Von Freund zu Feind – der neue Instagram Algorithmus

Wir beschäftigen uns hier auf dieser Website in diesem Semester vor allem mit den Schattenseiten des Social Web. Und haben uns mit Cookies, #metoo, Trollen und Realfakes beschäftigt. Doch auch Instagram spielte in unseren Diskussionen immer eine entscheidende Rolle, da wir selbst fast alle User dieser Plattform waren. Doch was ist, wenn man nicht nur normaler User einer Plattform ist und diese zum Spaß nutzt, sondern sein Geld im Social Web verdient? Welche Schattenseiten kann es geben, wenn soziale Plattformen Neuerungen herausbringen, die die Reichweite einschränken. Sind neue Entwicklungen wirklich immer für alle gut?

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Für viele ist Instagram nicht mehr nur Spaß und Zeitvertreib, sondern auch Job und Business. Allein bezogen auf Interaktionen und Aufrufe mit Stories, ist Instagram die klare Nummer eins für Unternehmen und Influencer. Wenn man sich nur auf seine Interaktionen konzentriert und die Entwicklung seit Juni 2016 verfolgt, konnten viele Accounts auf Instagram einen Rückgang bei den Interaktionen feststellen. Dies liegt vor allem an der größten Änderung, die Instagram damals vorgenommen hat. Ein neuer Algorithmus. Aber was ist der neue Algorithmus überhaupt?

Fotos wurden dem Nutzer nicht mehr chronologisch im Feed angezeigt, sondern wurden nach Wichtigkeit sortiert. Die Wichtigkeit setzt sich hierbei vor allem aus „Engagement“, also Interaktion zusammen. Wenn ein Nutzer von einem Account viele Bilder liked, kommentiert und vielleicht sogar private Nachrichten schreibt, wird diesem Account eine höhere Wichtigkeit zugeordnet, als Accounts bei denen das nicht der Fall ist. Das heißt: die Beiträge des Accounts bei dem viel Interaktion des Nutzers vorhanden ist, werden immer oben im Feed angezeigt oder auf der Explore Seite, auf dem Nutzer, die dem Account noch nicht folgen, diesen entdecken und im Idealfall auch folgen können. Das bedeutet gleichzeitig auch, dass dieser Account automatisch mehr Reichweite generieren konnte. Und gerade für Accounts, die mit ihren Fotos Geld auf Instagram verdienen möchten, ist die Reichweite das A und O. Doch bevor das Thema der Reichweite vertieft wird, sollte man sich erstmal fragen, warum Instagram überhaupt den Algorithmus eingeführt hat?

Das basiert auf einem grundlegenden Problem, das Instagram mit steigender Nutzeranzahl bekommen hat. Weltweit hat Instagram momentan über 800 Millionen Nutzer, die natürlich alle fleißig Beiträge posten. Das führte zu einer sehr sehr hohen Beitragsfrequenz die es irgendwie zu verarbeiten galt, da es unmöglich ist, so viele Beiträge auf der Startseite eines Nutzer anzuzeigen. Circa 70% der Beiträge wurden auf der Startseite somit gar nicht mehr wahrgenommen. Nun hatte Instagram zwei Möglichkeiten zu handeln. Entweder den Nutzer in der Beitragsfrequenz limitieren, also dass man nicht mehr einfach so drauf los posten kann, sondern es ein Limit gibt, oder eben die Sortierung der Beiträge verändern. Von chronologisch zu relevant zu sortieren sollte das Nutzererlebnis besser machen. Für den Nutzer ist diese Änderung tatsächlich auch von Vorteil, da nun die beliebten (und auch oft großen) Accounts immer oben angezeigt werden und man nichts mehr verpasst. Doch was ist mit Accounts, die eine geringe Reichweite haben? Wie können die kleinen Fische im „Haifischbecken“ Instagram Beachtung finden?  

Vorerst ist wichtig zu wissen, dass jeder Beitrag eines Accounts nur 10% der Follower auch tatsächlich angezeigt wird. Doch diese 10% sind extrem wichtig, da sie darüber entscheiden wie der Beitrag eingeschätzt wird und welche Reichweite er womöglich generieren kann. Es geht also primär nicht um eine große Followeranzahl, sondern um Engagement, also Interaktion. Finden die 10% der Follower, denen der Beitrag angezeigt wird, diesen so interessant, dass sie liken, kommentieren, teilen und Nachrichten schreiben, generiert der Beitrag eine hohe Reichweite und der Instagram Algorithmus stuft den Beitrag auch als wichtig ein. Es steht und fällt also alles mit den Followern eines Accounts. Deswegen ist es von Vorteil, wenn unter den Followern wenige Ghost Accounts, oder Bots sind, die gar nicht von einem echten Nutzer erstellt worden sind, da diese dem Account auf keinen Fall viel Aufmerksamkeit schenken werden. Um für einen Nutzer möglichst interessant zu wirken gibt es verschiedene Techniken. Zum Beispiel sogenannte Engagement Posts, die den Nutzer dazu anregen sollen in den Kommentaren etwas zu dem Beitrag zu schreiben, jemanden zu verlinken oder irgendeine andere Aktion auszuführen. Auch das aktive nutzen der Instagram Features, wie zum Beispiel Hashtags, Verlinkungen, Gifs und Emojis helfen um bei Instagram als aktiver und relevanter Nutzer eingeschätzt zu werden.

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Doch hilft das alles wirklich?

Leider gehen die Meinungen über den neuen Instagram Algorithmus sehr weit auseinander. Viele Influencer bemerken trotz hoher Eigeninitiative einen Rücklauf der Followerzahlen. Für den normalen Nutzer ist das vielleicht ein bisschen schade, wenn ein paar Follower weniger angezeigt werden, doch gerade für Influencer und Blogger kann eine schwindende Followerzahl auch ein schwindendes Business bedeuten. Insbesondere seit Anfang 2018 scheint der Algorithmus aber Probleme zu bekommen. Immer öfter tauchen bei Nutzern oben im Feed Beiträge auf, die schon mehrere Tage alt sind und auf die unter Umständen schon interagiert worden ist. Neue Posts der Lieblingsaccounts erscheinen hingegen erst Tage später – und sind dann nicht mehr aktuell. Es gibt zwar die Möglichkeit für einzelne Accounts, von denen der Nutzer keinen Beitrag verpassen will, eine Benachrichtigung einzuschalten, aber in Zeiten in denen einen das Smartphone ohnehin schon vom Alltag abhält, ist es unwahrscheinlich, dass das wirklich jeder Nutzer für jeden seiner Lieblingsaccounts macht.

