50 Tweets und sie kennen dich

Laut der WirtschaftsWoche sollen jeden Deutschen zwischen 5.000 und 10.000 Werbebotschaften pro Tag erreichen. Ob im Radio, Fernsehen, Zeitung, Plakat oder, oder, oder. Häufig nehmen wir das Wahrgenommene nicht mal bewusst als Werbung war.

Copyright: Lilly Gosch

 

In den letzten Jahren hat vor allem die Online-Werbung extrem zugenommen. In diesem Jahr soll, dem Handelsblatt zu Folge, zum ersten Mal mehr Geld für Online-Werbung als für Fernsehwerbung ausgegeben werden. Im Jahr 2011 wurden in Deutschland 29,92 Milliarden Euro in Werbung investiert. Obwohl Online-Angebote nur 5% aller Werbeträger in Deutschland ausmachen und damit auf dem siebten Platz liegen, erzielen sie die meisten Einnahmen. Jedoch treffen uns häufig Werbebotschaften, dessen Inhalt uns gar nicht interessiert und dessen Produkte oder Dienstleistungen wir momentan nicht benötigen oder haben wollen. Das soll sich durch neue Software ändern. Damit stets das Publikum erreicht wird, das gerade Interesse an gewissen Themen zeigt, wird die Online-Werbung zunehmend dem Nutzungsverhalten eines Users angepasst. Gerade Google ist da auf dem Vormarsch und schaltet immer die Werbung, wonach man zuvor gegoogelt hat, selbst wenn sie anschließend andere Websiten aufrufen.

google werbung

Da kommt dann auch mal ein Aufruf über Twitter, dass eine klare Abgrenzung der Werbung bei Suchmaschinen nötig sei.

Der IT-Konzern IBM in den USA geht noch einen Schritt weiter zum Targeted advertising, zu Deutsch: Gezielte Werbung. Und das mit Hilfe der Tweets einzelner Personen. Sie wollen die Kurznachrichten auf Twitter nutzen, um mit Hilfe einer neuen Software die Persönlichkeiten der verschiedenen Nutzer zu analysieren, um die Werbung noch präziser zu platzieren. Die Forscher behaupten, dass sie die Persönlichkeit durch 50 Tweets „ziemlich gut“ und anhand von 200 Tweets „sehr gut“ bestimmen können. Und das alles durch ganz banale Tweets wie: „Endlich Sommer, ab ins Freibad“. In den einzelnen Tweets soll nach Indikatoren gesucht werden, die zeigen, wie stark die Eigenschaften der „Big Five der Psychologie“: Emotionalität, Extraversion/Introversion, Offenheit, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit ausgeprägt sind, um sich anschließend ein Bild der Persönlichkeit zu machen. Danach wird ein Persönlichkeitsbild entworfen und uns wird die passende Werbung präsentiert. Aber sind wir Menschen wirklich so simpel gestrickt, dass unsere Persönlichkeit allein durch Kurznachrichten mit gerade einmal 140 Zeichen entschlüsselt werden kann? Das wäre wirklich eine revolutionäre Entdeckung, die bestimmt noch auf sich warten lässt. Auch wenn es bei Testpersonen zu Erfolgen kam, handelt es sich hierbei wohl eher um eine Ergänzung anderer Programme. Was allerdings schon sehr gut entwickelt wurde und auch bei der Online-Werbung eingesetzt wird, ist das Sammeln von Nutzerdaten durch Cookies, die im Browser installiert sind. Diese lassen sich zum Glück durch wenige Klicks entfernen, so dass wir unseren täglichen Weg durchs Netz noch ein wenig anonym halten können.

Lilly Gosch
Kommunikationswissenschaft, Universität Bamberg

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