Zeitfresser Social Media?

Zeitfresser

Sind soziale Netzwerke Zeitfresser? Auch dieses Thema ist ein zweischneidiges. Die Beschäftigung mit Social Media kostet Zeit, kann aber auch Zeit sparen.

Viele Leute, die Social Media misstrauisch von außen beäugen, sagen: Ich habe keine Zeit für solche Spielereien. „Spielereien“ heißt dann, auf Twitter mitzuteilen, dass man sich gerade Kaffee kocht, auf Facebook Bilder von der letzten Party für Freunde zu posten oder aus Neugier mal zu sehen, wer bei XING so dabei ist.

Die Leute, die Social Media als Spielerei abtun, kämpfen in der Regel mit übervollen E-Mail-Postfächern, haben Probleme, mit ihrem Netzwerk in Kontakt zu bleiben und sind von der Informationsflut im Internet überfordert.

Und sie erkennen nicht, dass Ihnen Social Media genau in diesen Punkten helfen kann:

– Kontakte in Sozialen Netzwerken wie XING verwalten und von überall nutzen,
– mit dem gesamten Netzwerk über Statusmeldungen in losem Kontakt bleiben,
– durch das Netzwerk auf interessante Veranstaltungen und Informationen aufmerksam werden,
– sich Internetseiten merken und mit Anmerkungen versehen,
um nur einige Beispiele zu nennen.

Sich mit Social Media zu beschäftigen kostet Zeit. Auch hier braucht es einen Plan. Man muss ein passendes Netzwerk aussuchen, es verstehen und sich dort ein Profil erstellen. Und Misstrauen ist durchaus angebracht. Denn das Internet vergisst nicht. Man muss sich sehr wohl überlegen, weshalb man aktiv werden möchte und was man öffentlich von sich preisgibt. Denn das Internet ist ein öffentlicher Raum, auch wenn leicht der Eindruck entsteht, dass private Profile privat sind. So ist es aber nicht. Es ist eher wie beim Tag der offenen Tür, wo jeder mal vorbeischauen kann. Damit sind wir bei Schmerzpunkt zwei, der Misstrauen auslöst, das Thema Datenschutz. Es gibt die Möglichkeit, Datensichtbarkeit einzuschränken. Aber auch das kostet wieder Zeit. Und bei Facebook beispielsweise überlässt man dem Betreiber Nutzungsrechte an Text-, Bild- und Tonmaterial.

In diesen Punkten beraten zahlreiche Anbieter. Einen kostenfreien Einstieg und Veranstaltungen zum Thema bieten die bundesweiten Geschäftsstellen des Netzwerks elektronischer Geschäftsverkehr.

Meine Vorschläge zum Umgang mit Social Media:

– Die Angebote mit einem konkreten Ziel nutzen und sich nicht treiben lassen. Denn interessante Informationen, die man unbedingt lesen will, finden sich immer.
– Zeit für die Nutzung von Social Media einplanen, z.B. täglich 15 Minuten oder wöchentlich eine Stunde und dann auch wirklich aufhören.
– Hilfsmittel wie den Flock-Browser oder TweetDeck nutzen, um seine Profile auf verschiedenen Netzwerken zentral zu verwalten.
 NEIN sagen können: Mutig in Gruppen gehen oder anderen folgen und konsequent wieder verlassen, wenn man merkt, dass es doch nicht so spannend ist.

Mein Tipp: Gelassen bleiben und sich nicht von dem unendlichen Angebot überwältigen lassen!

Nadja Bungard
PR-Beraterin (DAPR)

Nadja Bungard arbeitet als PR-Beraterin in Berlin für kleine und mittelständische Unternehmen. Zunehmend geht es hier um die attraktive Unternehmenswebseite und Aktivitäten im Social-Media-Bereich. Aufgrund der vielen Fragen bietet sie inzwischen jeden Monat mit zwei Kollegen die Medien-Sprechstunde an. Hier wird in kleiner Runde ein aktuelles Thema vorgestellt, und Unternehmer können ihre Fragen in Sachen PR, Design und Technik ganz direkt loswerden.

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DFB-Elf feiert die WM im Social Web

Bastian_schweinsteiger_twitter

Quelle: http://twitpic.com/22vl6s

Wie war es noch vor wenigen Jahren? Wir sahen die Spiele im Fernsehen, haben die Interviews gesehen und die Kommentare in der Zeitung gelesen. Es war „unsere“ Mannschaft die dort auf dem Platz stand, aber für die Fans nicht „greifbar“ war. Jetzt, in den Zeiten von Social Media, sieht das ganz anders aus: Die Mannschaft twittert, pflegt ihre Facebook Fanseiten oder Profile und lässt die Fans am WM-Leben außerhalb des Stadions teilhaben. Plötzlich sind wir alle ein Teil der ganz großen Mission: Weltmeister 2010!

