszutricksen?
Ich bin leicht überrascht und gehe eine Stufe weiter. Ich öffne Twitter, um der ganzen Welt von meiner Entdeckung zu berichten. Direkt kommt der Hinweis, dass ich durch die erstmalige Anmeldung bei Twitter Cookies akzeptiert habe und diese aktivieren muss, um den Service zu nutzen. Da bisher ignorieren ein plausibles Mittel war, ändere ich nichts an meiner Strategie und gebe meinen Benutzernamen in das dafür vorgesehene Feld ein. Anschließend schnell das Passwort und „Enter“. Nichts passiert, der Benutzername ist noch da, das Passwort wurde gelöscht. Ein Eingeben ist nicht möglich, die Seite hat automatisch das Feld gesperrt und Twitter somit unbrauchbar gemacht. Gleiches passiert bei meinem Mailanbieter und selbst Amazon funktioniert jetzt nicht mehr.

Google Mail

Ernüchterung tritt ein, gefolgt von der Einsicht, dass diese Seiten auch die Cookies brauchen, um das richtige Konto dem Benutzernamen zuordnen zu können. Eine Benutzung des Internets ohne das freiwillige zur Verfügung stellen der persönlichen Daten ist somit also nicht möglich. Einen Tod muss man sterben. Letztendlich ist das Internet in der heutigen Zeit zu wichtig, um ohne klar zukommen. Ich aktiviere wieder alle Cookies und akzeptiere, mir in nächster Zeit wahrscheinlich eine Hülle für mein Handy zu kaufen, da mir die Eine, welche ich als Werbebanner auf einer Seite angezeigt bekomme, doch sehr gut gefällt. Glücklicherweise war ich nicht der erste Mensch, der versucht hat, sich gegen die Cookies zu wehren. Mittlerweile gibt es viele Programme und Add Ons, wie zum Beispiel „Click&Clean„, die nach jedem Aufruf des Browsers alle gespeicherten Cookies und erstellten Profile löschen.

Leona Bürzle

Kommunikationswissenschaft und Germanistik, Otto-Friedrich-Universität Bamberg

 

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