Schlägt das Twitterview das Interview k.o.?

Twitterview? Noch nie davon gehört? Ganz logisch: ein Interview über Twitter! Würde es sich um einen Boxkampf handeln, könnte die Ankündigung wie folgt lauten:

„Es gehen in den Ring: der neue Herausforderer „Twitterview“, der durch Dynamik und Schnelligkeit überzeugt vs. das bekannte „Interview“, welches durch seine durchdachte Vorgehensweise und seinen bekannten NachHaken besticht.“

Doch schlägt das Twitterview das Interview k.o.? Wird das Twitterview das Interview ersetzen, oder wie geht dieser „Kampf“ aus?

BÄM2

Gestartet wird mit Runde 1: Chancen des Herausforderers

Der Herausforderer bietet Tweets, bei denen Fragen und Antworten mit 140 Zeichen verfasst werden. Der Vorteil? Beide Seiten müssen sich auf diese Zeichenanzahl beschränken, was präzise und knappe Antworten verspricht. Ist man auf Twitter angemeldet sind Tweets für jeden zugänglich, das heißt, jeder kann das Interview direkt verfolgen und teilhaben oder selbst als Interviewer auftreten. Das zeigt, das ein Twitterview auf zwei Weisen erfolgen kann. Entweder werden die Fragen von einem Interviewer gestellt oder der zu Befragte eröffnet das Interview für alle Interessierten selbst. Eine weitere Eigenschaft, die das Twitterview von einem Interview unterscheidet ist, dass Followers aktiv das Interview durch eigene Fragen oder Anregungen gestalten können. Außerdem ermöglicht ein #Hashtag, mit dem ein bestimmtes Interview versehen wird, jede Frage und jede Antwort über die Suchoption leicht wiederzufinden. Mittlerweile sind neben schillernden Erscheinungen wie Lady Gaga auch einflussreiche Persönlichkeiten auf Twitter zu finden, wie beispielsweise Regierungssprecher Steffen Seibert (@RegSprecher). Dieser hat sich 2012 für ein Twitterview entschieden und bot 45 Minuten lang Rede und Antwort zu den Fragen, die ihn von Jedermann via Tweets erreichten. Jedenfalls so gut es ging.

Und so kommen wir zu Runde 2: Grenzen des Herausforderers

Kommen wir auf das Twitterview von @RegSprecher zurück. Beuth (Redakteur ZEIT ONLINE) bringt es in seinem Artikel gut zum Ausdruck: „Das Gegenteil von gut ist gut gemeint“. Gerade bei politischen Themen scheint die Plattform Twitter für ein offenes Interview ohne Themenvorgabe ungeeignet. Denn die 140 Zeichen, die durch die Erwähnung des Namens, Hashtags und Verlinkungen verkürzt werden, können komplexe Themen fast nicht behandeln. Doch so geht Substanzielles verloren.

Eine Twitter-Userin empfindet das Twitterview von Seibert wie folgt:

Kommen wir zur Prognose für den Ausgang der Auseinandersetzung von Twitterview vs. Interview:

Tweets ermöglichen Fragen direkt und schnell zu beantworten. Je nach Komplexität des Themas reicht diese Form des Interviews jedoch nicht aus. Das Beispiel des Twitterviews von Steffen Seibert hat Grenzen aufgezeigt, die insbesondere die politische Kommunikation via Twitter betrifft. Denn bei politischen Themen, die meist komplexe Sachverhalte darstellen, können Tweets thematisch nicht alles erfassen. Allerdings bietet es die Möglichkeit Standpunkte kurz und bündig darzustellen, die für weitere Kommunikation diesbezüglich sorgen. Journalisten müssen also nicht befürchten, dass sie bald keine „normalen“ Interviews mehr führen werden. Denn ein gut aufbereitetes, journalistisches Interview wird nicht durch ein Twitterview oder Tweets ersetzt. Jedoch sollten sich Journalisten dieser Interviewvariante oder Twitter nicht verschließen. Ob die Wahl auf ein Interview klassischer Art oder ein Twitterview fällt, muss nach gründlicher Überlegung der Ziele und Zielgruppen, die erreicht werden sollen, erfolgen.

Kerstin Hunold
Kommunikationswissenschaft, Otto-Friedrich-Universität Bamberg

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