Von Freund zu Feind – der neue Instagram Algorithmus

Wir beschäftigen uns hier auf dieser Website in diesem Semester vor allem mit den Schattenseiten des Social Web. Und haben uns mit Cookies, #metoo, Trollen und Realfakes beschäftigt. Doch auch Instagram spielte in unseren Diskussionen immer eine entscheidende Rolle, da wir selbst fast alle User dieser Plattform waren. Doch was ist, wenn man nicht nur normaler User einer Plattform ist und diese zum Spaß nutzt, sondern sein Geld im Social Web verdient? Welche Schattenseiten kann es geben, wenn soziale Plattformen Neuerungen herausbringen, die die Reichweite einschränken. Sind neue Entwicklungen wirklich immer für alle gut?

people-2570925_960_720

Für viele ist Instagram nicht mehr nur Spaß und Zeitvertreib, sondern auch Job und Business. Allein bezogen auf Interaktionen und Aufrufe mit Stories, ist Instagram die klare Nummer eins für Unternehmen und Influencer. Wenn man sich nur auf seine Interaktionen konzentriert und die Entwicklung seit Juni 2016 verfolgt, konnten viele Accounts auf Instagram einen Rückgang bei den Interaktionen feststellen. Dies liegt vor allem an der größten Änderung, die Instagram damals vorgenommen hat. Ein neuer Algorithmus. Aber was ist der neue Algorithmus überhaupt?

Fotos wurden dem Nutzer nicht mehr chronologisch im Feed angezeigt, sondern wurden nach Wichtigkeit sortiert. Die Wichtigkeit setzt sich hierbei vor allem aus „Engagement“, also Interaktion zusammen. Wenn ein Nutzer von einem Account viele Bilder liked, kommentiert und vielleicht sogar private Nachrichten schreibt, wird diesem Account eine höhere Wichtigkeit zugeordnet, als Accounts bei denen das nicht der Fall ist. Das heißt: die Beiträge des Accounts bei dem viel Interaktion des Nutzers vorhanden ist, werden immer oben im Feed angezeigt oder auf der Explore Seite, auf dem Nutzer, die dem Account noch nicht folgen, diesen entdecken und im Idealfall auch folgen können. Das bedeutet gleichzeitig auch, dass dieser Account automatisch mehr Reichweite generieren konnte. Und gerade für Accounts, die mit ihren Fotos Geld auf Instagram verdienen möchten, ist die Reichweite das A und O. Doch bevor das Thema der Reichweite vertieft wird, sollte man sich erstmal fragen, warum Instagram überhaupt den Algorithmus eingeführt hat?

Das basiert auf einem grundlegenden Problem, das Instagram mit steigender Nutzeranzahl bekommen hat. Weltweit hat Instagram momentan über 800 Millionen Nutzer, die natürlich alle fleißig Beiträge posten. Das führte zu einer sehr sehr hohen Beitragsfrequenz die es irgendwie zu verarbeiten galt, da es unmöglich ist, so viele Beiträge auf der Startseite eines Nutzer anzuzeigen. Circa 70% der Beiträge wurden auf der Startseite somit gar nicht mehr wahrgenommen. Nun hatte Instagram zwei Möglichkeiten zu handeln. Entweder den Nutzer in der Beitragsfrequenz limitieren, also dass man nicht mehr einfach so drauf los posten kann, sondern es ein Limit gibt, oder eben die Sortierung der Beiträge verändern. Von chronologisch zu relevant zu sortieren sollte das Nutzererlebnis besser machen. Für den Nutzer ist diese Änderung tatsächlich auch von Vorteil, da nun die beliebten (und auch oft großen) Accounts immer oben angezeigt werden und man nichts mehr verpasst. Doch was ist mit Accounts, die eine geringe Reichweite haben? Wie können die kleinen Fische im „Haifischbecken“ Instagram Beachtung finden?  

Vorerst ist wichtig zu wissen, dass jeder Beitrag eines Accounts nur 10% der Follower auch tatsächlich angezeigt wird. Doch diese 10% sind extrem wichtig, da sie darüber entscheiden wie der Beitrag eingeschätzt wird und welche Reichweite er womöglich generieren kann. Es geht also primär nicht um eine große Followeranzahl, sondern um Engagement, also Interaktion. Finden die 10% der Follower, denen der Beitrag angezeigt wird, diesen so interessant, dass sie liken, kommentieren, teilen und Nachrichten schreiben, generiert der Beitrag eine hohe Reichweite und der Instagram Algorithmus stuft den Beitrag auch als wichtig ein. Es steht und fällt also alles mit den Followern eines Accounts. Deswegen ist es von Vorteil, wenn unter den Followern wenige Ghost Accounts, oder Bots sind, die gar nicht von einem echten Nutzer erstellt worden sind, da diese dem Account auf keinen Fall viel Aufmerksamkeit schenken werden. Um für einen Nutzer möglichst interessant zu wirken gibt es verschiedene Techniken. Zum Beispiel sogenannte Engagement Posts, die den Nutzer dazu anregen sollen in den Kommentaren etwas zu dem Beitrag zu schreiben, jemanden zu verlinken oder irgendeine andere Aktion auszuführen. Auch das aktive nutzen der Instagram Features, wie zum Beispiel Hashtags, Verlinkungen, Gifs und Emojis helfen um bei Instagram als aktiver und relevanter Nutzer eingeschätzt zu werden.

mobile-2598295_960_720

Doch hilft das alles wirklich?

