Pepe, der Frosch – Wie das Internet eine Comicfigur zum Symbol des Hasses machte

Pepe als Teil des „Boy´s Club“

Als Matt Furie 2005 seine Comicbuchreihe „Boy´s Club“ auf den Markt brachte konnte er nicht damit rechnen, was für (zweifelhafte) Berühmtheit eine seiner Figuren erreichen würde. Die Serie gewährte kurze Einblicke in das Zusammenleben von Pepe, Brett, Andy und Landwolf. Die jugendlichen, faulen und kindischen Monster sollten mit ihrem albernen Humor vor allem Studenten und Mittzwanziger ansprechen, die sich mit deren Lebensstil identifizieren konnten.

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Der Aufstieg Pepes in den Meme-Olymp

Anfangs noch mit wenig Aufmerksamkeit bedacht, startete das Comic-Quartett 2006 seinen Siegeszug. Über die Seite 4chan, ein Imageboard, auf welchem verschiedenste Bilder geteilt und diskutiert werden, trat Pepe, der Frosch das erste Mal groß in Erscheinung. Allen voran der „Feels Good, Man“-, der „Feels Bad, Man“- und der „Suspicious Looking“- Pepe wurden zu den am meisten gefeierten Versionen des Comic-Amphibs. Seine Einfachheit und die damit verbundene Wandlungsfähigkeit bot den Nutzern des Internets alle Möglichkeiten ihre Kreativität auszuleben – der Remix-Kultur des Internets war keine Grenze gesetzt. Pepe wurde zu Held und Antiheld zugleich. Er drückte Wohlsein und Unwohlsein aus, war verwirrt oder auf Drogen. Kurzum: mit Pepe dem Frosch konnten Menschen unterschiedlichste Sachverhalte leicht verständlich und humorvoll kommentieren. Selbst Prominente, wie beispielsweise Nicki Minaj oder Katy Perry, sprangen schnell mit auf den Hype-Train, der sich rund um Pepe gebildet hatte, auf.

 

Pepe im US-Wahlkampf

Wie einflussreich Matt Furies Zeichentrick Frosch mittlerweile geworden war, zeigte sich auch während US-Wahlkampfs. Während Donald Trump und sein Sohn, Donald Jr., ihn für ihre Zwecke nutzten, wies Hillary Clinton darauf hin, dass Pepe mehr und mehr zu einem Symbol amerikanischer Konservativer und deren Ansichten wurde. Die „Alt-Right“-Bewegung, deren Mitglieder quasi als Internetarmee der amerikanischen Republikaner gesehen werden können, fingen nämlich im Vorfeld des Wahlkampfs damit an, den eigentlich harmlosen Frosch und dessen Berühmtheit für sich zu nutzen. Sie versahen ihn mit Hitlerbart, SS-Uniform oder Ku-Klux-Klan-Kluft, ließen ihn mit Kippa und Schläfenlocken zufrieden grinsend auf das brennende World Trade Center blicken und machten ihn so mehr und mehr zu einem Zeichen für Fremdenhass und braunes Gedankengut.

Pepe als Nazi? – „Nur eine Phase“

Auch wenn Furie zu Beginn noch davon ausging, dass dies nur eine Phase sei, welche sich von selbst legen würde, musste er bald einsehen, dass dem nicht so war. Im Gegenteil. Aufgrund der Verwendung Pepes für die Verbreitung rassistischer Denkweisen nahm die Anti-Defamation League, kurz ADL, dazu den Comic-Frosch gar in ihre Database auf, wo er nun neben doppelter Sig-Rune oder Hakenkreuz als nationalsozialistisches Hassymbol geführt wird. 2016 startete Furie in Zusammenarbeit mit der ADL die #SavePepe-Kampagne, mit dem Ziel, das Internet mit positiven Pepe-Memes zu fluten und so wieder die freundliche Seite des Amphibs zu zeigen. Jedoch erfolglos. Denn das grüne Zeichentrick-Monster blieb in rechter Hand. Es wurden immer weiter hetzende Pepe-Darstellungen verbreitet und Anhänger der Alt-Right-Bewegung fingen an auf sozialen Netzwerken selbst als Pepe zu posieren um auf diese Weise ihre Solidarität zu bekunden.

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Kein Ausweg für Pepe?

Seitdem veröffentlichte Furie und Fantagraphics, der Verlag, in dem Pepe als Teil des „Boy´s Club“ erschien, ein Statement, indem sie diese Verwendung Pepes kritisieren und sich davon distanzieren. Darüber hinaus lies Furie Pepe den Comic-Tod sterben – vielleicht um zu zeigen, dass sein Pepe, der dümmliche, faule und vor allem friedvolle Frosch, für ihn schon lange tot ist, vielleicht aber auch in der Hoffnung, dass er ihn so vor dem Missbrauch schützen könne.

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Doch, weil zum einen vermutlich kaum jemand den Tod Pepes mitbekam, vor allem aber, da sich seine Darstellung schon längst verselbstständigt hat lebt er noch weiter – als Zeichen für Zorn und Feindseligkeit.

 

Georg Höfer

Student der Kommunikationswissenschaft, Otto-Friedrich-Universität Bamberg

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