Digital Detox – Weniger Smartphone, mehr Leben

Wir können es einfach nicht lassen. Das Ding brummt und wir springen. Egal wo, egal wann. Besprechung mit dem Chef? Ach, unter dem Tisch sieht er das eh nicht. Am Steuer? Oh, eine neue Nachricht von … RUMMS. Schade, die Laterne hat das Navi gar nicht angesagt.

Immer mehr Menschen verbringen immer mehr Zeit in sozialen Netzwerken. Im Bus, in der Vorlesung, auf der Arbeit – das Smartphone ist überall dabei. Die Handhabung erfolgt bereits wie automatisiert.

Grafik Stunden
Quelle: Eigene Darstellung

Kritische Stimmen werfen die Frage auf, was das ständige Online-Sein mit uns macht. Eine Studie von Microsoft sorgte im Jahr 2015 für einiges an Furore. Laut der Forscher ist die Aufmerksamkeitsspanne der Menschen von 12 auf 8 Sekunden gesunken. Damit liegen wir hinter dem Goldfisch (!) mit immerhin 9 Sekunden. Die gute Nachricht: Da wir uns täglich durch eine Flut an Informationen wühlen, können wir relevante Inhalte schneller erkennen.

Droht uns der digitale Burnout?

Ulrike Stöckle, Digital Detox Expertin, sieht die Entwicklung kritisch. Aus ihrer Sicht können ständige Erreichbarkeit und Ablenkung zu einer psychischen Belastung werden. Ein sogenannter „digitaler Burnout“ kann die Folge sein. „Wenn ich permanent gestört werde, komme ich gar nicht mehr dazu, konzentriert zu arbeiten“, erklärt sie und fügt hinzu: „Das Schlimme daran ist, wenn man mal nicht gestört wird, dann stört man sich selbst indem man das Handy rausholt.“ Ein Teufelskreis entsteht.

Warum müssen wir IMMER online sein?

Gewohnheit ist nur einer der Gründe für den häufigen Griff zum Smartphone. Wir haben aber auch Angst, etwas zu verpassen. „Der Mensch ist neugierig“, erklärt Stöckle. Hinzu kommt der Wunsch nach Bestätigung. Bleiben Nachrichten oder Likes aus, fragen wir uns: Was ist da los? Soziale Netzwerke spielen eine nicht zu unterschätzende Rolle, meint Stöckle. Den besonderen Anreiz sieht sie in der Gemeinschaft, der Bestätigung und der Möglichkeit, eine andere Identität anzunehmen. Likes auf Instagram oder Facebook lösen ähnliche Glücksgefühle aus wie die Befriedigung stofflicher Süchte.

Tipps für konzentriertes Arbeiten

Um der Onlinesucht zu entkommen setzt die Digital Detox Expertin auf sogenannte Tracking Apps, die das Nutzungsverhalten dokumentieren. Diese zeigen auf einen Blick die tägliche Online-Zeit und wie oft das Gerät entsperrt wurde. Wem das nicht genügt, der kann sich Regeln einstellen. Dadurch könne sich jeder einzelne sein Verhalten bewusstmachen, erklärt Stöckle. Zusätzlich empfiehlt sie, ab und zu komplett offline zu gehen. Solche Phasen werden als „Digital Detox” bezeichnet.

In ihrer Agentur setzt sie dieses Konzept bereits um. „Wir haben beispielsweise stille Zeiten“, erklärt die Inhaberin. „Die Kunden wissen, dass ich dann nicht erreichbar bin. Die Kommunikation ist wichtig, wenn solche Maßnahmen gelingen sollen.“ Bei den Kunden stößt das Modell auf Akzeptanz. „Es ist einfach nur eine Frage der Disziplin und der Regelaufstellung“, sagt Stöckle.

Challenge accepted!

Sich selbst den kontrollierten Umgang mit dem Smartphone beibringen und es auch einmal ganz ausschalten? Geht das so einfach? Motiviert durch meine Recherchen und die Tipps der Expertin wage ich den Selbsttest. Zuerst lade ich mir die Tracking App „Quality Time“ herunter. Ich bin skeptisch: Eine App, die mir helfen soll weniger Zeit mit Apps zu verbringen?

 

Quelle:  Screenshots

Die Anwendung zeigt mir, wie oft ich mein Gerät entsperre, wie lange ich täglich/wöchentlich aktiv bin und wo. Schon nach dem ersten Tag bin ich geschockt von dem Ergebnis. Ich habe insgesamt ca. 1,5 Stunden am Smartphone verbracht. Schwarz auf weiß zu sehen, wie viel Zeit ich im Netz verschwende, hinterlässt Eindruck. In den Tagen darauf, lasse ich mein Smartphone öfter bewusst in der Tasche. Schon an der Bushaltestelle juckt es mich in den Fingern. Die zwei Minuten Wartezeit kommen mir endlos lange vor. Nach einer Weile legt sich dieses Gefühl glücklicherweise. Ich stelle fest, dass ich mich besser auf das Geschehen um mich herum konzentrieren kann.

