Lance Armstrong – der frustrierte Zwitscherer

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Armstrong posiert provokant unter seinen gelben Trikots. Quelle: Lance Armstrong/Twitter

Lance Armstrong hat in seinem Leben viel erreicht. Er siegte über den Krebs. Er siegte insgesamt sieben Mal beim härtesten Radrennen der Welt, der Tour de France. Naja, zumindest bis zum 22. Oktober des vergangenen Jahres. Denn an diesem Tag bekam der gebürtige Texaner wegen nachgewiesenen Dopings die Gesamtsiege allesamt aberkannt. Diese Meldung ging um die Erdkugel. Doch einer ließ sich scheinbar nicht aus der Ruhe bringen: Armstrong selbst!
Der frühere Radprofi twitterte auf seinem offiziellen Account ein Foto, das ihn auf der heimischen Couch unter den an der Wand aufgehängten sieben gelben Tour-Trikots zeigt. Die Bildunterschrift: „Zeit zum Ausruhen“. Das war allerdings noch lange nicht alles. Anfang 2013, als eine Affäre einer in den USA bekannten Leichtathletik-Trainerin von vor gut zehn Jahren bekannt wurde, schrieb der Amerikaner: „Wir haben 2013, richtig? Geschichten von 2002 lesen ist Bullshit, finde ich. Oh, warte mal.“ Eine erneute Provokation in Richtung Justiz, die selbst zehn Jahre nach seinen größten Erfolg noch keine Ruhe gibt.

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Der Texaner war ein Weltklasse-Einzelzeitfahrer. Quelle: Wikimedia Commons; Autor: Daniel Norton

Doch letztendlich drückten diese Tweets nur eines aus: Seinen tiefen Frust über den Fall von einer der angesehensten Sportler weltweit hin zum Symbolbild der dopingverseuchten Radsportgeneration. Wenn diese unnötigen Provokationen für ihn aber überhaupt etwas Gutes hatten, dann dass in allen Medien über seinen Twitter-Account berichtet wurde. Kein Wunder also, dass Armstrong mittlerweile fast vier Millionen Follower hat (3.954.399). Eine beeindruckende Zahl! Dafür hängt sich der einstige „Tourminator“ aber auch rein: Insgesamt 10.179 Tweets veröffentlichte er schon. Täglich gratuliert er früheren Weggefährten zum Geburtstag, äußert sich zum tagesaktuellen Geschehen bei der derzeit laufenden Tour de France oder freut sich einfach nur am Unabhängigkeitstag der USA am 4. Juli bei seiner Familie sein zu dürfen.

Erst vergangenen Monat aber ging ein Tweet von ihm durch alle Medien. Als kurz vor dem Start der Frankreich-Rundfahrt sein früherer größter Radsportrivale Jan Ullrich öffentlich zugab, dass er seine Leistungen bei der Tour vor allem mit Eigenblutdoping erreichte, war die Aufregung groß. Nur einer reagierte wieder einmal positiv auf das Geständnis: Armstrong! „Jan Ullrich? Ein warmherziger Mensch, ein erstaunlicher Athlet, ein großartiger Wettkämpfer. Ich habe es geliebt, gemeinsam mit dir den Ton anzugeben, mein Freund“, schrieb der 41-Jährige auf Twitter und sorgte damit erneut für Verwirrung. Schließlich wurde Ullrich an diesem Tag ausschließlich kritisiert, warum er erst jetzt nach sieben Jahren mit dem Dopinggeständnis herausrückte. Armstrong zog aber erneut die Provokation vor und twitterte deshalb lieber darüber, was der Deutsche nur für ein „großartiger Wettkämpfer“ gewesen ist. Selbst nach seinem Karriereende zieht es der Texaner also vor, zu provozieren anstatt ein umfassendes Geständnis hinzulegen und gegen Doping im Radsport zu kämpfen. Positiv, abgesehen von seinen Urin- und Blutproben, ist für ihn in diesem Zusammenhang lediglich, dass man Armstrong im Gegensatz zu seinen sieben Toursiegen, seine Tweets nicht so einfach wegnehmen kann! Denn in den AGBs von Twitter war zumindest nichts zu finden, dass einen Eintrag mit EPO oder Testosteron ungültig machen würde …

Florian Greß

Kommunikationswissenschaft, Otto-Friedrich Universität Bamberg

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2 Gedanken zu “Lance Armstrong – der frustrierte Zwitscherer

  1. Sehr einseitiger Kommentar finde ich.
    Das Thema Doping ist das Eine, Provokation von Armstrong aus den Zeiten bevor er endlich gestanden hat, das Andere. Die Tatsache, dass er und Jan Ullrich, Doping hin, Doping her, sich packende Duelle geliefert haben und sich daher gegenseitig Respekt und Anerkennung schenken, kann ich weder als frustriert noch verwerflich einstufen.

    Ansonsten twittert Armstrong über Dinge wie es Millionen anderer Leute auch tun.

  2. Respekt und Anerkennung schenken? Als bekannt wurde, dass Armstrongs Proben positiv gewesen sind, sagte Ullrich: „Der liebe Gott richtet alles!“
    Wie kann Armstrong Ullrich dann also immer noch decken? Armstrong gesteht hinten und vorne keine Fehler ein und provoziert unnötig immer wieder via Twitter anstatt sich zurückzuziehen und die Sache endlich ruhen zu lassen. Daher kann der Blogpost gar nicht einseitig genug sein …

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