Die Rechte der Öffentlich-Rechtlichen

„Wir sind eins“, behauptet die ARD in ihrem zwischen den Sendungen laufenden Spot. Betrachtet man die Diskussionen, die im Bezug auf die öffentlich-rechtlichen Sender in den letzten Monaten stattfinden, scheint es allerdings kein wir zu geben, das eins ist. Filmschaffende beklagen die schwächelnde Finanzierung, die Privatsender sprechen von Wettbewerbsverzerrung und beim BDZV ist sogar von „Staatsmedien“ die Rede.

Die Forderungen reichen von Einsparungen bis hin zur Abschaffung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Was spricht dafür und wofür könnte er in Zeiten von Online-Zeitungen, Netflix und YouTube doch noch nützlich sein?

 

Was spricht dafür, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk einzustellen?

Sehr stark im Fokus standen natürlich die Forderungen der AfD, die eine Neutralitätsprüfung beantragt hat, das Unwort „Lügenpresse“ geprägt hat und von einer Zwangsfinanzierung spricht, die auch Leute leisten müssen, die die öffentlich-rechtlichen Inhalte nicht konsumieren.

Auch wenn einen beim Betrachten der Positionen der AfD kurz der Schock darüber ereilen kann, was die Bürger noch alles zwangsfinanzieren müssen, muss man Herrn Meuthen an dieser Stelle recht geben. Es wird niemandem die Wahl darüber gelassen, ob er für die öffentlichen Sender bezahlen möchte oder nicht. Auch ob die Höhe der Gebühren im Hinblick auf die Inhalte gerechtfertigt sind und ob ein Intendant tatsächlich circa 300.000€ pro Jahr zum Leben braucht, kann infrage gestellt werden.

Des Weiteren sind die Rundfunkräte fragwürdig besetzt. So sind z.B. in Bayern zwar die Kirchen, Gewerkschaften und auch Bildungsbeauftragte vertreten, andere Weltanschauungsgemeinschaften und wissenschaftliche Organisationen fehlen aber. Zudem ist die Politik überdurchschnittlich vertreten, was dem Gebot der Staatsferne nicht gerecht wird. Keine fünf Mitglieder sind unter 50 Jahre alt.

Von Seiten der Zeitungen wird von einer Wettbewerbsverzerrung gesprochen, die privaten Sender behaupten, eine Konvergenz, also eine Angleichung zwischen ihren und den Inhalten der öffentlich-rechtlichen zu erkennen. Zumindest ersteres ist korrekt. Auch wird, wie Jörg Meuthen schon mehr oder weniger behauptet hat, kaum jemand von RTL zu phoenix umschalten, nur weil er dafür bezahlen muss.

Zu guter Letzt ist ein Punkt zu nennen, in dem sich alle Kritiker einig sind: Die Inhalte der öffentlich-rechtlichen lassen an Qualität stark nach. In Sachen Information sind sie zwar ungeschlagen, Bildung lässt sich allerdings kaum finden. Unendlich oft scheint derselbe Krimi zu laufen, die „heute-show“ ist zwar prominent besetzt, aber extrem platt. Kultur ist erst nach 22 Uhr zu finden, man produziert Sendungen wie „Bares für Rares“, überträgt sündhaft teure Sportveranstaltungen und lässt Markus Lanz drei Tage am Stück seine unbeliebte Sendung moderieren.

 

Warum und wie sollte man das duale Rundfunksystem also noch beibehalten?

Zunächst kann gesagt werden, dass keine anderen Sender so umfassend und neutral berichten wie ARD und ZDF. Dazu gehören auch unbequeme Fragen an die AfD, genauso aber an andere Parteien und Personen. Von einer Konvergenz kann nicht die Rede sein. Die RTL II-News sind nicht mit der Tagesschau vergleichbar und würden sie im Falle der Abschaffung der öffentlich-rechtlichen Sender auch nicht ersetzen. Die USA zeigt dies mit ihrem System, in dem verschiedene Sender verschiedenen Gruppen nur das zeigen, was sie eben sehen wollen, ganz deutlich. Die privaten Sender sind auf Sensation und Werbetauglichkeit angewiesen und damit schlicht nicht an qualitativer Berichterstattung interessiert.

Auch im Internet dürfen die Öffentlich-Rechtlichen einen Grundsatz an Information anbieten. Wandern Spiegel Online-Leser zur „heute“-App ab, liegt das daran, dass der Rezipient letztere einfach besser findet und nicht daran, dass sie einen finanziellen Vorteil hat. Ein duales System im Internet lässt sich genauso rechtfertigen, wie ein duales Rundfunksystem.

Viele Kritikpunkte sind allerdings gerechtfertigt und müssen eingearbeitet werden, um das duale Rundfunksystem weiterhin rechtfertigen zu können.

Ein relativ simpler Punkt ist die Zusammensetzung der Rundfunkräte. Die Überzahl an Politikern in den Rundfunkräten sorgt für Misstrauen. Welche Gruppen genau fehlen, müsste nicht diskutiert werden, wenn die Bürger wählen dürften, wer in den Rundfunkräten sitzt. Sie sind es immerhin, die das Ganze bezahlen, was zum nächsten Punkt führt.