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Unter dem Hashtag #Blank formierte sich nun eine Protestbewegung um der Enttäuschung um die zurückgehende Reichweite Ausdruck zu verleihen. Instagram Nutzer teilen unter dem Bild folgenden Text und wenden sich damit direkt an die Plattform:

Liebes Instagram, wir müssen reden 💬 Um es ganz direkt zu sagen, dein neuer Algorithmus nervt! Wir als Content Ersteller sind frustriert, um es mal sachte auszudrücken. Wir stecken jeden Tag so viel Arbeit, Liebe und Zeit in unsere Accounts, um diese Plattform mit Leben zu erfüllen. Aber mit dem neuen Algorithmus, werden wir stumm gemacht. Wir werden in eine Position gezwungen, in der wir uns fragen müssen, ist es das wirklich noch wert zu bleiben? Wieso sollten wir weiter Content für eine Plattform erstellen, die es uns immer schwieriger und schwieriger macht? Was du vergisst, liebes Instagram, ist dass du von Menschen lebst, die hier ihre Arbeit teilen. Ohne uns, wäre hier alles nur leer.

Die Instagrammer sind bereit sich abzuwenden und eine neue Plattform zu suchen. Da  Sie nicht wollen, dass der Algorithmus die stundenlange Arbeit und Pflege des eigenen Accounts weiterhin egalisiert. Dass der Protest erfolgreich sein wird und Instagram zur chronologischen Reihung der Beiträge zurückkehrt, war von Anfang an extrem unwahrscheinlich. Schließlich beklagen sich Nutzer schon viel länger und intensiver über die Entwicklungen beim Mutterkonzern Facebook und auch dort ändert sich nichts. Obwohl die Erfolgschancen sehr gering waren, erzeugte die Aktion trotzdem eine gewisse Signalwirkung. Wenn Instagram weiterhin aktive Nutzer haben möchte, müssen die Macher aufpassen, dass aus Instagram nicht ein zweites Facebook wird. Es bleibt also weiterhin spannend, wie sich die Plattform und auch seine Nutzer weiterentwickelt.

Von: Mona Bolkart, Studentin der Kommunikationswissenschaft an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg

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Über Social Media Trolle und ihr politisches Potenzial

Nicht erst seit der „Staatsaffäre Böhmermann“ ist bekannt, dass der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sehr bemüht ist seinen Ruf zu wahren, und hierbei auch gerne medienwirksam zu Werke zu gehen. Während in diesem Fall der offizielle Weg über deutsche Gerichte gewählt wurde, ist der türkische Präsident jedoch auch gerne gewillt bei der Wahrung seines Ansehens und der Durchsetzung seines Willens über die Grenzen des Erlaubten zu treten – Staatsmänner, die wider Erdogans Ansichten handeln werden verfolgt oder verjagt, Regime-kritische Journalisten mundtot gemacht oder eingesperrt. Und trotz all dieser demokratiefeindlichen Akte gewinnt Erdogan immer mehr an Zuspruch der Wähler.

800px-Gezi_Park_protestsGezi Park protests; Urheber: Alan Hilditch

Absurde Folgen der Gezi-Proteste

Dies war jedoch nicht immer der Fall. Denn vor allem im Rahmen der Gezi-Proteste 2013 wurden vermehrt Stimmen laut, die sich auch gegen die steigende Macht des damaligen Ministerpräsidenten Erdogans aussprachen. Mittels sozialer Medien mobilisierten sich mehrere Millionen, meist junger liberaler Türken, um gemeinsam auf die Straße zu gehen, frei ihre Meinung zu äußern und den totalitären und islamistischen Trend des Regimes zu beanstanden. Beinahe ironisch mutet es da an, dass ebenjene Proteste dazu führten, dass die Regierung ihren Autoritarismus weiter steigern konnte. Wie von Wikileaks veröffentlichte Mails nämlich belegen, sah die türkische Regierung den Grund für die Größe der Proteste in eben den sozialen Medien. Auch wenn die AKP große Teile der Massenmedien kontrollierte, hätten sie gegen die „Desinformationen“ und „Provokationen“ der Protestierenden nur wenig entgegenzusetzen gehabt – vor allem den sozialen Medien wurde hierbei eine gewisse „Dominanz“ zugeschrieben. Um diese Dominanz zu brechen müsse man nun eine „virtuelle Werkstatt“ einsetzen, welche „Direkt in die virtuelle Welt der Individuen eindringen [müsse], um zu ihrer Stimme, ihrem Übersetzer und Analysten“ zu werden – sprich: die Regierung müsse eine Instanz schaffen, welche soziale Medien nutzt, um die Meinung der Bürger zu bilden. U.a. professionelle Social-Media-Experten, Politik- und Wirtschaftswissenschaftler, Techniker und Grafiker und sogar ehemalige Armeeoffiziere aus dem Gebiet der psychologischen Kriegsführung seien den geleakten Dokumenten nach als staatliche Social-Media Trolle eingesetzt worden, mit der Aufgabe Twitter, Facebook, Bloggs und Co zu nutzen, um mit erfundenen Berichten und Falschmeldungen Stimmung gegen westliche Politiker zu machen, Kritiker zu denunzieren und Erdogan stärken, indem sie Online-Diskussionen lenken und Debatten verzerren. Der Erfolg lässt sich dadurch erklären, dass Menschen ihr Umfeld und die Stimmung darin beobachten und ihre Meinung daran angleichen, um nicht sozial isoliert zu werden, wie es die Theorie der Schweigespirale erläutert.