Ich bin dann mal offline

Angespornt von der positiven Erfahrung, will ich noch einen Schritt weitergehen. Ein ganzer Tag offline. Klingt erst einmal relativ simpel. Als ich überlege, wann ich meinen Detox Day einlegen könnte, wird es aber schon schwieriger. Schließlich entscheide ich mich für einen Sonntag. Etwas wehmütig lege ich mein Smartphone am Vorabend in eine Schublade. Am nächsten Morgen starte ich entspannt in den Tag und widme mich den Aktivitäten, die ich mir vorgenommen habe. Mit Erstaunen stelle ich fest, dass ich tatsächlich produktiver bin. Außerdem spart es Zeit, nicht erst Facebook, Twitter & Co. zu checken. Am Wochenende ist so ein Offline-Tag durchaus machbar. Im Alltag stelle ich mir das schwieriger vor. Freizeitplanung, Gruppenarbeiten, Dozenten E-Mails – es wird erwartet, dass ich erreichbar bin.

Wer ein ultimatives Offline-Erlebnis sucht, der kann an einem sogenannten Digital Detox Camp teilnehmen. Ein sehr … interessantes Bespiel aus den USA gibt es hier zu sehen:

Was erst einmal wie ein großer Kindergeburtstag aussieht, hat einen wahren Kern. Menschen, die sonst zehn Stunden täglich am Bildschirm sitzen, genießen die Natur und die gemeinsame Erfahrung. Auch in Deutschland werden bereits solche digitalen Auszeiten angeboten.

Fazit

Abschließend kann ich sagen, dass ich meinen Digital Detox Day sehr genossen habe. Im Alltag möchte ich mein Smartphone und soziale Medien aber nicht missen. Wie ich im Interview mit der Expertin gelernt habe, muss ich auch nicht komplett darauf verzichten. Entscheidend ist – wie bei so vielen Dingen im Leben – das richtige Maß.

von: Katharina Steinhäuser
Kommunikationswissenschaft, Otto-Friedrich-Universität Bamberg

 

Advertisements

Facebook: Single Pages vs. Global Pages

Seit einigen Monaten bietet facebook die Möglichkeit auch sog. Global Pages zu erstellen. Um den Sinn dahinter zu verstehen betrachten wir zunächst die herkömmlichen facebook-Seiten, so wie sie bisher von vielen Unternehmen genutzt werden (im Folgenden: Single-Pages). Amazon, Subway und viele mehr greifen darauf zurück verschiedene Seiten für die einzelnen Länder anzulegen und tun dies nach dem System der Parent-Child-Konfiguration: Für die wichtigsten Länder gibt es spezielle Seiten (Children), für alle anderen eine große internationale Seite (Parent). Dem Nutzer steht es dabei zu freien Verfügung auf welche dieser Seiten er zugreifen möchte und wo er sein Like setzen will.

Warum aber das ganze? Wie in den letzten beiden Posts (hier und hier) bereits erläutert gibt es zwischen den einzelnen auf facebook gravierende Unterschiede. Diese sind allerdings nicht nur statistischer Natur. Um auf diese Unterschiede optimal eingehen zu können legen die Firmen dann verschiedene Seiten an. Hier ein Beispiel:

 

Gezeigt werden die Header ausgewählter Single-Pages von Subway und Amazon. Bei der Betrachtung fällt auf, dass unterschiedliche Farben, Titelbilder und sogar Logos verwendet werden. Der gravierendste Unterschied findet sich bei Subway Brasil im Vergleich mit der Parent Seite von Subway: Anderes Logo, andere Farben, einmal Slogan, einmal nicht, anderes Titelbild und sogar eine andere Seitenkategorie. Alles um sich perfekt auf die diversen Märkte auszurichten.

Das Problem dabei: Was wenn sich der potentielle Fan und damit auch Kunde für die falsche Seite entscheidet? Darauf haben Subway und Amazon auf diesem Weg keinen Einfluss.

