Sterben und erben im Internet

Etwa alle 3 Minuten stirbt ein deutscher Facebook-Nutzer, doch meistens bleibt sein Profil erhalten. Ebenso hat beinahe jeder ein E-Mail Account oder gar mehrere. Zudem gibt es ganze Meere an Blogs und Online Accounts. Nach seinem Tod hinterlässt man Spuren im Netz, doch was tun? Oftmals sind es banale Dinge wie das letzte Mal einkaufen oder auch sehr besondere Momente, die man mit Jemandem geteilt hat, wie die letzte Urlaubsreise, die für jeden sichtbar bleiben. Aber was passiert mit den Hinterlassenschaften im Netz?

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Wer was erbt ist meist in einem Testament geregelt, doch häufig werden Konten bei Sozialen Netzwerken, E-Mail Accounts oder Blogs nicht berücksichtigt. Es gehen weiterhin Nachrichten ein, PayPal oder andere Kreditinstitute verlangen Zahlungen für bestellte Ware, buchen Geld für Online-Verträge oder Abos ab und Ebay Verkäufer warten auf Antworten. Für Erben beginnt deshalb nach dem Tod des Verstorbenen oft die Suche nach Online Konten. Doch Accounts zu löschen oder nur zu bearbeiten ist gar keinen leichte Aufgabe, denn was wenn Passwörter die Zugänge versperren? Das der Zugriff auf Profile und Online-Konten nicht einheitlich geregelt ist erschwert dies noch weiter. Außerdem verlangen viele Webplattformen einen Nachweis z.B. eine Sterbeurkunde, erst dann gewähren sie den Zugriff auf die Daten des Verstorbenen.

Das soziale Netzwerk Facebook fordert z.B. eine Sterbeurkunde oder den Link zu einer digitalen Todesanzeige. Wenn man als Angehöriger, dann soweit ist und über das Profil verfügen kann, hat man nur zwei Optionen löschen des Profils oder in den Gedenkzustand versetzen. Dadurch ist keine Bearbeitung oder Löschung bestimmter Einträge möglich, der einzige Trost ist, dass keine schmerzhaften Erinnerungen mehr an Geburtstage oder Veranstaltungen angezeigt werden. Es gibt aber auch zu Lebzeiten die Möglichkeit einen Nachlasskontakt anzugeben, der dann im Todesfall auf das Profil zugreifen, Beiträge verfassen und Fotos entnehmen kann.
Google bietet einen besonderen Dienst über einen Kontoaktivitätsmanager an. Dabei können Nutzer ihre Zugangsdaten ganz einfach vererben. Der Kontoaktivitätsmanager wird dann aktiviert wenn der User sich über einem bestimmten Zeitraum (wahlweise drei, sechs, neun oder zwölf Monate) nicht mehr beim Online Netzwerk anmeldet. Man kann dann Nachrichten erstellen die Google automatisch nach dem Tod an den Erben verschickt. Wahlweise kann der Profil- Inhaber auch einstellen, dass sein Konto nach angegebener Zeit gelöscht werden soll.
Bei PayPal muss man sich mit dem Kundenservice in Verbindung setzten und mittels einem entsprechendem Nachweis wie Erb-, Totenschein, Ausweis oder Sterbeurkunde einen Anspruch auf das ausstehende Guthaben geltend machen. Bei E-Mail Accounts kommt es auf den Anbieter an. Während bei GMX und Web.de Erbschein und eine Unterschrift reichen, steht man bei Yahoo vor verschlossenen Toren, denn sie gewähren keinen Zugriff auf das Konto. Mehr als es löschen zu lassen ist nicht drin.

Um dieses hin und her mit den Konten und Portalen zu verhindern gibt es hier eine Checkliste, die zu beachten ist:

• Wer soll sich um den Nachlass kümmern?
• Einer vertrauenswürdigen Person die gesamten Zugangsdaten in einem Testament
hinterlassen oder in Form eines Zettels, an einem sicheren Ort deponieren.
• Festhalten was mit den Accounts geschehen soll.

Habt ihr euch schon mal Gedanken über euren digitalen Nachlass gemacht?! In der Kampagne machts-gut werden Nutzer für die frühzeitige Regelung und welche Möglichkeiten es gibt sensibilisiert.

Helena Führle/ Michaela Herz
Studiengang BWL-Industrie
IN316 Duale Hochschule Baden-Württemberg, Campus Ravensburg

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