Vladimir_Putin_met_with_Recep_Tayyip_Erdogan_2016-10-10_08Vladimir Putin met with Recep Tayyip Erdogan 2016-10-10; Quelle: Kremlin.ru

Russland als Vorreiter

Inspiration hierfür holte Erdogan sich vermutlich auch aus Russland. Dort nutzte Wladimir Putin nämlich schon das politische Potenzial sozialer Medien in seiner sogenannten „Internet Research Agency“ für sich und seine Ziele. Wie Lyudmila Savchuk, eine ehemalige Angestellte der staatlichen Trollfabrik in einem Interview mit dem „Spiegel“ verriet, würden in Russland zumeist junge Studenten bezahlt werden, um in Zwölstundenschichten über soziale Kanäle die schlimmen Zustände, in der Europäischen Union anzuprangern, russische Staatsmänner anzupreisen oder Oppositionelle, wie beispielsweise den 2014 ermordeten Regimekritiker Boris Nemzow zu schmähen. Wie in der Türkei auch, handelt es sich bei den verbreiteten Meldungen jedoch so gut wie immer um Falschmeldungen. Wenn man bedenkt, dass sie mit einer Bezahlung von knapp 700€ sogar über dem Monatseinkommen des Durchschnittsrussen liegt, erklärt sich auch wieso die Arbeit als Social-Media-Troll so begehrt ist, und das obwohl die postulierten Nachrichten häufig gar nicht mit den Ansichten der Verbreiter übereinstimmen. Auf die Frage, ob sie denn denke, dass diese Trolle überhaupt Einfluss nähmen, sagte Savchuk: „Absolut. Die Aggressivität und der Hass schwappen in die reale Welt über.“

800px-Vladimir_Putin_&_Donald_Trump_at_APEC_Summit_in_Da_Nang,_Vietnam,_11_November_2017Vladimir Putin & Donald Trump at APEC Summit in Da Nang, Vietnam, 11 November 2017; Quelle: kremlin.ru

Europa als neues Ziel

Und zwar auch in die westliche Welt. Traurigerweise ist es nunmehr schon Alltag in Russland, dass Medien lügen, doch auch über die staatlichen Grenzen hinweg sind russische Trolle im Einsatz, um die Interessen des Kremls zu vertreten. Dies zeigt auch der Fall Lisa. 2016 soll das damals 13-jährige deutsch-russische Mädchen von Flüchtlingen in Berlin entführt und über Stunden hinweg missbraucht worden sein. Der russische Sender „Erster Kanal“ veröffentlichte als einer der ersten einen Beitrag der diese Details enthielt. Ebenjener Beitrag verbreitete sich wie ein Lauffeuer in Deutschland. Katalysator hierbei wieder: die Sozialen Medien und die lenkenden russischen Social-Media-Trolle. In Folge dessen kam es unter anderem zu Demonstrationen, bei denen ein Ende von Merkels Kanzlerschaft gefordert wurde. Wie sich später herausstellte entsprachen die Meldungen ebenfalls nicht der Wahrheit. Zwar gab es die 13-jährige Lisa, und sie verschwand auch zwischenzeitlich, jedoch kam es nie zu einer Entführung, geschweige denn einer Vergewaltigung durch Flüchtlinge. Das Ziel der Medienkampagne und der Arbeit der russischen Trolle war klar: Hass auf, und Angst vor Asylsuchenden in Deutschland schüren, die politische Stimmung beeinflussen und so die Gesellschaft spalten. Wie vermehrt berichtet wurde, sei Putins Manipulationsmaschinerie mittlerweile sogar aktiv an Wahlprozessen beteiligt.  Unter anderem in Europa gewinnt Putin immer mehr Rechtspopulisten, wie den Front-National, die UKIP, oder auch die AfD als Verbündete und unterstütze diese finanziell und mit seinen Social-Media-Trollen. Das Brexit- und das Katalonien-Referendum, ein Verfassungsreferendum in Italien, welches u.a. über eine Neuordnung des Parlaments entscheiden sollte, oder auch die Bundestagswahl in Deutschland seien bereits Opfer russischer Manipulation gewesen. Der bekannteste Fall allerdings dürfte wohl der US-Wahlkampf 2016 sein, der Meldungen zufolge durch russische Trolle und Bots zu Donald Trumps Gunsten manipuliert wurde. Aktuelle von Twitter kommunizierte Zahlen zeigen, dass gut 3800 Konten in Verbindung mit Russland gebracht werden konnten, und von denen während des Wahlkampfes knapp 15.000 Tweets mit Bezug zu ebendiesem verbreitet wurden.

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Social-Media-Trolle als reelle Gefahr

Als Folge der Untersuchung einer möglichen Verbindung von Trumps Wahlkampfteam zu russischen Stellen durch den 2017 eingesetzten Sonderermittler Robert Muller, erhob die US-Justiz nun Anklage wegen gegen russische Staatsbürger und Organisationen wegen der Einmischung in den US-Wahlkampf. Unter anderem der Konspiration, des Betrugs und schweren Identitätsdiebstahls beschuldigt sind ein enger Vertrauter Putins, Yevgeniy Viktorovich Prigozhin, seine Firmen Concord Management and Consulting LLC und Concord Catering, mittels derer er die russischen Trolle mitfinanziert haben soll und Putins staatliche Troll-Fabrik, die Internet Research Agency, selbst. Inwieweit diese Klage Erfolg haben wird, und welche Konsequenzen daraus gezogen werden, bleibt abzuwarten, sie zeigt aber definitiv, dass manche Social-Media-Trolle mehr sind, als nur provokative, aber meist harmlose, User in Chatforen oder den Sozialen Medien, einige vertreten nämlich aktiv die politischen Interessen autoritärer Führer. Und wenn ein solcher nun in der Lage ist, mit einfachsten Mitteln, wie dem Führen von Blogs, oder dem Kommentieren von Posts das nationale und internationale Meinungsklima zu seinem Vorteil zu manipulieren, die Regierungsfindung von Staaten zu beeinflussen, Gesellschaften zu spalten und zu destabilisieren, zeigt das doch deutlich, welchen großen Einfluss Online-Trolle auf unser Leben nehmen können.

 

Georg Höfer

Student der Kommunikationswissenschaft, Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Digital Detox – Weniger Smartphone, mehr Leben

Wir können es einfach nicht lassen. Das Ding brummt und wir springen. Egal wo, egal wann. Besprechung mit dem Chef? Ach, unter dem Tisch sieht er das eh nicht. Am Steuer? Oh, eine neue Nachricht von … RUMMS. Schade, die Laterne hat das Navi gar nicht angesagt.

Immer mehr Menschen verbringen immer mehr Zeit in sozialen Netzwerken. Im Bus, in der Vorlesung, auf der Arbeit – das Smartphone ist überall dabei. Die Handhabung erfolgt bereits wie automatisiert.

