Wandelt sich das Suchverhalten?

Als ich 1996 zu den vier Prozent Internetnutzern in Deutschland gehörte, gab es noch jede Menge ernstzunehmende Suchmaschinen im Internet: Altavista, Fireball, Hotbot, Lycos, Excite und Infoseek, um nur die wichtigsten zu nennen. Der Anfang vom Ende der Vielfalt kam mit der Suchmaschine BackRub, die seit 1998 unter dem Namen Google online ist. Heute scheint nichts mehr ohne Google zu gehen. In Deutschland läuft über 90 Prozent aller Anfragen über diese Suchmaschine.

Suchmaschinenverteilung in Deutschland

Suchmaschine Dezember 2014 November 2014 Oktober 2014
Google 94.88% (+0.13) 94.75% (-0.35) 95.15% (+0.28)
Bing 2.42% (-0.15) 2.57% (+0.22) 2.35% (-0.16)
Yahoo** 1.77% (-0.03) 1.80% (-0.10) 1.90% (-0.12)
T-Online* 0.75% (+/-0) 0.75% (+/-0) 0.75% (+/-0)
Ask.com 0.20% (-0.02) 0.22% (+0.03) 0.19% (-0.03)
AOL* 0.15% (+0.02) 0.13% (+/-0) 0.13% (-0.01)
WEB.DE* 0.05% (+/-0) 0.05% (+/-0) 0.05% (+/-0)
GMX* 0.02% (+/-0) 0.02% (+/-0) 0.02% (+/-0)
Search.com 0.02% (+/-0) 0.02% (+/-0) 0.02% (+/-0)
Conduit** 0.01% (+/-0) 0.01% (+/-0) 0.01% (-0.04)
* = Suche mit Google     ** = Suche mit Bing     Quelle: SEO-united.de

Googles Erfolg hat den Firmennamen so populär werden lassen, dass er im allgemeinen Sprachgebrauch längst als Synonym für „Suchen im Internet“ verwendet wird. So findet sich das Verb „googeln“ seit 2004 im Duden ebenso wie „to google“ seit 2006 in englischsprachigen Wörterbüchern – etwa dem Oxford English Dictionary oder dem amerikanischen Merriam-Webster’s Collegiate Dictionary.

Und doch ist auch bei Google nichts so beständig wie der Wandel. Google hat im Dezember 2014 die größte Einbuße beim Marktanteil seit 2009 verzeichnet. Wegen der Kooperation von Yahoo mit Firefox soll der Marktanteil in den USA auf 75,2 Prozent gesunken sein. So tief war er nicht mehr seit 2008. Das lässt aufhorchen.

Für Mark Cuban ist nicht der Verlust von Marktanteilen gegenüber Yahoo der Grund, sondern die Konkurrenz durch Twitter. Das sagte der Investor gegenüber CNBC.  Twitter sei eigentlich sogar die bessere Suchmaschine, so Cuban. „Google ist zwar gut, um Sachen zu suchen, die es schon länger gibt.“ Die große Herausforderung sei indes die Aktualität – und dort sei Google schwach. „Deshalb nutze ich Twitter wohl zehn Mal häufiger als Suchmaschine als Google.“

twitter_search Von außen suchen: Auf Twitter muss man nicht angemeldet sein, um die Suchfunktion zu nutzen.

Soziale Netzwerke und Blogs zeichnen sich vor allem durch einen sehr hohen Anteil an tagesaktuellen Informationen aus, erzeugt von Millionen von Nutzern. Die Echtzeitsuche liefert Ergebnisse aus den Netzwerken, die schneller auf aktuelle Ereignisse reagieren und demzufolge auch neueste Informationen zu einer Suchanfrage liefern als rein statische Informationsseiten. Hinzu kommt die Verschlagwortung durch Hashtags in fast allen Sozialen Netzwerken, die den Wandel im Suchverhalten sehr deutlich macht.

Der Niedergang von Google ist so schnell nicht zu erwarten. Gerade die Position der Suchmaschine ist weiterhin sehr stark. Pro Sekunde werden immer noch durchschnittlich rund 4.545 Anfragen ausgeführt. In einer Minute sind es bereits weit über 270.000, wie eine beeindruckende interaktive Visualisierung zeigt. Doch eines ist ebenso klar: Google fehlt es bis jetzt an einer richtigen Strategie für die Echtzeitsuche.

Thomas Mavridis

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