Hilfe in jeder Lebenslage oder unterschätztes Problem?

Kaum mehr wegzudenken aus dem Alltag – das Internet dominiert inzwischen das Leben und das Handeln fast jeder Person. Natürlich gibt einige Menschen, die auch ohne Internet auskommen und wieder andere, die der festen Überzeugung sind, ohne Internet besser zurecht zu kommen. Aber sind wir mal ganz ehrlich – für den Max Mustermann unter uns kommt ein Leben ohne den treuen Begleiter und Ratgeber in jeder Lebenslage nicht mehr in Frage. Spielen wir mal einen gewöhnlichen Tag ohne das Smartphone mit Internetzugang zu jeder Zeit und an jedem Ort durch:

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Anstelle des gewünschten Podcasts oder Radiosenders mit freundlicher Wetteransage wird man um 6.30 Uhr von dem ohrenbetäubenden Döööd-Dööd des altmodischen Weckers aus dem Schlaf gerissen. Auf dem Weg zur Arbeit ist es nichts mit mal schnell die Mails und News checken. Auch der Besuch in der neuen Wohnung der besten Freundin am Nachmittag gestaltet sich schwierig. Spätestens wenn man feststellt, dass man nicht die geringste Ahnung hat wo genau die Marienstraße 26 ist, wünscht man sich doch Google-Maps als treuen Wegweiser an seine Seite. Und überhaupt, schon ein halber Tag ist vergangen und man weiß immer noch nicht ob Tim seine Abschlussprüfung bestanden hat, oder Onkel Heiner sich wirklich das Tattoo hat stechen lassen?!

Ein Leben ohne Internet – für viele ein Horrorszenario. Doch neben der Sonnenseite gibt es auch die Schattenseiten des World Wide Webs…

Begeben wir uns im Internet auf die Suche nach bestimmten Dingen, gehen wir davon aus, dass wir ungefilterte Informationen erhalten, die wir dann selbst nach Wichtigkeit, Relevanz und Glaubwürdigkeit zu ordnen haben. Wir gehen davon aus, dass unsere Nachbarin bei gleicher Suche dieselben Informationen erhält wie wir, und dass auf der Timeline unserer besten Freundin, die genau die gleichen Freunde und Like-Seiten besitzt wie wir, dieselben Dinge angezeigt werden.

Doch dem ist nicht immer so. Viele Internetseiten und Plattformen arbeiten mit Algorithmen. So haben wir zwar alle vermeintlich die freie Wahl der Informationen, leben jedoch trotzdem in unserer ganz persönlichen Internet- Bubble.

Beispielsweise setzte Facebook auf einen Algorithmus, anstatt es den Usern zu überlassen, was sie auf ihrer Startseite sehen. Anhand früheren Verhaltens der einzelnen Nutzer wird bestimmt, was diese auch in Zukunft auf ihrem Newsfeed zu sehen bekommen. Doch woher soll Facebook denn genau wissen, was meinem Like gilt? Der Person, die etwas gepostet hat, oder die Sache selbst? Zudem ändern sich in der heutigen schnelllebigen Zeit Interessen so schnell, dass man manchmal selber nicht weiß was nun aktuell und persönlich wichtig ist und was einen morgen interessieren wird. Das menschliche Denken ist sehr emotionsgeprägt und hoch sensibel – dem kann kein Algorithmus der Welt gerecht werden. Wo man letzte Woche noch alle kleinen Infos zu Person XY bekommen wollte, möchte man diese heute vielleicht nicht mehr sehen. Nach einem Umzug in eine andere Stadt interessiert man sich vielleicht nicht mehr so sehr für die Veranstaltungen der alten Stadt. Und Personen, die nicht besonders aktiv sind auf Facebook, die dem User jedoch besonders wichtig sind, gehen in der Fülle der unwichtigen News unter.

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Jedoch auch Facebook weiß, dass der Algorithmus nicht gut genug funktioniert, um genau zugeschnittene Newsfeeds für die einzelnen Nutzer zu erstellen. Daher soll den Usern in Zukunft mehr „Mitspracherecht“ gegeben werden – neben der alt bekannten Möglichkeit News von bestimmten „Freunden“ auf seiner Startseite komplett auszublenden, soll es bald auch die Möglichkeit haben lediglich „weniger“ von dieser Person angezeigt zu bekommen.

Doch auch auf anderen Seiten wie zum Beispiel bei Suchmaschinen stellt man fest, dass man in seiner eigenen Internet-Bubble lebt. Auch hier werden Algorithmen angewandt, um dem User die für ihn vermeintlich interessantesten Infos zu präsentieren. Blöd nur, wenn sich die Interessen verändern oder man eigentlich eine ungefilterte Suche bevorzugen würde um sich anschließend selbst eine Meinung bilden zu könne, ob die Infos für einen interessant erscheint. Ein Aha-Erlebnis bietet auf jeden Fall der Vergleich der eigenen Google-Suche zu einem bestimmten Thema, mit der eines Freundes. Jeder bekommt das zu sehen, was er vermeintlich sehen möchte – oder soll.

Doch diese Art der „Selektion“ von Informationen ist nur ein Bereich. Zudem kommt: Wer eine unpopuläre Meinung vertritt, fliegt oder kommt nicht zu Wort. So ist es auf manchen Seiten oder Plattformen, dass ein Beitrag auf Grund der Person die ihn postete oder der Seite zwar potentiell auf eine Timeline passen würde, jedoch vom Algorithmus ausgeschlossen wird. Hier liegt das Problem vor, dass Menschen in Gruppen dazu tendieren, die allgemein vorherrschende Meinung auch zu vertreten und nicht konträr mit der Grundmeinung zu gehen. Dies wird durch den Algorithmus noch gefördert. Forscher sprechen in Verbindung mit der öffentlichen Meinung hier auch von der Schweigespirale. Auf Facebook beispielsweise gibt es zwar die Möglichkeit zum „Like“, vom „Dislike“ fehlt jedoch jede Spur. Dabei ist Facebook natürlich nur exemplarisch für viele andere Ordnungsalgorithmen zu sehen.

Schweigespirale

So ist die Eingangsfrage, ob das Internet als treuer Begleiter zu sehen ist, oder ob ein unterschätztes Problem dahinter verborgen liegt, mit einem ganz klaren JEIN zu beantworten. Ganz klar ist, jeder von uns lebt in seiner eigenen, individuellen Internet-Bubble. Der richtige und gewissenhafte Umgang ist jedoch das Zauberwort – das Internet erleichtert das Leben um vieles und kann neben dem Herbeiführen von Informationen auch zum Aufrechterhalten von so manchen Sozialkontakten dienen – so lange man also sorgfältig mit den vom Internet gebotenen Infos umgeht, kann es als treuer Freund und Helfer im Alltag dienen.

Ann-Kristin Hoppenz
Kommunikationswissenschaft
Otto-Friedrich-Universität Bamberg

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