Buddy – Kater macht Karriere im Web

Guten Tag. Mein Name ist Buddy. Ich bin ein junger Kater mit grau weißem Fell und wohne mit meiner Besitzerin Julia in einer schönen Wohnung am Stadtrand von Berlin. Julia liebt es, Bilder von mir zu machen. Da ich sie gerne mag, gebe ich mir immer Mühe, auf den Bilden schön auszusehen, auch, wenn ich eigentlich gar keine Lust habe, fotografiert zu werden. Zur Belohnung bekomme ich dann immer Streicheleinheiten und eine Scheibe Wurst, was für mich – zumindest anfangs – natürlich das Wichtigste dabei war.

Bereits als ich noch ein kleiner Kater war, hatte Julia viel Spaß daran, Bilder von uns beiden oder von mir alleine mit so einem komischen Flimmerkasten, von dem ich heute weiß, dass es ein Laptop ist, auf solche ominösen sozialen Netzwerke wie Facebook, Instagram oder Twitter hochzuladen. Als sie damit anfing interessierte mich das alles noch recht wenig, denn ich wusste weder, was Soziale Netzwerke sind noch konnte ich mit den Begriffen „Likes“ oder „Follower“ viel anfangen.

Doch nach und nach wurde ich dann doch neugierig: Julia merkte schnell, dass die Bilder, auf denen ich zu sehen war deutlich mehr Aufmerksamkeit auf sich zogen, als diejenigen, auf denen sie alleine abgelichtet war. Sie erkannte mein Potential und legte mir deshalb bald eigene Profile in sämtlichen Netzwerken an. Ihre Euphorie steckte mich an und so saß ich nun täglich auf ihrem Schoß, während sie neuen „CatContent“ von mir teilte. Ich verfolgte, wie die Anzahl der Likes unter den Fotos und Videos von mir wuchs. Da ich nun auch wusste, was Likes eigentlich sind, freute ich mich bald über jeden einzelnen (sogar mehr, als über Streicheleinheiten und Wurst). Meine Seiten verbreiteten sich immer mehr und so wurde ich immer berühmter.

Es dauerte nicht lange, bis auch Werbeagenturen bei uns Zuhause anriefen und anfragten ob ich nicht auch gerne so richtig vor der Kamera stehen wolle – Resultat war, dass ich unter anderem im Fernsehen als Werbefigur für eine berühmte Automarke zu sehen war. Sehen Sie selbst:

Wir Katzen und Kater sind ständig und in allen möglichen Situationen in Zeitungen, Fernsehwerbung und vor allem im Internet zu sehen. Das beste Beispiel hierfür ist das Video, das Sie gerade angeschaut haben. An dieser Stelle fragt sich vermutlich jeder, warum eigentlich genau Katzen und Kater es schaffen, in den Medien soviel mehr Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, als Hunde, Kaninchen oder jedes andere Tier. Die Antwort hierauf ist, dass wir Katzen schlichtweg dem „Kindchenschema“ entsprechen: Wir haben zwei große Kulleraugen und eine Stupsnase, die in einem Dreieck angeordnet sind. Aus diesem biologisch bedingtem Grund finden uns alle ausnahmslos (genauso wie Babys) richtig niedlich. Wir ziehen zahllose Blicke auf uns und sind somit perfekt geeignet, um für Werbung aller Art eingesetzt zu werden, was sich dann auch „Catvertising“ nennt. Doch nicht alle Stubentiger haben wie ich das Glück, sich auszusuchen, für wen oder was sie Werbung machen. Manche landen anstatt in Autos auch schnell mal auf Klopapier.

Mir persönlich gefällt mein Leben als Social-Media-Cat sehr gut. Von dem Geld, das ich verdiene springt viel für Leckerlies, Kratzbäume und andere Dinge, die man als Kater oder Katze gerne hat, ab. Dennoch liebe ich es, wenn ich nicht gerade damit beschäftigt bin, Bilder und Videos von mir zu betrachten, wie meine Artgenossen durch Felder zu streifen und Mäuse zu jagen. Julia lässt mir auch genügend Zeit, um ein Leben außerhalb des Internets führen zu können. Da das Catvertising und der CatContent im Web immer mehr zunehmen, was ich nicht verwunderlich finde, werden Sie in der nächsten Zeit sicherlich noch viel von mir hören und sehen.

In diesem Sinne bis bald und ein herzliches Miau,
Euer Buddy!

Cindy Dötschel
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Kommunikationswissenschaft

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