Quo vadis, Second Screen?

Mit der grundlegenden Thematik des Second Screens haben wir uns in diesem Blog schon näher beschäftigt, auch die damit einhergehenden Live-Tweets und digitales Public Viewing waren ebenfalls schon Thema auf #mediawandel. Doch da die meisten Beiträge schon über ein Jahre alt sind, ist es nun mal wieder an der Zeit den aktuellsten Entwicklungen und Veränderungen in Sachen Second Screen nachzugehen.

Obwohl das Buzzword Second Screen laut Google Trends in den letzter zwei bis drei Jahren enorm an Popularität gewonnen konnte, kommt die TNS CONVERGENCE MONITOR Studie zu dem Ergebnis, dass die Nutzung eines Second Screens sich bei den 14- bis 64-Jährigen seit 2010 nicht signifikant erhöht habe und mehr oder weniger gleich geblieben sei. So nutzen gerade einmal 28 Prozent Smartphone oder Tablet während des TV-Konsums. Von diesen nimmt aber lediglich elf Prozent Bezug auf das TV-Programm. Das heißt nur etwa jeder Zehnte nutzt ein mobiles Endgerät während des Fernsehen in direktem Verhaltnis zum Fernsehen.

asdfdfasdf

Aber dennoch werden die Rundfunkanstalten, insbesondere die Öffentlich-Rechtlichen, nicht müde mit dem Second Screen zu experimentieren und weitere Ideen zu entwickeln. So lief zwischen dem 12. und 30. Mai erstmals probeweiße Quizduell auf ARD. Bei diesem Konzept müssen vier Kandidaten gegen die gesamten Nutzer der Smartphone App antreten. Die Testphase wurde von technischen Problemen, aber auch von einem größeren Medieninteresse begleitet. Im Februar 2015 soll das Quiz dann regulär auf Sendung gehen. Des Weiteren zeigte das ZDF mit dem Film APP den ersten Second Screen Film im deutschen Fernsehen. Mit der begleitenden App konnten die Zuschauer Zusatzinformationen und alternative Kamerawinkel parallel zum Film verfolgen. In einer Umfrage der Seite firstshowing.net nahmen die Teilnehmer die App als eine interessante Erweiterung des Filmerlebnisses wahr.

Aber warum forcieren die Sender überhaupt verstärkt einen erweiterten Ausbau ihres Second Screen Angebots, wenn wie eingangs aufgezeigt, die Nutzung des Rezipienten bisher eher gering ist? Weil der Second Screen nicht nur einen Mehrwert für den Zuschauer, sondern auch für das Marketing darstellt und diesem interessante Möglichkeiten der Werbung bietet. So konnte in der „Kartografie von Bewegtbild 4“ Studie nachgewiesen werden, dass die Werbeerinnerung beim Rezipienten bei der Nutzung eines Second Screens höher ist als ohne.

In einem Interview mit SPON zeigt Sebastian Weil, Geschäftsführer von Studio 71 (Multi-Channel-Network der ProSiebenSat.1 Gruppe), wie man neue Werbeformen auf dem Second Screen nutzen möchte. So sollen die Apps auf die Tonspur während eines Werbeblocks reagieren und so beispielsweise das Angebot eines Reiseanbieters aufrufen, welches soeben im Fernsehen beworben wurde. Im besten Fall verfügt die App dann auch über grundlegende Informationen wie Familienstatus und Anzahl der Kinder des Rezipienten und kann dahingehend das Angebot automatisch modifizieren.

Im Juli startete ProSiebenSat.1 PULS 4 mit der App TVSMILES ein Bonusprogramm für das Ansehen von Werbung. Die App erkennt Werbepausen über das Audiosignal und liefert passend zu den Werbespots kleine Minispiele, die der Zuschauer absolviert und mit sogenannten Smiles belohnt wird. Diese kann er dann im Prämienshop gegen Sachpreise eintauschen. Die App wurde im Google Play Store bisher über 500.000 heruntergeladen und verfügt mit 4,6 von 5 Sternen über eine ausgesprochen gute Userdurchschnittswertung. Im Bereich dieser Marketingapps wird in den nächsten Jahren wohl noch so einiges an Innovationen auf uns zu kommen.

tvsmiles

Bildquelle: TVSMILES

Eine weitere interessante Entwicklung hat der Second Stream im Bereich der Videospiele gemacht. Zunächst waren die sogenannten Companion Apps eher als eine Art Begleitmusik außerhalb der Spielzeit konzipiert. Während der Fahrt in der U-Bahn oder Bus hatte man so etwa Zugriff auf ausgewählte Spielinhalte wie In-Game-Shop oder konnte Anpassungen an seiner Spielfigur vornehmen, die dann beim Start des regulären Spiels übernommen werden.

