Finger weg von falschen Freunden

Schon früher auf dem Schulhof konnte man es beobachten: je beliebter jemand war beziehungsweise je mehr Freunde jemand hatte, desto eher wurde derjenige mit Aufmerksamkeit bedacht und desto mehr wollte man mit ihm befreundet sein. Ein sich selbstverstärkender Mechanismus. Was auf dem Pausenhof einst galt, kann doch heute nicht verkehrt sein, denken sich wohl viele die in der Öffentlichkeit stehen, seien es amerikanische Spitzen-Politiker oder deutsche C-Prominenz-Sternchen. Noch dazu, wenn neue Freunde zu gewinnen so einfach ist wie Bücher kaufen auf Amazon: Anzahl auswählen, in den Warenkorb legen, bezahlen, fertig. Wie bei den meisten Online-Versandhäusern muss man auch beim Freunde-Kauf ein paar Tage warten, aber dann: ganz ohne Postboten erhöht sich schlagartig die Follower- oder Fanzahl. I like!
Oder doch nicht?

Spiegel-Video

Warum möchte man überhaupt Follower kaufen?

Das primäre Ziel bei solchen Käufen: Popularität und Ansehen steigern. Durch die höheren Zugriffszahlen taucht das eigene Twitter-Profil in Rankings weiter oben auf und steht im Vergleich zur Konkurrenz besser da. Durch die gestiegene Attraktivität ist es leichter, neue „echte“ Follower zu gewinnen und mit diesen wiederum ergibt sich die Möglichkeit, dass die eigenen Inhalte öfter geteilt werden.
Alles gute Argumente, aber warum vermutlich so viele Firmen und Promis darauf zurückgreifen: es ist überraschend günstig. Eine der bekanntesten deutschen Seite, mit der man sich eine höhere Online-Popularität sichern kann, ist Promokönig. Dort kann man sich für quasi alle wichtigen Sozialen Netzwerke Follower, Likes und Co. in beliebiger Höhe kaufen. Noch günstiger wird es international. Bei eigenen Recherchen stieß ich bei Ebay auf folgendes Angebot: „25.000 Active Global Twitter Followers“ für umgerechnet 11,66€. Ein echtes Schnäppchen. Doch wer sind diese neuen Follower?

Twitter-Preisliste

Preisliste von http://promokoenig.de/

Wer sind diese gekauften Follower?

Eine Redakteurin von Spiegel-Online machte den Test und bestellte 5000 Follower. Nach drei Tagen folgten ihr sogar mehr als 16000. Doch aktive User sind kaum darunter. Die meisten haben seltsame Namen, twittern selten und wenn, dann inhaltsleere Aussagen. Besonders viel gewonnen hat man mit diesen Followern also nichts; nach einiger Zeit sind fast alle wieder verschwunden.

Das Angebot an Fake-Freunden ist da, eine Nachfrage muss also bestehen. Gerade für aufstrebende Unternehmen und Personen der Öffentlichkeit scheint das Erwerben von Likes ein gängiges Marketing-Konzept zu sein. Irgendwie muss man ja schließlich anfangen und warum den natürlichen Prozess nicht etwas beschleunigen? Vertreter der Sozialen Netzwerke sehen das selbst ein bisschen anders. Twitter-Sprecher Dirk Hansen sagt dazu folgendes:

Das Kaufen von Followern verstößt ganz klar gegen unsere Policy.

Twitter sperre alle Accounts, die versuchten, Follower zu kaufen oder zu verkaufen. Darüber hinaus sind falsche Follower durch ihre Inaktivität und häufig auch durch eine bemerkenswerte Inkongruenz mit denjenigen, denen sie folgen, leicht zu entlarven. Der Image-Schaden, der mit dem Aufdecken dieser dubiosen Praxis einhergeht, wiegt schwer, wie 2012 die CDU feststellen musste.

Qualität statt Quantität

Wichtiger als die reine Anzahl an Twitter-Followern ist die der aktiven Follower, also diejenigen, die retweeten und favorisieren, findet auch Evan Williams, früherer CEO von Twitter. Man sollte sich nicht verzetteln und den Fokus nur noch auf eine möglichst hohe Follower-Zahl legen, stattdessen sollte man sich überlegen, wen man erreichen will und dies gezielt angehen. Weniger aktive User, mit denen man interagiert und kommuniziert sind wesentlich wertvoller als eine breite Masse an Passiven.

Julia Kunkel

Kommunikationswissenschaft Uni Bamberg

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Ein Gedanke zu “Finger weg von falschen Freunden

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