Wer schön sein will, muss fit sein

Mit durchtrainiertem Körper, sympathischen Grinsen auf den Lippen und wehenden Haaren stehen sie im Bikini am Strand oder im Wasser – eine ganz spontane Momentaufnahme. Gestellt? Auf keinen Fall.
Wie Sand am Meer gibt es sie mittlerweile: die Fitnessblogger. Sie dokumentieren täglich ihren #healthylifestyle auf ihrem Blog und zusätzlich auf sämtlichen Social Media Plattformen, die das Internet so hergibt. Instagram ist hier das Paradebeispiel für die Zur-Schau-Stellung der Influencer. Influencer sind Menschen, die sich in den sozialen Medien präsentieren und sich durch platzierte Werbung finanzieren. Seien es Bilder von gesunden Avocadosalaten, Aufnahmen aus dem Fitnessstudio, schön drapierten Müsli-Bowls oder wie die schon erwähnten zufälligen Momentaufnahmen an traumhaften Orten. Alles wird gepostet, auch gerne mehrmals täglich. Die Perfektion scheint gegeben. Toller Körper, umwerfendes Aussehen und zusätzlich auch noch gesund.

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Viele der Fitness-Blogger wollen mit ihren Bildern eine große Masse an Frauen erreichen, die durch ihre Posts motiviert werden sollen, ebenfalls einen neuen, gesunden und natürlich fitten Lebensweg zu wählen. Sie werden neidisch gemacht. Neidisch auf einen makellosen Körper, auf ein scheinbar perfektes Leben, das sie niemals haben werden.  Doch wie viel Wahrheit steckt überhaupt hinter den Bildern und dem Leben der „Instagram-Sternchen“? Ist ihr Körper tatsächlich Sinnbild der Perfektion?
Fehlanzeige! Photoshop und das Wissen über vorteilhafte Posen und Lichtverhältnisse sind die besten Freunde der Fitness-Models. Auch der Körper der Influencer ist weder makellos, noch perfekt. Auch sie haben Cellulite, ab und zu mal unreine Haut und auch nicht auf jedem Bild eine vorteilhafte Figur. Doch das geben die wenigsten zu und genau das ist das Problem.
Zwar tragen Sport und ausgewogene und gesunde Ernährung zu einer guten Figur bei, doch trotzdem entsteht dadurch kein Körper ohne Ecken und Kanten. Genau dieses Märchen wird jedoch von den Bloggern vermittelt, woraufhin sich tausende Frauen ins Fitnessstudio stürzen und auf Teufel komm raus die 1500 Kalorien-Marke am Tag nicht überschreiten. Doch nicht jeder Körper ist gleich und das macht den Fitness-Hype so gefährlich. So schuften sich manche halb zu Tode, wofür andere wiederum kaum Aufwand betreiben müssen. Sie alle gehen dem Drang nach, ihren Körper unter Kontrolle zu bringen.
„Strong & Beautiful“ ist der Titel von Pamela Reifs erstem Buch. Sie ist gerade mal 21 Jahre alt, hat seit ein paar Jahren ihr 1,0 Abitur in der Tasche und ist inzwischen die Personifikation des neuen Schönheitsideals, das sich in den letzten Jahren so schnell in unserer Gesellschaft etabliert hat. Strong and beautiful – stark und schön. Das eine geht wohl ohne das andere nicht mehr. Durchtrainiert zu sein ist das neue dünn-sein. Das amerikanische Gegenstück zu Pamela Reif ist Kayla Isines, die schon vor Jahren durch ihren Bikini Body Guide weltbekannt wurde.
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Die Selfie-Pose im Spiegel ist schon längst perfektioniert. Muskeln anspannen und happy wirken. Kayla ist in ihren jungen Zwanzigern mit ihrem Fitness-Konzept bereits Multimillionärin. Millionen die sie, genau wie Pamela Reif, durch Muskeln, Rezept-Tipps und Fotos verdient hat.
Einen frischen Wind bringt Imre Çeçen in den sich gleichenden Fitness-Blogger-Haufen. Im Gegensatz zu ihren Mitstreiterinnen steht sie dazu, dass ein Bild auf Instagram nicht das wirklich Leben wiederspiegelt, sondern dass das meiste eben tatsächlich nur Fake und Show ist. Sie zeigt, auf was Fitness-Models, eingeschlossen sich selbst, bei den Posen für Bilder achten und lüftet dabei so manches Geheimnis hinter einem perfekt in Szene gesetzten Foto.
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So leicht geht es. Beim Anblick dieser Bilder kommt man sich dann auf einmal wieder ganz menschlich vor. Was unsere Gesellschaft also braucht? Weniger zierliche durchtrainierte Influencer, deren Handwerk es ist, anderen ein schlechtes Gefühl zu geben, stattdessen mehr Selbstvertrauen in sich und seinen eigenen Körper. Denn wer schön sein will, muss nicht unbedingt fit sein. Muss nicht fünf Tage die Woche trainieren. Muss keinen Avocadosalat mögen. Wer schön sein will muss sich selbst akzeptieren und lieben lernen, auch mit Cellulite und kleinen Speck-Röllchen am Bauch. Denn das ist menschlich.

Leona Bürzle

Kommunikationswissenschaft und Germanistik, Otto-Friedrich-Universität Bamberg

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