Genau dieses Problem sollen die Global Pages lösen: Dabei wird der facebook-Nutzer direkt auf die jeweilige Seite seines Geo-Raumes geleitet und bekommt die anderen Seiten garnicht zu Gesicht außer er wählt dies beabsichtigt in den Einstellungen aus:

 

Klingt nach einer netten Sache, besonders weil die Fans kumuliert angezeigt werden. Was natürlich toll aussieht, aber nur wenn mans auch richtig macht: CocaCola legte beispielsweise Ende 2014 14 Unter-Seiten ihrer Global Page an. Diese blieben außer dem setzen von Profil- und Titelbild bis Ende Januar ziemlich jungfräulich und die Nutzer aus diesen 14 Ländern wurden bei der Suche nach der absoluten Top Brand in einen Luftleeren Raum mit 93 Millionen Fans geleitet! Mit Indien war sogar einer der größten Märkte auf facebook (und überhaupt) auch unter diesen 14 vertreten:

Tobias Liegl

DHBW Ravensburg – WIN313

Mobile Facebook Werbung? – Unverzichtbar!

Bezug nehmend auf den Post Latest Facebook Stats möchte ich heute noch etwas weiter ins Detail gehen: Dort habe ich bereits die Zahl der mobilen Nutzer angesprochen. Doch was sagen uns diese Länderzahlen eigentlich darüber aus, ob es in einem Land Sinn macht die Werbeanzeigen für mobile Endgeräte zu optimieren? Richtig – erstmal garnichts, schließlich sind es nur absolute Zahlen.

Um herauszufinden wie beliebt die mobile Nutzung in den jeweiligen Ländern ist müssen wir uns eines Tricks bedienen, um nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen: Vorliegend sind (wie hier schon erwähnt) die Gesamtnutzerzahlen jedes Landes (2013). Zusätzlich liegen ebenfalls die geschätzten mobilen Nutzer 2015, sowie die weltweite Gesamtnutzerzahl 2015 vor. Um die beiden Statistiken vernünftig in Relation setzen zu können multiplizieren wir die Zahlen 2013 mit dem Faktor 1,3 (=130%). Dies simuliert den Anstieg der Nutzerzahlen von Juni 2013 bis Januar 2015. Folgend werden die Zahlen der mobilen Nutzer durch die hochgerechneten Gesamtnutzerzahlen dividiert und wir erhalten einen Wichtigkeitsindex. Unschärfen (z.B. Länderunterschiede) bleiben zwar bestehen, da die Auswertung aber nur einen ungefähren Eindruck von der Wichtigkeit der mobilen Nutzung in den Ländern vermitteln soll, sind Abweichungen von ca. fünf Prozentpunkten hier ohne Weiteres zu tolerieren. Die Auswertung des gerade beschrieben Indexes ergibt, dass in Indien mit einem Index von 1,08 die Tendenz zur mobilen Nutzung am höchsten ist. Indonesien erhält mit 0,88 ebenfalls einen hohen Wert. Die Länder UK, Brasilien, USA, Deutschland und Mexiko liegen mit Werten um die 0,5 auf den folgenden Plätzen.

Macht es nun für Marketer Sinn auf mobile facebook Werbung zurückzugreifen?

Aus dem Index können wir ablesen, dass ca. die hälfte der deutschen facebook-Nutzer auch regelmäßig in den mobilen Apps unterwegs ist, das bedeutet in absoluten Zahlen: ca. 15 Mio. Deutsche können durch Werbeanzeigen, mit denen man sogar den Standort der Nutzer anzielen kann (zusätzlich Geschlecht, Alter, Affinitäten, etc.) erreicht werden. Aufgrund der enormen Breite dieses Kanals – bei praktisch fast komplett abstinenten Streuverlusten – ist das mobile Targeting, also das schalten von mobil optimierten Werbeanzeigen, auch in Deutschland trotz eines vergleichsweise geringen Indexes von 0,5 auf keinen Fall zu vernachlässigen!

Tobias Liegl

DHBW Ravensburg – WIN313

(Dies ist der zweite von drei Beiträgen von Tobias Liegl. Entstanden ist er im Rahmen der Lehrveranstaltung „Internationales Management“ von Thomas Mavridis an der DHBW, Campus Ravensburg. Der erste Beitrag Facebook Ländervergleich“ erschien am 26. Februar 2015. Am 2. März 2015 geht es um „Single Pages vs. Global Pages“.)