Dass ein arbeitsloser Single, der nur die ZDF-App nutzt, den gleichen Betrag zahlen muss wie ein Haushalt mit sechs Fernsehern, drei Radios und fünf Bewohnern am Spitzensteuersatz, kann niemand rechtfertigen. Ein nach Einkommen und Geräten differenzierter Rundfunkbeitrag dürfte zur Schlichtung beitragen. Auch ist fraglich, ob das Geld für die Rechte an der Übertragung sämtlicher Sportveranstaltungen, extrem hohe Intendantengehalte und die Produktion von „Bares für Rares“ oder den nächsten „Frankentatort“ ausgegeben werden muss.

Eine Schwerpunktsetzung, bei der Information und Bildung im Vordergrund stehen, würde es erleichtern, die öffentlich-rechtlichen Sender ernst zu nehmen, wenn sie von ihrer Unverzichtbarkeit sprechen.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass eine finanzielle Bevorzugung der Öffentlich-Rechtlichen durchaus berechtigt ist, solange auch ein Mehrwert gegeben ist. Das Maß an finanzieller Bevorzugung, die Umsetzung und die Verwendung der finanziellen Mittel müssen aber überdacht werden. Die Zusammensetzung der Rundfunkräte muss ebenfalls angepasst werden. Das duale Rundfunksystem muss also, um weiterhin bestehen zu können, grundlegend überarbeitet werden. Eine Abschaffung würde aber, gerade in Zeiten von Fake News und Verschwörungstheorien, wesentlich mehr Schaden als Nutzen mit sich bringen.

 

Bastian Rosenzweig

Kommunikationswissenschaft, Philosophie

Otto-Friedrich-Universität Bamberg

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Warum liken, teilen und kaufen wir?

Kurz gesagt: Wir sind süchtig. Studien haben heraus gefunden, dass es unter bestimmtem Einfluss sogar schwieriger ist dem Verfassen eines Tweets zu widerstehen, als Zigaretten und Alkohol. Dieser Einfluss nennt sich Dopamin und Oxytocin. Dopamin steigert unser Wünschen und Wollen. Durch Dopamin begehren wir. Und es wird bei jedem noch so kleinen Anflug von Belohnung ausgeschüttet. Also genau das, was Social Media ausmacht.
Oxytocin wird oft als „Kuschel-Stoff“ oder „Vertrauenshormon“ bezeichnet, weil er ausgeschüttet wird, wenn man sich umarmt oder küsst. Oder eben beim Twittern. Innerhalb von 10 Minuten kann in einem sozialen Netzwerk die ausgeschüttete Menge von Oxytocin um 13% gesteigert werden. Das ist vergleichbar mit dem hormonellen Anstieg einer Person am Hochzeitstag. Es ist also verständlich, wieso man schwierig nicht mehr davon möchte.

Aber warum spüren manche Menschen für ihre Lieblingsmarke eine ähnliche emotionale Verbindung, wie zu ihrer Familie oder ihrem Partner? Das haben wissenschaftliche Studien herausgefunden und dieser Aspekt ist für Unternehmen besonders interessant. Unternehmen versuchen ihre Produkte in den Alltag des Konsumenten zu setzen, um sie ihm näher zu bringen. Denn wenn eine Person überall in ihrem Umfeld z.B. eine bestimmte Uhrenmarke sieht und sich irgendwann dazu entschließt eine Uhr anzuschaffen, denkt man als erstes genau an diese Marke. Ein kleiner psychologischer Trick seitens der Unternehmer.

Was die Blogger und Influencer tun, um Produkte gut zu vermarkten, das verrät uns Désirée Gehringer. Die Bloggerin und Influencerin hat bei Facebook über 20.000 Likes und auf ihren zwei Instagram Accounts insgesamt mehr als 28.000 Likes. Täglich versorgt sie ihre Community mit aktuellen Storys über ihr Leben, postet Bilder mit Produkten von kooperierenden Firmen und hat es geschafft, sich damit selbstständig zu machen. In einem Interview mit ihr, erzählt Dési über ihr Leben und die Vermarktung von Produkten und sich selbst. Das Wichtigste ihrer Meinung nach, um eine Fangemeinde aufzubauen und auch zu halten, ist Authentizität und Vertrauen. Man muss merken, dass die Person hinter dem Account echt ist und nichts vorspielt. Hier kommt wieder das Vertrauenshormon Oxytocin ins Spiel. Denn man würde im realen Leben auch nichts von jemandem kaufen, dem man nicht vertraut. Laut einer Studie, „glauben 76% der Verbraucher, dass Inhalte, die von Leuten wie dir und mir geteilt werden, glaubhafter sind, als Anzeigen von Marken.“

Désirée und eine Studie „Einfluss von Farbe im Marketing“ sind sich ebenfalls einig, dass Farbe ein wichtiger Bestandteil bei Social Media ist. Denn binnen 90 Sekunden entscheiden Menschen, ob sie erstmalig mit anderen Menschen und Produkten interagieren. 62 bis 90% dieser Entscheidung werden allein aufgrund von Farbe getroffen. Betrachtet man sich Désirées Instagram Account, fällt sofort auf, dass alles sehr einheitlich gestaltet ist.