Der VFB-Stürmer Cacau hat das Social Media-Prinzip von allen DFB-Lickern am besten verstanden. Denn er pflegt seine Facebook Fanseite selbst und bietet Bilder von seinen persönlichen Eindrücken von der WM. Knapp 10.000 Fans verfolgen ihn auf diese Weise – für sie ist es WM hautnah. Peinlich, dass auf der Fanseite des DFB trotz mehr als 150.000 Fans erschreckend wenig passiert. Offensichtlich haben die Spieler selbst die Möglichkeiten des Social Web besser verstanden. Am Generationenproblem kann es kaum liegen, schließlich lässt Sepp Blatter fleißig über seinen Twitter-Account kommunizieren. Die über 48.000 Follower hält er nicht nur über das wichtigste der WM auf dem laufenden, sondern verrät sogar welche Spiele er live verfolgt. Twittern kann der DFB aber auch und grüßt inzwischen 25.000 Fans. Zu Beginn der WM waren lediglich 16.000 Fans an den Neuigkeiten der Deutschen Nationalmannschaft interessiert.

Was haben die Spieler davon?
Die Spieler betreiben Marketing in eigener Sache. Mehr Fans bedeutet mehr Macht und eine deutliche Wertsteigerung der eigenen Marke. Sie werden nicht mehr mit dem typischen Image konfrontiert, dass sie einfach nur Millionäre wären, die ihre Sache durchziehen. Sie nehmen ihre Fans wichtig und auch genau deshalb wirkt die aktuelle Nationalmannschaft so sympathisch. Das die Fans genau auf diese Nähe zur Mannschaft gewartet haben beweisen die Interessenten auf den Plattformen.

Einige Beispiele:

  • DFB-Team über Twitter: ca. 25.000 Follower
  • Fifa über Twitter: ca. 113.000 Follower
  • Deutsche Nationalmannschaft über Facebook: ca. 151.000 Fans
  • Mesut Özil über Facebook: ca. 240.000 Fans
  • Lukas Podolski über Facebook: ca. 130.000 Fans
  • Philipp Lahm über Facebook: ca. 100.000 Fans

Auch wenn der DFB auf Facebook kaum aktiv ist, wurde unter http://team.dfb.de eine Seite zur Verfügung gestellt die nach dem gleichen Schema die Nähe zur Mannschaft vermittelt. Hier werden aktuelle News, Videos und Hintergrundberichte zur Verfügung gestellt und – natürlich – die aktuellen Twitter News.

Benjamin Schier

Master-Student Medienmanagement
an der MD.H MEDIADESIGN HOCHSCHULE für Design und Informatik in München

Mit Netzen fangen – Fünf Thesen zum Umgang von Unternehmen mit Social Media

Social Media hat sich in kurzer Zeit als neuer Kommunikationskanal etabliert, der Unternehmen vor eine Herausforderung stellt. Noch stehen viele Verantwortliche dieser Entwicklung abwartend gegenüber. Eine aktuelle Studie belegt, dass nur ein Drittel der deutschen Unternehmen über eine Social Media-Strategie verfügt. Dabei findet öffentliche Meinungsbildung künftig immer stärker online statt; auch, weil Social Media für viele Journalisten mittlerweile zur Recherchebasis geworden ist. Für die Unternehmen stellen sich damit wichtige Fragen: Wie können meine Zielgruppen in Social Media erreicht und überzeugt werden? Wie können kritische Themen frühzeitig erkannt und gehandhabt werden? Für Kommunikationsverantwortliche wird die Fähigkeit, die Regeln des neuen Kanals Social Media zu erkennen und zu verstehen, zu einer zentralen Voraussetzung für Erfolg. Und für Studierende wird der gelernte Umgang mit diesem Kommunikationsfeld zu einer Chance beim Berufseinstieg. Die folgenden fünf Thesen sollen dabei Hinweise darstellen, wie Unternehmen Produkte, Personen und Positionen in Social Media erfolgreich kommunizieren können.

1. Social Media macht alle gleich.
Die Logik des Netzes zwingt alle zu einer Kommunikation auf Augenhöhe. Hierarchien existieren hier nicht: Organisationen und Unternehmen sprechen auf gleicher Ebene mit einzelnen Personen. Das „neue Netz“ ist brutal demokratisch: Jeder hat eine Stimme und die gleichen Chancen. Jeder darf reden, mitreden, kommentieren und kritisieren. Die Herausforderung liegt im Organisieren von Dialog, nicht (mehr) im Platzieren von Botschaften. Unternehmen sollten daher in Social Media selbstbewusst auftreten, nicht aber selbstgefällig. Wer sich offen in den Dialog begibt, wirkt schnell sympathisch. Kurz: Verhalte dich als Unternehmen in Social Media wie ein Freund, nicht wie ein Chef.

