Digital Natives: die Ureinwohner des Mediendschungels

Jeden Tag verbringen wir 600 Minuten, also 10 Stunden, mit Medien. Sei es die Zeitung am Morgen, das Radio auf den Weg zur Arbeit, der Fernseher, das Internet oder das Handy. Durch das Internet, dem sogenannten „all-in-one“ Medium kann man alle Funktionen in einem benutzen. Es dient zur Kommunikation, zum Kontakte pflegen, zum Wissenserwerb und als Verkaufsplattform. Mit einem Smartphone kann man immer und überall online gehen. Aber dadurch ist man auch ständig erreichbar. Für viele, besonders Jugendliche, ist es unvorstellbar, morgens außer Haus zu gehen, ohne das Handy dabei zu haben. Doch wenn man all diese vielfältigen Medienangebote nutzt, hat man dann überhaupt noch Zeit für etwas anderes? Zeit, um in der realen Welt zu leben?

Früher, also in der Zeit, in der Smartphones noch unbekannt waren, stellte man bei einem Anruf stets die Frage: „Hallo, wie geht’s?“. Doch heute interessiert man sich nicht mehr vorrangig für das Wohlbefinden des Anderen. Die erste Frage am Telefon ist inzwischen: „Hallo, wo bist du?“ Denn man ist eben ständig erreichbar. Was ältere Generationen eher als störend empfinden, ist für Jugendliche ganz gewöhnlich. Es ist normal, in der Schule oder im Zug online zu gehen, auf der Straße zu telefonieren oder vor dem Fernseher zu sitzen, und gleichzeitig im Internet zu surfen und mit Freunden zu chatten. Dieser Trend zum Second Screen wird immer weiter verbreitet und inzwischen von Anbietern wie Twitter gezielt eingesetzt. Die sogenannten neuen Medien wie das Internet oder Smartphones sind für Jugendliche gar nicht so neu. Jedes andere Medium, sei es das Buch, der Radio oder das Fernsehen, wurde auch irgendwann erfunden und galten als neu. Inzwischen gibt es für uns nichts Selbstverständlicheres mehr als morgens die Zeitung aufzuschlagen und nebenbei Radio zu hören. Genauso ist es für die junge Generation selbstverständlich, schnell etwas zu googeln, Freunden in Facebook zum Geburtstag zu gratulieren oder die neusten Videos auf YouTube anzusehen. 96% aller Jugendlichen besitzen ein Handy. Das sind in etwa genauso viele junge Menschen, die ein Fahrrad zu Hause haben. Die Besitzrate von Smartphones hat sich von 2010 auf 2011 innerhalb eines Jahres  auf 43% verdoppelt. Allein an diesen Zahlen sieht man, wie wichtig das Internet und das ständige up to date sein geworden ist. Für die meisten Nutzer ist das Internet vor allem ein Kommunikations-, Unterhaltungs-, und Informationsmedium. Es bietet die Chance für eine funktionierende Kommunikations- und Wissensgesellschaft. Das Web 2.0 verändert unsere soziale Gesellschaft genauso wie unsere Arbeitswelt. Und die Medien verändern nicht nur unsere Gesellschaft, die Gesellschaft verändert auch die Medien.

Neu ist etwas, was man es erst kennenlernen muss und noch nicht damit umgehen kann. Doch die meisten Jugendlichen schätzen ihre Kompetenz im Umgang mit den „neuen Medien“, vor allem beim Internet, deutlich höher ein, als die ihrer Eltern und Lehrer. Auch wenn immer wieder neue Technologien und Geräte entwickelt werden, diese Generation wächst damit auf und lernt somit auch sehr schnell damit umzugehen. Die heutigen Jugendlichen sind die ersten, die wirklich in der digitalen Welt aufwachsen und leben, sie sind die „digital Natives“ der Medienwelt.

v_001_0000016748                                    Quelle: elternbildung-oberland.de

Manche Erwachsene sprechen vom „Mediendschungel“, da die Vielzahl an Möglichkeiten und Geräten sie überfordert. Diese Fülle an technischen Neuerungen ist für sie fremd, unüberschaubar und oftmals verwirrend.

In einem Dschungel muss man lernen, sich richtig darin zu bewegen und die Gefahren einzuschätzen. Viele Eltern fühlen sich verunsichert, wie sie sich bei der Erziehung mit der Nutzung von Medien verhalten sollen. Dies liegt auch daran, dass sich die Kinder oft besser auskennen, als die Eltern selbst. So wird es auch zur Aufgabe der Lehrer, den Kindern in der Schule das Bewusstsein zu lehren, sich im Internet verantwortungsbewusst zu verhalten und die Risiken und Chancen einzuschätzen. So liegt das Problem nicht im Vorhandensein der Medien, sondern vielmehr in der Vernachlässigung der Jugendlichen und den Umgang mit dieser Situation.

Doch die, die im Dschungel leben, sehen ihn nicht als Bedrohung, sondern als Chance. Die Jugendlichen sind die Ureinwohner dieses Dschungels, die „digital Natives“, die wissen, welche Chancen aber auch Risiken sich darin verbergen können. Aber sie leben damit und könnten niemals mehr darauf verzichten.

Eva-Maria Forstner

Studiengang: BWL-Industrie, 3. Semester, Duale Hochschule Baden-Württemberg, Campus Ravensburg

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