Counterspeech – mit Humor gegen den Hass im Netz

Counterspeech – das ist etwas, das jeder von uns kann und wohl jeder schon des öfteren praktiziert hat, denkt man nur mal kurz an die eigenen Teenager-Jahre zurück, in denen  durch Kontern und regelmäßiges Widersprechen der eigene Standpunkt gegen Eltern und Geschwister vertreten wurde.  Aber liebe Eltern: Auch, wenn Ihre Geduld durch die wohl zahlreichen Auseinandersetzungen des öfteren strapaziert wurde, so waren diese doch ein gutes Training für Ihre Kinder, das nicht nur zu Durchsetzung im späteren Berufsleben führen, sondern auch einen aktiven Beitrag zur Antidiskriminierung leisten kann.

So entstand vor einigen Jahren das Konzept des Counterspeech, der Gegenrede also, das dazu beitragen soll,  menschenverachtende Kommentare, Diskriminierung oder Aufrufe zur Gewalt aktiv zu bekämpfen, und zwar durch die Nutzer selbst. Die Idee, die dahinter steckt, ist relativ simpel: So soll Hass nicht mit Hass bekämpft werden, sondern mit Argumenten, neuen Denkanstößen und Humor. Schon seit einiger Zeit formieren sich Gruppen und Kampagnen, die dieses Konzept verbreiten wollen.  Da wäre zum Beispiel das No Hate Speech Movement, das 2013 von Jugendorganisationen des Europarats ins Leben gerufen wurde und das mittlerweile in 40 Staaten aktiv ist.  Auf ihrer Internetseite rufen sie Userinnen und User dazu auf, Hasspostings auf Facebook, Twitter und Co. etwas entgegen zu setzen.  Da kontern aber auch gelernt sein will, gibt’s auf der Seite Tipps, Memes, Videos und Sprüche zum Download, mit dem jeder einzelne ein Zeichen gegen Diskriminierung und Hass setzen kann.

No Hate Speech

Bei sozialen Netzwerken wie Facebook hält man dieses Konzept für ein gutes Mittel, um Hasspostings zu bekämpfen. Laut Sheryl Sandberg, der Geschäftsführerin von Facebook, ist Counterspeech unglaublich stark, da das beste Mittel gegen schlechte Ideen gute Ideen, und das beste Mittel gegen Hass Toleranz ist. Die Vorteile für Facebook sind dabei natürlich die geringen Kosten und der niedrige Aufwand, da die Verantwortung der Kampagne bei den Nutzern selbst liegt.

Aber kann Counterspeech wirklich langfristig gegen Hatespeech helfen? Können sachliche Argumente und Fakten Menschen zum Umdenken bewegen? Gibt es nicht genug Internet-Trolle, die man eben genau durch solche Konter füttert und anspornt, immer weiter zu provozieren? Denn das Problem besteht doch unter anderem darin, dass sich extrem denkende Menschen eher an den Posts und Kommentaren orientieren, die ihre eigene Meinung unterstützen und Posts, die gedanklich in eine andere Richtung gehen, gar nicht ernst nehmen. Das Zugehörigkeitsgefühl zu einer bestimmten Gruppe und die weitgehende Anonymität des Internets sind außerdem Faktoren, die Extremisten in ihrem Handeln anspornen. Doch einfach nichts zu sagen nach dem Motto „Don’t feed the troll“ ist auch nicht unbedingt eine Lösung. Natürlich kann die Auseinandersetzung mit Trollen unglaublich nervenaufreibend sein und viel Zeit und Geduld in Anspruch nehmen. Doch „Wenn man nicht mitdiskutiert, sind am Ende irgendwann nur noch Trolle da, die sich gegenseitig auf die Schulter klopfen. Und alle Leute, die deren Kommentare lesen, haben das Gefühl, das sei die herrschende Meinung. Darum: Wer das einfach stehenlässt, tut niemandem einen Gefallen.“ 

Sich zu wehren, zu kommentieren und sachlich zu argumentieren ist also auf jeden Fall eine Strategie, die jeder mal ausprobiert haben sollte. Ob man mit Counterspeech tatsächlich effektiv Radikalismus im Netz bekämpfen kann, wird sich noch zeigen. Allerdings sollten sich Facebook & Co. auf solchen Kampagnen keinesfalls ausruhen, ganz im Gegenteil: Sie sollten Initiativen wie diesen aktiv unter die Arme greifen, indem sie gegen Hasskommentare  vorgehen. Das am 1. Oktober 2017 in Kraft getretene Gesetz gegen Hasspostings, das soziale Netzwerke dazu verpflichtet, bestimmte strafbare Inhalte innerhalb von sieben Tagen zu löschen oder zu sperren, ist dabei schon mal ein Schritt in die richtige Richtung.

Magdalena Herden, Studentin der Kommunikationswissenschaft an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg

 

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