Blogmarketing – Marketinginnovation oder Konsumentenbetrug?

Wer kennt sie mittlerweile nicht? Die abertausende von Blogs, auf denen Menschen aus allen Ländern der Welt in zumindest gefühlt jeder Sprache über ein Thema schreiben, das sie interessiert und das sie gerne mit anderen internetaffinen Menschen der Kommunikationsgeneration 2.0 im World Wide Web teilen möchten. Es scheint über jeden vermeintlich noch so unwichtigen Sachverhalt einen Blog und eine Person zu geben, die sich damit beschäftigt. Von Freizeitthemen bis hin zu fachlich fundierten und anspruchsvollen Blogartikeln ist alles zu finden. Für jeden scheint ein passendes Thema dabei zu sein und die Lesergemeinde von engagierten und talentierten Bloggern wächst täglich. Nachdem Facebook, Twitter und Co. fester Bestandteil vieler (Sozial-)Leben geworden sind, erobern nun auch Blogs unseren Alltag. Durch die wachsende Beliebtheit und Leserschaft stellen Blogs aber mittlerweile nicht mehr nur einen netten Zeitvertreib für kommunikative Internetnutzer, sondern auch eine attraktive Einkommensquelle für Blogger dar. Warum nicht die Möglichkeit nutzen mit dem Hobby gleichzeitig auch Geld zu verdienen? Laut einer Befragung von 2.344 Bloggern durch rankseller, einem Online-Marktplatz für Blogmarketing, verdienen 71% der Befragten Geld mit ihrem Blog. Es geben zwar lediglich 13% an, mit ihrem Blog mehr als 1.000 Euro pro Monat zu verdienen, doch stellen Blogs doch für stolze 63,5% der Befragten mit bis zu 300 Euro im Monat eine nicht zu verachtende zusätzliche Einkommensquelle dar.

http://blog.rankseller.de/pressemeldungen/studie-so-bloggt-deutschland/

Quelle: Rankseller

Besonders beliebt sind bei Bloggern Kooperationen mit Unternehmen, deren Interesse an diesem Marketingkanal immer mehr zunimmt. Potenzielle Kunden sind einer so großen täglichen Reizüberflutung durch Werbung ausgesetzt, dass diese von ihnen kaum mehr wahrgenommen wird. Konsumenten sollen permanent über alle Medien – ganz gleich ob Fernsehen, Internet, Radio oder Zeitschriften – und mit den unterschiedlichsten Werbebotschaften zum Kauf verführt werden. Ganz getreu dem Motto: mehr hilft mehr. Die vielfach sogar unbewusste Reaktion ist bei vielen Konsumenten dieselbe: das Ausblenden oder die pure Nichtbeachtung der überall auf sie einwirkenden Werbung. Und genau aufgrund dieses Scheiterns der bisher so bewährten Marketingstrategien betreten nun immer mehr Unternehmen und Werbetreibende neue Ufer. Warum nicht Blogger, die sich in ihrem Metier bereits selbst einen Namen gemacht haben – oftmals einen sehr guten dazu – werben lassen? Mit dieser Grundidee beschäftigt sich sehr erfolgreich auch der Blogmarketing-Service „blogvertising“ der den Kontakt zwischen Werbetreibenden und geschäftigen Bloggern herstellt.

Bereits der Name macht deutlich, um was es geht. Das Werben auf Blogs und zwar durch die Blogger selbst. Durch authentische Blogartikel, die zumindest scheinbar vom Blogger selbst stammen, sollen Produkte und Dienstleistungen auf einer deutlich persönlicheren Basis als es bisher möglich war, angepriesen werden und die Leser vom Kauf überzeugen. Blogger, die Interesse an einer Kooperation mit einem Unternehmen haben, können sich bei blogvertising kostenlos anmelden. Besonders gern gesehen, und später mit entsprechenden Kooperationsanfragen gesegnet, sind selbstverständlich renommierte Blogger mit einer großen Stammleserschaft. Unternehmen oder Werbetreibende wenden sich an blogvertising und geben dort ihre gewünschte Kampagne in Auftrag. Dies kann ein thematischer Blogartikel sein, der textlich sogar komplett vorgegeben sein kann und vom Blogger als Gastartikel veröffentlich wird, oder aber der Blogger verfasst ihn anhand vorgegebener Eckdaten selbst. Des Weiteren sind Review-Artikel möglich, in denen Blogger über ihre Erfahrungen mit Homepages oder einer Dienstleistung berichten. Als dritte Kategorie wird von blogvertising der Produkttestartikel angeboten. Unternehmen können einem Blogger Produkte oder Gratisdienstleistungen zur Verfügung stellen, die dieser dann ausprobiert und anschließend bewertet. Die Vorgabe von Testaspekten, Schwerpunkten oder das Verbot von negativer Berichterstattung sind bei allen Kategorien möglich. Die Texte der Blogger werden von blogvertising anschließend geprüft. Abgesehen von einem Nebenverdienst wirbt blogvertising vor allem mit der Möglichkeit für Blogger an neue und interessante Artikelthemen zu gelangen. Gleichzeitig behalte der Blogger aber auch die volle Kontrolle über seinen Blog und könne Angebote, die ihm nicht zusagen, ablehnen. Werbetreibende hätten den Vorteil mit minimalem Aufwand kostengünstig ihr Image zu verbessern und ihre Trefferzahl bei Suchmaschinen zu erhöhen.