Leider gehen die Meinungen über den neuen Instagram Algorithmus sehr weit auseinander. Viele Influencer bemerken trotz hoher Eigeninitiative einen Rücklauf der Followerzahlen. Für den normalen Nutzer ist das vielleicht ein bisschen schade, wenn ein paar Follower weniger angezeigt werden, doch gerade für Influencer und Blogger kann eine schwindende Followerzahl auch ein schwindendes Business bedeuten. Insbesondere seit Anfang 2018 scheint der Algorithmus aber Probleme zu bekommen. Immer öfter tauchen bei Nutzern oben im Feed Beiträge auf, die schon mehrere Tage alt sind und auf die unter Umständen schon interagiert worden ist. Neue Posts der Lieblingsaccounts erscheinen hingegen erst Tage später – und sind dann nicht mehr aktuell. Es gibt zwar die Möglichkeit für einzelne Accounts, von denen der Nutzer keinen Beitrag verpassen will, eine Benachrichtigung einzuschalten, aber in Zeiten in denen einen das Smartphone ohnehin schon vom Alltag abhält, ist es unwahrscheinlich, dass das wirklich jeder Nutzer für jeden seiner Lieblingsaccounts macht.

Bildschirmfoto 2018-03-16 um 19.17.07

Unter dem Hashtag #Blank formierte sich nun eine Protestbewegung um der Enttäuschung um die zurückgehende Reichweite Ausdruck zu verleihen. Instagram Nutzer teilen unter dem Bild folgenden Text und wenden sich damit direkt an die Plattform:

Liebes Instagram, wir müssen reden 💬 Um es ganz direkt zu sagen, dein neuer Algorithmus nervt! Wir als Content Ersteller sind frustriert, um es mal sachte auszudrücken. Wir stecken jeden Tag so viel Arbeit, Liebe und Zeit in unsere Accounts, um diese Plattform mit Leben zu erfüllen. Aber mit dem neuen Algorithmus, werden wir stumm gemacht. Wir werden in eine Position gezwungen, in der wir uns fragen müssen, ist es das wirklich noch wert zu bleiben? Wieso sollten wir weiter Content für eine Plattform erstellen, die es uns immer schwieriger und schwieriger macht? Was du vergisst, liebes Instagram, ist dass du von Menschen lebst, die hier ihre Arbeit teilen. Ohne uns, wäre hier alles nur leer.

Die Instagrammer sind bereit sich abzuwenden und eine neue Plattform zu suchen. Da  Sie nicht wollen, dass der Algorithmus die stundenlange Arbeit und Pflege des eigenen Accounts weiterhin egalisiert. Dass der Protest erfolgreich sein wird und Instagram zur chronologischen Reihung der Beiträge zurückkehrt, war von Anfang an extrem unwahrscheinlich. Schließlich beklagen sich Nutzer schon viel länger und intensiver über die Entwicklungen beim Mutterkonzern Facebook und auch dort ändert sich nichts. Obwohl die Erfolgschancen sehr gering waren, erzeugte die Aktion trotzdem eine gewisse Signalwirkung. Wenn Instagram weiterhin aktive Nutzer haben möchte, müssen die Macher aufpassen, dass aus Instagram nicht ein zweites Facebook wird. Es bleibt also weiterhin spannend, wie sich die Plattform und auch seine Nutzer weiterentwickelt.

Von: Mona Bolkart, Studentin der Kommunikationswissenschaft an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg

MerkenMerken

Advertisements

Facebook Ländervergleich – Latest Stats

Flashback 2009: Bei der Betrachtung der Landkarte der jeweiligen Social-Media-Marktführer fällt auf: sie ist bunt. Ziemlich bunt. Namen wie VKontakte, Orkut, Lidè, Zing und Maktoob scheinen in einzelnen Ländern so beliebt zu sein wie Popcorn im Kino. Sieht man sich diese Karte heute an, findet man von den damals 17 noch so beliebten Netzwerken gerade noch vier. Genauer gesagt: drei kleine und ein großes, die Landkarte ist blau – facebook-blau! Die einzigen einwohnerreichen Länder, in denen sich der blaue Riese noch nicht an Nummer eins befindet, sind Russland und China, wobei zumindest in China die Abstinenz des Marktführers gewissen Restriktionen geschuldet ist. Facebook ist Trumpf. Mehr denn je. Und deshalb gilt es auch für Unternehmen, diesen Kanal zu nutzen, um mit den (potentiellen) Kunden in Kontakt zu treten.