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[ Werbung | PR Sample ] Es gibt doch echt nichts schöneres, als von einem Albtraum geweckt zu werden #nicht. Die letzten zwei Nächte träume ich wieder nur von Flugzeugabstürzen und Menschen, die mich killen wollen. Was will mein Unterbewusstsein mir mitteilen? Bring dich um? 😂 Ich werde mich jetzt ganz gemütlich ins Bad begeben, nachdem auch mein Frühstück ein absoluter #fail war 🙄 Tee war schon bitter, weil das Foto zu lange gedauert hat und Müsli war aufgeweicht #bloggerlife. Heute fahren Lionel und ich nach Bonn und besuchen meine Freundin @alina.kreuter ❤️ endlich mal wieder ein bisschen cruisen. Wäre jetzt auch noch Sommer, wäre es perfekt! (Trotz meiner Mordträume 😂). Ich hoffe ihr konntet besser schlafen!! Die tolle Handyhülle ist übrigens von @idealofsweden! Aktuell gibt es dort einen Neujahrsrabatt von 30%! Falls ihr später dran sein solltet, bekommt ihr mit dem Code „IDEALSNOW“ 20% Preisnachlass! Ich finde die Hüllen nicht nur wunderschön sondern auch qualitativ super hochwertig. Innen ist eine Filzbeschichtung die vor Kratzern schützt 😬🎉 absolute Empfehlung! Jetzt aber ciao Kakao, mein Bad ruft 😂 #Sponsored #idealofsweden #cases #mobilecases #blogger #bloggerlife #blogger_de #bloggerin #germanblogger #frankfurt #darmstadt #son #mom #momlife #ootd #love #girl #woman #mommy #mum #instalove #instamom #flatlay #macarons #pillow #rosa #pink #tea

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Also ich weiß ja nicht wie es euch geht, aber ich lass mich dieses Jahr wegen Weihnachten so garnicht aus der Ruhe bringen 😂 weil ich heute noch das Dessert vorbereiten muss und morgen den Tag bei meinem Papa verbringe, habe ich schon gestern Abend in aller Ruhe eine Stunde den Tisch für den 25. dekoriert. Dieses Jahr ist meine Weihnachtsstimmung echt on top.Normalerweise bin ich die Schwester vom Grinch 😁 Ich denke es liegt daran, dass ich jetzt endlich eine neue Wohnung habe in der ich mich wohlfühle und austoben kann. Endlich Platz, um meine Ideen umzusetzen. Mein Wohnzimmer ist endlich wohnlich ❤️😍 Lionel wurde eben von seinen Freunden abgeholt und macht nun einen Ausflug zu Center Parcs. Perfekt für mich🤙 das heißt ich kann in Ruhe den Nachtisch vorbereiten und meinen letzten Kundenauftrag aus diesem Jahr fertigstellen 🎉😬 dann schmeiß ich für dieses Jahr auch mal die Füße hoch und versuche abzuschalten. Das Jahr hat nicht mehr viele Tage. Jetzt haben wir alle die Zeit, das Jahr 2017 Revue passieren zu lassen und uns Gedanken darüber zu machen, was für sinnlose Vorsätze wir für 2018 haben, die wir eh nicht umsetzen werden 😂😂 feiert ihr im kleinen oder eher im großen Kreis Weihnachten? 😊 #Christmas #tischdeko #tischgedeck #christmastree #blogger #bloggerlife #blogger_de #bloggerin #germanblogger #frankfurt #darmstadt #son #mom #momlife #ootd #love #girl #woman #mommy #mum #instalove #instamom

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Auch auf ihrem Fotografen Account setzt sich ein bestimmter Stil durch.

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Meine Muse 💕 @alina.kreuter 💥

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@michelle.rosillo 💕

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Auch andere kleine psychologische Tricks hat Désirée auf Lager. Sie ist ein großer Emoji-Fan und das kommt gut. Die Studie „Emoticons und Phrasen: Statussymbole für Social Media“ bestätigt das. „Individuen, die Emoticons häufig (und dabei speziell positive Emoticons) verwenden, sind in der Regel beliebter und einflussreicher“.

Die Fachhochschule Nordwestschweiz, Hochschule für Angewandte Psychologie hat in einem Video mal interessante Zahlen und Forschungsprojekte zusammen gefasst:

 

Auch wenn es einige Vorteile für Unternehmen und Konsumenten durch Social Media gibt, sollte man sich als Konsument trotzdem bewusst sein, dass es einige Vermarktungstricks gibt, die uns alle beeinflussen. Es ist also wichtig, mit offenen Augen durchs Web zu scrollen und vor kurfristigen Einkäufen zu überlegen, weshalb man das jetzt genau kauft und wie man beeinflusst werden könnte.

 

Stefanie Fickert
Otto-Friedrich Universität Bamberg
Kommunikationswissenschaft

„Realfakes“ – Wenn die Internet – Liebe sich als Albtraum entpuppt

„Jung, gebildet, gutaussehend und vertritt die gleichen Interessen“

Hört sich zunächst mal gut an oder? 

