Ein #sharknado kommt auf – Der Sturm im Web

sharknado-enough-saidAls der US-Bezahlsender Syfy am Donnerstagabend ein B-Movie ausstrahlte, über den man wohl beim Blick in die Fernsehzeitschrift einfach hinwegsehen würde, hätten wohl die wenigsten damit gerechnet, dass dieser Film in kürzester Zeit eines der meistdiskutierten Themen auf Twitter werden würde.

„Sharknado“, von vielen schon jetzt als der schlechteste Film aller Zeiten angesehen, eroberte die Twitter-Welt im (Achtung: Wortwitz) Sturm.  Das ist umso überraschender, wenn man bedenkt, dass gerade einmal 1,4 Millionen Menschen in den USA den Film sahen, ein Flop für amerikanische Verhältnisse. Woher also kommt die Begeisterung und der rege Austausch über diesen Film, mit bis zu 5.000 Tweets pro Minute und 387.000 Tweets insgesamt?

Zunächst aber kurz zur „Handlung“: Ein Tornado voller blutrünstiger Haie bedroht die friedlichen Einwohner einer Küstenstadt. Der Plan dagegen lautet wie folgt:

Klingt nach Schwachsinn. Ist es auch. Nur warum wird dann so intensiv gezwitschert, kommentiert und favorisiert? Ich muss zugeben, dass selbst ich als jemand, der bei solchen Filmen innerhalb von 1 Sekunde weiterzappt, fasziniert bin von diesem Phänomen.  Eine mögliche Erklärung könnte die  kontroverse Auffassung des Genres „Trash-Movie“ sein. Während manche dieser Art von billig produzierten und oft unfreiwillig komischen Filmen mit Abneigung und Unverständnis gegenüberstehen, hat sich auf der anderen Seite eine Fangemeinde mit richtigen Liebhabern entwickelt. Diese sehen „Sharknado“ schon als Höhepunkt des Genres.

Eine weitere Begründung für die enorme Aufmerksamkeit des Films auf Twitter ist der clevere Aufbau von Spannung durch Tweets des Syfy-Senders. So gab es z.B. einige „Sharknado-Warnungen“ vor der Ausstrahlung. Beliebte Posts von SyFy-Fans wurden retweetet, um so viel wie möglich auf das kommende „Highlight“ aufmerksam zu machen.

Ausschlaggebend war aber auch die rege Beteiligung von einigen Prominenten und regen Twitter-Usern wie z.B.  Schauspieler Will Wheaton, der über 2,3 Millionen Follower hat und nicht nur einen Countdown bis zur Ausstrahlung veröffentlichte, sondern auch während der Übertragung per live-tweet kommentierte. Von solchen in der Unterhaltungswelt bekannten Personen wurde die Unterhaltung befeuert. Besonders die komischen Dialoge wurden oft über Twitter und Vine geteilt.

Die mit Spott und Ironie versetzten #sharknado – Tweets wurden so für kurze Zeit zu einem der Toptrends in der Twittersphäre. Der Trend schwappte durch den Unterhaltungsgehalt der Tweets sogar in Länder, in denen der Film gar nicht ausgestrahlt wurde.

Selbst der Bürgermeister von Los Angeles kam am Morgen danach nicht an dem Thema vorbei:

Das rote Kreuz in Oklahoma gab ebenfalls ein Statement ab:

Und so wurde aus billig produzierter Massenware mit Hilfe von Twitter ein riesiges Spektakel. Ein Musterbeispiel für eine wirksame Vermarktungs- und Kommunikationsstrategie.

David Genz

Kommunikationswissenschaft Uni Bamberg

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