Neue Medien- nichts Neues!

Räumen wir mal auf mit dem Begriff „neue Medien“. Wenn wir heute von „neuen Medien“ sprechen ist klar was wir meinen: Internetmedien. Wir sprechen von Twitter, Facebook, von Onlinezeitungen, E-Mail und dem Word Wide Web. Doch ein Blick in die Geschichte der Medien zeigt, dass es viele „neue Medien“ vor den „neuen Medien“ gab.

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Die Gutenberg-Bibel
Quelle: Wikipedia

Jedes Medium war einmal ein „neues Medium“

Für die Menschen der Renaissance muss es wohl ähnlich spannend gewesen sein, frisch gedruckte Zeitungen zu lesen, wie für uns die Massenmedien des 21. Jahrhundert zu nutzen. Johannes Gensfleisch, genannt Gutenberg hatte bereits ab 1450 mit der Erfindung des Buchdrucks eine Medienrevolution ausgelöst. Die für uns selbstverständliche Druckpresse war eine Neuerung die vieles mit sichbrachte. „Seine Presse ist eines der ersten wichtigen Programmmedien“, wie es Rudolf Stöber formulierte. Doch Gutenberg erfand mehr als nur ein Mediensystem, er erfand eine Kulturtechnik. Ohne seine Erfindung ist die Neuzeit gar nicht denkbar. Was war es, was die „Presse“ so bedeutsam machte? Um es mit den Worten Emil Dovifat zu sagen:“ Die Presse vermittelt jüngstes Gegenwartsgeschehen in kürzester regelmäßiger Folge der breitesten Öffentlichkeit“. Sie schuf eine andere Gesellschaft. Ein „neues Medium“ das bis heute an seiner Wichtigkeit kaum verloren hat.

Die ersten Filmvorführungen
sollten einige hundert Jahre später folgen. 1872 gelang es dem Fotografen Eadweard Muybridge die ersten Serienfotografien an die Wand zu werfen. Die Menschen des späten 19. Jahrhunderts werden wohl nicht schlecht gestaunt haben, als sie die ersten Pferde über die Leinwand galoppieren sahen. Es folgten die ersten Filmvorführung der Brüder Lumière am 28. Dezember 1895 die bis heute als die Geburtsstunde des Films gilt. Ein „neues“ und ebenso wichtiges Medium war geschaffen.

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Animated sequence of a race horse galloping. Photos taken by Eadweard Muybridge. (Photo credit: Wikipedia)

Es ist die Geschichte des Rundfunks
Die nähere Geschichte führt uns ins frühe 20. Jahrhundert. Sie hängt mit vielen kleinen technischen Neuerungen zusammen und ist eng verbunden mit der Geschichte des Telefons, der drahtlosen Telegrafie und weiteren Fortschritten in Physik und Technik. Am Heiligabend 1906 versammelten sich die ersten Wissenschaftler um die erste Radiosendung auszustrahlen. Damals waren die ersten Zuhörer die Besatzungen der US-Kriegsschiffe im Atlantik. Heute erreichen zahlreiche Radiosender Millionen Zuhörer jeden Tag. Der Rundfunk revolutionierte die Medien seiner Zeit.

Die erste Fernsehen-Sendung wurde ausgestrahlt
Gefolgt wurde das „Neue Medium“ Radio von einem noch neueren und eindrucksvolleren. Dieses Medium schaffte, aus medientechnischer Sicht, die Verbindung zwischen Stummfilm und Radio. Bereits 1929 begann der Rundfunksender Witzleben mit den ersten Testsendungen in Deutschland. Bis Ende des zwanzigsten Jahrhunderts sollte das Fernsehen Millionen Menschen, Tag und Nacht, über den ganzen Globus erreichen.

Alles neu im 21. Jahrhundert
Und schließlich sprechen wir im 21. Jahrhundert von einem „neuen Medium“ oder einer Plattform die viele „neue Medien“ beherbergt aber auch altbekannte neu belebt. Wir leben im Zeitalter des Internets. Das World Wide Web legte ohne Frage die schnellste Entwicklung aller, bis heute bekannten, Medien hin. Der Öffentlichkeit zugängig wurde der erster Browser im Jahre 1993 und hatte bereits zwanzig Jahre später die meisten Menschen erreicht. Im Jahre 2012 waren rund 76% aller Deutscher online. Das „neue Medium“ unserer Generation.

Wenn man allerdings mediengeschichtlich zurückblickt sind „neue Medien“ nichts Neues. Es gab sie schon immer und es wird sie immer geben. Über viele Jahrhunderte hat sich unser heute bekanntes Mediensystem entwickelt und viele „neue Medien“ konnten sich etablierten. Unbestritten bleibt der Einfluss den die Medien auf uns, unsere Gesellschaft und unsere Kultur hatten und weiterhin haben werden. Egal ab „neue“ oder „alte“ Medien.

Lucas Seeber
Kommunikationswissenschaft,
Otto-Friedrich-Universität Bamberg

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