Von der Einbahnstraße über die Sackgasse- Auf den Highway der Kommunikation

Kommunikation ist nicht gleich Kommunikation. Eine große Errungenschaft des Internets ist die Möglichkeit der Partizipation für Alles und Jeden, der der deutschen Sprache mehr oder minder mächtig ist. Es soll DIE Chance sein: Das Ende der Monologe. Endlich hat jeder die Gelegenheit, seine Meinung kund zu tun und  zu antworten. Denn das Internet kann die Basis für eine Kommunikation auf Augenhöhe sein. Ein Stammtisch, an dem die ganze Welt Platz nehmen darf.
Doch das kann auch ziemlich schnell nach hinten los gehen- Stichwort Wutbürger. Er demonstriert gegen alles Erdenkliche. Nichts ist ihm recht und er selbst hätte es ja sowieso viel besser gemacht.Über das Internet kann er seine Meinung nicht nur am Stammtisch verbreiten, sondern gleich die ganze Online- Welt beglücken.

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Doch ist das wirklich Alles?

Ist die Online- Kommunikationen nur eine neue Plattform für Querulanten?
Natürlich nicht! Die Möglichkeit zum Dialog auf „Augenhöhe“ wird vor allem von Firmen, Agenturen und PR-lern professionell genutzt. Kunden können sich nun direkt an den gewünschten Adressaten wenden. Aber auch umgekehrt. Und das wird von Firmen clever genutzt, wodurch die so oft gelobte Kommunikation auf „Augenhöhe“ sehr schnell asymmetrisch wird. Denn: Agenturen verfolgen die Interessen ihrer Auftraggeber und diese wollen ihre Gewinne natürlich steigern. Die Beiträge der Verbraucher dagegen werden häufig gefiltert, damit der Endverbraucher zu einer berechenbaren Größe wird. Sind wir also schon in der Sackgasse gelandet? Oder stecken wir nur in einer kleinen Krise?

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Eigentlich sind Krisen gar nicht so schlimm, sie haben sogar ihr Gutes. Oft entstehen in der Not die besten Ideen.
Um 1983 erkrankten auffallend viele junge homosexuelle Männer und sich Drogen spritzende Personen an einer mysteriösen Krankheit, die wir heute als AIDS kennen. Bald stieg die Zahl der Betroffenen epidemieartig an und das Thema beherrschte alle Medien. Ebenso herrschte viel Hysterie und Aufregung, aber unglücklicherweise sehr wenig Information und Aufklärung, die die Betroffenen hätte erreichen können.
Aber das sollte sich bald ändern: Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, kurz BZgA war gewillt neue Wege einzuschlagen, um mit Ihren Präventionsbotschaften auch anzukommen.
Zur Hilfe kamen ihnen PR-Berater und Jugendarbeiter, die unter anderem Methoden aus der Jugend- und Sozialarbeit übernahmen, um den Dialog zu fördern. So wurde ein ganzes Paket an Aufklärungshilfen geschnürt, das eben nicht wie zuvor einseitig Ratschläge geben sollte, sondern auf den Dialog und die Partizipation ausgerichtet war.
Ab 1990 werden diese Konzepte der dialogsuchenden Kommunikation dann für Unternehmen und Verbände weiterentwickelt. Schon wenige Jahre später gab es aber einen deutlichen Einbruch der dialogorientierten Kampagnen, das liegt jedoch nicht an der mangelnden Nachfrage, sondern am Verblassen der großen Agenturnamen. Die Zeit wird jedoch genutzt, um die bisherigen Kampagnen zu erforschen und weiterzuentwickeln. Mit der Hartz- und Gesundheitsreform kommt es ab der Jahrtausendwende wieder zu einem neuen Höhepunkt der Dialoge zwischen Bürgern und Politikern, Verbrauchern und der Wirtschaft. Das Wort „Dialog“ ist nun mehr auch negativ besetzt. Viele Firmen fürchten Reklamationen, Beschwerden und negative Schlagzeilen. Auch Politiker haben es dieser Tage nicht einfach, sie stehen großer Politikverdrossenheit und den oben benannten Wutbürgern gegenüber.

Vielleicht sind die alten Wege ja einfach nur verstopft und schon zu eingefahren. Vielleicht müssen wir neue Wege einschlagen, um dem Dilemma der doch noch recht einseitigen Kommunikation zu entgehen. Vielleicht braucht es nur die nächste Krise, bis sich eine geniale Idee entwickelt, die uns weiterbringt. Und bei den vielen Krisen momentan, kann die Idee eigentlich nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Weiterführender Link: Die Zeit zum Thema Wutbürger

Anna Deerberg

Kommunikationswissenschaft, Otto-Friedrich-Universität Bamberg

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