Facebook Ländervergleich – Latest Stats

Flashback 2009: Bei der Betrachtung der Landkarte der jeweiligen Social-Media-Marktführer fällt auf: sie ist bunt. Ziemlich bunt. Namen wie VKontakte, Orkut, Lidè, Zing und Maktoob scheinen in einzelnen Ländern so beliebt zu sein wie Popcorn im Kino. Sieht man sich diese Karte heute an, findet man von den damals 17 noch so beliebten Netzwerken gerade noch vier. Genauer gesagt: drei kleine und ein großes, die Landkarte ist blau – facebook-blau! Die einzigen einwohnerreichen Länder, in denen sich der blaue Riese noch nicht an Nummer eins befindet, sind Russland und China, wobei zumindest in China die Abstinenz des Marktführers gewissen Restriktionen geschuldet ist. Facebook ist Trumpf. Mehr denn je. Und deshalb gilt es auch für Unternehmen, diesen Kanal zu nutzen, um mit den (potentiellen) Kunden in Kontakt zu treten.

Die Kennzahlen zu einzelnen Ländern ermöglichen einen Vergleich der Marketing-Relevanz und –Umsetzung.

Zunächst werden die Nutzerzahlen untersucht: Hier sind die letzten verlässlichen, weil direkt von facebook veröffentlichten Zahlen von Juni 2013. Sie stimmen mit den aktuellen Zahlen sicher nicht überein. Für eine Gegenüberstellung sind sie allerdings durchaus dienlich.

Die größte facebook-community findet sich demzufolge in den USA (168 Mio. Nutzer); auf den Plätzen zwei und drei befinden sich Brasilien (76 Mio.) und Indien (72 Mio.). Deutschland liegt mit 26 Mio. monatlich aktiven Nutzern, was etwa einem Drittel der Gesamtbevölkerung entspricht, auf Platz 11. Wie bereits angesprochen, fehlen unter den ersten 15 einige der bevölkerungsreichsten Länder der Erde: China und Russland. Zurückzuführen ist dies in China auf die staatliche Zensur, in Russland auf das Vorhandensein des sozialen Netzwerks VKontakte, das sich in Russland sehr großer Beliebtheit erfreut.


Quelle

Um die Beliebtheit von facebook zu untersuchen, werden die Nutzerzahlen in Relation zur Internetnutzerzahl des jeweiligen Landes gesetzt. Auch hier datiert die neueste, vollständige Studie (ausgewertet in Form einer Infografik) mit dem Jahr 2011 bereits weiter in der Vergangenheit. Die vorliegenden aktuellen Daten einzelner Länder lassen aber darauf schließen, dass die Zahlen gleichmäßig nach oben zu korrigieren sind und so trotz der fehlenden Aktualität zum Vergleich herangezogen werden können. Der Studie von Mashable zufolge ist facebook mit jeweils knapp 70% der Internetnutzer in den USA, Italien, Großbritannien und Australien am beliebtesten. Deutschland befindet sich hier mit etwa 55% auf Platz acht. Gerade diese Statistik ist für Marketer besonders interessant: ein größerer Prozentsatz bedeutet eine größere Erreichbarkeit der Bevölkerung und gleichzeitig meist eine größere Altersspanne der Nutzer. So ist es in Ländern mit höheren Anteilen sinnvoller, für bestimmte Produkte (z.B. Haushaltswaren und Nahrungsmittel, die eher die Generation 35+ Ansprechen) zu werben.

Der nächste Punkt, der aus marketingtechnischer Sicht auf facebook von höchster Relevanz ist, ist die Beliebtheit der mobilen Nutzung. Diese beeinflusst nicht zuletzt die Formate von Smartphone-optimierten Werbeanzeigen. Dabei steigen die Zahlen mobiler Nutzer von Jahr zu an. Wie auch bei den anderen Statistiken zeigen sich einige länderspezifische Unterschiede.

Quelle

Was zusätzlich noch untersucht werden kann, ist die Verweildauer in sozialen Netzwerken. Da facebook hier Marktführer ist, können wir davon ausgehen, dass ein Großteil dieser Zeit auch dort verbracht wird. Die Daten, die die vorliegende Studie liefert, sind aber aufgrund der jüngsten Entwicklungen mit Blick auf die Aktualität zu hinterfragen: So ist der Wert, der bei der Türkei angegeben wird wegen der politischen Entwicklungen dort (Twitter-Bann 2012, etc.), äußerst kritisch zu betrachten.

Was vor allem für Marketer interessant sein dürfte: Eine Facebook Werbeanzeige kostet nicht immer gleich viel: Auf den verschiedenen Kontinenten gibt es merkliche Differenzen bei der CPC-Rate (Cost-Per-Klick). Darüber, ob die Unterschiede hier von der Masse der Werbeanzeigen, der Erfolgsrate, dem Nutzerverhalten oder anderen Faktoren abhängen kann letztlich nur spekuliert werden. Feststeht: Es gibt Unterschiede und diese sind deutlich:

Quelle 

Tobias Liegl

DHBW Ravensburg – WIN 313

(Dies ist der erste von drei Beiträgen von Tobias Liegl. Entstanden ist er im Rahmen der Lehrveranstaltung „Internationales Management“ von Thomas Mavridis an der DHBW, Campus Ravensburg. Der zweite Beitrag „Mobile Facebook-Werbung“ wird am 27. Februar 2015 veröffentlicht. Am 2. März 2015 geht es um „Single Pages vs. Global Pages“.)