Leider ist nicht jeder auch so aufrichtig mit seinem Profil auf Tinder, Facebook, Twitter & Co, sondern versteckt sich hinter ausgedachten Informationen. Und damit werden immer mehr Menschen zu sogenannten „Realfakes“.

Aber was sind das eigentlich?

Realfakes nennt man die Personen, die sich online eine oder mehrere falsche Identitäten aufbauen und unter Vorspielen falscher Tatsachen mit anderen kommunizieren, flirten und im schlimmsten Fall sogar eine Beziehung aufbauen und Gefühle bei ihrem Gegenüber entwickeln.

Die US-amerikanische Reality Show Catfish thematisiert genau diese Form von Fake – Profilen beim Online – Dating. Die Sendung ist nach der gleichnamigen Bezeichnung für eine Person benannt, die vorgibt im Internet jemand anderes zu sein – ein Catfish. Moderiert wird die Reality Show von Nev Schulman und Max Joseph. Die beiden Moderatoren besuchen Personen, die sich schon einmal in einen „Catfish“ verliebt haben oder sogar schon eine Beziehung führen – diesen aber niemals persönlich getroffen haben. Schulman und Joseph werden von den betroffenen Personen um Hilfe gebeten, um herauszufinden, wer sich eigentlich hinter ihrer/ihrem Realfake versteckt und wie viele Informationen der Wahrheit entsprechen. Abschließend versucht das Moderatoren – Team ein Treffen zwischen der Person und dem „Catfish“ zu arrangieren.

 

 

Was sich zunächst sehr surreal anhört, entspricht aber leider der Wahrheit.

Denn genau das musste ZDF- Moderatorin Dunja Hayali am eigenen Leibe erfahren. Die eigentlich Social – Media Erfahrene Moderatorin fiel auf den Krankenpfleger „Thomas“ rein. Höflich, zuvorkommend, interessiert.- Das waren Dunjas Eindrücke von Thomas. Doch was echt wirkte war am Ende alles nur fake. Hinter dem vermeintlich netten Krankenpfleger steckte in Wirklichkeit eine Frau, die sich sogar mehrere falsche Identitäten entwarf und damit online Kontakt zu fremden Personen knüpfte. Zunächst wusste Dunja nicht, ob es sich hinter diesem Fake um eine ausschließliche Fan-Action handelte oder wirkliches Stalking darstellte. Doch eins war klar: Den Fake zu entdecken und letztendlich aufzudecken ist schwierig und gelingt meist nur mit gezielter Recherche.

Die einzige Frage die immer im Hinterkopf bleibt ist dennoch:

Woher weiß ich ob mein Online – Date real oder fake ist?

Wirklich „wissen“ wird man das direkt nie, dennoch gibt es einige Tipps zur Prävention gegen Scheinidentitäten beim Online – Dating:

  1. Das wohl Wichtigste ist zugleich das Logistische: So viele private und detailreiche Informationen über die Person in Erfahrung zu bringen und diese – wenn möglich – zu überprüfen.
  1. Das Zweitwichtigste sei es demnach aufmerksam zu bleiben! Denn nur wer sich nicht in seinem Gegenüber verliert erkennt frühestmöglich den Fake.
  1. Dennoch sollte man sich auch immer an die eigene Nase fassen. Denn bevor man überhaupt von Realfakes gefunden wird, sollte man seine eigenen privaten Informationen kontrollieren.
  1. Und zu guter Letzt: Sollte dir dein Gegenüber komisch vorkommen heißt es: Recherchieren. Finde so viele Sachen wie möglich über die Person heraus und setze deinen gesunden Menschenverstand ein!

Aufgrund des vermehrten Aufkommens von Realfakes im Internet, insbesondere beim Online – Dating, gibt es mittlerweile eine eigene Seite, in der alles rund ums Thema Scheinidentitäten besprochen wird. Die Internetseite realfakes.net bietet Betroffenen in Selbsthilfegruppen über ihre Erfahrungen zu sprechen und sich Hilfe zu suchen. Außerdem werden dort die unterschiedlichen Realfake – Typen dargestellt und weitere Tipps zum vorsichtigen Umgang beim Online-Dating erklärt.

Trotz jeglicher Prävention und Kontrolle verfügt das Internet mittlerweile über etliche Scheinidentitäten und Fakes. Fest steht allerdings, dass wir unseren Spaß am Internet, insbesondere am Online-Dating nicht verlieren sollten, sondern lediglich achtsam regulieren. Denn eins sollte uns immer vor Augen halten: Nicht hinter jeder netten Bekanntschaft steckt ein völlig anderes Gesicht!

Jana Wosnitza

Kommunikationswissenschaft

Otto  – Friedrich – Universität Bamberg

 

Digital Detox – Weniger Smartphone, mehr Leben

Wir können es einfach nicht lassen. Das Ding brummt und wir springen. Egal wo, egal wann. Besprechung mit dem Chef? Ach, unter dem Tisch sieht er das eh nicht. Am Steuer? Oh, eine neue Nachricht von … RUMMS. Schade, die Laterne hat das Navi gar nicht angesagt.

