Crowdinvesting – Das Geld aus dem Schwarm

Schlagwörter wie „Crowdfunding“, „Crowdinvesting“ oder zu Deutsch „Schwarmfinanzierung“ sind mittlerweile in aller Munde. Jedoch ist nur wenigen bekannt was sich hinter den unterschiedlichen Begriffen verbirgt und welche Geschichten dieser Trend schreibt – in positiver und negativer Hinsicht.

Ein Trend, der wie so viele in den USA seine Wurzeln hat. 2008 war es der ursprüngliche Gedanke der Crowdfunding-Plattform Kickstarter, eine neue Finanzierungsform für kreative Projekte und Ideen mit überschaubarem Finanzbedarf zu schaffen. Mit dieser Motivation wurden anfangs besonders Musiker und andere Künstler angezogen. Mittlerweile haben aber auch Startup-Unternehmen und Investoren das Prinzip der „Schwarmfinanzierung“ zu ihrem Vorteil entdeckt.

Wie aus Uneigennützigkeit eine Geschäftsidee wurde 

Oft werden die Begriffe „Crowdfunding“ und „Crowdinvesting“ als Synonyme verwendet. Dies ist jedoch ein Trugschluss, da der Gedanke und die Motivation hinter diesen Begriffen sich sehr wohl voneinander unterscheiden.

Der durch die Internet-Plattform „ArtistShare“ im Jahre 2003 publik gewordene Begriff „Crowdfunding“ beschreibt die Finanzierung eines meist künstlerischen oder karitativen Projekts durch viele Mikroinvestoren. Die Gegenleistung für die Investoren ist dabei nie monetärer Art, sondern eher eine symbolische Gegenleistung (z.B. eine CD o.ä.).

Seedmatch“ war die erste Plattform in Deutschland die 2010 den Kerngedanken des Crowdfunding kapitalisierte und aus der altruistischen Motivation, eine wirtschaftliche machte.

Beim „Crowdinvesting“ stellen Nutzer einer Plattform einem Startup-Unternehmen mit Kapitalbedarf Geld zur Verfügung und sichern sich somit Anteile an eben diesem. Dadurch profitieren sie von Gewinnen und dem möglichen Verkauf des Startups an einen Großinvestor (Exit genannt). Dadurch wird es selbst Privatpersonen möglich sich mit geringen Beträgen an einer Geschäftsidee in der Frühphase zu beteiligen. Der komplette Investitionsverlust ist jedoch nie ausgeschlossen.

Seedmatch_Crowdfunding_Endspurt

Aber auch Unternehmen wie der kanadische Mobiltelefonentwickler Teknision sind auf den Geschmack gekommen Produkte über den Schwarm finanzieren zu lassen. Teknision hatte so die Entwicklung einer App über die Plattform „Kickstarter“ vorfinanziert.

In 5 Stunden zu 100.000 Euro – Eine Erfolgsgeschichte

Am 02.02.2012 war es geschafft. Binnen 5 Stunden haben es die Gründer Christian Koch und Nils Mahler über die Internet-Plattform Seedmatch geschafft ihre Idee vom mobilen Dolmetscher durch Mikroinvestoren mit einer Summe von 100.000 Euro zu finanzieren.

Lingoking ist ein Online-Sprachdienstleister und vermittelt per App oder Anruf professionelle Dolmetscher für private Telefonate oder geschäftliche Telefonkonferenzen.

Die Erfolgsgeschichte des Münchner Startups lässt sich aber an bestimmte Erfolgsfaktoren festmachen: ein fertiges Produkt, erste Umsätze, starke Partner (z.B. Pons) und ein eingearbeitetes Team. All diese Punkte präsentierte Lingoking den Investoren bei Seedmatch und konnte dadurch erst solch ein fulminantes Ergebnis erzielen. Werbung und Marketing über Social Media Kanäle war unabdingbar und auch die Mithilfe der Mikroinvestoren benötigte man um sich die nötige Medienpräsenz zu verschaffen. Eine innovative Idee reicht also noch längst nicht aus.