Social Media Trends 2015 – Ein Jahr voller Herausforderungen

Header3

Wir haben viel erlebt. Das vergangene Jahr war eine Lawine der Social Media Veränderungen. Ellen Degeneres legte Twitter mit einem Selfie lahm, das Hashtag wird quasi zum Symbol der Jugendkultur, Handyfotos sind jetzt quadratisch und die sozialen Netzwerke schaffen immer neue Berufssparten, vom Social Media Marketer bis zum Community Manager. Doch wie soll die Reise weitergehen? Wohin führt uns die Entwicklung der sozialen Medien? Welche Herausforderungen erwarten uns 2015?

Content, Content, Content…

2014 hat uns mit all seinen Kanälen vor allem eines gemacht: Hunger. Wir sind auf den Geschmack gekommen und wurden alle zu gierigen Verzehrern verschiedensten Contents. Ob wir die News unserer Vorbilder auf Facebook lesen, Instagram-Aufnahmen unserer favorisierten Markenprodukte ein Herz stiften oder sogar als Konzern unsere B2B Beziehungen über soziale Medien zu erweitern wünschen. Wir alle wollen Content!

Trotz unserer Gier nach Neuigkeiten ist unser Hunger 2015 nicht einfach mehr nur mit Fast Food zu befriedigen. Schnelle Postings mit geringer Individualität sättigen uns nicht mehr so wie früher. Nach einem ganzen Jahr haben wir uns zu medialen Gourmets entwickelt.

Genau dieser Umstand soll vermutlich einer der größten Trends für Marketer weltweit werden. Content-Strategien müssen weiter verfeinert werden. Die einfache Infografik spricht nicht länger die immer stärker informierten Communities an und so gewinnt der Dialog zwischen Unternehmen und Fangemeinde an immenser Bedeutung. Es wird Marken dazu bringen nicht mehr nur die breite, große Masse zu sehen, sondern stärker auf die individuellen Bedürfnisse von kleineren Community-Untergruppen einzugehen. Kurzum 2015 führt uns weg vom Sammeln der Fans wie Briefmarken, hin zur aktiven Community die aktiv die Entwicklung von Unternehmen und Content mitbestimmt.

Weg von Facebook? Weg von Twitter? Wir wollen mehr Freiheit für Unternehmen!

Es ist davon auszugehen, dass wir 2015 auch Zeugen der Emanzipation von Unternehmen sein werden. Facebook lässt immer wieder die Muskeln spielen, ändert seine AGB, schlägt Microsoft und Apple ein Schnippchen und kauft sich seine Medienlandschaft zusammen. Das hat schon 2014 für erste Aufschreie gesorgt, die allerdings noch zu leise waren. Geht man aber davon aus, dass Facebook aufgrund seiner geradezu bedrohlichen Größe neue mediengewandte Generationen abschreckt und immer mehr der alten Hasen sich abmelden, müssen Unternehmen und Marken reagieren. Dazu kommt, dass jedes soziale Medium seine eigenen Regeln macht und damit spürbar die Freiheit von Marketingstrategien einzelner Unternehmen beschneidet. Wer werben will, muss auch immer mehr zahlen, so lautet die Devise. Zwar ist die Mehrheit an Unternehmen 2015 bereit ihre Budgets für Online-Marketing aufzustocken, allerdings kommen damit auch ganz neue Strategien infrage. Das installieren eigener Content-Plattformen zum Beispiel.

Es ist also davon auszugehen, dass Unternehmen 2015 sich neue, stärker selbstbestimmte Wege suchen werden, ihren Content an die Rezipienten zu bringen.

„Brands will rebel against social algorithms continuing to push branded content from organic to paid, and instead, build off-platform content experiences and owned channels to grow their audience on their own terms.“  Shafqat Islam / Mashable

Die Unvorhersehbaren, sie kommen bestimmt!

Jedes Jahr werden wir Zeugen eines Internetphänomens, eines neuen Trends und gerade in Zeiten in denen Startups aus dem Boden schießen wie giftige Pilze, ist damit auch jede gut gewartete Kristallkugel überfordert. Ihre Vorhersage ist schlicht und ergreifend nicht möglich. Was allerdings möglich ist, ist das eingrenzen von Themengebieten.