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Quelle: Eigene Darstellung

Kritische Stimmen werfen die Frage auf, was das ständige Online-Sein mit uns macht. Eine Studie von Microsoft sorgte im Jahr 2015 für einiges an Furore. Laut der Forscher ist die Aufmerksamkeitsspanne der Menschen von 12 auf 8 Sekunden gesunken. Damit liegen wir hinter dem Goldfisch (!) mit immerhin 9 Sekunden. Die gute Nachricht: Da wir uns täglich durch eine Flut an Informationen wühlen, können wir relevante Inhalte schneller erkennen.

Droht uns der digitale Burnout?

Ulrike Stöckle, Digital Detox Expertin, sieht die Entwicklung kritisch. Aus ihrer Sicht können ständige Erreichbarkeit und Ablenkung zu einer psychischen Belastung werden. Ein sogenannter „digitaler Burnout“ kann die Folge sein. „Wenn ich permanent gestört werde, komme ich gar nicht mehr dazu, konzentriert zu arbeiten“, erklärt sie und fügt hinzu: „Das Schlimme daran ist, wenn man mal nicht gestört wird, dann stört man sich selbst indem man das Handy rausholt.“ Ein Teufelskreis entsteht.

Warum müssen wir IMMER online sein?

Gewohnheit ist nur einer der Gründe für den häufigen Griff zum Smartphone. Wir haben aber auch Angst, etwas zu verpassen. „Der Mensch ist neugierig“, erklärt Stöckle. Hinzu kommt der Wunsch nach Bestätigung. Bleiben Nachrichten oder Likes aus, fragen wir uns: Was ist da los? Soziale Netzwerke spielen eine nicht zu unterschätzende Rolle, meint Stöckle. Den besonderen Anreiz sieht sie in der Gemeinschaft, der Bestätigung und der Möglichkeit, eine andere Identität anzunehmen. Likes auf Instagram oder Facebook lösen ähnliche Glücksgefühle aus wie die Befriedigung stofflicher Süchte.

Tipps für konzentriertes Arbeiten

Um der Onlinesucht zu entkommen setzt die Digital Detox Expertin auf sogenannte Tracking Apps, die das Nutzungsverhalten dokumentieren. Diese zeigen auf einen Blick die tägliche Online-Zeit und wie oft das Gerät entsperrt wurde. Wem das nicht genügt, der kann sich Regeln einstellen. Dadurch könne sich jeder einzelne sein Verhalten bewusstmachen, erklärt Stöckle. Zusätzlich empfiehlt sie, ab und zu komplett offline zu gehen. Solche Phasen werden als „Digital Detox” bezeichnet.

In ihrer Agentur setzt sie dieses Konzept bereits um. „Wir haben beispielsweise stille Zeiten“, erklärt die Inhaberin. „Die Kunden wissen, dass ich dann nicht erreichbar bin. Die Kommunikation ist wichtig, wenn solche Maßnahmen gelingen sollen.“ Bei den Kunden stößt das Modell auf Akzeptanz. „Es ist einfach nur eine Frage der Disziplin und der Regelaufstellung“, sagt Stöckle.

Challenge accepted!

Sich selbst den kontrollierten Umgang mit dem Smartphone beibringen und es auch einmal ganz ausschalten? Geht das so einfach? Motiviert durch meine Recherchen und die Tipps der Expertin wage ich den Selbsttest. Zuerst lade ich mir die Tracking App „Quality Time“ herunter. Ich bin skeptisch: Eine App, die mir helfen soll weniger Zeit mit Apps zu verbringen?

 

Quelle:  Screenshots

Die Anwendung zeigt mir, wie oft ich mein Gerät entsperre, wie lange ich täglich/wöchentlich aktiv bin und wo. Schon nach dem ersten Tag bin ich geschockt von dem Ergebnis. Ich habe insgesamt ca. 1,5 Stunden am Smartphone verbracht. Schwarz auf weiß zu sehen, wie viel Zeit ich im Netz verschwende, hinterlässt Eindruck. In den Tagen darauf, lasse ich mein Smartphone öfter bewusst in der Tasche. Schon an der Bushaltestelle juckt es mich in den Fingern. Die zwei Minuten Wartezeit kommen mir endlos lange vor. Nach einer Weile legt sich dieses Gefühl glücklicherweise. Ich stelle fest, dass ich mich besser auf das Geschehen um mich herum konzentrieren kann.

Ich bin dann mal offline

Angespornt von der positiven Erfahrung, will ich noch einen Schritt weitergehen. Ein ganzer Tag offline. Klingt erst einmal relativ simpel. Als ich überlege, wann ich meinen Detox Day einlegen könnte, wird es aber schon schwieriger. Schließlich entscheide ich mich für einen Sonntag. Etwas wehmütig lege ich mein Smartphone am Vorabend in eine Schublade. Am nächsten Morgen starte ich entspannt in den Tag und widme mich den Aktivitäten, die ich mir vorgenommen habe. Mit Erstaunen stelle ich fest, dass ich tatsächlich produktiver bin. Außerdem spart es Zeit, nicht erst Facebook, Twitter & Co. zu checken. Am Wochenende ist so ein Offline-Tag durchaus machbar. Im Alltag stelle ich mir das schwieriger vor. Freizeitplanung, Gruppenarbeiten, Dozenten E-Mails – es wird erwartet, dass ich erreichbar bin.

Wer ein ultimatives Offline-Erlebnis sucht, der kann an einem sogenannten Digital Detox Camp teilnehmen. Ein sehr … interessantes Bespiel aus den USA gibt es hier zu sehen:

Was erst einmal wie ein großer Kindergeburtstag aussieht, hat einen wahren Kern. Menschen, die sonst zehn Stunden täglich am Bildschirm sitzen, genießen die Natur und die gemeinsame Erfahrung. Auch in Deutschland werden bereits solche digitalen Auszeiten angeboten.

Fazit

Abschließend kann ich sagen, dass ich meinen Digital Detox Day sehr genossen habe. Im Alltag möchte ich mein Smartphone und soziale Medien aber nicht missen. Wie ich im Interview mit der Expertin gelernt habe, muss ich auch nicht komplett darauf verzichten. Entscheidend ist – wie bei so vielen Dingen im Leben – das richtige Maß.

von: Katharina Steinhäuser
Kommunikationswissenschaft, Otto-Friedrich-Universität Bamberg

 

Was interessiert mich eure Realität? – Eskapismus als politisches Problem

Eskapismus – Das ist das, wovor uns unsere Eltern jahrelang beschützt haben, indem sie uns sagten, wir sollten doch lieber mal die Nachrichten schauen, statt uns dieser virtuellen, nicht realen Welt im Smartphone hinzugeben. Beziehungsweise das, wovor unsere Eltern von ihren Eltern beschützt wurden, indem man ihnen riet, ein Buch zu lesen, statt immer nur fernzusehen. Oder eben das, wovor deren Eltern beschützt wurden, indem man sie zum Spielen rausschickte, weil man verhindern wollte, dass sie mithilfe von Romanen der wirklichen Welt entfliehen.

