#: „Mein Leben als wichtigste Taste“

Hi! Ich bin #. Ich bin mir sicher, dass Du schon mal von mir gehört hast. Leider werde ich oft mit meinen anderen Kollegen durcheinander gebracht. Ich bin nicht zu verwechseln mit „♯“. Er arbeitet nämlich in der Musikbranche und sein Job besteht darin Töne um einen Halbton zu erhöhen. Ja, sein Beruf ist nicht der einfachste, denn er geht buchstäblich durch Höhen und Tiefen. Ich bin auch nicht „⌗“, von der Telefongesellschaft, der sich als Taste zusammen mit den anderen durchsetzen muss. Auch er muss im wahrsten Sinne des Wortes dem ganzen Druck standhalten, denn besonders seine Mitarbeiter „8“, „9“ und „0“ aus der Nachbarabteilung machen ihm ganz schön Konkurrenz.

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Wir alle sehen uns ziemlich ähnlich, das muss ich schon zugeben und da wir aus komplett verschiedenen Arbeitsrichtungen kommen, ist es verständlich, dass wir des öfteren für Verwirrung sorgen können.

Damit ihr uns in Zukunft besser auseinander halten könnt, stelle ich mich der Vollständigkeit halber auch einmal vor. Zusammen bestehe aus einer Zeichenkette aus Buchstaben und Ziffern. Satz- und Leerzeichen funktionieren bei mir nicht. Im Internet bin ich als Trendsetter, dem sogenannten Hashtag tätig. Wer heutzutage in Social Media Plattformen unterwegs ist, wird es wohl kaum vermeiden können mir in dem ein oder anderen Post über den Weg zu laufen, denn ich bin überall und die Leute lieben mich. Meinen ersten Job bekam ich bei Twitter. Dort etablierte sich mein Bekanntheitsgrad als Markierungsmethode, wie zum Beispiel zur Benachrichtigung über die Waldbrände in Südkalifornien im Jahr 2007. Mit Hilfe von #SanDiegoFire hielt ich weltweit die Menschen über die Geschehnisse in San Diego auf dem Laufenden. Somit konnte ich mich durch meine neu gewonnene Nützlichkeit auch auf anderen Plattformen unter Beweis stellen, denn schließlich wurde ich noch bei Facebook, Instagram, Pinterest und Google+ eingestellt. Mein Ziel ist es also mich zu verbreiten, damit mich jeder liest und kennt und ich mich somit unter die Leute mischen kann.

Doch das ist nicht immer leicht zu schaffen. Ich muss schon etwas besonderes an mir haben, damit ich in den Umlauf komme und nach jahrelanger Erfahrung sind mir schließlich diese Eigenschaften aufgefallen, durch diese ich am häufigsten verbreitet worden bin.

#Themenwahl

Im Social Media geht es vor allem darum Konversation zu führen. Der Inhalt von mir ist daher ein wesentlicher Bestandteil um solch eine Kommunikation im Netz aufzubauen. Mit Hilfe von Themen, die die Leute interessieren, bringe ich sie am ehesten dazu an einem Gespräch teilzunehmen. Mit #ThrowBackThursday oder #FoodPorn konnte ich beispielsweise schon viele Menschen zusammenbringen. Unter diesen Schlagwörtern luden sie jeden Donnerstag Bilder aus ihrer Vergangenheit hoch oder von ihrer letzten Mahlzeit, das sie eben als „Foodporn“ bezeichneten. Das sorgte für ordentlich viel Spaß und Gesprächsstoff und brachte die Leute dazu mich zu teilen und zu verbreiten.

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#Langlebigkeit

Vor allem bin ich auch dann erfolgreich, wenn ich noch nach Wochen oder Monaten Gesprächsthema Nr. 1 in der Online-Welt bleibe, denn es braucht auch seine Zeit bis jeder einmal über mich Bescheid weiß. Je länger ich bestehe desto mehr Menschen werden von mir noch hören oder mich auch anwenden.

#Aktualität

Auch diese Eigenschaft spielt eine große Rolle, denn als Trendsetter ist das nun mal meine Aufgabe: die Leute Up-To-Date zu halten – wie damals mein Durchbruch mit #SanDiegoFire. Neuerdings sorge ich nach #bendgate nun mit #crescentgate für Aufruhr bei den neuen iPhone 6 Besitzern. Als vor drei Monaten die neuen iPhone Modelle in die Läden kamen hätte keiner damit gerechnet, dass sie sich in den Hosentaschen verbiegen können oder – wie sich gegenwärtig zeigt – ein kleiner Schönheitsfehler an der Front-Kamera für Verärgerung sorgen wird. An manchen Geräten ist nämlich die Kameralinse verschoben und bildet einen kleinen „Halbmond“ an der Seite.

 

Meine #Auszeichnungen

Beim Schweizer Radio und Fernsehen wurde ich diesjährig zum Wort des Jahres 2014  gekürt. Von 1000 Wörtern konnte ich mich unter ihnen am stärksten durchsetzen. Ich muss aber auch schon zugeben, dass ich dieses Jahr sehr hart dafür gearbeitet habe. Unter anderem hat man mir deswegen zu Ehren nun meinen eigenen Hashkey gebaut, denn auf manchen Tastaturen bin ich für viele nicht so leicht zu erkennen. Für echte Liebhaber gibt es mich also nun als 1-Knopf-Tastatur.

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Insgesamt muss ich schon zugeben, dass mein Job mir sehr viel Spaß macht. Nie hätte ich gedacht, dass ich einmal ein wichtiger Bestandteil der neuen Internet-Generation sein werde. Ich hoffe ihr könnt mich also in Zukunft von meinen Kollegen auseinanderhalten, denn so ähnlich wir uns auch sehen, haben wir komplett verschiedene Aufgaben und fungieren für unterschiedliche Zwecke.

Evelyn Nguyen

Kommunikationswissenschaft

Otto-Friedrich-Universität Bamberg

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Ein Gedanke zu “#: „Mein Leben als wichtigste Taste“

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