Wir erlebten 2014 eine Blüte der Foto-Communities. Der Einfluss von Instagram war so groß, dass er auch für Portale wie Pinterest oder den guten alten Tumbler einen Anstieg an Nutzern brachte. Plötzlich teilte jeder Bilder und begann sich mit diesen aktiv zu identifizieren und darzustellen.

Gleichzeitig musste es aus unseren Lautsprechern schallen. Musikplattformen wie Spotify werden immer massiver genutzt und führen sogar dazu, dass sich einige Künstler auf die gute alte CD bei der Veröffentlichung ihrer Alben beschränken z.B. unser Social Media Profi Taylor Swift. Andere wiederum setzen auf Itunes und schmuggeln ihre neuen Songs kostenlos auf neue Apple-Endgeräte. Dass das für U2 in einem Fiasko endete, sei erstmal ausgeblendet.

Der springende Punkt ist, dass wir davon ausgehen können, dass uns Fotografie und Musik weiter stark in den sozialen Medien begleiten werden, ihr Entwicklungspotential allerdings recht begrenzt scheint. Wir haben inzwischen schon einiges gesehen!

Was fehlt also noch? Richtig, das Video! Zugegeben, richtig neu ist das Video für alte Youtube Hasen nicht, aber seine Nutzbarkeit im Marketing war immer wieder umstritten. Wir können inzwischen allerdings einen interessanten Trend verfolgen. Immer mehr Unternehmen greifen Youtube an, das mit seinen AGBs manchmal doch äußerst mühsam wirkt. Wir konsumieren immer mehr auf Vimeo und wer hätte es gedacht, auch die Videos auf Instagram und Facebook nehmen gewaltig zu. Das führt zum einen dazu, dass Plattformen wie Youtube in Zugzwang geraten sich weiterzuentwickeln und neue innovative Konzepte vorzustellen. Auf der anderen Seite öffnet dies sämtlichen Community-Konzepten die sich auf Videos fokussieren Tür und Tor.. Zu diesen neuen sozialen Communities zählen Video-On-Demand-Plattformen genauso wie Werbe- oder Trailerportale. Ein wachsendes und interessante Konzept für einen neuen Community-Ansatz bietet das Unternehmen flimmer.de aus Berlin. Bereits 2012 als Idee aus der Taufe gehoben, bietet die Seite ein Konzept, dass 2015 richtig abheben könnte. Das Portal bezahlt seine User für das Konsumieren von Trailern, bietet einen Video-On-Demand-Dienst, sowie einen eigenen Shop der den fleißigen Trailer-Konsumenten mit Prämien belohnt. Dazu sind die filmischen Größen Roland Emmerich und Marco Kreuzpaintner die Väter der Idee.

Es gilt also 2015 vor allem die Augen nach revolutionären Ideen mit bisher wenig genutzten Medienformaten zu beobachten

Bildschirmfoto 2014-12-21 um 21.27.44

Das beste kommt zum Schluss!

Neben neuen Herausforderungen beim Erstellen von Content, unvorhersehbaren Entwicklungen im Social Media Sektor und stärkerer Interaktion zwischen Rezipient und Kommunikator wird 2015 vermutlich vor allem ein Jahr der technischen Innovation. Wir suchen stetig nach neuen Herausforderungen und Strategien, um mittels Marketing alles aus unserer sozialen Medien herauszupressen. Mit der Entwicklung von immer stärker ausgereiften technischen Kommunikationsmitteln, verlieren wir aber auch zusehends den Vorsprung vorm Rezipienten. Unsere Fans rücken in ihrer technischen Ausstattung sowie dem eigenen Know-How immer mehr an uns vermeintliche Meinungsmacher heran. Das bedeutet folglich, dass wir 2015 als den Beginn einer neuen Sorgfalt sehen müssen. Es reicht nicht länger den Praktikanten Twitter überwachen zu lassen oder die Sekretärin jeden Tag eine Stunde vor Facebook zu setzen. Wir müssen beginnen, uns an Profis zu wenden. Journalisten und Redakteure müssen in die Pflicht genommen werden, ansprechende Beiträge zu generieren, deren Mehrwert über die bloße Werbung oder Imagepflege hinaus geht.

Der Weg, der 2015 vor uns liegt ist definitiv nicht gepflastert mit einer Fülle an neuen Portalen, allerdings gilt es jetzt zu lernen, wie wir das bereits bekannte endlich miteinander vernetzen, um eine höchstmögliche Qualität zu erzeugen und uns nach der einzig wichtigen Größe in Social Media zu orientieren:

Dem Like, Follower und Nutzer; alles in Allem der Community. 