Der Eskapismus, die Flucht vor der Realität mithilfe der Medien, wurde also schon immer gefürchtet. Belächelt aber auch. Denn natürlich gibt es Menschen, die sich völlig in der Kunst, der Computerspielsucht oder den sozialen Netzwerken verlieren. In Maßen ist die Befriedigung solch affektiver Bedürfnisse aber kein Problem, muss sogar sein, um sozial erzeugte Spannungen abzubauen, Abwechslung zum Alltag zu finden oder sich einfach unterhalten zu lassen. Schlimm wird es erst, wenn der Medienkonsum auf ein Level ansteigt, das zu Kontakt- und Kontrollverlust, Prokrastination oder mangelndem Urteilsvermögen führt. Aber selbst der Dichtkunst wurde bereits vorgeworfen, dahingehend ein Risiko darzustellen. Eine kollektive Flucht vor der Wirklichkeit hat es bisher nicht gegeben. Warum sollte das bei den sozialen Medien anders sein?

 

 

Die scheinbar unendliche Masse an Informationen, die darauf warten, kurz über den Bildschirm gescrollt zu werden, hat möglicherweise ein höheres Ablenkungspotenzial als ein Buch oder das lineare Fernsehen. Wer einmal angefangen hat, sich von einem YouTube-Video über die Vorschläge zum nächsten zu klicken, kann damit theoretisch unbegrenzt fortfahren, ohne von „der Realität“ unterbrochen zu werden. Binge-Watching ist – wenn nicht gar zur Tugend – zumindest zum unbedenklichen Hobby geworden.

 

 

Aber das ist nicht der Punkt. Neben der Masse gibt es einen weiteren Aspekt, den die sozialen Netzwerke alleine besitzen: Die Möglichkeit, die Scheinrealität, in die man sich flüchtet, mitzugestalten. Während man sich in Romanen und Serien nur mit dem Helden identifizieren oder Unzulänglichkeiten auf „die Bösen“ projizieren kann, erschafft man in sozialen Netzwerken eine eigene Realität.

Während Binge-Watching zwar bedenklich, die Verwendung von Synonymen juristisch schwierig oder Tweets von angeblichen Müttern über angebliche Aktionen ihrer Kinder (die ausnahmslos K1, K2 und K3 heißen) unter Umständen nervig sind, kann der Eskapismus auch wesentlich bedenklichere Formen annehmen. Der Netflix-Süchtige schadet in erster Linie sich selbst. Er entflieht dem Alltag, den grauenvollen Nachrichten oder seinen persönlichen Problemen. Das ist nicht harmlos, für ihn selbst sogar schädlich, für die Gesellschaft ist er aber im schlimmsten Falle nutzlos.

Flieht man allerdings nicht vor der Nachrichten-, sondern vor der politischen Realität und endet die Flucht nicht bei Netflix, sondern bei gab.ai oder anderen Netzwerken auf denen Propaganda und Agitation betrieben werden, ist das für die Allgemeinheit durchaus von Belang. Die alternativen Fakten in der Filterblase werden zur alternativen Realität. Die neuen Medien bergen diesbezüglich ein riesiges Potenzial: Verschwörungstheoretiker, politische oder religiöse Extremisten bestätigen sich gegenseitig in ihren Weltsichten, organisieren sich und können in kürzester Zeit ihre Fake News verbreiten.

 

 

Das Löschen von Posts, Tweets etc. ist entweder nicht erlaubt oder bestärkt genannte Personen nur in ihren Ansichten. Das einzige, was helfen könnte, die Entwicklung einer virtuellen Parallelgesellschaft zu verhindern, ist wohl oder übel die Gegenrede. Es gilt zu zeigen, dass die Realität nicht beliebig gestaltet werden kann, dass Fake News eben solche sind und ihre Verbreiter Unrecht haben und nicht die einzigen mit einer Meinung sind. Zumindest auf Netzwerken, die sich nicht nur an bestimmte Minderheiten richten…

 

 

…ist es möglich, einen Beitrag gegen den politisch gefährlichen Eskapismus zu leisten. Auch wenn es definitiv legitim und notwendig ist, der Realität gelegentlich zu entfliehen, ist es wohl hilfreich, immer wieder zurückzukehren und sich nicht, wie in der Vergangenheit einige Politiker, rauszuhalten oder gar in gleicher Manier wie die „Realitätsverweigerer“ abzuschotten.

 

 

Bastian Rosenzweig
Kommunikationswissenschaft, Soziologie, Philosophie
Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Social Media Trends 2015 – Ein Jahr voller Herausforderungen

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Wir haben viel erlebt. Das vergangene Jahr war eine Lawine der Social Media Veränderungen. Ellen Degeneres legte Twitter mit einem Selfie lahm, das Hashtag wird quasi zum Symbol der Jugendkultur, Handyfotos sind jetzt quadratisch und die sozialen Netzwerke schaffen immer neue Berufssparten, vom Social Media Marketer bis zum Community Manager. Doch wie soll die Reise weitergehen? Wohin führt uns die Entwicklung der sozialen Medien? Welche Herausforderungen erwarten uns 2015?

Content, Content, Content…

2014 hat uns mit all seinen Kanälen vor allem eines gemacht: Hunger. Wir sind auf den Geschmack gekommen und wurden alle zu gierigen Verzehrern verschiedensten Contents. Ob wir die News unserer Vorbilder auf Facebook lesen, Instagram-Aufnahmen unserer favorisierten Markenprodukte ein Herz stiften oder sogar als Konzern unsere B2B Beziehungen über soziale Medien zu erweitern wünschen. Wir alle wollen Content!

Trotz unserer Gier nach Neuigkeiten ist unser Hunger 2015 nicht einfach mehr nur mit Fast Food zu befriedigen. Schnelle Postings mit geringer Individualität sättigen uns nicht mehr so wie früher. Nach einem ganzen Jahr haben wir uns zu medialen Gourmets entwickelt.

