Fake Urlaub auf Facebook – Selbstdarstellung im Internet

Eine Studentin reist mehrere Wochen lang durch Asien – aber nur auf facebook. In Wahrheit sitzt sie in ihrem Zimmer in den Niederlanden und täuscht so Freunde und Familie. Was ist echt, was ist fake im Internet?

Man sieht sie unter Palmen, am Strand, in einem buddhistischen Tempel, beim Essen von asiatischen Köstlichkeiten. Irgendwo in Asien. Doch Zilla van den Born ist dort nicht. Sie sitzt in Amsterdam und schreibt ihre Bachelor Arbeit im Fach Grafikdesign zu diesem Thema. Mit Photoshop bastelt sie Urlaubsbilder und postet diese auf facebook. Über soziale Netzwerke und über Skype hält sie alle auf dem Laufenden, meldet sich von der anderen Seite der Welt.

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Es funktionierte und jeder glaubte es ihr. Selbst ihre Familie fiel darauf herein, nur ihr Freund war eingeweiht. In einem Interview mit Spiegel Online gibt Zilla van den Born zu, dass es anstrengend war. Der Ausruf ihrer Mutter, als sie davon erfuhr „Mein Gott, Zilla!“ wurde zum Titel ihrer Bachelorarbeit. Ein Experiment, das sie bekannt gemacht hat. Danach überschlagen sich die Berichte zu ihrer Fake-Reise.

Diese absichtliche Täuschung ist hier nur ein Experiment. Doch mit jedem Bild, das wir auf sozialen Netzwerken hochladen, mit jedem Wort, das wir posten, geben wir etwas über uns preis. Wir zeigen ein Bild von uns, formen unsere Persönlichkeit, wie wir im Web gesehen werden wollen. Und so zeigt dieses Experiment, wie leicht wir uns täuschen lassen. Es macht deutlich, wie blind wir sind, obwohl wir doch um die Möglichkeiten der digitalen Technik, etwas vorzugaukeln, wissen.

Das Internet, insbesondere soziale Netzwerke sind Bühne und Spiegel zugleich. Doch was treibt uns dazu, uns so zu präsentieren? Geltungsdrang? Einsamkeit? Angst, etwas zu verpassen? Was ist unser Internet-Ich und wie kommt es zustande? Ein schmaler Grad, zwischen Schein und Sein. Dieses Internet-Ich wurde schon oft erforscht und es gibt bereits „digital-coaches“, die zu diesem Thema beraten.

Unsere Identität haben wir im Internet unter Kontrolle. Oder doch nicht? Viel geben wir im Web preis, was wir vielleicht gar nicht wollen. Wir erschaffen eine Wirklichkeit, die keine ist. Sarah Mönkeberg beschreibt es in einem Beitrag eingehend.

Fakt ist: Jeder oder jede, der soziale Netzwerke nutzt, hat ein Gesicht im Internet, versucht, sich so darzustellen, wie er gesehen werden will. Was wir über uns sagen, sehen alle, deuten es und bilden sich ihre Meinung über uns. Ob sie stimmt, ist eine andere Frage. Diese Frage sollten wir uns auch stellen, wenn wir die Profile unserer Mitmenschen im Internet sehen.

Felix Braune
Kommunikationswissenschaft, Universität Bamberg

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