Sören März
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Kommunikationswissenschaft / Kunstgeschichte

Tuğçe: Trauer, Wut und Respekt im Social Web

Tuğçe A. – vor knapp zwei Wochen war sie eine ganze normale 22-jährige Lehramtsstudentin, die das Leben in vollen Zügen genoss; Ziele, Träume und Wünsche hatte. Auch wenn Tuğçe nun nicht mehr auf dieser Welt ist, ist ihr Name, das was sie getan hat und wofür sie sich eingesetzt hat, überall präsent. Mit ihrem Einsatz für Schwächere hat sie ein Zeichen gesetzt. Ein Zeichen, welches nun auf nahezu allen sozialen Netzwerken, Webseiten und Nachrichtenkanälen geteilt und honoriert wird.

„Tuğçe zeigte Zivilcourage, zeigen wir ihr unseren Respekt“

Die gleichnamige Facebook Seite, welche von ihrer Familie und Freunden erstellt wurde, zählt mittlerweile über 180.000 „Gefällt mir“-Angaben, welche stündlich rapide steigen.

Tugce Facebook

Und auch auf Twitter wird der Hashtag #tugce Tausende von Malen, mittlerweile weit über die Grenzen Deutschlands, genutzt.

Anhand von Tuğçes Schicksal zeigt sich hier wieder einmal, welche Macht und welcher Druck durch soziale Netzwerke ausgeübt werden kann, und es wird deutlich, was für eine Unterstützung und welch starker Zusammenhalt durch diese entstehen kann. Auf Facebook, Twitter und Co. danken Menschen Tuğçe für ihren mutigen Einsatz, drücken ihre Trauer, ihre Wut und vor allem aber auch ihren Respekt für die junge Frau aus. Es wird zu Mahnwachen und Schweigeminuten aufgerufen, an welchen Hunderte teilnehmen.

Mittlerweile melden sich auch immer mehr Prominente zu Wort. Moderatorin Nazan Eckes, die selbst türkische Wurzeln hat, lässt ihrer Trauer und Wut auf Facebook freien Lauf. ProSieben-Moderator Daniel Aminati verfasste für die Studentin sogar einen öffentlichen Brief.

Facebook NazanWeb2

Doch nicht nur online wird Tugçe gedacht und honoriert, der Frankfurter Stürmer Haris Seferovic widmete sein Tor gegen Borussia Dortmund vergangenes Wochenende Tugçe. Unter seinem Trikot trug er ein T-Shirt mit den Worten „Tugce = #Zivilcourage, #Engel, #Mut, #Respekt“.

Bundesverdienstkreuz für Tugçe!

Neben all den Reaktionen auf Facebook und Twitter werden nun immer mehr Forderungen Tausender laut, Tugçe solle für ihren Einsatz das Bundesverdienstkreuz posthum verliehen bekommen. Auf change.org haben inzwischen knapp 160.000 Menschen aus aller Welt eine Online-Petition unterschrieben. Bundespräsident Gauck lässt dies nun prüfen. Zuvor hatte er Tugçes Eltern sein Beileid in einem Kondolenzbrief wie folgt ausgesprochen: „Niemand kann den Schmerz ermessen, den Sie, Ihre Familie und die Freundinnen und Freunde Ihrer Tochter jetzt erleiden.  […] Wo andere Menschen wegschauten, hat Tugçe in beispielhafter Weise Mut und Zivilcourage bewiesen und stand den Opfern einer Gewalttat bei.“ Dabei sei sie „selbst zum Opfer eines brutalen Verbrechens geworden“. Weiter schrieb der Bundespräsident: „Ich bin wie ungezählte Bürgerinnen und Bürger entsetzt und erschüttert über diese schreckliche Tat. Tugçe hat unser aller Dankbarkeit und Respekt verdient. Sie wird immer ein Vorbild bleiben. Unser ganzes Land trauert mit Ihnen.“

Orden, Dank, Respekt und Anerkennung – all das hat Tugçe ohne Frage verdient, aber ihr Tod bewegt auch dazu darüber nachzudenken, welchen Preis Zivilcourage haben darf. Zweifelsohne ist es richtig nicht wegzuschauen, wenn Unrecht geschieht, gefährlich wird es nur, wenn man selbst einer der wenigen ist der hinschaut und die Mehrheit wegschaut. Würden wir alle gemeinsam mehr hinschauen, wäre die Wahrscheinlichkeit solcher tragischen Fälle vermeidbar. Auch wenn diese Erkenntnis Tugçe ihrer Familie und ihren Freunden nicht mehr zurückbringt, steht jedoch fest, die junge Frau hat ein Zeichen gesetzt , mit welchem sie zum jetzigen Zeitpunkt auf Facebook, Twitter und Co. so präsent ist wie wenig andere Themen. Noch wichtiger ist es jedoch, dass sie mit ihrem Einsatz in unseren Köpfen und Herzen viel länger präsent sein wird. Und dass wir selbst beherzt eingreifen, wo Zivilcourage gefragt ist.

