„Ich mach dich kalt!“ – Cybermobbing bis in den Tod…

„Du bist so scheiße!“ , „Hahahaha was der wieder anhatte…“ , „Morgen bist du dran!“ „Widerlich – wenn ich dich seh‘ wird mir nur schlecht“ , „Trau dich ja nicht raus, ich mach dich fertig!“ Ihnen graut es davor, den PC anzuschalten und jeder Blick auf das Handy ist mit Angst verbunden – Posts auf Social Media Seiten, Anrufe oder private Messages wie diese sind Alltag für Opfer von Cybermobbing.

Laut einer Forsa-Umfrage für die Techniker Krankenkasse sind mehr als ein Drittel (!) der 14- bis 20- Jährigen bereits einmal Opfer von Cybermobbing geworden. Eine erschreckende Zahl, wenn man bedenkt, welche dramatischen Folgen dieses virtuelle Mobbing mit sich bringen kann…

Lappi

Die 13-jährige Hope aus den USA verliebte sich – der Anfang einer never-ending Love-Story? Wohl kaum. Stattdessen der Anfang einer dramatic-ending horror-story. Um ihrem Schwarm zu imponieren sendete sie ihm ein Foto – oben ohne. Es fiel in die falschen Hände und machte Hope zur Zielscheibe von Cybermobbing, zerstörte ihr Leben und setzte diesem zuletzt ein tragisches Ende: Hope beging Selbstmord.

Tragisch, unverständlich, entsetzlich – doch leider kein Einzelfall. Fälle wie der von Hope gehen im Zeitalter des Social Web um die Welt – und unter die Haut. Auch Amanda wurde Opfer des virtuellen Psychoterrors. Das lebensfrohe und aufgeschlossene Mädchen geriet an die falsche Person und lies sich dazu verleiten Nacktbilder von sich zu machen. Was für Amanda als aufregendes Abenteuer begann, endetet in extremem Cybermobbing. Sie wurde nicht einmal 16 Jahre alt, bevor sie – oder wahrheitsgetreuer die Mobbing-Community – ihr das Leben nahm.

Dieses dramatische und grauenvolle Schicksal teilte auch der 13-jährige Joel aus Kärnten. Er wurde Opfer von Cybermobbing und sah keinen Ausweg mehr. Der zuvor lebensfrohe Junge konnte mit der Last nicht leben und warf sich auf die Zuggleise. Er wollte nicht sterben, doch jede Hilfe kam zu spät…

Bei den beschrieben Fällen handelt es sich um Schicksale, die ein besonders grauenvolles Ende nahmen. Extremfälle, die dem Leser das Herz kurzzeitig aussetzen lassen. Doch auch „weniger schlimme“ Fälle von Cybermobbing dürfen nicht unterschätzt werden, denn jedes virtuelle Mobbing löst etwas im Opfer aus, zerbricht dieses ein Stück – und zerstören auch das Leben derjenigen, die sich nicht für den Freitod entscheiden, denn wenn das Leben zur unerträglichen Qual wird, ist auch das nicht mehr weit vom Tod entfernt.

Die richtige Hilfe zur richtigen Zeit und am richtigen Ort ist manchmal der einzige Rettungsanker für Opfer von Cybermobbing. Es ist wichtig, in manchen Fällen sogar lebensentscheidend, dass Familie, Freunde und Umfeld aufmerksam sind und handeln, wenn Hilfe gebraucht wird. Opfer brauchen Vertrauenspersonen, denen sich zu öffnen sie bereit sind. Liebende, aufmerksame, vertrauensvolle Menschen im Umfeld, sind der beste Schutzengel den ein Cybermobbingopfer haben kann.

Auch präventives Handeln durch die Schulung des richtigen Umgangs mit dem Internet bereits im frühen Alter kann ein guter Schutzhelm sein. Viele Kinder sind sich der Tragweite ihrer Handlungen nicht bewusst – und das sowohl auf Seiten des Gemobbten als auch des Mobbers. So muss beispielsweise sowohl geschult werden, was das Onlinestellen von Nacktbildern für langwierige Folgen haben kann, als auch die dramatische Welle, die eine böse Bemerkung im Internet über einen Klassenkameraden auslösen kann.

TK-Infografik-Cybermobbing-Opfer

Viele Schulen gehen hier bereits mit gutem Beispiel voran und haben die präventive Schulung zum richtig Verhalten im Internet fest verankert in ihrem Plan. Beispielsweise Rheinland-Pfalz weitet derzeit das Schulprogramm zum Kampf gegen Cybermobbing aus.

Von ebenso großer Bedeutung ist die Aufmerksamkeit der Eltern und des näheren Umfelds – wobei die Verhängung von Internetverbot für das Opfer eher eine schlimme Bestrafung als eine Hilfe ist. Denn nur weil der Betroffene nichts mehr sieht, geschieht das Mobbing dennoch weiter und das Opfer muss in ständiger Angst und Unwissenheit leben. Besser ist eine direkte Hilfe durch das Suchen von Verbündeten, das Herangehen an die Mobbing-Quelle und durch die Hinwendung zu den richtigen Hilfe-Stellen, die es sowohl im Internet als auch in jeder Gemeinde gibt.

Das Cybermobbing ist ebenso wie das Mobbing in der „realen“ Welt nicht zu unterschätzen – meist hat es sogar noch weitreichendere Folgen. Während das Mobbing früher sich meist auf den Schulhof und den Nachhauseweg begrenzte und man es zu Hause „aussperren“ konnte, bietet beim Cybermobbing die Wohnungstür keine sichere Barriere mehr. Der Schutzraum des eigenen Zuhauses ist nicht mehr gegeben, denn Cybermobbing ist virtuell immer präsent.

Darum: Hilfe bieten statt mitmachen, Vertrauen schenken anstatt Rückzug provozieren, Augen auf anstatt wegschauen – damit nicht noch mehr Schicksale ein solch dramatisches Ende nehmen wie das von Amanda, Joel und Hope…

Ann-Kristin Hoppenz
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Kommunikationswissenschaft

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