Leben wir tatsächlich in einer Filterblase?

Die Gesellschaft im Netz zersplittert. Die Menschen sehen nur noch, was sie sehen wollen. Kritische Diskussionen weichen gegenseitiger Bestärkung. Schuld daran sind die großen Konzerne, wie Facebook und Google. Durch Algorithmen bestimmen sie, welche Inhalte Nutzern angezeigt werden. Jeder bewegt sich nur noch in seiner Blase. Hört sich ziemlich düster an, oder? Hinzu kommt, dass diese ominöse Filterblase angeblich schon einiges angerichtet hat. So wird ihr vorgeworfen, für den Brexit oder die Wahl Donald Trumps verantwortlich zu sein. Auch am schnellen Aufstieg der AfD ist natürlich die Blase schuld. Woran könnte es auch sonst liegen?

Wir filtern dir die Welt, wie sie dir gefällt?!

Die Idee der Filterblase (engl. filter bubble) stammt von Eli Pariser. Schon 2011 warnt der Amerikaner vor der Personalisierung von Inhalten durch Websites und Soziale Medien. Seiten wie Facebook oder Google setzen Algorithmen ein, die Informationen individuell filtern. Die Basis dafür sind Standortangaben, Likes oder Suchanfragen. Je mehr Informationen ein Nutzer durch seine Aktivitäten preisgibt, desto enger wird die Blase. Dies führt schließlich dazu, dass sich Nutzer nur noch mit Gleichgesinnten umgeben.

Es entstehen sogenannte Echokammern, in denen sich Menschen gegenseitig in ihren Ansichten bestärken. So wird der Eindruck erzeugt, man stehe mit seiner Meinung nicht allein dar oder sei sogar in der Mehrheit. Der Vorwurf: Durch das Filtern der Informationen wird das Weltbild beeinflusst.

Ist die Angst vor der Filterblase gerechtfertigt?

Es gibt immer wieder Studien, die versuchen die Theorie zu beweisen oder zu widerlegen. Ein eindeutiges Ergebnis gibt es allerdings nicht. Klar ist, Inhalte werden gefiltert. Das ist auch dringend nötig, da wir sonst von einer riesigen Informationsflut überrollt werden würden. Das Problem ist nur, keiner weiß so recht welche Mechanismen zum Einsatz kommen. Mangelnde Transparenz sorgt für Skepsis. Des Weiteren stellt sich die Frage, ob nur  Algorithmen beeinflussen, was Menschen sich im Netz anschauen. Denn auch in der realen Welt umgeben wir uns gerne mit Gleichgesinnten. Das ist offline und online eine eigenständige Entscheidung. Darüber hinaus sind soziale Medien (hoffentlich) nicht die einzige Informationsquelle. Der Einsatz der klassischen Medien ist gefragt, den Nutzern ein möglichst breites Bild an Standpunkten zu liefern. Auch im privaten oder beruflichen Umfeld wird man mit Meinungen konfrontiert, die sich von der eigenen unterscheiden. Wer trotzdem Angst vor der Blase hat, kann versuchen, sie zum Platzen zu bringen.

Hilfe! Ich will raus aus meiner Filterblase!

Im Netz finden sich viele Tipps, um aus der Blase zu entkommen. Beispielsweise wird empfohlen, auch die Seiten von Parteien zu abonnieren, die man nicht wählt. Eine weitere Möglichkeit ist es, andere Suchmaschinen als Google zu verwenden. Außerdem gibt es Add-Ons die verhindern, dass das Surfverhalten dokumentiert wird. Auch Facebook testet im Moment eine neue Funktion, die den Horizont der Nutzer erweitern soll.

Im sogenannten „Entdecker-Feed“ tauchen Seiten auf, die noch nicht abonniert wurden. Ganz ohne Filter geht es aber auch bei dieser Funktion nicht.

 

von: Katharina Steinhäuser

Kommunikationswissenschaft, Otto-Friedrich-Universität Bamberg

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