Immer mehr Menschen verbringen immer mehr Zeit in sozialen Netzwerken. Im Bus, in der Vorlesung, auf der Arbeit – das Smartphone ist überall dabei. Die Handhabung erfolgt bereits wie automatisiert.

Grafik Stunden
Quelle: Eigene Darstellung

Kritische Stimmen werfen die Frage auf, was das ständige Online-Sein mit uns macht. Eine Studie von Microsoft sorgte im Jahr 2015 für einiges an Furore. Laut der Forscher ist die Aufmerksamkeitsspanne der Menschen von 12 auf 8 Sekunden gesunken. Damit liegen wir hinter dem Goldfisch (!) mit immerhin 9 Sekunden. Die gute Nachricht: Da wir uns täglich durch eine Flut an Informationen wühlen, können wir relevante Inhalte schneller erkennen.

Droht uns der digitale Burnout?

Ulrike Stöckle, Digital Detox Expertin, sieht die Entwicklung kritisch. Aus ihrer Sicht können ständige Erreichbarkeit und Ablenkung zu einer psychischen Belastung werden. Ein sogenannter „digitaler Burnout“ kann die Folge sein. „Wenn ich permanent gestört werde, komme ich gar nicht mehr dazu, konzentriert zu arbeiten“, erklärt sie und fügt hinzu: „Das Schlimme daran ist, wenn man mal nicht gestört wird, dann stört man sich selbst indem man das Handy rausholt.“ Ein Teufelskreis entsteht.

Warum müssen wir IMMER online sein?

Gewohnheit ist nur einer der Gründe für den häufigen Griff zum Smartphone. Wir haben aber auch Angst, etwas zu verpassen. „Der Mensch ist neugierig“, erklärt Stöckle. Hinzu kommt der Wunsch nach Bestätigung. Bleiben Nachrichten oder Likes aus, fragen wir uns: Was ist da los? Soziale Netzwerke spielen eine nicht zu unterschätzende Rolle, meint Stöckle. Den besonderen Anreiz sieht sie in der Gemeinschaft, der Bestätigung und der Möglichkeit, eine andere Identität anzunehmen. Likes auf Instagram oder Facebook lösen ähnliche Glücksgefühle aus wie die Befriedigung stofflicher Süchte.

Tipps für konzentriertes Arbeiten

Um der Onlinesucht zu entkommen setzt die Digital Detox Expertin auf sogenannte Tracking Apps, die das Nutzungsverhalten dokumentieren. Diese zeigen auf einen Blick die tägliche Online-Zeit und wie oft das Gerät entsperrt wurde. Wem das nicht genügt, der kann sich Regeln einstellen. Dadurch könne sich jeder einzelne sein Verhalten bewusstmachen, erklärt Stöckle. Zusätzlich empfiehlt sie, ab und zu komplett offline zu gehen. Solche Phasen werden als „Digital Detox” bezeichnet.

In ihrer Agentur setzt sie dieses Konzept bereits um. „Wir haben beispielsweise stille Zeiten“, erklärt die Inhaberin. „Die Kunden wissen, dass ich dann nicht erreichbar bin. Die Kommunikation ist wichtig, wenn solche Maßnahmen gelingen sollen.“ Bei den Kunden stößt das Modell auf Akzeptanz. „Es ist einfach nur eine Frage der Disziplin und der Regelaufstellung“, sagt Stöckle.

Challenge accepted!

Sich selbst den kontrollierten Umgang mit dem Smartphone beibringen und es auch einmal ganz ausschalten? Geht das so einfach? Motiviert durch meine Recherchen und die Tipps der Expertin wage ich den Selbsttest. Zuerst lade ich mir die Tracking App „Quality Time“ herunter. Ich bin skeptisch: Eine App, die mir helfen soll weniger Zeit mit Apps zu verbringen?

 

Quelle:  Screenshots

Die Anwendung zeigt mir, wie oft ich mein Gerät entsperre, wie lange ich täglich/wöchentlich aktiv bin und wo. Schon nach dem ersten Tag bin ich geschockt von dem Ergebnis. Ich habe insgesamt ca. 1,5 Stunden am Smartphone verbracht. Schwarz auf weiß zu sehen, wie viel Zeit ich im Netz verschwende, hinterlässt Eindruck. In den Tagen darauf, lasse ich mein Smartphone öfter bewusst in der Tasche. Schon an der Bushaltestelle juckt es mich in den Fingern. Die zwei Minuten Wartezeit kommen mir endlos lange vor. Nach einer Weile legt sich dieses Gefühl glücklicherweise. Ich stelle fest, dass ich mich besser auf das Geschehen um mich herum konzentrieren kann.

Ich bin dann mal offline

Angespornt von der positiven Erfahrung, will ich noch einen Schritt weitergehen. Ein ganzer Tag offline. Klingt erst einmal relativ simpel. Als ich überlege, wann ich meinen Detox Day einlegen könnte, wird es aber schon schwieriger. Schließlich entscheide ich mich für einen Sonntag. Etwas wehmütig lege ich mein Smartphone am Vorabend in eine Schublade. Am nächsten Morgen starte ich entspannt in den Tag und widme mich den Aktivitäten, die ich mir vorgenommen habe. Mit Erstaunen stelle ich fest, dass ich tatsächlich produktiver bin. Außerdem spart es Zeit, nicht erst Facebook, Twitter & Co. zu checken. Am Wochenende ist so ein Offline-Tag durchaus machbar. Im Alltag stelle ich mir das schwieriger vor. Freizeitplanung, Gruppenarbeiten, Dozenten E-Mails – es wird erwartet, dass ich erreichbar bin.