Genau dieser Umstand soll vermutlich einer der größten Trends für Marketer weltweit werden. Content-Strategien müssen weiter verfeinert werden. Die einfache Infografik spricht nicht länger die immer stärker informierten Communities an und so gewinnt der Dialog zwischen Unternehmen und Fangemeinde an immenser Bedeutung. Es wird Marken dazu bringen nicht mehr nur die breite, große Masse zu sehen, sondern stärker auf die individuellen Bedürfnisse von kleineren Community-Untergruppen einzugehen. Kurzum 2015 führt uns weg vom Sammeln der Fans wie Briefmarken, hin zur aktiven Community die aktiv die Entwicklung von Unternehmen und Content mitbestimmt.

Weg von Facebook? Weg von Twitter? Wir wollen mehr Freiheit für Unternehmen!

Es ist davon auszugehen, dass wir 2015 auch Zeugen der Emanzipation von Unternehmen sein werden. Facebook lässt immer wieder die Muskeln spielen, ändert seine AGB, schlägt Microsoft und Apple ein Schnippchen und kauft sich seine Medienlandschaft zusammen. Das hat schon 2014 für erste Aufschreie gesorgt, die allerdings noch zu leise waren. Geht man aber davon aus, dass Facebook aufgrund seiner geradezu bedrohlichen Größe neue mediengewandte Generationen abschreckt und immer mehr der alten Hasen sich abmelden, müssen Unternehmen und Marken reagieren. Dazu kommt, dass jedes soziale Medium seine eigenen Regeln macht und damit spürbar die Freiheit von Marketingstrategien einzelner Unternehmen beschneidet. Wer werben will, muss auch immer mehr zahlen, so lautet die Devise. Zwar ist die Mehrheit an Unternehmen 2015 bereit ihre Budgets für Online-Marketing aufzustocken, allerdings kommen damit auch ganz neue Strategien infrage. Das installieren eigener Content-Plattformen zum Beispiel.

Es ist also davon auszugehen, dass Unternehmen 2015 sich neue, stärker selbstbestimmte Wege suchen werden, ihren Content an die Rezipienten zu bringen.

„Brands will rebel against social algorithms continuing to push branded content from organic to paid, and instead, build off-platform content experiences and owned channels to grow their audience on their own terms.“  Shafqat Islam / Mashable

Die Unvorhersehbaren, sie kommen bestimmt!

Jedes Jahr werden wir Zeugen eines Internetphänomens, eines neuen Trends und gerade in Zeiten in denen Startups aus dem Boden schießen wie giftige Pilze, ist damit auch jede gut gewartete Kristallkugel überfordert. Ihre Vorhersage ist schlicht und ergreifend nicht möglich. Was allerdings möglich ist, ist das eingrenzen von Themengebieten.

Wir erlebten 2014 eine Blüte der Foto-Communities. Der Einfluss von Instagram war so groß, dass er auch für Portale wie Pinterest oder den guten alten Tumbler einen Anstieg an Nutzern brachte. Plötzlich teilte jeder Bilder und begann sich mit diesen aktiv zu identifizieren und darzustellen.

Gleichzeitig musste es aus unseren Lautsprechern schallen. Musikplattformen wie Spotify werden immer massiver genutzt und führen sogar dazu, dass sich einige Künstler auf die gute alte CD bei der Veröffentlichung ihrer Alben beschränken z.B. unser Social Media Profi Taylor Swift. Andere wiederum setzen auf Itunes und schmuggeln ihre neuen Songs kostenlos auf neue Apple-Endgeräte. Dass das für U2 in einem Fiasko endete, sei erstmal ausgeblendet.

Der springende Punkt ist, dass wir davon ausgehen können, dass uns Fotografie und Musik weiter stark in den sozialen Medien begleiten werden, ihr Entwicklungspotential allerdings recht begrenzt scheint. Wir haben inzwischen schon einiges gesehen!

Was fehlt also noch? Richtig, das Video! Zugegeben, richtig neu ist das Video für alte Youtube Hasen nicht, aber seine Nutzbarkeit im Marketing war immer wieder umstritten. Wir können inzwischen allerdings einen interessanten Trend verfolgen. Immer mehr Unternehmen greifen Youtube an, das mit seinen AGBs manchmal doch äußerst mühsam wirkt. Wir konsumieren immer mehr auf Vimeo und wer hätte es gedacht, auch die Videos auf Instagram und Facebook nehmen gewaltig zu. Das führt zum einen dazu, dass Plattformen wie Youtube in Zugzwang geraten sich weiterzuentwickeln und neue innovative Konzepte vorzustellen. Auf der anderen Seite öffnet dies sämtlichen Community-Konzepten die sich auf Videos fokussieren Tür und Tor.. Zu diesen neuen sozialen Communities zählen Video-On-Demand-Plattformen genauso wie Werbe- oder Trailerportale. Ein wachsendes und interessante Konzept für einen neuen Community-Ansatz bietet das Unternehmen flimmer.de aus Berlin. Bereits 2012 als Idee aus der Taufe gehoben, bietet die Seite ein Konzept, dass 2015 richtig abheben könnte. Das Portal bezahlt seine User für das Konsumieren von Trailern, bietet einen Video-On-Demand-Dienst, sowie einen eigenen Shop der den fleißigen Trailer-Konsumenten mit Prämien belohnt. Dazu sind die filmischen Größen Roland Emmerich und Marco Kreuzpaintner die Väter der Idee.

Es gilt also 2015 vor allem die Augen nach revolutionären Ideen mit bisher wenig genutzten Medienformaten zu beobachten

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Das beste kommt zum Schluss!

Neben neuen Herausforderungen beim Erstellen von Content, unvorhersehbaren Entwicklungen im Social Media Sektor und stärkerer Interaktion zwischen Rezipient und Kommunikator wird 2015 vermutlich vor allem ein Jahr der technischen Innovation. Wir suchen stetig nach neuen Herausforderungen und Strategien, um mittels Marketing alles aus unserer sozialen Medien herauszupressen. Mit der Entwicklung von immer stärker ausgereiften technischen Kommunikationsmitteln, verlieren wir aber auch zusehends den Vorsprung vorm Rezipienten. Unsere Fans rücken in ihrer technischen Ausstattung sowie dem eigenen Know-How immer mehr an uns vermeintliche Meinungsmacher heran. Das bedeutet folglich, dass wir 2015 als den Beginn einer neuen Sorgfalt sehen müssen. Es reicht nicht länger den Praktikanten Twitter überwachen zu lassen oder die Sekretärin jeden Tag eine Stunde vor Facebook zu setzen. Wir müssen beginnen, uns an Profis zu wenden. Journalisten und Redakteure müssen in die Pflicht genommen werden, ansprechende Beiträge zu generieren, deren Mehrwert über die bloße Werbung oder Imagepflege hinaus geht.