In den letzten beiden Jahren wandelten sich die Companion Apps aber zunehmend zu „echten“ Second Screen Devices. In der für Assassin’s Creed IV begleitenden App war es beispielsweise möglich während des Spielens auf der Konsole oder dem Computer die Karte der Spielwelt auf dem Tablet aufzurufen und und sich daran in Echtzeit zu orientieren und Markierungen darauf zu setzen. Obwohl noch ein Großteil der Videospielentwickler auf eine Second Screen Companion App verzichtet, zeigt das Beispiel Assassin’s Creed mit mindestens zwei Millionen Downloads für Android und iOS (bei 10 Millionen verkaufter Einheiten des Hauptspiels), dass der Second Screen nicht nur auf das Fernsehen beschränkt bleiben muss und sich auch auf anderen Medien etablieren kann.

maxresdefault

Bildquelle: GamersBeverage

Also, wohin geht die Reise des Second Screen? Während in den USA schon über zwei Drittel ein mobiles Endgerät während des Fernsehen nutzen, steckt der Second Screen was Nutzungsstatistiken angeht in Deutschland noch in seinen Kinderschuhen und wartet auf seinen endgültigen Durchbruch. Aber über kurz oder lang werden auch hierzulande die Nutzerzahlen steigen, wenn sich entsprechende Sendeformate wie Quizduell etabliert haben und originelle Projekte das Potential des Second Screens weiter ausreizen. Und richtig interessant wird es zu beobachten sein, wie neue Geräte wie Google Glass oder iWatch die Entwicklung des Second Screens beeinflussen werden. Es bleibt also spannend, der Weg des Second Screens hat gerade erst begonnen.

Christian Grosch
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Kommunikationswissenschaft

Advertisements

Ein Gedanke zu “Quo vadis, Second Screen?

  1. Eines muss man P7S1 lassen: Wenn es um Vermarktung geht, dann sind sie immer ganz vorn dabei beim Ausprobieren neuer Möglichkeiten. Warum kann das bei den Inhalten nicht auch so sein? Aber gut, ich schweife vom Thema ab…

    „TVSMILES“ ist wirklich ein sehr interessantes Projekt. Es wird ja heutzutage immer schwieriger, den Zuschauer in den Werbepausen nicht nur zu halten, sondern auch die Aufmerksamkeit zu halten. Insofern ist „TVSMILES“ eine vielversprechende Möglichkeit für die werbefinanzierten Sender, um den Zuschauer zur Werbung zurückzubringen.

    Nach anfänglicher etwas überschwenglicher Begeisterung (wie das immer so ist beim Aufkommen neuer Trends) sollte der Second Screen jetzt in jedem Fall bei den Fernsehmachern im Kopf etabliert sein und die Denke dürfte auch nicht mehr nur „Wir machen was mit Interaktion, Second Screen und Social Media“ sein, sondern viel durchdachter. „Macht es Sinn, etwas zu machen? Was machen wir? Was passt zum Inhalt? Mit welchem (finanziellem Aufwand) ist zu rechnen, wenn wir es ordentlich machen?“ Hier wird natürlich auch das Zusammenspiel zwischen Fernsehmachern und Onlinern immer wichtiger und die Notwendigkeit, gegenseitiges Verständnis zu entwickeln. Gerade z.B. bei transmedialem Storytelling.

    Danke an den Autor für die Verlinkung zu meinem zugegebenermaßen noch in „Social-TV-euphorischer Phase“ verfassten Blogpost! Es bleibt dabei: Letztendlich muss das Fernsehen sich durch gute Inhalte abheben. Darüber, dass im deutschen Fernsehen zu wenig technische Innovationen ausprobiert werden, muss man sich keine Gedanken machen. Denn es wird viel über die Zukunft des Fernsehens diskutiert, aber immer noch zu wenig über Inhalte.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s