Wer ein ultimatives Offline-Erlebnis sucht, der kann an einem sogenannten Digital Detox Camp teilnehmen. Ein sehr … interessantes Bespiel aus den USA gibt es hier zu sehen:

Was erst einmal wie ein großer Kindergeburtstag aussieht, hat einen wahren Kern. Menschen, die sonst zehn Stunden täglich am Bildschirm sitzen, genießen die Natur und die gemeinsame Erfahrung. Auch in Deutschland werden bereits solche digitalen Auszeiten angeboten.

Fazit

Abschließend kann ich sagen, dass ich meinen Digital Detox Day sehr genossen habe. Im Alltag möchte ich mein Smartphone und soziale Medien aber nicht missen. Wie ich im Interview mit der Expertin gelernt habe, muss ich auch nicht komplett darauf verzichten. Entscheidend ist – wie bei so vielen Dingen im Leben – das richtige Maß.

von: Katharina Steinhäuser
Kommunikationswissenschaft, Otto-Friedrich-Universität Bamberg

 

Advertorial – Werbung im Konflikt mit der Authentizität

In vielen Mode- und Beautyzeitschriften sowie auf zahlreichen Blogs sind Advertorials kaum mehr wegzudenken. Advertorials – ein Begriff der sich aus den Worten Advertisement und Editorial zusammensetzt. Advertorials sollen den Anschein machen, redaktionell erarbeitete Inhalte zu sein obwohl sie in Wahrheit Werbung darstellen.

Die Absicht hinter dem Einsatz von Advertorials ist es, dass der Leser beim flüchtigen Lesen die Werbeanzeige nicht als Werbung enttarnen kann, sondern ihr die Glaubwürdigkeit eines richtigen redaktionellen Beitrags beimisst. Darüber hinaus werden die Werbeflächen für Advertorials zumeist im Umfeld bestimmter Themenblöcke angeboten. Dadurch kann der Werbende einen Werbeplatz kaufen, welcher thematisch zu seinem Produkt passt und so noch besser seine Zielgruppe erreichen. Diese getarnten Werbeanzeigen gibt es wie schon anfangs gesagt, sowohl im Print-, als auch im Online-Bereich.

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Als Rahmenbedingungen für Advertorials gilt laut deutschem Presserecht momentan Folgendes:

Es muss eine klare Trennung von redaktionellem Inhalt und Werbung zu erkennen sein. Das bedeutet für die Werbetreibenden, dass das Advertorial trotz der stilistischen Anpassung in Form und Text als Werbung gekennzeichnet werden muss. Diese Kennzeichnung kann beispielsweise im Printbereich durch die Ergänzung „Anzeige“ oder „Werbung“ passieren. Bei Online-Angeboten werden Advertorials oft durch den Zusatz „Sponsored Link“, „Anzeige“ oder „Werbung“ als nicht-redaktionelle Beiträge gekennzeichnet. Bei dem Beispielbild oben ist die Kennzeichnung mehr oder weniger klar und deutlich erkennbar.

 

Bei Advertorials wird also gezielt darauf angelegt, den Leser in dem was er liest zu täuschen und unterbewusst zu beeinflussen. Obwohl das deutsche Presserecht klare Anweisungen zur Kennzeichnung von Werbung gibt, werden diese gerade auf Blogs, YouTube und sozialen Medien wie Instagram, oder Snapchat häufig missachtet. Dort wird die Werbung häufig wie der wertvolle Rat einer guten Freundin verpackt und nur sehr sehr klein markiert.

Gerade Influencer verstecken die zarten Hinweise auf die kommerzielle Natur ihres Social-Media-Treibens gerne in Hashtag-Wolken – wenn überhaupt. So geschehen bei einem Werbedeal mit Coral Waschmittel. Die meisten Influencer, die für diesen Post Geld verdient haben, kennzeichneten den Post nur mit einem Hashtag oder sogar gar nicht.

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Seit Juni 2017 hat zumindest Instagram jetzt ein neues Feature eingeführt, dass es Influencern leichter machen soll Werbung zu kennzeichnen. Man kann nun sehen, wenn der Influencer bei einem Post eine bezahlte Partnerschaft eingegangen ist und somit auch genau überlegen ob es nun wirklich der gut gemeinte Rat der Instagram Freundin ist, oder schlichtweg Marketing.

