Freizeitmanager Instagram

Desayunar para sobrevivir 😍 #healthyfood #breakfast #mmm #training #energy #grlpwr #nobreakfastnolife

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07:30 Uhr, ein schrecklicher grauer Morgen an der Bushaltestelle. Der Bus selbst? Noch lange nicht in Sicht! Der perfekte Zeitpunkt also, um kurz in die kunterbunte und schillernde Welt der Sozialen Netzwerke einzutauchen. Ein kurzer Klick auf den Instagram-Button und schon steht der Erkundungstour durch das Leben anderer nichts mehr im Wege. Ganz oben der neuste Post eines Fitnessmodels, ein leckeres Müsli mit Früchten (natürlich Low-Carb), daneben der frisch gepresste Orangensaft. Das wäre jetzt natürlich eindeutig die bessere Alternative, statt in der Kälte frierend auf den Bus zu warten! Direkt darunter das Bild der Freundin meines Nachbarn, die ihre letzte Shoppingtour durch München mit ihren 5.456 Followern teilt. Mir fallen ihre Schuhe auf, die mir eigentlich auch ganz gut gefallen. Als nächstes meine alte Kindergartenfreundin, schon wieder auf einem Road Trip durch die USA… Mit jedem Bild, das ich mir anschaue, wird meine Laune noch etwas schlechter und ich frage mich, ob mein Leben wirklich so viel langweiliger ist, als das der Menschen, die ich jeden Tag auf Instagram verfolgen kann. Mein Profil ist alles andere als auf dem neuesten Stand, meine letzte Reise liegt ein Jahr zurück. Ich bin viel zu faul, meinen Chai-Latte von Starbucks zu präsentieren und besonders sportbegeistert bin ich auch nicht. Trotzdem merke ich, wie in mir der Neid aufsteigt, die Wut auf mich selbst, nicht auch so diszipliniert und abenteuerlustig zu sein.

Doch woher kommt dieser Trend? Instagram wurde im Oktober 2010 eingeführt und ist natürlich nicht die erste Anwendung, die uns das Teilen von Fotos und Momenten im Internet ermöglicht. Instagram ist jedoch durch die Filterfunktion und durch die Möglichkeit, Geschichten zu erstellen, im Gegensatz zu Facebook direkt auf Fotos ausgerichtet. Das scheint bei den Nutzern sehr gut anzukommen. Die Anwendung wurde von Jahr zu Jahr erfolgreicher und 2012 schließlich für 1 Milliarde Dollar von Facebook gekauft. Momentan hat Instagram über 400 Millionen aktive Nutzer.

Täglich werden auf der Plattform ca. 80 Millionen Bilder hochgeladen, auf denen wir beim Sport, auf Reisen, mit frisch lackierten Fingernägeln oder bei einem gemütlichen Tag im Bett mit MacBook auf dem Schoß zu sehen sind. Immer wieder dieselben Inhalte, die schon zur Norm geworden sind. Einige Blogger haben es sogar geschafft, mit diesem #lifestyle Geld zu verdienen, indem sie ihr Profil aktiv als Werbeplattform nutzen.

Diese Mode-, Food-, und Beautyblogger setzen die Standards, die wir versuchen zu imitieren. Sich selbst in möglichst gutem Licht darzustellen, das ist einer der Gründe hinter jedem Post. Nicht mehr wir entscheiden, ob ein Moment gelungen ist, sondern die Anzahl der Likes unter unserem Bild. Wir wählen unsere Freizeitaktivitäten danach aus, ob später daraus ein gutes Foto entstehen könnte und nicht, weil wir etwas für uns selbst tun. So wird Instagram zu unserem persönlichen Freizeitmanager. „Wir lernen, dass ein Post aus dem Museum weniger für Furore sorgt als einer von der Kartbahn. Anstatt also zu leben, macht man sich Gedanken darüber, was man berichten kann – diese Gefallsucht kann zur Falle werden“, sagt die Diplom-Psychologin Heike Kaiser-Kehl. Besonders Menschen mit geringerem Selbstwertgefühl könnten dadurch unter psychischen Stress und Druck geraten, täglich etwas besonders aufregendes aus ihrem Leben zu posten.

Natürlich wurde im oberen Abschnitt ein Extremfall skizziert, der sicherlich nicht auf jeden zutrifft. Für manche können die sozialen Netzwerke sogar als Ansporn wirken, etwas aus ihrem Leben zu machen und zu versuchen, zu werden, wie sie sein wollen. So hat zum Beispiel Instagram schon einigen Übergewichtigen beim Abnehmen geholfen. Indem sie ihre Erfolge mit anderen geteilt und dadurch Anerkennung geerntet haben, wurden sie ständig motiviert, noch weiter zu machen.

Lassen wir uns also nicht den Tag verderben, auch wenn uns unser Leben morgens um 07:30 Uhr an der Bushaltestelle noch so trostlos erscheint. Vielmehr sollte der „Freizeitmanager Instagram“ uns motivieren, etwas daran zu ändern.

Jeanette Matheis / Lorina Stotz
Studiengang BWL-Industrie,
IN316 Duale Hochschule Baden-Württemberg, Campus Ravensburg

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