2. Inhalt wird Trumpf.
Social Media ist kein Selbstzweck, sondern ein Kanal, der Inhalte nach einer ganz eigenen Logik befördert. Wer dort erfolgreich sein will, der braucht einen guten Inhalt. Dieser kann in Bildern, Filmen, Spielen, Texten und weiteren multimedialen Aufbereitungen daherkommen. Nur gute, neue Inhalte mit Mehrwert setzen sich durch und werden verlinkt – und nur wer verlinkt wird, findet statt. Ein Unternehmen sollte sich also vor dem ersten Satz überlegen, ob die zu vermittelnde Botschaft relevant ist und in Form und Inhalt zur vorgesehenen Plattform passt. Zwar ist ein guter Inhalt schon immer ein elementarer Bestandteil erfolgreicher Unternehmenskommunikation gewesen, beim Online-Dialog bekommt der Inhalt aber eine neue Relevanz – denn Weghören ist nur einen Klick entfernt.

3. Morgen ist heute schon gestern.
Für Social Media braucht man keinen Fünfjahresplan. Die Interessen und Stimmungen der User können sich in kurzen Intervallen ändern. Relevanz lässt sich im neuen Netz weder planen noch konservieren. Trotzdem kann man sich vorbereiten: Themenpläne für eigene Kanäle und vorgefertigte Argumentationsmuster etwa helfen, die aktive Teilnahme in Social Media zu steuern. Gleichzeitig muss ein Unternehmen, das in Social Media aktiv sein möchte, sich darauf einstellen, seine Handlungen laufend zu überprüfen und anzupassen – und schnell reagieren zu können: Wer mithalten will, muss seine Reaktionsgeschwindigkeit erhöhen. Dies gilt umso mehr im Krisenfall. Denn wer früher spricht, spricht länger mit: Je eher Unternehmen in Diskussionen eingreifen, umso mehr können sie gewährleisten, dass ihr Standpunkt wahrgenommen und in der Meinungsbildung berücksichtigt wird. Dieser Dynamik von Kommunikation und Themenverläufen müssen Unternehmen mit entsprechend angepassten internen Strukturen gegenübertreten: Klare Zuständigkeiten, autorisierte Personen, kurze Abstimmungsschleifen und dauerhaft verfügbare Kapazitäten sind notwendig, um „in Echtzeit“ reagieren zu können.

4. Nie zu spät zur eigenen Party kommen.
Dialog zwischen Unternehmensvertreter und seinem Kommunikations-Berater: „Sollten wir bei Facebook sein?“ – „Das haben schon andere für Sie entschieden.“ Oftmals wissen Unternehmen gar nicht, dass Gruppen zu ihren Themen, ihrer Marke oder ihren Produkten in Social Networks oder anderen Social Media-Plattformen existieren und dort über sie gesprochen wird. Externe Akteure können solche Diskussionen dann verfolgen und sogar mitgestalten – seien es Markenfans, Kritiker oder gar Wettbewerber. Fakt ist: Unternehmen sind immer häufiger in Social Media vertreten, ob sie wollen oder nicht. Entscheidend ist, dass sie es wissen. Daher ist eine Erweiterung des Monitoring um Social Media unabdingbar. So können relevante Gesprächsplattformen und besonders stark vernetzte Akteure identifiziert werden. Damit etablieren Unternehmen ein zuverlässiges Frühwarnsystem für Social Media – und können entscheiden, ob und wie sie reagieren.

5. Social Media erfordert Gelassenheit.
Im neuen Netz ist negatives Feedback unvermeidbar. Die Anonymität des Netzes führt zu verstärkter Kritikfreudigkeit, möglicherweise auch gegenüber Handlungen oder Produkten des jeweiligen Unternehmens. Unternehmen müssen das alles im Blick haben (siehe These 4), aber sie müssen nicht auf alles reagieren. Für die eigene Reaktion gilt: Auch Äußerungen in Social Media sind offizielle Statements. Daher: souverän bleiben, schweigen lernen, Gelassenheit entdecken. Auch, weil Kritik nicht immer Bedrohung ist, jedes Mal aber eine neue Chance: Es kann sich lohnen, das Feedback der User aufzunehmen, möglicherweise führt es tatsächlich zu Optimierungen. Dabei sollten Unternehmen echt, ehrlich und anfassbar auftreten. Transparenz und Authentizität sind Erfolgsfaktoren für die Kommunikation von Unternehmen in Social Media. Denn diese entscheiden, neben dem Inhalt (siehe These 2) mit über Online-Akzeptanz und –reputation des Unternehmens. Das Netz ist nicht dumm: Die User sind sehr sensibel und reagieren allergisch auf versteckte Meinungsmache oder gespielte Gesprächsbereitschaft. In Social Media gilt der Grundsatz: Ehrlich spricht am längsten mit.

Hendrik Gerstung

Der Autor ist PR-Berater bei Scholz & Friends Agenda, Deutschlands „PR-Agentur des Jahres 2009“ (PR Report-Award). Dort betreut er Unternehmen aus der Energie- und Telekommunikationsbranche und koordiniert die Social Media-Aktivitäten am Standort Berlin. Nach Abschluss seines Studiums an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg zum Diplom-Germanist mit Schwerpunkt Journalistik war er als Wirtschaftsredakteur in Abu Dhabi (Vereinigte Arabische Emirate) tätig, bevor er im Juli 2008 zu Scholz & Friends Agenda kam.