Der Erfolgsfaktor Leser

So schön sich die Vorteile für alle Teilnehmer auch anhören, steht und fällt der Erfolg aller doch letztendlich immer durch eine Komponente: die Leser. Ein Blog ohne Leser ist ein toter Blog und somit für Werbetreibende reichlich uninteressant. Was ein Blogleser aber letztendlich doch erwartet, sind eigene und unverfälschte Artikel und Meinungen des Bloggers. Genau das macht schließlich auch den Charakter und den Charme von Blogs aus. Unabhängige Menschen, die völlig frei und authentisch über ihre eigenen Themen und Ideen schreiben. Vorgegebene und entsprechend geschönte Texte bietet schließlich auch jede Werbebroschüre, die bekanntlich ähnlich wie Politiker im Wahlkampf nur selten die ungeschönte Wahrheit darstellt. Und genau an dieser Stelle sollte blogvertising mit Vorsicht genossen werden. Selbstverständlich ist es immer im Interesse von Werbetreibenden ein möglichst positives Bild ihres zu vermarktenden Produktes zu generieren, aber an welcher Stelle geht hier die Glaubwürdigkeit sowohl des Produktes als auch des Bloggers verloren? Wo endet der Versuch neue Marketingwege zu beschreiten und wo beginnt die vorsätzliche Täuschung des Konsumenten? Eine solche Marketingstrategie kann schnell das Gegenteil der erhofften Wirkung erzielen – nämlich eine Schädigung des Images. Konsumenten und auch Leser werden ungern hinters Licht geführt und können äußerst nachtragend sein.

Die Alternative

Prinzipiell ist an der Grundidee, nämlich die neueste Erscheinungsform des Web 2.0 für die eigenen Werbezwecke zu nutzen, jedoch überhaupt nichts auszusetzen. Ganz im Gegenteil, sie ist sogar äußerst zeitgemäß und dem Geschäftserfolg grundsätzlich mit Sicherheit nicht abträglich. Eine andere Umsetzung wäre auf Dauer allerdings vermutlich die bessere Lösung. Unternehmen und Werbetreibende könnten einen eigenen individuellen Unternehmensblog gründen, auf dem sie unter eigenem Namen in ebenfalls eher persönlichem Kommunikationsstil ihre Produkte und Dienstleistungen bewerben. Sie könnten dort eigene Inhalte veröffentlichen, wobei auch hier gilt, dass zu viel Schönen eher destruktiv wirkt. Für das Image wäre ein solcher Blog vermutlich genauso förderlich wie positive Rezessionen auf Blogs und würde sogar gleichzeitig das Bild von einem engagierten und kommunikativen Anbieter vermitteln, wodurch vor allem auch die Glaubwürdigkeit und Authentizität enorm profitieren würden. Solch ein Blog stellt natürlich, wenn er professionell und gewissenhaft geführt wird, einen erheblich größeren Aufwand dar als lediglich Blogartikel über eine Agentur in Auftrag zu geben. Er ist auch eine größere Investition, doch ist er dem Unternehmen oder Werbetreibenden und der beworbenen Sache auf Dauer sicherlich zuträglicher. Eine Vorreiterstellung nimmt in diesem Bereich bereits seit 2007 Daimler ein. Das Unternehmen lässt schon seit 6 Jahren regelmäßig Mitarbeiter aus allen Unternehmensbereichen bloggen und stärkt so sein Image als innovatives und modernes Unternehmen. Die Leserschaft wächst stetig und Daimler zeigt vorbildhaft wie ein Unternehmen erfolgreich über einen Blog Marketing betreiben kann.

http://blog.daimler.de/

Quelle: Daimler-Blog

Tamara Leiß

Studiengang BWL-Industrie, 3. Semester, Duale Hochschule Baden-Württemberg, Campus Ravensburg

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