Warum Sie twittern sollten, Frau Merkel

Merkel twitter

„Keine Experimente“ das war bereits 1957 das Motto des Kanzlerkandidaten Konrad Adenauer. Im aktuellen Wahlkampf besinnt sich die CDU allen voran Angela Merkel gerne auf diesen Slogan zurück. Kontinuität und Tradition sind Programm. Zwischen Adenauers und Merkels Wahlkämpfen liegt allerdings mehr als ein halbes Jahrhundert. Eine Zeit in der sich einiges verändert hat, auch in Hinsicht auf den Wahlkampf. Denn seit Barack Obamas historischem Wahlsieg halten die digitalen Medien, auch in der deutschen Politik, Einzug und gehören zum politischen Alltag in Berlin.

Die deutschen Politiker haben die Bedeutung der Internetmedien erkannt und nutzten diese, vor allem im Wahljahr. Bereits die Wahl 2009 war die Erste, bei der alle deutschen Spitzenpolitiker die neuen Kommunikationsmittel des Internets nutzten, was rückblickend eine neue Art des Wahlkampfs ermöglichte, neue Öffentlichkeit schuf und mehr Transparenz und Demokratie möglich machte.

Besonders interessant ist Twitter für die politischen Kommunikation
Das hatte sich bereits 2008 in Amerika gezeigt. Aber auch in Deutschland bietet Twitter einzigartige Chancen für Politik und Gesellschaft. Jürgen Gerhards und Friedhelm Neidhardt unterscheiden, in ihrem wegweisenden Modell der Öffentlichkeitsforschung, in drei Öffentlichkeiten. Die Encounter-Öffentlichkeit (z.B ein zufälliges Gespräch mit einem Politiker), die Versammlungs-Öffentlichkeit (z.B. eine Podiumsdiskussion im Wahlkreis) und die Medien-Öffentlichkeit (z.B. der Youtube-Channel eines Abgeordneten). Dieses, aus der Kommunikationswissenschaft bekannte, Modell zeigt auf welchen Ebenen Politik agieren muss, die durch die Öffentlichkeit ihre Legitimation erfährt.
Twitter bietet, wie kaum ein anderer Social-Media-Dienst, die Möglichkeit alle drei Öffentlichkeiten zu verbinden. Kurze prägnante Tweets erreichen alle Follower. Durch retweeten wird die Öffentlichkeit darüberhinaus erreicht. Aber auch eine persönliche Kommunikation ist möglich. Twitter ist ein sehr direkter Weg zur Wähleransprache. Also eigentlich ein großartig Sprachrohr für die Kanzlerin.

Die Kanzlerin im Web
re:publica 2012 Besucht man Angela Merkel im Internet stößt man auf die Seite www.bundeskanzlerin.de.
Eine sehr aktuelle, professionelle Homepage, die einem Blog ähnelt. Termine und Veranstaltungen der Kanzlerin sind schnell zu finden. Sowohl eine Flicker-Account, als auch ein eigener Youtube-Channel sind eingebettet. Selbst ein Link auf Twitter existiert. Doch leider verweist dieser nur auf die Seite ihres Regierungssprechers Steffen Seibert.
Unter @RegSprecher folgen ihm mehr als 100.000 Nutzer.

Das Interesse an seinen Mitteilungen scheint groß zu sein. Auch seine Follower scheinen an einem aktiven, transparenten, demokratischen und offiziellen Kanal der deutschen Regierung interessiert zu sein. Seine Follower sind junge, engagierte Internetnutzer sowie Blogger, Journalisten aber auch Unternehmen, Politiker und internetaffine „Best Ager“.

Warum twittern Sie nicht selbst, Frau Merkel?
Sucht man Bilder der Kanzlerin im Internet, findet man sehr häufig Fotos auf denen sie in ihr Handy vertieft ist. Sie ist bekannt als begeisterte SMS-Schreiberin. Nun hat eine SMS 140 Zeichen, genau wie ein Tweet.
Was aber ist der Unterschied? Die Öffentlichkeit!cn_telefonNEU_DW_Po_431301p2 Was würde unserer Demokratie besser tun als mehr Öffentlichkeit und mehr Transparenz. Selbstverständlich heißt dass nicht, das Eine tun und das Andere lassen. Nicht alles ist Öffentlich und nicht alles soll es sein. Es gilt die Vorteile der Medien zu nutzen. Wie es bereits Obamas Wahlkampfmanager David Plouffe als „Hochzeit zwischen Graswurzelkampagne und digitaler Technologie“ bezeichnete hatte, ist es die Mischung die einen erfolgreichen Wahlkampf und eine erfolgreiche Politik ausmacht.

Nun kann man sagen, wenn die Kanzlerin das nicht will, dann muss sie das nicht. Ohne Frage ist Authentizität sehr wichtig. Die Frage sollte aber viel mehr lauten: „Sollte sie nicht?“ Immer mehr Menschen vernetzen sich sozial im Internet- auch bei Twitter. Wäre inmitten dieser Menschen nicht auch der Platz für eine Kanzlerin des Volkes?
Denn Twitter ist wie gemacht für Politiker. Sie können zum einen Nähe aufbauen, zum anderen aber auch Distanz waren. Sie können informieren, sicher vernetzen und Monitoring betreiben. Und viele nehmen diese Möglichkeit aktive wahr.

Vielleicht würde es unserer Demokratie gut tun, eine Kanzlerin zu haben, die sich in 140 Zeichen an die Bevölkerung richtet und somit näher am Volk ist.

Lucas Seeber
Kommunikationswissenschaft,
Otto-Friedrich-Universität Bamberg

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