Die Kennzahlen zu einzelnen Ländern ermöglichen einen Vergleich der Marketing-Relevanz und –Umsetzung.

Zunächst werden die Nutzerzahlen untersucht: Hier sind die letzten verlässlichen, weil direkt von facebook veröffentlichten Zahlen von Juni 2013. Sie stimmen mit den aktuellen Zahlen sicher nicht überein. Für eine Gegenüberstellung sind sie allerdings durchaus dienlich.

Die größte facebook-community findet sich demzufolge in den USA (168 Mio. Nutzer); auf den Plätzen zwei und drei befinden sich Brasilien (76 Mio.) und Indien (72 Mio.). Deutschland liegt mit 26 Mio. monatlich aktiven Nutzern, was etwa einem Drittel der Gesamtbevölkerung entspricht, auf Platz 11. Wie bereits angesprochen, fehlen unter den ersten 15 einige der bevölkerungsreichsten Länder der Erde: China und Russland. Zurückzuführen ist dies in China auf die staatliche Zensur, in Russland auf das Vorhandensein des sozialen Netzwerks VKontakte, das sich in Russland sehr großer Beliebtheit erfreut.


Quelle

Um die Beliebtheit von facebook zu untersuchen, werden die Nutzerzahlen in Relation zur Internetnutzerzahl des jeweiligen Landes gesetzt. Auch hier datiert die neueste, vollständige Studie (ausgewertet in Form einer Infografik) mit dem Jahr 2011 bereits weiter in der Vergangenheit. Die vorliegenden aktuellen Daten einzelner Länder lassen aber darauf schließen, dass die Zahlen gleichmäßig nach oben zu korrigieren sind und so trotz der fehlenden Aktualität zum Vergleich herangezogen werden können. Der Studie von Mashable zufolge ist facebook mit jeweils knapp 70% der Internetnutzer in den USA, Italien, Großbritannien und Australien am beliebtesten. Deutschland befindet sich hier mit etwa 55% auf Platz acht. Gerade diese Statistik ist für Marketer besonders interessant: ein größerer Prozentsatz bedeutet eine größere Erreichbarkeit der Bevölkerung und gleichzeitig meist eine größere Altersspanne der Nutzer. So ist es in Ländern mit höheren Anteilen sinnvoller, für bestimmte Produkte (z.B. Haushaltswaren und Nahrungsmittel, die eher die Generation 35+ Ansprechen) zu werben.

Der nächste Punkt, der aus marketingtechnischer Sicht auf facebook von höchster Relevanz ist, ist die Beliebtheit der mobilen Nutzung. Diese beeinflusst nicht zuletzt die Formate von Smartphone-optimierten Werbeanzeigen. Dabei steigen die Zahlen mobiler Nutzer von Jahr zu an. Wie auch bei den anderen Statistiken zeigen sich einige länderspezifische Unterschiede.

Quelle

Was zusätzlich noch untersucht werden kann, ist die Verweildauer in sozialen Netzwerken. Da facebook hier Marktführer ist, können wir davon ausgehen, dass ein Großteil dieser Zeit auch dort verbracht wird. Die Daten, die die vorliegende Studie liefert, sind aber aufgrund der jüngsten Entwicklungen mit Blick auf die Aktualität zu hinterfragen: So ist der Wert, der bei der Türkei angegeben wird wegen der politischen Entwicklungen dort (Twitter-Bann 2012, etc.), äußerst kritisch zu betrachten.

Was vor allem für Marketer interessant sein dürfte: Eine Facebook Werbeanzeige kostet nicht immer gleich viel: Auf den verschiedenen Kontinenten gibt es merkliche Differenzen bei der CPC-Rate (Cost-Per-Klick). Darüber, ob die Unterschiede hier von der Masse der Werbeanzeigen, der Erfolgsrate, dem Nutzerverhalten oder anderen Faktoren abhängen kann letztlich nur spekuliert werden. Feststeht: Es gibt Unterschiede und diese sind deutlich:

Quelle 

Tobias Liegl

DHBW Ravensburg – WIN 313

(Dies ist der erste von drei Beiträgen von Tobias Liegl. Entstanden ist er im Rahmen der Lehrveranstaltung „Internationales Management“ von Thomas Mavridis an der DHBW, Campus Ravensburg. Der zweite Beitrag „Mobile Facebook-Werbung“ wird am 27. Februar 2015 veröffentlicht. Am 2. März 2015 geht es um „Single Pages vs. Global Pages“.)