Ist das Internet ein Massenmedium?

Was ist mit dieser Frage überhaupt gemeint? Was ist überhaupt ein Medium und was wird als Masse bezeichnet? Und ist Medium plus Masse gleich Massenmedium? Viele Fragen werden aufgeworfen, wenn man sich der Frage widmet, ob das Internet als eines der bedeutendsten Mittel zur Kommunikation und zum Datenaustausch wirklich ein Massenmedium ist. Der Blick auf die Zahlen sagt uns, dass Stand 2014 weltweit über 2,9 Milliarden Menschen das Internet nutzten. In Deutschland lag der Anteil der Internetnutzer an der Gesamtbevölkerung bei 77% und unter den 18-24-jährigen sogar bei (auch nicht anders zu erwartenden) 99%. Angesichts dieser Zahlen möchte man meinen, dass die Frage, ob das Internet ein Massenmedium ist, ein kurze und klare Antwort hat: JA! Doch so einfach ist es dann doch nicht.

Internetnutzung

Per Definition sind Massenmedien „Kommunikationsmittel, die durch technische Vervielfältigung und Verbreitung mittels Schrift, Bild oder Ton Inhalte an eine unbestimmte Zahl von Menschen vermitteln und somit öffentlich an ein anonymes, räumlich verstreutes Publikum weitergeben.“ Kurzum heißt das, dass Massenmedien zur öffentlichen Massenkommunikation dienen und jeder Zugang zu diesen Medien hat. Laut dieser Definition ein weiterer einfacher Punkt an das Internet als Massenmedium. Doch zieht man weiter gehende Definitionen und Standpunkte heran, wird das Ganze schon durchaus komplexer. Gerhard Maletzke zum Beispiel geht bei seinen Ausführungen und Definitionen zu dieser Thematik noch einen Schritt weiter. Im Wesentlichen definiert er in den 1960er Jahren fünf entscheidende Faktoren für Massenkommunikation:

Unter Massenkommunikation verstehen wir jene Form der Kommunikation, bei der Aussagen öffentlich (also ohne begrenzte und personell definierte Empfängerschaft) durch technische Verbreitungsmittel (Medien) indirekt (also bei räumlicher oder zeitlicher oder raumzeitlicher Distanz zwischen den Kommunikationspartnern) und einseitig (also ohne Rollenwechsel zw. Aussagenden und Aufnehmenden) an ein disperses Publikum vermittelt werden.“

Und wieder eine dieser zeilenlangen Definitionen, die man ein paar Mal lesen muss, um sie zu verinnerlichen. Es geht um öffentliche, indirekte und einseitige Kommunikation an ein disperses Publikum durch technische Verbreitungsmittel. Gehen wir die einzelnen Punkte der Reihe nach durch. Öffentlich? Klar ist das Internet öffentlich. Kann ja schließlich jeder verwenden und nutzen. Indirekt? Sowieso, da eine räumliche Distanz, gerade durch den weltweiten Gebrauch, unvermeidbar ist. Einseitig? Wer könnte behaupten, dass eine Website für Nachrichten keine einseitige Kommunikation darstellt. Doch ist das wirklich die Lösung auf die Frage? Oder kann man das Ganze nicht auch ganz anders sehen bzw. interpretieren? Ist es öffentlich, heißt ohne begrenzte und personell definierte Empfängerschaft, wenn man auf Facebook eine private Gruppe mit personell begrenzter Empfängerschaft erstellt? Wohl kaum. Ist es indirekt wenn ich auf all den diversen sozialen Netzwerken mit einem Gegenüber chatte? Sicher nicht. Und gerade die Frage nach der Einseitigkeit, wie wir sie beispielsweise von dem klassischen Massenmedium Fernseher her kennen, ist bei all der Interaktivität die im Netz stattfindet mehr als kritisch zu betrachten.

Ganz so einfach wie die Antwort am Anfang noch schien, scheint sie dann doch nicht zu sein. Natürlich erscheint das Internet, durch die online abrufbaren Zeitungen und die unzähligen Streaming-Dienste zum Fernsehen und vieles weitere mehr, als eine Art Sammlung von Massenmedien und wird dadurch natürlich selbst in gewisser Weise zum Massenmedium. Auf der anderen Seite gerät aber auch das Bild vom Produzenten und Konsumenten, das wir von den klassischen frontalen Massenmedien her kennen, im Internet immer mehr ins Wackeln. Viel mehr wird hier der Konsument durch das hohe Maß an Interaktivität, Vernetzung und Mitwirkung zum „Prosument„, heißt zu einem Nutzer/Verbraucher, der gleichzeitig auch Produzent ist.

Dieser Beitrag soll als Anregung dienen, und wir würden uns freuen, wenn wir eure Meinungen zu diesem spannenden und aktuellen Thema in den Kommentaren lesen könnten oder vielleicht auch den einen oder anderen interessanten Punkt, der in unseren Ausführungen eventuell zu kurz kam.

Literatur: Online-Kommunikation im Social Web. Mythen, Theorien und Praxisbeispiele. Hg. v. Sabine Kirchhoff. Verlag Barbara Budrich UTB 2014.

Bernhard Bauer / Peter Bloching
Studiengang BWL-Industrie, IN 315
Duale Hochschule Baden Württemberg, Campus Ravensburg

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