Der Weg, der 2015 vor uns liegt ist definitiv nicht gepflastert mit einer Fülle an neuen Portalen, allerdings gilt es jetzt zu lernen, wie wir das bereits bekannte endlich miteinander vernetzen, um eine höchstmögliche Qualität zu erzeugen und uns nach der einzig wichtigen Größe in Social Media zu orientieren:

Dem Like, Follower und Nutzer; alles in Allem der Community. 

Sören März
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Kommunikationswissenschaft / Kunstgeschichte

So twittern deutsche Fußballstars

Die internationale Titeljagd geht weiter. Doch geht es ausnahmsweise nicht um den Sieg der Champions League oder darum, sich Deutscher Meister nennen zu dürfen. Diesmal konkurrieren die deutschen Fußballstars um Follower in den Sozialen Netzwerken, vor allem auf Twitter.

Nicht mehr nur im Fußball, sondern auch Stars im Web. Tagtäglich posten die Sportler über ihr Leben neben Spieltagen und zwischen zahlreichen Trainingseinheiten und halten so ihre Fans auf dem Laufenden.

Am beliebtesten ist dabei die Seite von Twitter.

Twitter ist die wichtigste Plattform für Spieler und Clubs, wenn es darum geht, mit Fans zu interagieren. Und das in Echtzeit! Der Fakt, dass alle Clubs der 1. Und 2. Fußball-Bundesliga Twitter konstant nutzen, spricht für sich. (Paul Keuter, Head of Sports, Twitter Deutschland)

Über ihre Reichweite im Web können alle Spieler selbst bestimmen. Besonders aktiv sind vor allem die jungen Spieler und Nachwuchstalente, doch auch die der Deutschen Fußball Nationalmannschaft. Mario Götze, Marco Reus, Mats Hummels, Manuel Neuer. Alles große Namen – inzwischen auch, was die Arbeit im Web 2.0 betrifft. Vor allem der Spruch des Nationaltorhüters des Coca Cola-Werbespots macht derzeit die Runde, der mindestens genauso bekannt geworden ist, wie Neuer selbst.

Doch wie nutzen eigentlich die deutschen Fußballstars die Plattform Twitter? Viel können sie dabei gar nicht falsch machen, da Twitter zahlreiche Möglichkeiten bietet. Doch eines müssen sie beachten: Die Posts müssen authentisch wirken. Der Kommunikationskanal lebt von seinen Inhalten. Je mehr Bilder, desto mehr Gefallen. Am besten kommen Selfies direkt aus der Kabine an, sei es auch mal mit der Bundeskanzlerin, Frau Angela Merkel. Eine besondere Ehre, die vor allem durch die Impressionen der WM 2014 in Erinnerung bleibt. (Hier von Steffen Seibert, Sprecher der Bundesregierung, gepostet)

Doch wie schaut es wirklich mit der Authentizität der Nationalspieler aus? Wer twittert selbst? Gibt es PR-Manager, die die Spieler unterstützen?
Der Großteil der Fußballspieler postet auf seinem Account selbst. Ein gutes Beispiel ist André Schürrle, namhafter Stürmer der Deutschen Fußball Nationalmannschaft und des englischen Premier Ligisten Chelsea FC.

Andrés Twitter-Account wird vordergründig nicht als Werbefläche verwendet und auch nicht vermarktet. Er hält das Soziale Netzwerk sehr persönlich und direkt, nutzt die Plattform als Möglichkeit, mit Fans und Freunden zu kommunizieren und gibt diesen die Möglichkeit auch neben dem Fußballplatz Eindrücke von seinem Leben zu bekommen.

Insbesondere Posts aus dem Privatleben der Profis sind es, die die Follower interessiert, denn so können Nutzer und Fans eine persönliche Verbindung zu ihrem Idol aufbauen, während sie immer auf dem Laufenden gehalten werden.

Über diese Nachricht des Borussen Marco Reus haben sich die BVB-Fans ganz besonders gefreut. Auch, weil diese von Woodyinho persönlich kam.

Der Kontakt zu den Fans gehört inzwischen zum Beruf eines Fußballers. Auch Mats Hummels beantwortet Fragen seiner Fans ganz persönlich auf seinem Twitter Kanal.

Sehr häufig sieht man die Fußballstars im deutschen Fernsehen. Es folgen zahlreiche Werbeaufträge, die weiter auch im Netz verbreitet werden. Aufrufe, die beispielsweise über Sponsoren gesteuert werden. Doch die Spieler, wie auch André Schürrle, sind hierbei frei in der Aussage und Ausgestaltung ihrer Posts. Wenn nicht, dann gibt‘s zumindest private Vorschläge. Macht sie doch sympathisch, unsere Jungs.

Doch nicht nur internationale Turniere sind Anlass, sich mit den Fans in Verbindung zu setzen.

Schon schön, wenn am Wochenende wieder die #Bundesliga läuft… (Manuel Neuer via Twitter, 23.08.2014)

Am Freitag startete der 15. Spieltag der 1. Fußball Bundesliga mit dem Duell zwischen der TSG 1899 Hoffenheim und Eintracht Frankfurt. Der FC Bayern München trifft auf den FC Augsburg, Borussia Dortmund ist zu Besuch bei Hertha BSC Berlin.

Mit großer Spannung wird nicht nur den Partien entgegengefiebert, auch die Welt der Sozialen Medien und die gesamte Fußballgemeinde freut auf Posts und Kommentare der deutschen Profis. Wer veröffentlicht Eindrücke aus dem Flugzeug oder dem Mannschaftsbus? Wer zwitschert zuerst aus der Kabine? Wir sind gespannt!