Nadja Saam
Bachelor Kommunikationswissenschaft, Uni Bamberg

Pinterest und Instagram – Die Social Networks für Impressionen

Discover ideas for all your projects and interests, hand-picked by people like you (Pinterest 2010).

Pinterest – Eines der Start-Ups in Sachen Social Media, das sich vor allem an jüngere Zielgruppen richtet, mit einem prozentualen Augenmerk von 50% auf weiblichen Nutzern.

Doch was ist Pinterest eigentlich? Beschreiben lässt es sich als US-dominiertes Social Network, besser bekannt als rote Fotowand. Aktive Nutzer sind zugleich auch Nutzer der Großen Namen, da man sich leicht über den eigenen Facebook Account anmelden kann.

Das Pinteresse geht vor allem von Nutzen aus, die ihre Fotos und Videos in Collagen präsentieren wollen und erstellen somit ihre eigene online Pinnwand. Das Unternehmen datiert trotz Startschwierigkeiten auf der anderen Seite des Atlantiks rund 10.4 Millionen registrierte Nutzer.

#interior – Vitra Stühle als der große Trend im Umlauf aller Social Networks. Fotos von living rooms, homes, oder auf gut deutsch einfach nur Innendesign mit skandinavischem Touch, der in keinem modernen Haushalt dekorativ fehlen darf. (mehr #Vitra und Impressionen auf Pinterest)

Doch wie kommt der Trend zu Stande? Über Bilder auf Pinterest. Nutzer verbringen von 20-80min mindestens täglich auf Pinterest. Doch hat Pinterest tatsächlich den Sprung vom Start-Up aufwärts in eines der großen Networks geschafft? Mit 5,779 Tweets und 1,97 Mio. Followern (Stand Twitter 25.20.2014) definitiv, wäre da nicht Instagam.

View this post on Instagram

| home | #open #livingroom #kitchen

A post shared by Aline (@______aline) on

 3, 584, 627 Beiträge: Active Users still counting oder doch vorhanden?

We’re excited to announce that the Instagram community has grown to over 80 million registered users who have shared nearly 4 billion photos! Since we launched Instagram in October 2010, we’ve expanded from one platform to two, bringing Instagram to Android users as well as iOS users. As the community has grown, we’ve seen people sharing photos from all around the world, from South Korea to Bolivia, and even underwater!

We’re humbled by the amazing photos from people’s lives we see every day on Instagram, and thank you for being part of this growing community.

The Instagram Team

Die Zahlen von Instagram sprechen für sich. Bis 2014 hat Instagram mit 5, 533 Tweets aber einer Zahl von satten 35,7 Mio. Followern (Stand Twitter 25.10.2014) den Vorreiter Pinterest überholt. Gekauft von Facebook boomt das Foto-Netzwerk, dessen Nutzung binnen eines Jahres um ein Drittel anstieg. Von Privatpersonen jeden Alters bis hin zu Business und professionellem Blogging ist alles mit Leidenschaft und Professionalität vertreten. Erreicht werden aktive und passive Nutzer gleichermaßen während sie durch die schier unendliche Folge an Bildern scrollen und dabei ihren Wünschen nachhängen oder diese durch die von Bildern gegebenen Impressionen erweitern.

Doch welche Platform ist nun die richtige? Will man ein Bild nur veröffentlichen? Fotografische Impressionen teilen? Das entspricht vollkommen der Welt von Pinterest! Doch wie sieht es für Privatpersonen oder gar Unternehmen aus?

Social Networks macht genau diese Art der Online-Kommunikation aus, die sich vor allem durch die Entwicklung von Hashtags noch weiter gesteigert hat. Für mich persönlich ist Instagram das Ideal! Ein Vorreiter, der im Bereich der Bilderwelt auf dem Vormarsch ist; wenn nicht sogar seinen hohen Rang schon eingenommen hat. Jeder hat die Möglichkeit seine Bilder zu teilen. Wer die Welt erreichen will, schaltet um auf ein öffentliches Profil und kann der User-Gemeinde neben den Fotos selbst via Text und insbesondere Hashtags alle News mitteilen. Oder die Inspirationen allein beim Durchforsten auf der Couch auf sich selbst einwirken lassen.

Sabrina Kleinhuber
Institut für Kommunikationswissenschaft
Otto-Friedrich Universität Bamberg