„Made in Germany“ – eine Herkunftsbezeichnung im Wandel

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„Alle müssen jetzt dazu beitragen, dass die Dachmarke „Made in Germany‘ keinen Schaden nimmt“, heißt es in einer neun Seiten langen „Handreichung“ des Bundeswirtschaftsministeriums für die Kommunikation im Ausland, die an alle deutschen Außenhandelskammern an 130 Standorten in 90 Länder verschickt wurde. Bei der Manipulation von VW-Dieselmotoren handele es sich um einen „äußerst gravierenden Vorgang“, der „nicht toleriert“ werde, heißt es in dem Papier. VW habe erklärt, „mit Hochdruck“ die Mängel zu beseitigen. „Deutsche Unternehmen sind erfolgreiche Vorreiter technologischen Fortschritts, gerade auch im Umweltbereich. Das darf angesichts eines Einzelfalls nicht aus dem Auge verloren werden“, heißt es in dem Papier. Der VW-Konzern sei „ein zentrales Unternehmen für Deutschland“. Ob die deutsche Wirtschaft insgesamt darunter leiden werde, sei noch nicht vorhersehbar.

Die deutschen Außenhandelskammern müssen also im Ausland um Vertrauen in die deutsche Wirtschaft werben; kein Wunder, denn allein 2015 exportieren deutsche Unternehmen Waren und Dienstleistungen im Wert von sage und schreibe 1,2 Billionen Euro, das ist fast die Hälfte der gesamten deutschen Wirtschaftsleistung eines Jahres.

Vielen Leuten ist „Made in Germany“ ein Begriff, aber woher kommt das Label überhaupt, und wie hat es so sehr an Popularität gewonnen?

Durch die Konkurrenzsorgen der Messerhersteller in Sheffield wurde 1887 das Handelsmarkengesetz „Merchandise Marks Act“ beschlossen, welches besagt, dass Produkte aus Deutschland mit dem Schriftzug „Made in Germany“ versehen werden müssen, um englische Verbraucher vor deutschen billigen Produkten mit schlechter Qualität zu warnen bzw. zu schützen. Der Plan, deutsche Produkte durch einen Herkunftshinweis aus dem Markt zu drängen, ging allerdings nicht auf. Ende des 19. Jahrhunderts holten die deutsche Produzenten bei der Qualität ihrer Produkte immens auf. Produkte, die mit „Made in Germany“ versehen waren, wurden bei Verbrauchern im In- und Ausland immer beliebter. Viele erkannten deutsche Produkte durch dieses Siegel, welches nun für gute Qualität stand. Somit war das Qualitätssiegel „Made in Germany“ geboren.

Heutzutage werben viele deutsche Unternehmen mit dem Label „Made in Germany“. Sie genießen im Ausland einen exzellenten Ruf. Dies kommt gerade mittelständischen und kleinen Unternehmen zu Gute, die sich keine teuren Werbekampagnen leisten können. In Deutschland gibt es jedoch keine gesetzlichen Regelungen und keine Verpflichtung zur Kennzeichnung deutscher Produkte. Somit kann jeder Hersteller auf eigene Verantwortung seine Produkte mit der Herkunftsbezeichnung „Made in Germany“ versehen. Das Label ist nicht geschützt. Es finden keine Kontrollen statt, und es gibt keine Institution in Deutschland, die die Richtigkeit der Warenmarkierung bestätigt. Der Konsument muss also auf das Unternehmen vertrauen, dass ein Produkt auch aus Deutschland kommt, wenn es mit „Made in Germany“ belabelt ist. Wie ersichtlich ist, ist es schwierig festzustellen, wann ein Produkt „Made in Germany“ ist oder nicht. Expertenmeinungen sagen, es reicht aus, wenn die Produkteinzelteile im Ausland gekauft wurden und in Deutschland zusammengebaut werden,  andere fordern, dass mindestens 51 % der verwendeten Teile aus Deutschland stammen müssen. Bisher konnten aber keine einheitlichen Richtlinien festgesetzt werden.

In einem sind sich die Experten aber einig. „Made in Germany“ steht für Qualität, Zuverlässigkeit und Präzision. Das Label stellt im internationalen Wettbewerb trotz hoher Lohnkosten ein Gütesiegel dart. Die Marke hat sich im Laufe der Zeit immer mehr etabliert und bringt die Voraussetzungen mit, um die Wettbewerbsfähigkeit und den Bekanntheitsgrad von deutschen Produkten weltweit zu fördern.

Die unsäglichen Manipulationen an den VW-Motoren werfen zwar ein ungutes Licht auf den deutschen Weltmarktführer, vielleicht auch auf andere deutsche Autobauer, aber nicht auf die deutsche Wirtschaft insgesamt. Denn was haben Maschinenbau, Pharmaindustrie und weltweit führende Logistik-Dienstleister mit dem Autobau zu tun? Die deutsche Exportwirtschaft fußt auf Millionen Produkten und Dienstleistungen, die in der Welt nach wie vor so stark gefragt sind wie selten zuvor.

Alina Frankenbach
Martina Reck

(Dieser Beitrag enstand im Rahmen der Lehrveranstaltung “Internationales Management” von Thomas Mavridis an der DHBW, Campus Ravensburg)

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