Sabrina Kleinhuber
Institut für Kommunikationswissenschaft
Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Nachtrag

Doch einen Spieler darf man nicht vergessen! Ganz groß im Rennen ist der Stürmer der Deutschen Fußball Nationalmannschaft, unser Lukas Podolski, der sich auch gerne mal mit jeweiligen Ländersprachen beschäftigt, wenn ein Auswärtsspiel stattfindet.

Mehr aus Poldis Leben könnt Ihr hier entdecken und seinem Alltag zwischen Tweets, Retweets, Stiftungen, aber vor allem auch persönlicher Unterhaltung folgen. Mein #FollowThursday geht an den Kölner-Jung‘.

SocialMedia addicted: Wie #fashionblogger einem helfen kann, seine berufliche Richtung zu finden

Soziale Medien: der Begriff definiert sich von selbst. Medien sind sozial, sie verbinden Gesellschaften. Und zwar genau die, die im Web 2.0 von Facebook, Twitter, Instagram und weiteren bekannte Seiten tagtäglich in ihren Bann gezogen werden. „Hauptsächlich, um auf dem neuesten Stand zu sein, was das eigene Umfeld betrifft“, so die Devise zu Facebook über den Inhalt, der Social Media ausmacht.

„Der sozialen Medienwelt mitteilen, was angesagt und der aktuelle Trend ist“, so Instagram. Aufgeteilt in alle Richtungen an Eindrücken und Sachverhalten, aktuellen Themen und Trends bietet vor allem die Bilderplattform Instagram für Millionen von Nutzern die Möglichkeit, in eine Welt voller Fotos und Momente einzutauchen, verbreitet durch sogenannte Hashtags.

Das #-Zeichen, das die digitale Welt v.a. im Jahr 2013/14 anführt. Es entwickeln sich öffentliche Trends aus banalen Themen, von allgemein #food bis hin zu #lunch. Posts, die basierend auf diesen Hashtags auf der ganzen Welt geteilt (shared) und verbreitet werden. Auf einmal ist im Web 2.0 am interessantesten, was zu Mittag gegessen wird oder noch vielmehr wie der Kaffee am Nachmittag aussieht. Es entsteht das Bedürfnis, der digitalen Welt an seinem routinierten Alltag via diese Bilder teilhaben zu lassen. Und siehe da, eine Vielzahl an Followern interessiert sich für genau diese Art von Bildern.

Übertrumpft wird dieser Trend dann, wenn zweimal jährlich die weltweiten Modewochen anstehen. Von Paris bis Sidney, von haute couture bis prêt-à-porter. Fashionblogger auf der ganzen Welt berichten von ihrer Teilnahme an den Modeschauen der einzelnen Designer. Unzählige Bilder, Blogposts und Videos von Runway-Shows der ganz Großen. [MBFW]

Eine Sache darf dabei natürlich nicht fehlen, die passenden Hashtags.
Alle Beträge, sei es von professionellen Agenturen oder einfach von Menschen, deren große Leidenschaft die Welt der Mode und Social Media sind, werden mit wenigen Zeichen verlinkt.

#fashionblogger, einer der meist verlinkten Tags (dt. Anhänge, Markierungen) mit Millionen von Ergebnissen. Hat dieser Tag tatsächlich solch eine Bedeutung oder ist es bloß ein weiterer Hype im Internet, der v.a. Mädchen dazu verleitet, noch mehr Zeit hinter dem Smartphone oder Tablet zu verbringen?

Als Mode- und Lifestyle- interessierte, selbst bloggende Userin kann ich dazu nur sagen: Mir hat #fashionblogger sogar dazu verholfen, mich endgültig für meine berufliche Richtung zu entscheiden, folgend meiner Affinität zu Mode und der dauerhaft verbrachten Zeit in den Sozialen Netzwerken.

Mehrmals täglich durchstöbere ich die Seiten von inzwischen namhaften Bloggerinnen, die selbst Soziale Netzwerke verwenden, um ihren Bekanntheitsgrad zu erweitern. Durch regelmäßig veröffentlichte Bilder kann man ihren Arbeitsalltag nach verfolgen und sie selbst machen auf sich aufmerksam. Eines der meiner Meinung nach besten Beispiele sind die Werbung für die Luxussachen.com von Valeria Schneider und ihren Onlineshop oder das erst kürzlich gelaunchte Buch Cologne’s Got Style by Henriette Frädrich und Lena Terlutter. Schon ihren Boutique Belgique – Concept Store und BB Loves in Köln entdeckt? Auch sie nutzt mehrmals täglich die Social Media Kanäle und vermarktet auf diese Weise erfolgreich ihren eigenen Modeladen und inspiriert Modebegeisterte mit ihren unterschiedlichsten Outfits des Tages.

Good Morning #allpastels #today Jacket from #boutiquebelgique

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Gibt man #fashionblogger in der Suche auf Instagram ein, so werden einem 4,450,158 Beiträge [Stand 28.10.2014] vorgeschlagen und unterteilt in weitere Rubriken, wie #fashionblogger_de oder #fashionbloggeritalia mit weiteren 5000 Fotos.
Bilder, die mein Herz höher schlagen lassen und mich über Stunden hinweg inspirieren.

Versunken in die Welt der Modebranche wird man auf die Vielzahl von Fashionbloggern aufmerksam. Jeder teilt seine Trends; es entsteht eine Community aus Profis, aber auch Laien, wie mich, die einfach großes Interesse zeigen und selbst mit der Zeit immer aktiver werden. Man wird auf Firmen, Agenturen, Showrooms aufmerksam, bekommt Einblicke in die Arbeit des Fashion Editors.

Andere arbeiten täglich in genau diesem Themenbereich, während ich einen Großteil meiner Freizeit damit verbringe? Mir wurde bewusst, dass auch ich die Möglichkeit habe, aus meinem Hobby einen Beruf machen zu können. Beginnend bei Stellenausschreibungen für Praktika. Mir fällt auf, dass neben den theoretisch verlangten Pflichten die Anforderungen, wie Affinität zur Mode, regelmäßige Recherche im Modebereich, und vieles mehr, genau meinem Bewerberprofil entspricht und ich professionell weiter Erfahrungen sammeln möchte, mit gutem Ausblick und weiteren Einblicken in die Modebranche.

Eine persönliche Story, die sich so schnell hoffentlich keinem Ende neigt und mit dem kleinen, aber bedeutsamen Wort #fashionblogger begonnen hat.

Sabrina Kleinhuber
Institut für Kommunikationswissenschaft
Otto-Friedrich-Universität Bamberg