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Es bleibt spannend zu sehen, wohin sich Advertorials und social Media Marketing entwickeln und wie Lange die Grenzen zwischen Werbung und Realität noch zu erkennen sind…

Von: Mona Bolkart, Studentin der Kommunikationswissenschaft an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Pepe, der Frosch – Aufstieg und Fall eines Comicfroschs

Pepe als Teil des „Boy´s Club“

Als Matt Furie 2005 seine Comicbuchreihe „Boy´s Club“ auf den Markt brachte konnte er nicht damit rechnen, was für (zweifelhafte) Berühmtheit eine seiner Figuren erreichen würde. Die Serie gewährte kurze Einblicke in das Zusammenleben von Pepe, Brett, Andy und Landwolf. Die jugendlichen, faulen und kindischen Monster sollten mit ihrem albernen Humor vor allem Studenten und Mittzwanziger ansprechen, die sich mit deren Lebensstil identifizieren konnten.

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Der Aufstieg Pepes in den Meme-Olymp

Anfangs noch mit wenig Aufmerksamkeit bedacht, startete das Comic-Quartett 2006 seinen Siegeszug. Über die Seite 4chan, ein Imageboard, auf welchem verschiedenste Bilder geteilt und diskutiert werden, trat Pepe, der Frosch das erste Mal groß in Erscheinung. Allen voran der „Feels Good, Man“-, der „Feels Bad, Man“- und der „Suspicious Looking“- Pepe wurden zu den am meisten gefeierten Versionen des Comic-Amphibs. Seine Einfachheit und die damit verbundene Wandlungsfähigkeit bot den Nutzern des Internets alle Möglichkeiten ihre Kreativität auszuleben – der Remix-Kultur des Internets war keine Grenze gesetzt. Pepe wurde zu Held und Antiheld zugleich. Er drückte Wohlsein und Unwohlsein aus, war verwirrt oder auf Drogen. Kurzum: mit Pepe dem Frosch konnten Menschen unterschiedlichste Sachverhalte leicht verständlich und humorvoll kommentieren. Selbst Prominente, wie beispielsweise Nicki Minaj oder Katy Perry, sprangen schnell mit auf den Hype-Train, der sich rund um Pepe gebildet hatte, auf.

 

Pepe im US-Wahlkampf

Wie einflussreich Matt Furies Zeichentrick Frosch mittlerweile geworden war, zeigte sich auch während US-Wahlkampfs. Während Donald Trump und sein Sohn, Donald Jr., ihn für ihre Zwecke nutzten, wies Hillary Clinton darauf hin, dass Pepe mehr und mehr zu einem Symbol amerikanischer Konservativer und deren Ansichten wurde. Die „Alt-Right“-Bewegung, deren Mitglieder quasi als Internetarmee der amerikanischen Republikaner gesehen werden können, fingen nämlich im Vorfeld des Wahlkampfs damit an, den eigentlich harmlosen Frosch und dessen Berühmtheit für sich zu nutzen. Sie versahen ihn mit Hitlerbart, SS-Uniform oder Ku-Klux-Klan-Kluft, ließen ihn mit Kippa und Schläfenlocken zufrieden grinsend auf das brennende World Trade Center blicken und machten ihn so mehr und mehr zu einem Zeichen für Fremdenhass und braunes Gedankengut.

Pepe als Nazi? – Eben nicht „nur eine Phase“

Auch wenn Furie zu Beginn noch davon ausging, dass dies nur eine Phase sei, welche sich von selbst legen würde, musste er bald einsehen, dass dem nicht so war. Im Gegenteil. Aufgrund der Verwendung Pepes für die Verbreitung rassistischer Denkweisen nahm die Anti-Defamation League, kurz ADL, dazu den Comic-Frosch gar in ihre Database auf, wo er nun neben doppelter Sig-Rune oder Hakenkreuz als nationalsozialistisches Hassymbol geführt wird. 2016 startete Furie in Zusammenarbeit mit der ADL die #SavePepe-Kampagne, mit dem Ziel, das Internet mit positiven Pepe-Memes zu fluten und so wieder die freundliche Seite des Amphibs zu zeigen. Jedoch erfolglos. Denn das grüne Zeichentrick-Monster blieb in rechter Hand. Es wurden immer weiter hetzende Pepe-Darstellungen verbreitet und Anhänger der Alt-Right-Bewegung fingen an auf sozialen Netzwerken selbst als Pepe zu posieren um auf diese Weise ihre Solidarität zu bekunden.

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Kein Ausweg für Pepe?

Seitdem veröffentlichte Furie und Fantagraphics, der Verlag, in dem Pepe als Teil des „Boy´s Club“ erschien, ein Statement, indem sie diese Verwendung Pepes kritisieren und sich davon distanzieren. Darüber hinaus lies Furie Pepe den Comic-Tod sterben – vielleicht um zu zeigen, dass sein Pepe, der dümmliche, faule und vor allem friedvolle Frosch, für ihn schon lange tot ist, vielleicht aber auch in der Hoffnung, dass er ihn so vor dem Missbrauch schützen könne.

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Doch, weil zum einen vermutlich kaum jemand den Tod Pepes mitbekam, vor allem aber, da sich seine Darstellung schon längst verselbstständigt hat lebt er noch weiter – als Zeichen für Zorn und Feindseligkeit.

