Netflix & Co. – Der Niedergang der TV-Industrie?

Streaming wird das herkömmliche Fernsehen auslöschen – so klingt zumindest der Tenor aus Presse- und Expertenkreisen. Doch worin liegt das Geheimnis des Siegeszugs der Streamingplattformen? Was können die TV-Anstalten und Filmstudios unternehmen um nicht wie so viele andere Branchen vor ihnen vom digitalen Wandel überrollt zu werden?

Wie Programmierer Zuschauer binden

Die Vorteile des Streamings, auch „Video on Demand“ genannt, liegen klar auf der Hand. Der größte Pluspunkt des Streamings besteht in der zeitlichen und räumlichen Flexibilität. Frei nach dem Motto: Wann du willst und wo du willst. Außerdem entfallen aufgrund der Abonnementstruktur sämtliche Arten von Werbung. Zu guter Letzt erhält der Nutzer durch eigens entwickelte Algorithmen maßgeschneiderte Vorschläge die auf seinen Vorlieben beruhen und die den Produzenten Vorschläge für neue Inhalte liefern, der Innovationsgeist des Silicon Valley lässt grüßen. Besonders eindrucksvoll schlägt sich dies in der Entwicklung der preisgekrönten Eigenproduktionen nieder. Aus dieser Vorgehensweise entsteht auch die Gefahr, welche Streaming für die konventionellen Filmemacher darstellt.

Vom Kunde zum Konkurrent

Zu Beginn beschränkten sich die heutigen Big-Player auf Servicefunktionen. Sie erwarben Lizenzpakete von den großen Fernseh- und Filmgesellschaften und stellten diese dann ihren Abonnenten zur Verfügung. Durch das rasante Wachstum und das dadurch angehäufte Kapital ergaben sich jedoch schnell weitaus größere Möglichkeiten. Hochrangige Regisseure, Drehbuchautoren und Schauspieler wurden für eine immer weiter steigende Zahl von Serienprojekten verpflichtet. Dies alles geschah ohne eine starke Erhöhung der Abonnementpreise, was in der Konsequenz zu noch höheren Kundenzahlen führte. Mittlerweile sind bereits die ersten Kino-Blockbuster in Eigenregie entstanden (z.B. „Beasts of no Nation“). Der Druck auf die alteingesessenen Produzenten steigt somit weiterhin stark an.

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Das Fernsehen muss sich neu erfinden

Die herkömmlichen TV-Anbieter in Deutschland reagieren darauf vor allem mit der Modernisierung ihrer Mediatheken um für ein Mindestmaß an Flexibilität zu sorgen, sowie auch durch den Erwerb von Exklusivrechten (z.B. Bundesliga), die sich noch nicht im Besitz der Streamingdienste befinden. Besonders der Pay-TV -Anbieter Sky tut sich hier in Deutschland hervor und sicherte sich die Rechte an den Referenzproduktionen des TV-Riesen HBO aus Amerika („Game of Thrones“). Ohne konkurrenzfähige Eigenproduktionen wie beispielsweise „Die Höhle der Löwen“ werden die Sender auf Dauer in Bedrängnis geraten. Einer Umfrage des Onlineportals „AllFlicks“ zu Folge glauben bereits 75,5% der Befragten an eine zeitnahe Wachablösung durch Online-Anbieter.

Das Kino als magischer Ort

Dem Kino hingegen wird eine höhere Überlebenswahrscheinlichkeit attestiert, nur knapp über 24% glauben, dass Netflix, Amazon und Co. das Kino vollständig von der Bildfläche verdrängen werden. Um diese Prognose Realität werden zu lassen gehen die großen Kinobetreiber bereits neue Wege, so wurden bereits erste Kooperationsverträge mit den Konkurrenten geschlossen. Diese besagen, dass ein Film parallel zum Start im Netz auch in ausgewählten Kinos der Vertragspartner anlaufen wird. Davon einmal abgesehen sind die großen Hollywoodstudios momentan mächtig genug um die vereinzelten Angriffe abwehren zu können. Schließlich befinden sich die lukrativsten Rechte noch immer in ihrer Hand. Unserer Meinung nach wird der Großteil der Menschen die „Magie“ des traditionellen Kinobesuchs nicht auf Dauer zugunsten des heimischen Laptops aufgeben.

Schonfrist für Hollywood

Der digitale Wandel trifft auch TV und Kino mit voller Kraft. Durch die revolutionären, leicht zugänglichen Angebote der Streamingriesen geraten die traditionellen Produzenten und Sendeanstalten zunehmend in die Bredouille. Ohne entsprechende Exklusivangebote und qualitativ hochwertige Serien aus eigener Produktion werden es die Fernsehsender in Zukunft schwer haben. Das Kino hingegen kann, sofern sich das Konsumentenverhalten nicht unvorhergesehen ändert, vorerst beruhigt in die Zukunft schauen. Zumindest so lange bis die nächsten bahnbrechenden Ideen den Markt aufmischen.

Florian Dieing, Thomas Graf
Studiengang BWL-Industrie, IN 316
Duale Hochschule Baden-Württemberg, Campus Ravensburg

 

Quellen:
Wozu braucht man eigentlich noch das Fernsehen?
TV-Sender müssen sich neu erfinden
Die Zeitenwende – wie Netflix Hollywood bedroht

 

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