Push it! Medienarbeit mit WhatsApp

Schnelle, einfache, kurze Nachrichten: so kommunizieren heute die meisten Nutzer über Mobile Messenger wie WhatsApp. Die Nachrichten landen direkt auf den Bildschirmen ihrer Smartphones. Klar, die SMS begleitet uns schon länger, und der Chatroom war eines der ersten sozialen Phänomene im Web. Doch Mobile Messenger haben stärkere Social-Komponenten: Etwa die Gruppenkonversationen und die Status-Updates auf eigenen Profilen. Sie sind damit eine gelungene Kombination aus SMS, Chat-Tools und sozialen Netzwerken.

Über WhatsApp und Co. werden nicht nur Texte und Fotos, sondern auch Links geteilt. Die Integration von WhatsApp-Share-Buttons in digitale Inhalte ist längst möglich. So können Nutzer mit einem Klick Inhalte mit ihren WhatsApp-Kontakten teilen, was die Reichweite von Kampagnen signifikant steigert. Es sieht also insgesamt so aus, dass wir uns neben der Facebook- und Twitter-Option zum Teilen von Artikeln an einen neuen Sharing-Button gewöhnen müssen. Je mobiler das Web wird, umso mächtiger wird auch die virale Macht von Messenger.

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Im richtigen Zusammenspiel mit anderen Maßnahmen können Messenger darüber hinaus wichtige Impulse im persönlichen Dialog mit dem Nutzer setzen. Die direkte Eins-zu-Eins-Kommunikation eignet sich, um Kundenprobleme zu besprechen – nicht in der Öffentlichkeit wie bei Twitter oder Facebook, sondern direkt von digitalem Angesicht zu digitalem Angesicht. Mögliche Einsatzgebiete sind Abholbenachrichtigungen im Multichannel-Handel, Zufriedenheits- oder Feedback-Befragungen unmittelbar nach einem Kauf oder Service-Informationen aus Kundenkarten- oder Loyalty-Programmen, auch in Verbindung mit Geo-Location-Funktionen.

Erste umfangreichere Gehversuche im Einsatz von Messenger-Nachrichten gibt es in den USA, Großbritannien, der Schweiz und Deutschland:

  • In den USA nutzte die Fastfood-Kette Taco Bell bereits Mitte 2013 Snapchat für die Promotion einer Sonderaktion. Der Snapchat-Nutzername wurde dabei via Twitter verbreitet.
  • Die britische Tageszeitung Oxford Mail weist ihre WhatsApp-Nutzer seit Juni 2014 einmal am Tag auf die fünf besten Artikel hin und informiert ansonsten über Breaking News aus der Region.
  • Die BBC startete im Sommer ein Projekt anlässlich der Wahlen in Indien.
  • Der britische Nachrichtenkanal Channel 4 informierte im September 2014 per WhatsApp und Snapchat über das schottische Unabhängigkeitsreferendum.
  • Das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) informierte zu den nationalen Abstimmungen Ende September 2014.
  • Im Dezember 2014 erzählte die Heilbronner Stimme, inspiriert von den historischen Twitter-Tickern (bspw. @9nov38 oder @Mauerfall89) die Operation Sawfish in Echtzeit nach.
  • Radiosender wie z.B. MDR Sputnik, Antenne MV oder Radio Arabella haben WhatsApp in ihre Hörer-Kommunikation integriert.

Im Kampf um den größten Anteil am Markt der mobilen Messenger hat Facebook die Nase mittlerweile weit vorn. Dank des Zukaufs von WhatsApp liegt man auf Platz 1 der am häufigsten genutzten Apps. Marktführer WhatsApp hat etwa 600 Millionen Nutzer – gefolgt von WeChat, das sich allmählich fast so vielen Anwendern nähert wie WhatsApp und zunehmend auch international erfolgreich ist. Danach kommt der japanische Messenger Line mit 580 Millionen Nutzern. Weitere Zahlen hat Craig Smith zusammengestellt.

Line aus Japan – das inzwischen auch in Europa starken Aufwind und in Spanien etwa eine große Nutzerschaft hat – bietet seit 2012 so genannte „offizielle Konten„. Diese lassen sich aktiv bewerben, und User können sie abonnieren. Coca Cola Spanien hat auf Line beispielsweise mehr als eine Millionen Abonnenten. Der japanische McDonald’s-Account kommt inzwischen auf fast acht (!) Millionen Abonnenten. Diese lassen sich in regelmäßigen Abständen Push-Nachrichten vom Fastfood-Anbieter auf ihr Smartphone senden. Auch Popstars wie Taylor Swift haben den Messenger für sich entdeckt (über 7 Mio. Abonnenten). Tendenz: Steigend.

Die große Herausforderung für interessierte Unternehmen und Personen liegt nun darin, ihren Messenger-Auftritt technisch, organisatorisch und insbesondere konzeptionell so umzusetzen, dass der Nutzer einen Mehrwert hat. Reine Linkschleudern und künstlich wirkende Nachrichten sind kontraproduktiv, aber in den nächsten Jahren leider zu erwarten. Auch Messenger wie WhatsApp sollten nie als autonomer Kanal betrachtet werden, sondern immer im Gesamtkontext der Kommunikation.

Thomas Mavridis

 

 

 

 

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