 

Georg Höfer

Student der Kommunikationswissenschaft, Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Wer schön sein will, muss fit sein

Mit durchtrainiertem Körper, sympathischen Grinsen auf den Lippen und wehenden Haaren stehen sie im Bikini am Strand oder im Wasser – eine ganz spontane Momentaufnahme. Gestellt? Auf keinen Fall.
Wie Sand am Meer gibt es sie mittlerweile: die Fitnessblogger. Sie dokumentieren täglich ihren #healthylifestyle auf ihrem Blog und zusätzlich auf sämtlichen Social Media Plattformen, die das Internet so hergibt. Instagram ist hier das Paradebeispiel für die Zur-Schau-Stellung der Influencer. Influencer sind Menschen, die sich in den sozialen Medien präsentieren und sich durch platzierte Werbung finanzieren. Seien es Bilder von gesunden Avocadosalaten, Aufnahmen aus dem Fitnessstudio, schön drapierten Müsli-Bowls oder wie die schon erwähnten zufälligen Momentaufnahmen an traumhaften Orten. Alles wird gepostet, auch gerne mehrmals täglich. Die Perfektion scheint gegeben. Toller Körper, umwerfendes Aussehen und zusätzlich auch noch gesund.

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Viele der Fitness-Blogger wollen mit ihren Bildern eine große Masse an Frauen erreichen, die durch ihre Posts motiviert werden sollen, ebenfalls einen neuen, gesunden und natürlich fitten Lebensweg zu wählen. Sie werden neidisch gemacht. Neidisch auf einen makellosen Körper, auf ein scheinbar perfektes Leben, das sie niemals haben werden.  Doch wie viel Wahrheit steckt überhaupt hinter den Bildern und dem Leben der „Instagram-Sternchen“? Ist ihr Körper tatsächlich Sinnbild der Perfektion?
Fehlanzeige! Photoshop und das Wissen über vorteilhafte Posen und Lichtverhältnisse sind die besten Freunde der Fitness-Models. Auch der Körper der Influencer ist weder makellos, noch perfekt. Auch sie haben Cellulite, ab und zu mal unreine Haut und auch nicht auf jedem Bild eine vorteilhafte Figur. Doch das geben die wenigsten zu und genau das ist das Problem.
Zwar tragen Sport und ausgewogene und gesunde Ernährung zu einer guten Figur bei, doch trotzdem entsteht dadurch kein Körper ohne Ecken und Kanten. Genau dieses Märchen wird jedoch von den Bloggern vermittelt, woraufhin sich tausende Frauen ins Fitnessstudio stürzen und auf Teufel komm raus die 1500 Kalorien-Marke am Tag nicht überschreiten. Doch nicht jeder Körper ist gleich und das macht den Fitness-Hype so gefährlich. So schuften sich manche halb zu Tode, wofür andere wiederum kaum Aufwand betreiben müssen. Sie alle gehen dem Drang nach, ihren Körper unter Kontrolle zu bringen.
„Strong & Beautiful“ ist der Titel von Pamela Reifs erstem Buch. Sie ist gerade mal 21 Jahre alt, hat seit ein paar Jahren ihr 1,0 Abitur in der Tasche und ist inzwischen die Personifikation des neuen Schönheitsideals, das sich in den letzten Jahren so schnell in unserer Gesellschaft etabliert hat. Strong and beautiful – stark und schön. Das eine geht wohl ohne das andere nicht mehr. Durchtrainiert zu sein ist das neue dünn-sein. Das amerikanische Gegenstück zu Pamela Reif ist Kayla Isines, die schon vor Jahren durch ihren Bikini Body Guide weltbekannt wurde.
Screenshot (3) (1) Screenshot (4)

Die Selfie-Pose im Spiegel ist schon längst perfektioniert. Muskeln anspannen und happy wirken. Kayla ist in ihren jungen Zwanzigern mit ihrem Fitness-Konzept bereits Multimillionärin. Millionen die sie, genau wie Pamela Reif, durch Muskeln, Rezept-Tipps und Fotos verdient hat.
Einen frischen Wind bringt Imre Çeçen in den sich gleichenden Fitness-Blogger-Haufen. Im Gegensatz zu ihren Mitstreiterinnen steht sie dazu, dass ein Bild auf Instagram nicht das wirklich Leben wiederspiegelt, sondern dass das meiste eben tatsächlich nur Fake und Show ist. Sie zeigt, auf was Fitness-Models, eingeschlossen sich selbst, bei den Posen für Bilder achten und lüftet dabei so manches Geheimnis hinter einem perfekt in Szene gesetzten Foto.
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So leicht geht es. Beim Anblick dieser Bilder kommt man sich dann auf einmal wieder ganz menschlich vor. Was unsere Gesellschaft also braucht? Weniger zierliche durchtrainierte Influencer, deren Handwerk es ist, anderen ein schlechtes Gefühl zu geben, stattdessen mehr Selbstvertrauen in sich und seinen eigenen Körper. Denn wer schön sein will, muss nicht unbedingt fit sein. Muss nicht fünf Tage die Woche trainieren. Muss keinen Avocadosalat mögen. Wer schön sein will muss sich selbst akzeptieren und lieben lernen, auch mit Cellulite und kleinen Speck-Röllchen am Bauch. Denn das ist menschlich.

Leona Bürzle

Kommunikationswissenschaft und Germanistik, Otto-Friedrich-Universität Bamberg