#hashtag activism vs. Straßen-Demos?

Eure Freunde sind dabei, Schauspieler wie Aktivisten machen es publik und auch die First Lady lässt von sich hören. Worum kann es also gehen, wenn so viele unterschiedliche Personen aus der ganzen Welt in etwas so Großes involviert sind? Instagram ist voll mit diesen ‚Pappschild‘-Bildern und auch aus Twitter ist es nicht mehr wegzudenken: #bringbackourgirls 

Mit diesem Hashtag bekunden Tausende ihre Solidarität zur Entführung von über 200 Schülerinnen durch die Terrorgruppe Loko Haram in Nigeria. Großes Leid, Angst und auch Wut herrschen in Nigeria über das Schicksal der Mädchen. Doch die enorme Entrüstung beschränkt sich nicht nur auf dieses Land, sondern findet weltweit Unterstützung. Der Hashtag #bringbackourgirls macht auf die Geschehnisse aufmerksam und bringt Leute dazu, sich mit der Entführung auseinanderzusetzen. Er erzeugt globale Wirkung und verhindert, dass das Thema in Vergessenheit gerät. Was früher Protestbanner und Demonstrationen bewirkten, schaffen Posts und Tweets in sozialen Netzwerken nun einflussreicher, weitreichender und revolutionärer. Das Stichwort ‚Revolution‘ muss hier fallen und darf es auch zu Recht – schließlich ist es eine solche, wenn Prominenz wie auch Bürger für eine gemeinsame Sache einstehen und wachrütteln.

Diese Netzkampagne ist aber bei weitem nicht die Einzige, die in den letzten Wochen für ständigen Gesprächsstoff sorgte und Online-Aktivismus jeglicher Art entfachte. Tausende Unterstützer finden sich gerade gegen das Thema „Rassismus“ zusammen, zeigen Missstände auf oder Anteilnahme an Einzelschicksalen. Proteste gegen den Tod des afroamerikanischen Teenagers Michael Brown und Kampagnen gegen die Erschießung des dunkelhäutigen Trayvon Martin in Amerika finden sich im Netz und schaffen es, sich mit Alltagsrassismus auseinanderzusetzen, aufzuklären und bewusst und aufmerksam auf seine Umwelt positiv einzuwirken.  #justice4trayon#blacklifematters wie auch #iftheygunnedmedown regen die beständige Debatte über Rassismus und Recht auf Selbstverteidigung weiter an und zeigen Reichweite und Bedeutsamkeit, über diese Missstände zu diskutieren. Twitter bietet diese Möglichkeit und die ganze Welt macht sich dieser zu Nutze: Nicht nur Tweets mit politischen Inhalten finden sich dort, sondern auch Videos zu Protesten, die fernab von Twitter, Facebook & Co. stattfinden und dort ihre Wirkung zeigen.

Twitter ermöglicht es uns, am Geschehen ‚hautnah‘ teilzunehmen, zu informieren und immer auf dem aktuellsten Stand zu sein. Diese Vorteile machen sich daher viele zu eigen und zeigen eigene Meinungen, Umstände aber auch eigenes Elend auf. #freepalestine, #gazaunderattack, #hamaskillskids und #israelunderfire sind Hashtags, die seit dem Sommer 2014 – teilweise gefälschte – Fotos aus dem Gaza-Konflikt teilen und die ganze Welt in Atem halten und berühren. Genauso werden die Hashtags aber auch benutzt, um Solidarität und Unterstützung mit den Opfern zeigen und „Awareness“ zu garantieren.

„Awareness“ ist ein treffendes Wort in diesem Kontext, denn Tweets und Facebook-Posts schaffen es wie öffentliche Demonstrationen Aufmerksamkeit zu erzeigen, Online-Petitionen ermöglichen das selbe wie gedruckte Versionen und Schilder vor der Handykamera haben die gleiche Wirkung wie Schilder auf der Straße. Internet ist daher DAS Instrument, um Informationen weiterzuleiten, „Awareness“ zu schaffen und ganze Massenbewegungen zu aktivieren. Immer im Hinterkopf behalten sollte man jedoch die Tatsache, dass jedem Konflikt verschiedene Meinungen und Parteien gegenüberstehen. Kontexte, eigene Recherche und Zusatzinformationen sind daher in der Twittersphere unumgänglich.

Doch Stimmen werden laut, dass Online-Aktivismus eher als „Feelgood-Aktivismus“ betrieben wird, nichts bringt und Faulheit („Slacktivismus“, engl.: slack – Faulpelz) eine große Rolle spielt, Twitter & Co. zu nutzen anstatt sich aktiv an Demonstrationen zu beteiligen. „Twitter-Revolution“, aber keine Revolution im „wahren Leben“? Zugegeben, Tweets verändern nichts an Geschehnissen oder Vergangenen, doch sie verändern das Bewusstsein für Probleme und das eigene Handeln. Und das ist schließlich auch das, was auf der Straße das Ziel ist. Wer also twittert und postet, der informiert und inspiriert. Hashtags erreichen die ganze Welt, Zahlreiche schließen sich diesen an und schon erreicht das Thema eine Reichweite, die ganze Straßenproteste sprengen wird.

Die Zahl der politischen Hashtags wächst in einer Zeit voller Unruhen und Missstände. WIE VIELE Hashtags es zu solchen Themen jetzt schon gibt, zeigt eine Sammlung der Süddeutschen:

http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/589442/Von-ArabSpring-bis-YesAllWomen

Twitter, Instagram und Facebook nutzen, aufmerksam sein, sich selbstständig informieren und immer up-to-date sein!

Sophia Tauber

Kommunikationswissenschaft, Anglistik

Otto-Friedrich-Universität Bamberg

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