Ungreifbar und utopisch – Der Whatsapp-Milliarden-Coup

Die Europäische Union hat den Milliarden-Deal von facebook und Whatsapp nun auch abgesegnet. Im Oktober 2014 äußerte sich die Kommission zustimmend zu der Übernahme, diese könne ohne Auflagen erfolgen, da es viele weitere Messenger Alternativen gebe und der Markt von facebook und Whatsapp nicht komplett einheitlich ist.
Werden die Beträge bekannt, die bei Firmenübernahmen und Aufkäufen wie der von facebook und Whatsapp über die Konferenztische wandern, so kann es schon einmal passieren, dass die eigene Vorstellungskraft versagt. Die Zahlen sind oft so utopisch hoch, dass man sich einfach nur noch denkt „Oh, ist das viel!“. Überlegt man sich dann, was mit dem Geld alles so angestellt werden könnte, kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die amerikanische Revolution, der Spanisch-Amerikanische Krieg, der Krieg von 1812 und der mexikanische Krieg. Selbst zusammen gerechnet verursachten diese vier bewaffneten Auseinandersetzungen weniger Kosten als der Instant-Messaging Dienst Whatsapp beim Kauf durch das soziale Netzwerk facebook im Februar 2014. Insgesamt 19 Milliarden US Dollar in bar und in Aktienanteilen zahlte der Internetgigant für die Messaging-App und seine knapp 600 Millionen (stand: August 2014) aktiven Nutzern weltweit. Für eine Firma mit gerade einmal 55 Mitarbeitern.

Nun, was könnte man mit 19 Milliarden US Dollar noch so machen? Zum Bespiel das Land Jamaica kaufen. Da hätte man sogar noch 4 Milliarden übrig und könnte sich noch zweieinhalbmal den Burj Khalifa in den eigenen Garten bauen. Für knapp die Hälfte der Summe würde man auch sauberes Trinkwasser für die ganze Erde erhalten. Da kommt es einem doch absurd vor, dass eine derart hohe Summe für etwas so ungreifbares Ausgegeben wird.
Ungreifbar, da virtuell. Doch langsam müsste es bei jedem angekommen sein, das Internet mit den sozialen Netzwerken ist aus unserer Gesellschaft und dem täglichen Leben nicht mehr weg zu denken. Abgesehen von der hohen Ablösesumme, was bedeutet die Übernahme Whatsapps durch facebook für den Nutzer? Die Themen Datenschutz und Privatsphäre im Internet sind mittlerweile omnipräsent und sogar in der Politik heiß diskutiert. Natürlich bleiben die auch nicht fern, wenn man über die Zusammenlegung dieser beiden Internetdienste nachdenkt. Facebook ist meist ein wenig unpersönlich im Vergleich zu Whatsapp. Oft ist man dort mit Menschen „befreundet“ die man nur flüchtig kennt und mit denen man lose in Kontakt bleiben will oder auch einfach nur um zu sehen was die Leute denn so treiben. Bei Whatsapp hingegen, welches der gängigste SMS-Ersatz ist, muss man sich ja mit seiner Handynummer anmelden und kann auch nur mit den Menschen in Kontakt treten, deren Handynummer man auch gespeichert hat. Und die hat man im Normalfall eher von nahestehenden Bekannten und Freunden. So steht einem Whatsapp viel näher als facebook und man gibt bei Whatsapp auch eher persönlichere Daten preis. Die eigenen Datenschutz- und Privatsphäremaßnahmen auch bei Whatsapp anzuwenden ist sicher nicht verkehrt, da nun facebook auch auf diese Daten Zugriff hat.

Was die Nachrichtenübermittlung angeht könnte man vermuten, dass sich die Nutzer für einen Messenger entscheiden, da es bequemer ist, alles über einen Kanal laufen zu lassen. Die Erfolgszahlen sprechen da eine andere Sprache. Whatsapp ist, trotz Boykott-Aufrufen nach der Übernahme, die meistgeladene App in Googles Play Store mit rund 54 Millionen downloads. Doch das ist nicht alles, facebook hat sich selbst mit seinem Messenger Konkurrenz gemacht. Dieser muss sich nun auf dem Mobiltelefon befinden, um Nachrichten schreiben zu können. Auch deshalb verzeichnet dieser rund 52 Millionen downloads im Google Play Store und befindet sich somit auf Platz 2 der meistgeladenen Apps.
Katrin Schiener
Kommunikationswissenschaft
Otto-Friedrich-Universität Bamberg

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