gab.ai – Medium zur freien Meinungsäußerung, oder rechte Echo-kammer?

„Was Du nicht willst, dass man Dir tu, dass füg‘ auch keinem andern zu“. Solche Regeln waren Teil meiner und vermutlich auch Ihrer Erziehung. Es reimt sich schön und ist damit leicht verständlich und bleibt im Kopf – selbst bei Kindern.

Auf der Straße ist dies auch eher noch der Standard, als die Ausnahme, wenn allerdings eine gewisse Anonymität gegeben ist, vergisst so manch einer seine gute Kinderstube. Und wo ist ebenjene Anonymität größer als im Internet? Denn, wenn Nutzer nicht ihre echten Namen oder Daten angeben müssen und so nicht für Aussagen geradestehen müssen, fällt es offenbar leicht Beleidigungen, Hetze oder Fake News zu verbreiten. Soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter gehen mittlerweile gegen solche Nutzer vor, indem sie ermahnt und bei wiederholter Auffälligkeit gesperrt werden.

All jene, die mit allgemeinen Verhaltensregeln und Nutzungsbedingungen auf Kriegsfuß stehen finden eine Zuflucht auf gab.ai. gab.ai (to gab = in etwa: quatschen) erinnert von seiner Handhabe an eine Mischung aus Reddit und Twitter. Usern ist es möglich von der Seite bereitgestellte Nachrichten zu kommentieren, eigene Inhalte zu verfassen, Beiträge up- oder downzuvoten und sie wiederum zu teilen.

Screenshot-2017-10-28 GAB Ad-free social media for all(2)

 

Anders als die „Big Socials“, die weit verbreiteten sozialen Medien, beruht die Kontrolle über Inhalte Gründer Andrew Torba zufolge nicht auf „Zensur“, sie wäre vielmehr eine Art Selbstkontrolle. Denn bis auf illegale Pornografie oder den Aufruf zu Terror werden sämtliche Inhalte durchgewunken, bei Problemen mit anderen Nutzern oder Inhalten sollen die Betroffenen frei nach dem Motto: „aus den Augen, aus dem Sinn“ diese schlichtweg aus ihren Feeds entfernen. Torba sieht in diesem Ansatz die wahrhaftige Durchsetzung des Rechts auf freie Meinungsäußerung.

Screenshot-2017-10-28 One last step Gab(1)

Das Konzept kommt offenbar an. Mit mittlerweile über 215.000 Nutzern erfreut sich gab.ai steigender Beliebtheit. Vor allem Konservative und Anhänger der Alt-Right-Bewegung sind begeistert von den Möglichkeiten, die ihnen mit gab zur Verfügung stehen, wie Torba bereits zugab. Von Werbung für die Waffenlobby, über krasse Beleidigungen bis hin zu Diskreditierung Andersdenkender ist alles vertreten.

Auch immer mehr deutsche User zieht gab.ai in ihren Bann. Mittels eines eigenen Reiters besteht die Möglichkeit auf nur deutsche Beiträge weitergeleitet zu werden. Deren Inhalte sind aktuell wenig überraschend Aussagen von AfD-Politikern, Diffamierungen anderer Politiker oder Kritik an der Asylpolitik mit dem Feindbild Nummer eins: Angela Merkel.

Die Folge der „Selbstzensur“ und die Verwendung durch fast ausschließlich Rechtsgesinnte führt allerdings dazu, dass die #GabFam, wie sich Nutzer gerne bezeichnen, auf gab.ai nur mit Ansichten konfrontiert, die sich mit ihren decken, oder ihnen ähneln, sie sehen sich in ihrer Meinungen bestätigt und die Seite ihr Dasein als Echo-Kammer rechtspopulistischer Inhalte immer mehr verstärkt.

 

Georg Höfer

Student der Kommunikationswissenschaft, Otto-Friedrich-Universität Bamberg

 

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