Kein Facebook und co: Wer sind die Abstinenzler? Außenseiter, Freidenker oder sogar Terroristen?

Wie? Du hast kein Facebook? Diese Frage mussten sich bestimmt alle schon einmal anhören, die nicht bei dem größten sozialen Netzwerk angemeldet sind. Doch nicht nur Facebook-Abstinenzler sollen hier unter die Lupe genommen werden, auch die Verweigerer jeglicher sozialen Netzwerke oder Community-Plattformen. Wer sind diese Menschen? Dissoziale Aussenseiter? Freidenker? Terroristen?

Die Liste der Netzwerke ist lang: Facebook, Youtube, Twitter, LinkedIn, Xing jeder kennt einige davon und viele sind gleich bei mehreren angemeldet.
Welche Vor- und Nachteile bringt die Teilnahme an sozialen Netzwerken im Internet mit sich? Welche Gründe gibt es, nicht an sozialen Netzwerken teilzunehmen?

Zunächst einmal sind die persönlichen Daten ohne einen Account wahrscheinlich sicherer als mit einem Account. Denn über unsere Profile im Netz geben wir viel preis, oft viel mehr, als wir beabsichtigen. Mit der Vielzahl von verschiedenen Profilen, die wir in der digitalen Welt von uns anlegen, liefern wir ein ziemlich genaues Bild unserer Persönlichkeit, Interessen, politischen Einstellung und vieles mehr. Je größer die Datenmenge, die wir veröffentlichen, desto gläserner werden wir.
Und dass es mit nur kleinen Fehlern bei den Privatsphäreneinstellungen große ungewollte Auswirkungen haben kann, ist uns mit Beispielen wie diesem schon bekannt.

Das wäre ein Grund, nicht an sozialen Netzwerken teilzunehmen. Ein guter Grund. Doch auch Menschen, die nicht mit dem Strom schwimmen wollen, die nicht dem Gruppenzwang einer modernen Erscheinung unterliegen wollen, lehnen die Mitgliedschaft ab. Es mögen moralische, religiöse oder auch die Privatsphäre betreffende Gründe sein. Dazu kommen jene Menschen, die einfach nicht der digitalen Welt zugeneigt sind und das Internet überhaupt nicht oder nur sehr selten nutzen. Diese Gruppe der meist älteren Menschen klammern wir bei unserer Frage aus. Uns interessieren die Beweggründe der Menschen, die zwar das Internet nutzen und sich mit digitalen Medien auskennen, sich jedoch bewusst gegen soziale Netzwerke entscheiden.

Es ist gut möglich, sich freier und unabhängiger zu fühlen, wenn man nicht ständig einem nie abreißenden, unaufhörlichen Nachrichtenstrom ausgesetzt ist. Die 15 Minutes of fame, mit der bereits Andy Warhol (oder auch jemand anderes) die Flüchtigkeit von Ruhm und medialer Aufmerksamkeit beschrieb, die sich schnell durch die Ablenkung auf ein anderes Objekt verändert, sind schnell vorbei. Ständig müssen neue Informationen aufgenommen, gefiltert und verarbeitet werden. Das kann anstrengend sein und Wissenschaftler warnen bereits vor einer Überflutung unseres Gehirns durch Informationen, die allenfalls interessant, aber keinesfalls relevant für unser Leben sind.

Was sind die Nachteile einer Abstinenz? Gibt es überhaupt nennenswerte Gründe für eine Teilnahme an sozialen Plattformen im Internet?

Um es einfach zu sagen: Ja, denn alle, die sich gegen die Teilnahme bei Facebook und co entscheiden stehen unter Terrorverdacht, haben Probleme Kredite zu bekommen oder laufen vielleicht schon bald Gefahr, in die Psychiatrie eingewiesen zu werden. Verrückt, oder?

Dass man nicht mehr zu Feierlichkeiten wie WG-Partys oder Geburtstagen eingeladen wird, weil man aufgrund der Abstinenz nicht über Facebook zu einer dort erstellten Veranstaltung eingeladen werden kann, ist da ja noch harmlos. Aber es ist ein triftiger Grund für viele junge Menschen, bei facebook zu sein, denn sonst wird man schnell ausgeschlossen.

Es klingt skurril und absurd: Wenn jemand nicht in sozialen Netzwerken online aktiv ist und auch sonst wenig oder gar keine Spuren im Netz hinterlässt, macht er sich automatisch verdächtig. Und ist unter Umständen sogar ein Terrorist, wie in diesem Artikel im Tagesspiegel zu lesen ist! Wissenschaftler wie Richard E. Bélanger vertreten die These, dass eine Online-Abstinenz auf Störungen hindeuten kann. Attentäter beispielsweise sind oft nicht online aktiv. Sind die Leute ohne Online-Profil jetzt alle verrückt? Nein, denn diese Studie kommt lediglich zu dem Schluss, dass die Abstinenzler genauso häufig zu Depressionen neigen, wie diejenigen, die exzessiv online aktiv sind. Oh Wunder!

Aber die Wahrheit ist, dass sich alle Abstinenzler von Grund auf erst einmal verdächtig machen oder zumindest Schwierigkeiten bei der Jobsuche haben. In den USA sollte man bei einer Bewerbung darauf achten, ein oder zwei Profile im Netz zu haben, andernfalls könnte das Misstrauen erwecken. Überhaupt gestaltet es die Jobsuche sehr viel einfacher mit digitaler Vernetzung, wie dieser Bericht zeigt. Sogar die Kreditwürdigkeit könnte in Zukunft von digitaler Präsenz und Vernetzung abhängen, wie Anne-Christin Sievers auf FAZ.net schreibt.

Führt uns der Weg zu solchen Meldungen, wie die Satireseite Der Postillon prophezeit? Wer nicht bei Facebook ist, muss einen an der Waffel haben.

Möglich ist alles …

10 Gründe, nicht bei Facebook teilzunehmen hat Wolfgang Harbauer. Und er zeigt gute Alternativen auf – zugegeben, diese sind auch soziale Netzwerke.

Achja: So schnell wie Trends in der heutigen digitalen Zeit auftrauchen, so schnell verschwinden sie auch wieder. Vielleicht ist facebook auch schon bald wieder total out

 

Felix Braune

Kommunikationswissenschaft, Uni Bamberg

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