Gut eineinhalb Jahre nach der Finanzierung durch den Schwarm florieren die Geschäfte der Jungunternehmer, nicht zuletzt da schon unter ihren Investoren potenzielle Kunden waren. Außerdem konnte man auch dieses Jahr den Innovationspreis-IT der „initiative Mittelstand“ in der Kategorie „Communication“ nach dem Sieg im Vorjahr entgegennehmen.

Die zwei Seiten der Medaille 

In den Medien werden oft einzelne Erfolgsgeschichten junger Unternehmer populistisch in Szene gerückt. Jedoch sollte man sich nicht so leicht von dieser Welle der Euphorie mitreißen lassen, da diese Erfolgsgeschichten nicht repräsentativ für das Gesamtkonzept stehen können.

Gerade den Investoren ist oft nicht klar worauf sie sich einlassen, so Markus Kienle von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK):

„Das Risiko für Anleger ist extrem. (…) Deutlich mehr als die Hälfte der Start-ups scheitern.“

Denn wenn die Finanzierung auf der Internet-Plattform einmal zustande gekommen ist, dann liegt das eingesetzte Kapital der Investoren in den Händen des Unternehmers. Im Falle des Scheiterns ist die gesamte Einlage somit „verpufft“.

Der britischen Finanzmarktaufsicht FSA nach zu beurteilen sei das Konzept des Crowdinvesting nur für erfahrene Investoren geeignet, wobei auch diese nur Geld einfließen lassen sollten, dessen Verlust sie problemlos verschmerzen könnten.

Die Illusion, das Geld des kleinen Mannes für Großes zu bündeln, wäre somit mehr Wunschdenken als Realität.

ds_crowdfunding

Aber auch einige Startups müssen mit Nachteilen des Crowdinvesting umgehen. Oft wird der Support durch die Plattform überschätzt, obwohl die Beratung besonders auf die Vorbereitung der Plattform-Kampagne fokussiert ist und die Plattform somit nur als Vermittler zwischen Investor und Unternehmer fungiert. Außerdem gilt eine weitreichende PR-Kampagne mithilfe von Social-Media-Kanälen als unablässig und auch das Befriedigen des Informationsbedürfnisses der zahlreichen Investoren birgt einen hohen Aufwand und lenkt häufig von der Weiterentwicklung des tatsächlichen Geschäfts ab.

Gerade an diesem hohen Koordinationsaufwand, aber auch an der Durchsetzung der Geschäftsidee auf dem Markt scheitern viele Startup-Unternehmer.

Fazit

Die Option des Crowdinvesting ist gerade für junge Unternehmen mit Kapitalbedarf aber geringer Liquidität eine echte Chance. In Zeiten einer sich anbahnenden Kreditklemme öffnet das Konzept der Schwarmfinanzierung Startup-Unternehmen eine Tür, die aber genauso schnell wieder zuschlagen kann, wie sie aufging. Denn auch eine Finanzierung durch Mikroinvestoren hat ihre Tücken.

Das höhere Risiko liegt allerdings auf Seiten der Investoren, da diese mit ihrem eigenen Kapital zwar auf innovative aber auch auf unsichere Geschäftsmodelle setzen. Gerade aus diesem Grund sollten es sich Privatpersonen, die den Verlust des eingesetzten Kapitals nicht verkraften können, zweimal überlegen, ob sie sich beteiligen.

Abschließend lässt sich aber festhalten, dass auch wenn sich das Wunschbild des kleinen Mannes als Investor nicht bestätigt, das Konzept Crowdinvesting trotzdem eine Chance darstellt,  auch um die Innovationsstärke Deutschlands zu fördern.

Florian Möllmann

Studiengang BWL-Industrie, 3. Semester, Duale Hochschule Baden-Württemberg, Campus Ravensburg

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